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Lebe lieber einfach: Was steckt hinter dem Trend Entschleunigung?

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 10. August 2017

Weniger ist oft mehr - mehr Lebensqualität zum Beispiel. Worum geht es genau beim Thema Entschleunigung bzw. Downshifting?

Nimmst du dir auch jedes Jahr von neuem vor, dir weniger Stress zu machen? Willst du dir stattdessen mehr Zeit für dich und die wirklich wichtigen Dinge im Leben nehmen? Willkommen im Club! Vielen von uns geht es wie dem sprichwörtlichen Hamster im Rad: Wir setzen uns tagein, tagaus unter Druck und glauben, immer perfekt funktionieren zu müssen.

Ein toller Job, eine harmonische Beziehung, ein schickes Auto und dreimal Urlaub pro Jahr - all das glauben wir haben zu müssen, um ein erfülltes Leben zu führen. Ein ziemlich sportliches Vorhaben, wenn man es mal genauer betrachtet.

Die Hetze nach dem schönen Leben

Um diese selbst gesetzten Standards erreichen bzw. halten zu können, rackern wir uns tagtäglich ab - Überstunden, Burnout und Stresssymptome inklusive. Letztlich bleibt dabei genau das auf der Strecke, worum es uns eigentlich geht: ein erfülltes Leben zu führen.

Je höher der Lebensstandard, umso größer die Belastung, das weiß der Psychologe Benjamin Martens von psycheplus.de: "Nicht nur die Karriere, auch Familie und Freunde erfordern Zeit. Hinzu kommt der Aufwand, der nötig ist, um Haus, Garten, Auto und allerlei Statussymbole in Stand zu halten und zu nutzen." Die Lösung könnte deshalb Entschleunigung heißen, oder auch Downshifting, wie man so schön neudeutsch sagt. Denn beide Begriffe bezeichnen eine ähnliche Art leben zu wollen.

Was bedeutet Entschleunigung und Downshifting?

Das Prinzip des 'Downshifting' wurde Mitte der 90er Jahre von dem Wirtschaftswissenschaftler und Gesellschaftskritiker Charles B. Handy erdacht. Dabei geht es um die zentralen Fragen: Geld, Haus, Auto - brauche ich das wirklich alles zu meinem Glück? Ist das das Leben, das mich glücklich macht?

Downshifting bzw. Entschleunigung bezeichnen beide den Weg raus aus den Alltagszwängen der Konsumgesellschaft, die wir für selbstverständlich halten. Will heißen: Wir schalten einen Gang zurück, vereinfachen unser Leben und machen es so wieder lebenswerter. Dabei nehmen wir bewusst in Kauf, weniger zu verdienen, haben dafür aber mehr freie Zeit. Der freiwillige Verzicht auf Konsumgüter und Annehmlichkeiten, ist also Verzicht, der guttut.

Wo anfangen mit der Entschleunigung?

Natürlich fragt man sich berechtigterweise, wo man anfangen soll mit dem Entschleunigen, wenn man in Pflichten und Terminen gefangen ist. Und vor allem: Wie lässt sich das Ganze langfristig umsetzen? Nun, zunächst solltest du tief durchatmen und den Kopf frei machen von Gedanken wie '... müsste ich dringend ....' und '... hab ich noch zu erledigen ...'. Denn beim Entschleunigen geht es nicht darum, komplett auszusteigen und wie ein Neandertaler ohne Strom in einer Waldhütte zu leben, sondern um ganz lebensnahe, einfache Überlegungen, die uns gar nicht so schwer fallen.

Entschleunigung bedeutet, sich aufs Wesentliche konzentrieren

"Entschleunigung und Downshifting bedeuten nicht schmerzhafte Einschränkung", erklärt der Psychologe Benjamin Martens, "sondern eine bewusste Rückkehr zu den Dingen, die wirklich wichtig sind. Also die Entscheidung für ein weniger komplexes, aber dafür erfüllteres Leben." Wie und wo, das muss jeder für sich entscheiden.

"Grundsätzlich ist es in jedem Bereich des Lebens möglich, einen Gang herunterzuschalten“, sagt der Experte. Natürlich ist einer der Schwerpunkte bei der Entschleunigung für viele der Job, da hier am meisten Zeit und Energie verbraucht wird. Beschäftigte sollten einmal darüber nachdenken, welchen Stellenwert der Job im eigenen Leben eigentlich hat“, rät Benjamin Martens. "Wichtig ist zu lernen, auch mal nein zu sagen und zu überlegen, welche Motive hinter der eigenen hohen Einsatzbereitschaft stecken.“

Mehr Entspannung, weniger Arbeit - klar, dass Entschleunigung auch finanzielle Einbußen mit sich bringt. Weniger Arbeit, weniger Geld. Aber Anhänger des Downshifting sehen darin kein Problem: Wer weniger ausgibt, kann es sich leisten, auch weniger zu verdienen.

Weniger Konsum für mehr Lebensqualität

Wie also Geld einsparen, um weniger arbeiten zu können? Nun, zunächst sollten die eigenen Konsumgewohnheiten überprüft werden. Und das lohnt sich: "Einkaufen kostet Zeit und Geld“, sagt Benjamin Martens. "Damit lohnt sich Downshifting in diesem Bereich gleich doppelt."

Deshalb nur einmal pro Woche in den Supermarkt gehen. Das Ziel: Bewusster und somit weniger kaufen. Eine gute Übung ist es auch, die Freizeit eine Woche lang kostenlos zu gestalten. Das ist anfangs gar nicht so einfach.

Entschleunigung in allen Bereichen

Und noch ein Gut sollte auf keinen Fall verschwendet werden: die eigene Zeit. Deshalb gilt für das Privatleben: Prioritäten setzen und nur das tun, wozu man wirklich Lust hat. Und auf wen man Lust hat. "Niemand sollte seine Zeit mit Menschen verplempern, die er nicht wirklich mag“, sagt der Experte.

Und noch ein Tipp: Jeder sollte ab und zu einfach mal nichts tun, sich entspannen und eine kleine Auszeit gönnen. Egal, welchen Bereich du angehst und wo du 'entschleunigst', das Motto bei Downshifting und Entschleunigung ist: Raus aus der Tretmühle und zurück ins 'echte' Leben! Das bringt mit Sicherheit mehr Erfüllung als jedes Frustshopping.

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von Fiona Rohde

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