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Dieser Mann bricht das Schweigen: So hat er die Vergewaltigung seiner Frau erlebt

von Inga Back Veröffentlicht am 19. August 2016

"Ich habe noch nie einen anderen Mann darüber sprechen hören, welche Auswirkungen eine Vergewaltigung der Frau, die er liebt, auf ihn hatte. Aber ich habe es erlebt und möchte darüber sprechen"

Wir wissen nicht viel über den Twitter-Nutzer 'Angry man', aber wir wissen, dass er heute 44 Jahre alt ist, und dass seine Freundin einen Tag vor seinem 26.Geburtstag vergewaltigt wurde. In einer Reihe bewegender Tweets hat er diese Woche, 18 Jahre nach dem Vorfall, seine Geschichte auf Twitter geteilt. Eine Geschichte, die sich nicht viele Männer trauen zu erzählen. Schließlich waren nicht sie die Opfer, sondern ihre Frauen, aber 'Angry man' wollte darüber berichten, wie es ist, wenn die Frau, die man liebt, zum Opfer wird.

Ich atme tief ein... es ist eine lange Geschichte.


​"10. Juli, 1998. Der Tag vor meinem Geburtstag. Ich war mit meinen Jungs beim Spiel der Baltimore Orioles (...) Ich bin irgendwann gegen zwei Uhr nachts nach Hause gekommen (...) Als ich zum Haus gekommen bin und die Polizeiwagen gesehen habe, hab ich Angst bekommen, weil ich betrunken war (...) Also habe ich etwa eine halbe Stunde gewartet. Dann bin ich eingeschlafen.

Gegen vier Uhr morgens bin ich aufgewacht, weil die Schwester meiner Freundin permanent angerufen hat (...) Als ich die Treppen im Haus hoch gestürmt bin, sah ich Teile eines Kleids, das ich meiner Freundin gekauft habe, über die Treppe verteilt liegen. Mein Herz raste wie verrückt. An der Haustür standen Polizisten, die gerade Fingerabdrücke genommen haben...

Ich bin in die Wohnung gegangen und da lag meine Freundin in Fötusposition auf dem Boden - mit einem Bademantel bedeckt. Ich bin zu ihr gegangen und sie hat gezittert. Ich habe sie die ganze Zeit gefragt, was passiert ist, aber sie hat nicht geantwortet. Sie hat nur geweint...

Als sie nach Hause gekommen war und ihren Schlüssel ins Schloss steckte, hörte sie schnelle Schritte. Ein Mann packte sie von hinten und fing an, sie zu würgen. Er hat versucht sie in die Wohnung zu drängen, aber sie hat sich gewehrt. Dann hat er sie zwei Stockwerke tiefer und aus dem Gebäude gezerrt. Er hat sie geschlagen und in einen Bereich gebracht, in dem Bäume standen. Dann hat er sie vergewaltigt...

Als ihre Schwester mir das erzählt hatte, bin ich zusammengebrochen. Ich bin wirklich zusammengebrochen. Dann bin ich zu meiner Freundin gegangen und wollte sie umarmen. Sie hat geschrien (...) Ich stand unter Schock. Ich konnte nicht atmen.

Mein Schatz wurde angegriffen. Ich war nicht da. Ich war nicht da, um es zu verhindern. Lieber Gott, warum?!


​Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Schmerz verspürt. Ich war nicht da, um sie davor zu bewahren, vergewaltigt zu werden. Ihre Schwester hat sie aufgerafft, damit wir sie ins Krankenhaus bringen konnten. Im Auto haben wir geschwiegen. Ich habe im Wartezimmer gesessen, während sie untersucht wurde.

Als wir nach Hause kamen, waren ihre Mutter und ihre anderen Schwestern bereits da. Sie alle haben sie liebevoll umsorgt, mich hat sie nicht in ihre Nähe gelassen. Ich habe einfach nur dagesessen... gebrochen. Es gab nichts, das ich tun konnte...


​Sie ist danach zu ihrer Schwester gezogen. Ich habe die Wohnung vermietet und etwa eine Woche nach dem Vorfall sind wir umgezogen. Wir konnten nicht dort bleiben. Sie war eine leere Hülle. Sie hat fast zwei Wochen lang kein Wort zu mir gesagt...

Die nächsten 18 Monate waren die reine Hölle. Ich habe alles getan, was ich konnte, um für sie da zu sein. Ich habe nicht versucht mit ihr zu schlafen, weil ich wusste, wie traumatisiert sie war. Wir hatten keine Nähe zueinander. Selbst 18 Monate später hat sie gezittert und unkontrolliert geweint, wenn ich versucht habe sie zu umarmen. Eine Therapie durfte ich nicht einmal vorschlagen.

Zwei Jahre nach dem Vorfall haben wir uns getrennt. Vor dieser schrecklichen Nacht waren wir drei Jahre zusammen. Wenn ich an diese Nacht denke, tut es noch immer weh. Ich war nicht da, um sie vor dem Schmerz und der Qual zu schützen. Ich war nicht da. Ich war mit meinen Jungs bei einem Baseballspiel, habe geraucht und getrunken...

Mein 26. Geburtstag. Ein Tag, den ich niemals vergessen werde (...) Das Leben hat sich danach verändert. Ich habe mich danach verändert. Ich habe nie wieder eine Frau, mit der ich mich getroffen habe, unbegleitet nach Hause gehen lassen.

Ja, ihr Angreifer wurde irgendwann verhaftet und verurteilt (...) Jahrelang habe ich mir gewünscht, ich würde ihn zu fassen kriegen. Ich hatte so viel Wut in mir. Ich wollte ihn umbringen für das, was er ihr angetan hat. Aber er wurde verurteilt. Das ist Gerechtigkeit, oder? Ich denke nicht. Er hat Leben zerstört. Nicht nur das meiner Freundin, sondern auch das anderer Frauen.

Jedenfalls, wie ihr erkennen könnt, belastet es mich noch heute. 18 Jahre später. Danke fürs Zuhören"

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von Inga Back