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Wie du mit deinen Kindern über Rassismus sprichst

von Maike Schwinum Erstellt am 16. Juni 2020
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Mit zunehmendem Alter haben Kinder immer mehr Fragen über die Welt – da können auch die Themen Diskriminierung und Rassismus aufkommen. Wir erklären, wie du am besten damit umgehst.

Diskriminierung und Rassismus sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Es ist also nicht überraschend, dass auch unsere Kinder diese Art von Hass mitbekommen. Und Fragen dazu haben. Viele Eltern können damit zunächst einmal überfordert sein.

Es ist schließlich nicht einfach, dem eigenen Kind zu erklären, dass ein Mensch einen anderen nur aufgrund seines Äußeren oder seiner Herkunft hasst, herabwertet und anfeindet.

Mehr dazu: Rassismus: Liebes Deutschland, wir müssen reden

Weil wir unsere Kinder schützen wollen und Rassismus etwas Hässliches, Emotionales und sogar Gefährliches ist, sprechen wir selten mit ihnen darüber. Doch trotzdem – oder gerade deswegen – ist es so wichtig, dass wir mit unserem Nachwuchs ganz offen und ehrlich über das Thema reden. Vor allem dann, wenn er mit Fragen auf uns zukommt oder es zu einer Situation kommt, in der Rassismus eine Rolle spielt.

Hinweis: Dieser Artikel richtet sich vor allem an Weiße Eltern und ihre Kinder. Für Kinder, die selbst People of Color (POC) sind, ist das Erlebnis schon während der Kindheit oft ein ganz anderes. Mehr dazu, wie POC ihre Kinder auf Rassismus in Deutschland vorbereiten, könnt ihr hier auf Spiegel.de nachlesen.

Diskriminierung ist nicht angeboren

Kein Kind kommt mit Vorurteilen auf die Welt. Die erfährt es im Laufe seiner Kindheit und Jugend durch einprägende Erfahrungen und den Einfluss seines Umfelds und seiner Mitmenschen.

Doch natürlich erkennen Kinder schon im Kindergarten, dass es äußerliche Unterschiede zwischen ihnen gibt. Wenn ein Kind also auf der Straße auf jemanden zeigt und sagt, "Der Mann da hat dunkle Haut", dann ist das für ihn oder sie eine bloße Beobachtung und keine Wertung.

Das ist nichts, was Eltern unterbinden müssen. Im Gegenteil, erklärt Caryn Park, Professorin der Antioch University in Seattle: "Es ist nicht rassistisch, die Ethnie einer anderen Person zu bemerken. Wenn man sich weigert, auf diese Beobachtung zu reagieren, könnte das dem Kind ein falsches Signal senden."

Eingreifen sollten Eltern erst dann, wenn die Aussagen ihrer Kinder wertend werden. Sagt ein Kind beispielsweise, "Der braune Mann klaut bestimmt", sollte man als Elternteil nachhaken. Finde heraus, wie dein Kind darauf kommt und warum es so denkt. Anschließend kannst du dann erklären, dass es sich dabei um ein Vorurteil handelt.

Das kannst du beispielsweise so erläutern: "Vorurteile sind oft nicht besonders nette Meinungen, die jemand über eine Person hat, ohne ihn oder sie zu kennen." Suche anschließend gemeinsam mit deinem Kind nach Beispielen, die das Vorurteil widerlegen.

Fragen klären: Altersgerecht und behutsam, aber ehrlich

Doch schon bevor dein Kind selbst vorurteilsbehaftet spricht, kann es sein, dass es mit Fragen zu Rassismus und Diskriminierung auf dich zukommt. Vielleicht hat er oder sie es mitbekommen, wie ein Mitschüler mit Migrationshintergrund oder eine POC angefeindet wurde. Oder vielleicht hat es einfach das Wort "Rassist" irgendwo aufgeschnappt.

Sollte dein Kind mehr Fragen dazu haben, dann ist es wichtig, mit ihm oder ihr ein offenes Gespräch darüber zu führen. Das Gespräch sollte natürlich ihrem oder seinem Alter entsprechen – aber dennoch ist es wichtig, dass du ehrlich bist.

Denn obwohl Rassismus kein schönes Thema ist und der erste Instinkt als Elternteil immer ist, sein Kind vor Dingen zu schützen, die es emotional aufwühlen könnten, ist es für seinen weiteren Lebensweg und für seine Perspektive in der Welt ungemein wichtig. Unterschätze nicht, was dein Kind aufnehmen, verarbeiten und verstehen kann.

Kinderbücher zum Thema Vielfalt und Anti-Diskriminierung

Es gibt auch viele hilfreiche Bücher, die du gemeinsam mit deinem Kind lesen kannst, um ihm die Thematik kindgerecht zu erklären. Wir haben hier einige Empfehlungen für dich aufgelistet.

Vorbild sein: Anti-Rassismus vorleben

Der beste Weg, um Kinder in Sachen Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus auf den richtigen Weg zu bringen, ist es, ihnen vorzuleben, wie es richtig geht. Kinder ahmen die Verhaltensweisen ihrer Eltern von klein auf nach. Wenn du also zeigst, dass du alle Menschen gleich behandelst und es kein "normal" und auch kein "anders" gibt, dann werden sie es dir gleich tun.

Ebenso solltest du mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, nicht nur nicht rassistisch, sondern eben anti-rassistisch zu sein. Zeige deinem Kind, dass es in Ordnung und sogar gut ist, Ungerechtigkeiten oder rassistisch motivierte Anfeindungen nicht unkommentiert zu lassen.

Mehr dazu: Alltagsrassismus: Wie du ihn erkennst und vermeidest

Zum Vorbild-Sein gehört auch, deinem Kind Vielfalt vorzuleben. Wenn sowohl deine Freundesgruppe, als auch die deines Kindes hauptsächlich aus Weißen Menschen besteht, versuche doch, deine Kontakte ein wenig zu erweitern.

Professorin Manka Varghese der University of Washington erklärt: "Das hat einen Trickle-Down-Effekt für Kinder, weil es impliziert, dass Unterschiede gut sind. Und es gibt Kindern Zugang zu einer Reihe verschiedener Perspektiven, kulinarischer Gerichte, Geschichten und Ansichten."

Vielfalt bei Filmen und Spielzeug

Auch mit den Medien, die unsere Kinder konsumieren, kann Einfluss auf ihre Perspektive genommen werden. Bücher, Filme oder Serien für Kinder drehen sich häufig um Weiße Figuren. People of Color kommen darin nur selten vor und schon gar nicht als Protagonisten. Suche also gezielt nach Alternativen. Wie wäre es zum Beispiel mit "Vaiana", "Mulan" oder "Küss den Frosch" anstatt "Die Eiskönigin"?

Kulturelle Vielfalt könnt ihr eurem Nachwuchs ebenso anhand seines Spielzeugs näher bringen. Puppen oder auch andere Spielfiguren müssen zum Beispiel nicht immer Weiß sein.

Wusstest du beispielsweise, dass es "Barbie" mittlerweile in vielfältigen Varianten gibt? Anders als in unserer Kindheit gibt es nicht mehr nur die blonde, hellhäutige Barbie, sondern Barbiepuppen mit ganz verschiedenen Körpertypen, Hautfarben, Haarfarben und mehr. Absolut richtig – schließlich sollte das Spielzeug unserer Kleinen ebenso vielfältig sein wie unsere Gesellschaft.

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