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Kampf gegen den Brustkrebs: Letzter Ausweg Amputation?

Sabrina Först Veröffentlicht von Sabrina Först
Veröffentlicht am 20. Oktober 2013

Jährlich erkranken 74.500 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. 17.000 davon sterben an den Folgen. Frauen wie Angelina Jolie, Christina Applegate und Anastacia haben im Zusammenhang mit Brustkrebs eine endgültige Entscheidung getroffen: Sie ließen sich ihre Brüste abnehmen. Prof. Dr. Tanja Fehm, Professorin für Frauenheilkunde an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf und Klinikdirektorin sowie Leiterin des Brustkrebszentrums, beantwortet die wichtigsten Fragen zur Mastektomie.

Wann ist eine Mastektomie medizinisch erforderlich?
Prof. Dr. Anja Fehm: Sie ist erforderlich im Rahmen einer ausgedehnten Brustkrebserkrankung. Außerdem kann sie erforderlich sein und dem Wunsch der Patientin entsprechen, wenn eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation, sprich eine erbliche Disposition, vorliegt. Auch bei Vorstufen von Brustkrebs kann eine Mastektomie erforderlich sein, wenn diese sehr ausgedehnt ist.

Was wird dabei alles entfernt?
In der Regel wird das entsprechende Brustdrüsengewebe entfernt. Es gibt drei unterschiedliche Formen der Mastektomie. Die klassische Form bei Brustkrebserkrankungen ist die radikale Mastektomie, bei der ein großer Teil des Hautmantels entfernt wird. Dann gibt es die hautsparende Mastektomie, bei der ein großer Teil der Haut stehen gelassen wird, sodass man ein Implantat einlegen kann und die Haut nicht künstlich dehnen muss.
Bei der brustwarzensparenden Mastektomie wird so operiert, dass die Brustwarze erhalten werden kann, sodass man von außen nicht zwangsläufig sieht, dass das Drüsengewebe entfernt wurde.

Wann kann eine Rekonstruktion der Brust vorgenommen werden?
Bei der radikalen Mastektomie muss die Haut erst mit einem Expander vorgedehnt werden, bevor man ein Implantat einsetzen kann. Oder es findet ein Aufbau mit Eigengewebe statt, zum Beispiel aus Bauchdecke oder Rückenmuskel. Bei der brustwarzensparenden und hautsparenden Variante wird ein Implantat in der Regel sofort eingesetzt. So wird auch bei der prophylaktischen Mastektomie regelmäßig vorgegangen.

Sie sprechen die prophylaktische Mastektomie an. Angelina Jolie ließ sich vorsorglich ihre Brüste abnehmen, ohne an Krebs erkrankt zu sein, weil bei ihr das sogenannte Brustkrebs-Gen vorlag. Was ist das für ein Gen?
BRCA1 und BRCA2 sind die sogenannten Brustkrebsgene. Mittlerweile hat man aber die Palette der Gene erweitert, die mit Brustkrebs einhergehen. Auch RAD51-B ist ein solches Gen, das für Brustkrebs verantwortlich gemacht wird.

Ist eine Amputation bei Trägerinnen des sogenannten Brustkrebs-Gens ratsam?
Nein. Es gibt neben der Möglichkeit der prophylaktischen Brustabnahme die Alternative der intensivierten Früherkennung. Dabei werden die Patientinnen regelmäßig in Kernspintomographie, Brustultraschall und Tastuntersuchung voruntersucht. Die Idee dahinter ist, dass man Brustkrebs so früh erkennt, dass die Patientin bei einer Behandlung komplett geheilt werden kann. Bei der prophylaktischen Mastektomie kann man das Brustkrebsrisiko um 95 Prozent senken, jedoch bleibt auch hier ein Restrisiko für Brustkrebs bestehen. Die Frauen entscheiden sich derzeit tendenziell für die intensivierte Früherkennung, da die Mastektomie doch ein schwerer Eingriff ist.

In wie viel Prozent der jährlichen Erkrankungen sind diese auf erbliche Faktoren zurückzuführen?
Etwa 5 bis maximal 10 Prozent der jährlichen Brustkrebserkrankungen sind auf erbliche Vorbelastungen zurückzuführen. Bei diesen Patientinnen mit genetischer Vorbelastung sind es schätzungsweise 10 bis 20 Prozent, die sich operieren lassen. In unserem Zentrum lassen sich sogar 40 bis 50 Prozent der erblich Vorbelasteten vorsorglich die Brüste abnehmen.

Sind die Überlebenschancen bei einer Mastektomie größer als bei einem Brusterhalt?
Nein. Eine brusterhaltende Therapie wird nur bei bestimmten Grundvoraussetzungen gewählt und in der Regel mit einer Strahlentherapie kombiniert. Es gibt durchaus Frauen, die eine Bestrahlung ablehnen und in diesem Fall ist natürlich das Risiko für Krebs deutlich erhöht. Im Falle einer Bestrahlung aber ist man genauso sicher wie bei einer Mastektomie. Die meisten Frauen entscheiden sich für den Brusterhalt, wenn es möglich ist. Das ist mit den heutigen Verfahren sehr gut möglich und die Strahlentherapie ist relativ nebenwirkungsarm.

Welche Risiken birgt die vollständige Entfernung der Brust?
Das Körperbild wird verändert. Die Patientin muss bei der radikalen Operation zunächst eine Prothese tragen, was ein emotionales Problem darstellen kann. Hinzukommen die gewöhnlichen Operationsrisiken wie Wundinfektionen, Thrombose, Embolie und Wundheilungsstörungen. Das kann allerdings bei einer brusterhaltenden Therapie ebenfalls auftreten. Es ist für viele Frauen außerdem eine große emotionale Belastung. Viele können ihre operierte Seite gar nicht anschauen, weil sie nicht damit klarkommen, dass da etwas fehlt. Außerdem kann es auch ein orthopädisches und symmetrisches Problem sein, wenn die Patientin eine große Brust hat und nun eine Seite fehlt. Deshalb muss in diesen Fällen oft die andere Brust auch verkleinert werden.

Erhalten die Frauen psychologische Betreuung?
Ja, das ist Standard. Jeder Brustkrebspatientin muss eine psycho-onkologische Betreuung angeboten werden. Dazu sollte jede Patientin befragt werden. Es gibt mittlerweile auch gute Screening-Tools wie Fragebögen, die herausfinden, ob die Patientin Betreuung braucht. Viele Frauen denken, sie hätten die Situation gut im Griff, obwohl sie am Limit sind.

Sind das besonders geschulte Kräfte?
Ja, das erfordert eine Spezialisierung und es gibt Psychosomatiker, die dann in der Regel eine psycho-onkologische Zusatzausbildung haben. Krebspatienten haben ganz andere Bedürfnisse und Probleme als Menschen, die beispielsweise einen Todesfall verarbeiten.

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