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12 Sätze, die man zu Menschen mit Migräne niemals sagen sollte

Ann-Kathrin Schöll
von Ann-Kathrin Schöll Veröffentlicht am 14. August 2017
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Ich leide unter Migräne, seit ich 12 Jahre alt bin. Und genau so lange höre ich mir die immer gleichen teils nett gemeinten, teils herabwürdigenden Kommentare an, die meine Krankheit betreffen.

Migräne ist ein Arschloch. Sie fragt nicht, ob es gerade passt, weil du vielleicht heiratest, ein wichtiges Meeting hast oder im Urlaub bist. Es ist ihr egal, dass du dich gerade erst von der letzten Attacke erholt hast. Oder dass du einfach nicht mehr kannst. Sie kommt trotzdem - denn streng genommen ist sie nie weg.

Migräne sorgt dafür, dass du dich vor Schmerzen nicht bewegen kannst. Dass dir von jedem Geruch speiübel wird. Dass Licht und Geräusche dir körperliche Schmerzen bereiten. Dass du das Bett nicht verlassen kannst, obwohl doch ein wunderschöner Sommertag ist. Dass jede kleine Bewegung die Schmerzen im Kopf explodieren lässt. Dass du nicht zur Arbeit gehen kannst, obwohl du doch letzte Woche erst gefehlt hast. Dass deine Freunde mal wieder ohne dich auskommen müssen. Dass über dich geredet wird. Dass du außen vor bleibst.

Migräne ist ein Arschloch. Sie isoliert dich. Sie macht dich wütend.

An alle, die das nicht nachfühlen können, weil sie die Krankheit nicht kennen, sollten sich die folgenden Kommentare besser verkneifen - und seien sie auch noch so lieb gemeint.

1. "Vielleicht hast du einfach zu viel Stress."

Es wäre so schön, wenn weniger Stress im Job oder Alltag die Lösung für Migräne-Geplagte wäre. Das Problem: Stress ist niemals die Ursache für Migräne, da Migräne eine erblich bedingte neurologische Erkrankung ist.

Zwar kann zu viel Stress bei manchen Patienten ein Auslöser für Migräne-Attacken sein, doch treten die Kopfschmerzen und unangenehmen Begleiterscheinungen meistens in der Entspannungsphase auf - also zum Beispiel am Wochenende oder im Urlaub.

2. "Stell dich nicht so an, das sind doch nur Kopfschmerzen."

Nein, es sind eben nicht "nur Kopfschmerzen". Migräne fühlt sich an, als würde einem ein Schraubenzieher ins Hirn gedreht oder wahlweise auch ein Messer ins Auge gerammt. Der Schmerz schwankt zwischen hämmern, pulsieren, und stechen und ist so intensiv, dass er einen regelrecht lähmt.

Dazu kommen in vielen Fällen Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Sehstörungen, Sprach- oder Wortfindungsstörungen. Nicht ohne Grund ist chronische Migräne als Behinderung anerkannt.

3. "Ich glaube, du bist nicht so belastbar."

Dieser Kommentar, ist nicht nur verletzend, sondern auch schlichtweg falsch. Denn Menschen, die an Migräne erkrankt sind, sind meist aufnahmefähiger und hartnäckiger als gesunde Menschen. Der Grund dafür findet sich in der Ursache der Krankheit: Das Gehirn von Menschen, die an Migräne erkrankt sind, funktioniert anders als das Hirn gesunder Menschen.

Während bei gesunden Menschen Informationen gefiltert werden, laufen die Denkprozesse im Hirn von Migräne-Patienten ungebremst ab. Das sorgt zwar letztlich für die Überlastung und die typischen Migräne-Symptome, ist aber auch der Grund, warum gerade Migräne-Geplagte häufig besonders intelligent und kreativ sind. Prominente Beispiele: Charles Darwin, Julius Cäsar, Alfred Nobel, Sigmund Freud, Richard Wagner oder Marie Curie (um nur einige wenige zu nennen). All diese Superbrains litten unter Migräne.

4. "Du solltest es mal mit Akupunktur versuchen."

Akupunktur ist nur ein Punkt auf der ellenlangen Liste der gut gemeinten Ratschläge. Ja, Akupunktur kann bei manchen Menschen helfen, die Anzahl der Migräne-Attacken zu reduzieren. Migräne heilen kann die Therapie aber nicht.

Solche "Du solltest mal"-Kommentare sind nicht nur nervig, sondern auch echt deprimierend. Viele Patienten werden nämlich alles, was ihnen empfohlen wird, schon lange ausprobiert haben - häufig ohne Erfolg.

5. "Du siehst aber gut aus - gar nicht krank."

Wer von Migräne heimgesucht wird, muss nicht zwangsläufig immer aussehen, wie ein wandelnder Toter. Denn nur während eines akuten Anfalls, sieht man demjenigen das Leiden auch tatsächlich an.

Nicht dauerhaft "krank" auszusehen, bedeutet aber nicht, dass man auch gesund ist. Nicht vergessen: Migräne ist eine ernsthafte neurologische und unheilbare Erkrankung.

6. "Du bleibst ganz schön oft zuhause."

Dieser Kommentar ist mehr als eine Feststellung. Hier schwingt immer ein Vorwurf (und vielleicht sogar Neid) mit und das macht ihn so unerträglich.

Wer chronische Migräne hat und sich wegen häufiger Anfälle öfters krank melden muss, der macht sich weder einen Lenz, noch ist er zu beneiden.

Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung: Ich würde tausendmal lieber das Haus verlassen, als wegen einer Migräne-Attacke ans Bett gefesselt zu sein. Also hört auf so zu tun, als würden wir uns anstellen.

7. "Geh doch mal raus, frische Luft wirkt Wunder!"

Ja, ein Spaziergang an der frischen Luft ist wunderbar und tut in der schmerzfreien Phase sowohl dem Körper als auch der Seele gut.

Aber bitte schenkt euch den Kommentar, wenn euer Gegenüber gerade unter einem Migräne-Anfall leidet. Denn dann ist jede noch so kleine Bewegung der blanke Horror. Da fühlt sich ein Schritt oder ein Kopfnicken an wie eine Explosion im Kopf.

8. "Du solltest öfter Sport machen."

Ja es stimmt, regelmäßiger ruhiger (!) Ausdauersport kann dazu führen, dass sich die Zahl der Migräne-Attacken reduziert. Die Betonung liegt hier auf "kann."

Denn nicht immer funktioniert diese Art der Sporttherapie und dann ist der gut gemeinte Ratschlag wie Salz in der Wunde. Wer Migräne hat, würde nämlich alles für ein schmerzfreies Leben geben.

9. "Du muss dich ablenken, dann verschwinden die Kopfschmerzen von ganz allein."

Nein. Das tun sie nicht.

10. "Du nimmst viel zu oft Medikamente."

Wer schon lange unter Migräne leidet, kennt seinen Körper und die Migräne-Symptome ganz genau und ist (hoffentlich!) aufgeklärt, was Medikamente angeht. Im besten Fall ist er oder sie sogar medikamentös eingestellt. Bedeutet im Klartext: Zur Migräne-Prophylaxe werden JEDEN Tag Medikamente eingenommen.

Zusätzlich empfehlen Schmerztherapeuten unverzüglich Schmerzmittel oder sogenannte Triptane einzunehmen, sobald sich ein Anfall ankündigt. Dass Migräne-Patienten also so häufig Pillen schlucken, ist weder verwerflich, noch zu verurteilen.

11. "Geh doch mal zum Heilpraktiker."

Auch dieser Ratschlag wird Menschen mit Migräne aus den Ohren raushängen. Genau wie bei den Themen Sport, Stress & Co. gilt: Alternative Therapien können dazu führen, dass Migräne-Attacken seltener ausgelöst werden. Sie lassen die Erkrankung aber nicht ganz verschwinden, denn Migräne ist nicht heilbar.

12. "Deine Kopfschmerzen kommen sicher von der Ernährung."

Allergien bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeiten können zwar Kopfschmerzen auslösen, nicht aber Migräne. Denn die ist erblich und neurologisch bedingt. Trotzdem wird einigen Nahrungsmittel wie zum Beispiel Rotwein nachgesagt, dass er Migräne-Anfälle auslösen kann. Das kann man jedoch nicht pauschalisieren und muss individuell geklärt werden.

Wer Menschen mit Migräne aber kategorisch zu einer Diät rät, ist schlicht und einfach nicht umfassend informiert. Denn der Verzicht, insbesondere auf Kohlenhydrate, kann sogar zu Migräne-Anfällen führen, da das Gehirn energetisch unterversorgt ist.

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