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Tödlich: Mäuseköder aus dem Baumarkt gefährdet Katzen und Hunde

von Inga Back Veröffentlicht am 21. Februar 2020
© Getty Images

Das Mäusegift Alpha-Chloralose kann einfach im Baumarkt gekauft werden. Das Problem: Es kann nicht nur für Mäuse und Ratten gefährlich werden.

Vor zwei Tagen erreichte meine Schwiegereltern ein Anruf aus der Tierklinik. Ihre Katze Marie sei eingeliefert worden. Symptome: schwere Krampfanfälle, Zittern, Unterkühlung.

Einer Anwohnerin war die zuckende Katze in ihrem Garten aufgefallen. Sie alarmierte den örtlichen Tierschutzverein. Marie blieb drei Tage in der Tierklinik. Sie konnte gerettet werden.

Die Tierärztin vermutete, Marie habe eine vergiftete Maus gefressen. Sie berichtete von sich häufenden Fällen. In den letzten Wochen habe sie sechs Fälle allein in unserem kleinen Ort gehabt. Grund dafür sei ein Mäuseköder mit Alpha-Chloralose.

Wird die Vergiftung rechtzeitig bemerkt, haben die Tiere gute Überlebenschancen, so die Ärztin. Leider würden jedoch gerade Katzen nicht immer gefunden werden. Marie hatte Glück.

Im Folgenden wollen wir erklären, was es mit dem Gift auf sich hat, und woran Haustierbesitzer eine mögliche Vergiftung erkennen können.

Wie funktioniert Alpha-Chloralose?

Das Institut für Veterinärpharmakologie und ‑toxikologie der Universität Zürich erklärt, wie genau sich eine Alpha-Chloralose-Vergiftung bemerkbar macht.

Alpha-Chloralose ist ein Wirkstoff, der in Mäuseködern eingesetzt wird. Das Gift lässt die Körpertemperatur der Nager drastisch sinken. Sie fallen in eine Art Koma und erfrieren innerhalb wenigen Stunden. Zwischenzeitlich kommt es zu Atemnot und schon kleinste Reize sorgen für Zuckungen und Krampfanfälle.

Frühere Mäuseköder setzten eher auf Gerinnungshemmer. Andere Symptome einer Alpha-Chloralose-Vergiftung sind eine verminderte Reaktionsfähigkeit und Benommenheit – was die Nager zu leichterer Beute macht und wiederum die Chance erhöht, dass freilaufende Katzen oder Hunde vergiftete Nager fressen.

Welche Menge Alpha-Chloralose ist tödlich für Hunde und Katzen?

Die im Baumarkt erhältlichen Mäuseköder "Sugan® MäuseKöder Korn" und "Sugan® MäuseKöder Paste" der Firma "Neudorff®" enthalten beispielsweise 4,4% Alpha-Chloralose. Das bedeutet: Wenn wir von einem Teelöffel Köder, also etwa 10 g ausgehen, sind darin 440 mg Alpha-Chloralose enthalten.

Eine durchschnittliche Katze wiegt etwa 4 kg und würde bei dieser Menge laut Angaben von "Fellomed" bereits sterben. Damit könnte schon eine vergiftete Maus ausreichen, um eine Katze zu töten.

Die Menge Alpha-Chloralose, die ein Hund pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen müsste, um zu sterben, ist höher als bei Katzen.

Ein 10 kg schwerer Hund müsste für eine tödliche Dosis 136 g Köder aufnehmen. Somit würde ein einzelner vergifteter Nager nicht ausreichen. Frisst ein Hund jedoch den Köder selbst, könnte dies tödlich enden.

Der Hersteller schreibt auf Seite 4, Punkt 7.1. des Datenblatts zum Mäuseköder: "Ratten- und Mäuseköder dürfen nicht offen ausgelget werden - geeignete Köderboxen verwenden!"

Symptome einer Alpha-Chloralose-Vergiftung?

Wer einige dieser Symptome bei seinem Haustier (oder einem freilaufenden Tier) entdeckt, sollte umgehend zum Tierarzt fahren, oder den örtlichen Tierschutzverein alarmieren. Hier gilt es nicht zu zögern. Das Gift ist darauf ausgelegt Tiere schnell zu töten.

Bei folgenden Syptomen solltet ihr so schnell wie möglich zum Tierarzt:

  • Unterkühlung
  • Schläfrigkeit
  • kleine, verengte Pupillen
  • übermäßiges Speicheln
  • Bewusstlosigkeit
  • Verminderte Reaktionsfähigkeit
  • Herzrhythmusstörung
  • Atemnot
  • Schläfrigkeit
  • Rauschzustand
  • langsamer Herzschlag
  • niedriger Blutdruck
  • Benommenheit
  • Krampfanfälle

Das sagt der Hersteller zu den Vorwürfen

In den sozialen Medien und Online-Foren werden zunehmend Stimmen laut, die den Hersteller der Mäuseköder namens 'Neudorff' scharf kritisieren.

Unter anderem konfrontierte ein Tierarzt das Unternehmen in einem Beitrag im Forum von Neudorff über vergiftete Hunde und Katzen, die er mit seinen Kollegen einer Tierklinik behandelt hatte:

"Ein Grossteil der Tiere konnten wir retten. Aber wenn die Tiere Freigänger sind und nicht gefunden werden, dann werden sie an der Hypothermie versterben.

Außerdem stellt sich für uns die Frage, welche Auswirkung diese Substanz auf Tiere wie Igel, Fuchs und greifvögel hat. Sie alle sind unweigerlich in den Kreislauf des "Mäusefressens" eingebunden und werden mit großer Sicherheit auch versterben."
[sic]

Neudorff selbst sagte dazu:

"Selbstverständlich sind wir uns als Anbieter der Gefahren, die von Ködern gegen Mäuse mit dem Wirkstoff Alpha-Chloralose ausgehen, bewusst. (...)

Aus diesem Grund weisen wir explizit auf der Verpackung darauf hin, dass die Köder nur in geschlossenen Gebäuden angewendet werden dürfen. Die Anwendung im Freiland ist nicht zulässig. Weiterhin müssen die Köder in geeignete Köderboxen gelegt werden (...)

Zudem findet sich auf der Verpackung der Hinweis, dass regelmäßig nach den bereits getöteten Nagern gesucht werden muss. Dies muss mindestens so oft geschehen, wie Köder kontrolliert oder nachgelegt werden. (...)

Sofern diese Anwendungshinweise beachtet werden, sollten Sekundärvergiftungen ausgeschlossen sein."

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