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Geschwisterrivalität: Was tun, wenn die Kinder ständig streiten?

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 5. Juni 2018
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Die Kinder streiten pausenlos wegen der geringsten Kleinigkeit und sogar ohne jeden Grund. Du fragst dich manchmal wirklich, ob du irgendwie dafür verantwortlich bist? Wir können dich beruhigen: Das ist völlig normal und kommt in jeder Familie vor! So gehst du am besten mit den Zankereien um!

Streitende Kinder gibt es in jeder Familie. Denn leider gehören die kleinen und großen Machtkämpfe unter Geschwistern zum Erwachsenwerden dazu. Damit du weißt, wie du richtig auf deine kleinen Streithähne reagieren kannst und damit die Geschwisterrivalität nicht ausartet, beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Kinderstreit! Und du wirst sehen, den nächsten Streit meistert ihr alle mit Bravour!

Warum streiten Geschwister?

Die Rivalität zwischen Geschwistern

Die Beziehung zwischen Geschwistern ist von Natur aus zwiespältig: Diese Mischung aus Liebe und Hass entsteht durch die Rivalität zwischen den Kindern einer Familie. Sie sind sich auf der einen Seite ganz nah, da sie zur gleichen Generation gehören und sich gegenüber den Erwachsenen bzw. den Eltern abgrenzen. Aber auf der anderen Seite sind sie auch sehr gegensätzlich, weil sie um die Führungsposition in der Gruppe kämpfen (auch wenn die Gruppe nur aus zwei Kindern besteht). Denn die Beziehung zu den Eltern will verteidigt werden.

Dieser Kampf um die Vorherrschaft findet (glücklicherweise!) nicht ständig statt. Es gibt dabei keinen definitiven Gewinner oder Verlierer. Jedes Kind kann abwechselnd die stärkere Position einnehmen oder sogar beide zur selben Zeit in verschiedenen Bereichen: Einer ergattert ein Spielzeug, muss aber beim Essen warten. Der Andere ist beim Sport besser aber dafür in der Schule nicht so gut usw.

Das erklärt, warum der Streit oft bei jeder Kleinigkeit ausbricht, aber auch genauso schnell wieder verschwindet. Die Geschwister versöhnen sich nach der Machtprobe und haben sich wieder lieb. Wer hat seine Kinder nicht schon lachend zusammen spielen und einen Augenblick später die Fetzen fliegen sehen?

Der Kampf um die Elternliebe

Hinter einem banalen Streit zwischen Brüdern und Schwestern verbirgt sich ein anderer, tieferer Grund für die Auseinandersetzung: Es geht nicht um die Schokolade oder um das Stofftier! In Wirklichkeit streiten sich die Kinder um die elterliche Liebe von Mama und Papa.

Sobald ein Bruder oder eine Schwester auftaucht, sobald die reine Mama-Baby-Beziehung ins Wanken kommt, möchte das ältere Kind die Liebe seiner Eltern, besonders von seiner Mama, verteidigen. Dafür wird der "Andere", der "Eindringling", also der Bruder oder die Schwester, aus dem Weg geräumt. Diese grundlegende Eifersucht ist unvermeidlich und vielleicht sogar unverzichtbar, kann bei den Streitereien zum Teil aber auch gewaltsam zum Vorschein kommen.

Die Selbstbestätigung im Streit

Auch wenn die Eifersucht oft die Ursache für eine direkte Konfrontation zwischen Bruder und Schwester ist, hat der Streit auch noch eine andere Funktion: Er ermöglicht jedem Kind seine Identität in Bezug auf den Bruder oder die Schwester zu finden. Ganz nach dem Motto: Wenn ich schreie und mich beschwere, wenn ich viele Schimpfwörter benutze, wenn ich meinen Wunsch oder meine Wut ausdrücke, dann werde ich von meiner Familie wahrgenommen. Ich existiere.

Außerdem lernen die Kinder beim Streit ihre eigenen Grenzen und die der anderen kennen. Sie werden also mit der Existenz der anderen Kinder konfrontiert und lernen, dass man Schimpfwörter oder Schläge austeilen kann, aber auch einstecken muss.

Wann müssen Mama und Papa eingreifen?

Der Streit eskaliert

Lasst die Kinder zanken, aber behaltet die Szene nebenbei im Auge und spitzt die Ohren. Am besten mischt man sich gar nicht ein und vermeidet damit, unbeabsichtigt Partei für eine Seite zu ergreifen! Das würde für die Kinder nämlich bedeuten, dass Mama oder Papa jemanden bevorzugen. Allerdings darf der Streit auch nicht eskalieren und brutal werden.

Wenn du in den Streit deiner Kinder eingreifst, sollte der Grund dafür deutlich sein: Nämlich dass du die körperliche oder verbale Gewalt nicht akzeptierst. Mache deutlich, dass es okay ist, verschiedene Meinungen zu haben und dass man sich darüber auch streiten darf. Gewalt darf dabei aber nie zum Einsatz kommen.

Dabei liegt es ganz an dir, wie viel Aggressivität du tolerierst. Mache deinen Kindern deutlich, wo genau die Grenze liegt. Auch Kleinkinder müssen wissen, wann sie diese Grenze überschreiten. Deshalb sollten Mama und Papa darauf reagieren und es nicht darauf beruhen lassen, dass das Kind ja noch zu klein ist, um das zu verstehen.

Muss ich laut werden?

Laut werden, so sehr der Impuls in einem aufkeimt, ist nie eine gute Methode, um die Kinder zu erreichen. Viel besser ist es, erst einmal wieder Ruhe einkehren zu lassen und anschließend mit ihnen über den Streit oder auch das Thema allgemein zu sprechen. Dafür müssen Kinder allerdings alt genug sein: ab 5 bis 6 Jahren ist es möglich.

Erkläre ihnen, dass es auch beim Streiten darum geht, den gegenseitigen Respekt zu wahren. Wenn man sich nicht an diese Grundregeln hält, dann wird der Alltag unerträglich. Gib ihnen Beispiele für das bessere Verständnis an die Hand: Was würde passieren, wenn sich alle bei der geringsten Gelegenheit beleidigen oder bekämpfen würden? Was würde passieren, wenn jeder machen würde, was er will? Stelle dabei die Welt schön anschaulich auf den Kopf: Was würdet ihr davon halten, wenn sich eure Lehrer ständig streiten würden?

Regeln zum Streiten festlegen

Keine Schimpfwörter, keine Schläge

Lege Regeln für faires Streiten fest: Ja, ihr dürft streiten. Ja, ich verstehe, dass ihr wütend, verärgert... seid. Aber:
Keine Beleidigungen, keine Schimpfwörter und keine Schläge. Am besten machen Eltern auch unmittelbar klar, was es bedeutet, diese Regel zu missachten. Beispielsweise, dass man den Kindern den Streitgegenstand wegnimmt oder sie für eine gewisse Zeit räumlich voneinander trennt.

Wichtig ist, wie immer wenn Eltern Regeln aufstellen, dass sie sich natürlich auch selber daran halten, denn sonst verlieren Mama und Papa sehr viel Glaubwürdigkeit. Außerdem würden die Kinder nicht begreifen, warum die Eltern nicht machen, was sie eben noch gesagt haben. Und es beunruhigt Kinder, wenn sie merken, dass die Eltern unsicher und vage reagieren, denn sie verlieren damit einen wichtigen Orientierungspunkt. Eltern könnten also sogar verschlimmern, was sie eigentlich verhindern wollten!

Was Eltern auch immer im Hinterkopf behalten sollten: Zu einem Streit gehören immer mindestens zwei . Das bedeutet, dass in der Regel beide in sehr ähnlichem Maß am Umfang des Streits beteiligt sind. Für mögliche Strafen oder Konsequenzen sollte das bedacht werden.

Mit Kindern sprechen

Ein Gespräch ist wichtig, damit jeder erzählen kann, was er auf dem Herzen hat. Wenn du merkst, dass der Streit zu einem handfesten Konflikt wird, dann fange ein Gespräch an, bei dem jeder der Reihe nach zu Wort kommt, bevor der Streit wieder entflammt.

Frage jeden nach seiner Meinung und ermutige die Kinder zum Dialog. Nimm dir die Zeit dazu, die Diskussion da wieder aufzunehmen, wo vorher nur Lärm und Geschrei zu hören war. Die Kinder (und die Eltern) lernen mit einem klärenden Gespräch, dass man Konflikte auch ohne Brutalität lösen kann.

Gibt es Probleme in der Familie

Hast du das Gefühl, dass deine Kinder permanent streiten und du dich völlig überfordert fühlst? Dann versuch dich einfach mal selbst zu analysieren: Wie verhältst du dich im Alltag? Schreist du oft? Streitest du dich oft mit deinem Partner vor den Kindern?

Kinder schauen sich das Sozialverhalten der Eltern ab. Wenn ihnen mit viel Gebrüll und Schreierei entgegnet wird, werden sie es ähnlich halten und auch oft schreien. Doch es ist wichtig, dass Kinder lernen, dass eben nicht die Lautstärke entscheidend in einer Diskussion, in einem Streit oder einer Auseinandersetzung ist.

Den Familienalltag organisieren

Gemeinsam gegen die Langeweile

Es ist im stressigen Alltag nicht immer möglich, gemeinsam Dinge zu erleben. Aber genau diese gemeinsamen Erlebnisse sind wichtig für das Familiengefühl. Versuche also ab und zu ein Freizeitprogramm für die ganze Familie zu organisieren. Alles ist erlaubt, also lass deiner Fantasie freien Lauf!

Macht zusammen Sport, verbringt einen Tag im Schwimmbad, lasst einen Drachen steigen, macht eine Fahrradtour, eine Wanderung oder besucht ein Museum - egal was ihr macht, Hauptsache ihr macht es zusammen. Und lasst euch in der gemeinsamen Zeit nicht vom Handy, Anrufen oder sonstigen Dingen ablenken. Seid einfach nur da.

Um eine "bessere" Struktur in den Familienalltag zu bekommen oder einfach auch nur, um zerstrittene Geschwister gemeinsam an einen Tisch zu holen, führt ihr vielleicht eine Art 'Diskussionsrunde' ein. Jeder darf zu Wort kommen, Dinge vorschlagen, Dinge kritisieren, offen über alles sprechen. So lassen sich Konflikte häufig im Keim ersticken.

Ganz wichtig: Häufig ist Langeweile der eigentliche Grund für einen Streit unter Geschwistern (man weiß nicht, was man machen soll, also provoziert man seine Geschwisterchen). Wenn ihr also die Langeweile in Verdacht habt, Schuld am Streit der Kinder zu sein, lenkt die Streithähne ab und versucht, sie in ein gemeinsames Spiel zu ziehen. Lego, eine Runde Mau-Mau oder was die Kinder sonst so gerne Spielen kann wahre Wunder im Streit zwischen Geschwistern bewirken.

Nur für ein Kind da sein

Den ständigen Konkurrenzkampf zwischen den Geschwistern kann man mit ganz einfachen Mitteln abschwächen. Nämlich indem man abwechselnd einem der beiden Kinder einen Tag oder ein paar Stunden alleine 'schenkt'. Und während beispielsweise Mama mit dem älteren Geschwisterkind ins Kino oder eine Runde schwimmen geht, kann das jüngere Kind Papa ganz alleine für sich in Beschlag nehmen. Wenn das aus zeitlichen Gründen nicht geht, dann wechseln sich die Geschwister natürlich mit ihrem exklusiven Tag ab. Jedes Kind bekommt die Möglichkeit Mama oder Papa mal nur für sich zu haben.

Achtung vor der kleinen Eifersuchtsfalle: Vermeide am besten, zwischen den einzelnen Unternehmungen zu viel Zeit vergehen zu lassen. Eines der Kinder könnte sich sonst benachteiligt sehen. Ist die Wartezeit auf den Tag mit Mama oder Papa zu lang, riskiert man, dass die Rivalität wieder aufkeimt und ein neuer Streit entsteht.

Streiten gehört zum Erwachsenwerden dazu

Streit ist unvermeidbar und gehört zum Leben dazu. Versuch also nicht auf Teufel komm raus jeden Streit zu verhindern: Damit verlierst vor allem du nur unnötig viel Zeit und Energie. Kinder brauchen diese Konflikte, um Erwachsen zu werden. Es hilft nichts, als zu akzeptieren, dass dazu auch eine Portion Streit gehört - solange dieser nicht (zu sehr) ausartet.

Denk immer daran: Was sich neckt, das liebt sich!

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