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Zahnspange für Kinder: Die wichtigsten Fakten zu Kosten, Arten und Zeitpunkt

von Anne Walkowiak Erstellt am 21. Januar 2020
Zahnspange für Kinder: Die wichtigsten Fakten zu Kosten, Arten und Zeitpunkt© Getty Images

Stehen oder wachsen Zähne bei Kindern schief, kann gegen die Fehlstellung oft eine Zahnspange helfen. Wir haben die wichtigsten Fakten für euch zusammengetragen.

Ein schönes und gerades Gebiss ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern kann auch großen Einfluss auf die (Zahn)Gesundheit haben. Tatsächlich sind jedoch die wenigsten Menschen mit wirklich geraden Zähnen gesegnet. Dank Kieferorthopädie und Zahnspangen lässt sich das in den meisten Fällen korrigieren.

Doch wann ist eine Zahnspange wirklich notwendig? In welchem Alter sollte man Kinder beim Kieferorthopäden vorstellen und wer übernimmt welche Kosten für die Zahnspange? Wir klären auf.

Ab welchem Alter ist eine Zahnspange sinnvoll?

Wer regelmäßig zum Zahnarzt geht, kann sich in den meisten Fällen darauf verlassen, dass er eine zu behandelnde Fehlstellung rechtzeitig ansprechen wird. Generell gilt, dass eine Korrektur der Zahnfehlstellung am besten vor dem Wachstumsspurt (bei Jungs im 12. Lebensjahr, bei Mädchen im elften) gestartet wird. Eltern sollten also zwischen dem neunten und zehnten Geburtstag das erste Gespräch mit einem Kieferorthopäden führen, wenn der Zahnarzt eine Zahnspangen-Empfehlung ausgesprochen hat.

Empfohlen wird das Einsetzen einer Zahnspange, wenn die Milchzähne der Eck- und Backenzähne ausgefallen und die bleibenden Zähne nachgewachsen sind. Im Regelfall wird sie also zwischen dem zehnten und 13. Lebensjahr eingesetzt.

In Ausnahmefällen kann eine Zahnspange auch bereits bei einem jüngeren Kind eingesetzt werden. Das ist abhängig von der Schwere der Zahnfehlstellung. Es kann also vorkommen, dass auch ein 8-jähriges Kind schon eine Zahnspange bekommt.

Welche Zahnfehlstellungen erfordern eine Zahnspangen-Behandlung?

Die meisten Fehlstellungen, die mithilfe einer Zahnspange behoben werden, entstehen durch einen Engstand der Zähne. Das heißt, der Kiefer ist für die Größe der Zähne zu klein. Die Zähne haben somit zu wenig Platz und behindern sich gegenseitig. Dem Gegenüber steht das Lückengebiss. Hier ist der Kiefer im Verhältnis zu den Zähnen zu groß und es entstehen große Lücken zwischen den Zähnen.

Auch beim Kreuzbiss handelt es sich um eine häufige Fehlstellung der Zähne. Dabei können sich einzelne Zähne oder gar der gesamte Unterkiefer beim Zusammenbeißen vor die Zähne des Oberkiefers schieben.

Beim Überbiss stimmt das Verhältnis von Ober- zu Unterkiefer nicht und die Zähne des Oberkiefers ragen weit über die des Unterkiefers hinaus. Der verkehrte Überbiss (Vorbiss) dreht diese Verhältnisse um und die Zähne des Unterkiefers ragen weit über die des Oberkiefers hinaus.

Beim Tiefbiss stehen die Zähne des Unterkiefers so weit zurück, dass sie beim Zusammenbeißen den Gaumen berühren. Und beim Deckbiss verdecken die Zähne des Oberkiefers die des Unterkiefers komplett.

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Wer übernimmt die Kosten für eine Zahnspange?

Eine Behandlung beim Kieferorthopäden ist oft langwierig und je nach Art der Behandlung auch mit hohen Kosten verbunden. Tatsächlich hat jedes gesetzlich versicherte Kind bis zum 18. Geburtstag Anspruch auf eine zuzahlungsfreie kieferothopädische Behandlung, wenn sie medizinisch notwendig ist. Was bedeutet das?

In der Kieferorthopädie werden Fehlstellungen der Zähne nach millimetergenauen Vorgaben in fünf kieferorthopädische Gruppen eingeteilt, die sogenannten Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG).
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die vollständigen Kosten für eine Zahnspange ausschließlich ab KIG 3, dabei jedoch nur die Standardleistungen. Extraleistungen, beispielsweise zahnfarbene Brackets einer festen Spange, müssen privat gezahlt werden.

Während einer kassenärztlichen Behandlung müssen Eltern einen Eigenanteil von 20 Prozent aufbringen, den sie nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung von der Krankenkasse zurückerstattet bekommen.

Leichte Zahnfehlstellungen der KIG 1 und 2 müssen komplett privat bezahlt werden. Dazu zählen beispielsweise vorstehende obere Schneidezähne bis zu drei Millimeter vor den unteren (KIG 1). Hierbei handelt es sich um ein ästhetisches, nicht aber ein medizinisches Problem. Auch sehr eng stehende Zähne, die einen Platzmangel von bis zu drei Millimeter aufweisen (KIG 2), sind nicht unbedingt ein medizinisches Problem und müssen deswegen privat gezahlt werden.

Zahnärzte müssen im Übrigen darauf hinweisen, dass Kindern bis zur Vollendung ihres 17. Lebensjahres eine zuzahlungsfreie Behandlung zusteht, wenn ein medizinischer Grund vorliegt. Und Kieferorthopäden dürfen diese zuzahlungsfreie Behandlung nicht verweigern oder an private Zusatzleistungen knüpfen.

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Wie viel kostet eine Zahnspange?

Die Kosten für eine Zahnspange sind immer abhängig von mehreren Faktoren. Erst einmal natürlich, wie schwer die Fehlstellung ist. Denn eine gemessene Zahnfehlstellung der Gruppen KIG 1 und KIG 2 bedeutet, dass die Eltern sämtliche Kosten alleine tragen. Da kommen schnell mehrere tausend Euro zusammen. Krankenkassen übernehmen erst ab KIG 3-5 die Kosten für eine Standard Zahnspange.

Außerdem sind die Kosten abhängig von der Art der Zahnspange (feste oder lose Spange). Auch die Dauer der Behandlung schlägt sich auf die Kosten nieder. Je länger die Zahnspange getragen werden muss, desto höher fallen die Kosten aus. Die Behandlungsdauer kann einige Monate, aber auch zwei bis drei Jahre dauern. Es lässt sich also nicht generell sagen, wie hoch die Kosten für eine Zahnspange werden können. Das muss immer individuell von einem Kieferorthopäden ermittelt werden.

Für Eltern, bei deren Kindern eine Zahnkorrektur nur aus teilweise medizinischen Gründen empfohlen wird (KIG 1 und 2), empfielt die Verbraucherzentrale in einer Online-Broschüre kritisch beim Zahnarzt nachzufragen, ob eine kieferothopädische Behandlung wirklich medizinisch notwendig ist und was passieren würde, wenn keine Bahndlung durchgeführt wird.

Denn laut der Verbraucherzentrale ist nicht eindeutig belegbar, ob eine Nichtbehandlung von "Zahn- und Kieferfehlstellungen die Mundgesundheit und die Funktionsfähigkeit des Gebisses gefährdet". Das heißt, eine Zahnspange kann die Zahngesundheit verbessern, muss sie aber nicht. Eine Zahnspange kann vor Karies, Parodontitis und Kieferschmerzen schützen, muss sie aber nicht. Und eine Zahnspange kann die Zähne länger erhalten, das muss sie aber nicht.

Ein weiterer Tipp der Verbraucherzentrale: die Zweitmeinung! Eltern sollten nicht nur einen Kieferorthopäden konsultieren, sondern immer einen weiteren befragen. So erhalten sie mehr Informationen zu Spangenarten und Kosten.

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Feste oder lose Zahnspange: Welche ist die bessere?

Welche Art der Zahnspange, also herausnehmbar oder festsitzend, für das Kind die beste Wahl ist, ist eine Frage der Schwere der Fehlstellung und wird individuell festgelegt. Manchmal können feste und lose Zahnspangen auch kombiniert werden. Beide Zahnspangen-Typen haben ihre Vorteile:

Vorteile einer festen Spange:

  • sehr effektiv
  • beeinfträchtigt nicht die Aussprache
  • kürzere Behandlungsdauer
  • Verlust nicht möglich

Vorteile der losen Spange:

  • geringe Kariesgefahr
  • weitherin normale Zahnpflege möglich
  • wenig Druckschmerzen
  • geringe Zahnbeschädigung

Vor allem der höhere Zahnpflege-Aufwand einer festen Spange macht vielen Eltern Sorgen. Die geklebten Brackets erhöhen die Kariesgefahr und können die Zähne bei schlechter Pflege schädigen.

Nachteile einer festen Zahnspange:

  • hoher Pflegeaufwand
  • erhöhte Kariesgefahr
  • vermehrte Druckschmerzen
  • mögliche Zahnbeschädigungen bei schlechter Pflege

Nachteile der losen Zahnspange:

  • kleiner Korrekturerfolg
  • schlechtere Aussprache beim Tragen
  • hohe Abbruchgefahr
  • schnell zu verlieren

Wichtig für beide Zahnspangen-Typen, um ihre Tragedauer zu maximieren, ist die gründliche Reinigung. Eine herausnehmbare Zahnspange sollte täglich mit Zahnbürste und Zahnpasta, oder einer Reinigungstablette gereinigt werden. Mit einer festen Zahnspange sollten die Zähne nach Möglichkeit nach jeder Mahlzeit geputzt werden. Zusätzlich sollten die Ränder der einzelnen Brackets mithilfe einer Interdentalbürste gereinigt und Zahnseide für die Zahnzwischenräume genutzt werden.

Im Video: Die größten Impfmythen im Check: Was ist wirklich dran?

Video von Sarah Glaubach

Zahnspange bei Kindern vorbeugen - ist das möglich?

Die wenigsten Menschen haben wirklich gerade Zähne. Vor allem Kieferfehlstellungen oder zu wenig oder zu viel Platz im Kiefer machen eine Zahnspange oft unumgänglich. Ein wenig können Eltern aber dennoch dafür tun, damit die Zähne ihrer kleinen Kinder so gerade wie möglich wachsen.

Eltern sollten darauf achten, dass das Kind nicht am Daumen oder nicht länger als notwendig an einer Trinkflasche nuckelt. Außerdem haben die Sauger selbst einen Einfluss auf die Zahngesundheit des Kindes. Gerade wenn die ersten Zähnchen durchbrechen, sollte ein dem Alter angepasster Sauger an die Trinkflasche.

Beim Thema Schnuller verhält es sich ähnlich. Auch da sollten Eltern auf eine zahnfreundliche Version achten. Wie lange ein Kind seinen Schnuller braucht, ist immer abhängig vom Kind selbst. Eltern sollten jedoch versuchen, ihn bis zum dritten Geburtstag abzugewöhnen.

Ganz wichtig ab dem ersten Zähnchen ist die Zahnpflege. Auch ganz kleine Kinder müssen lernen, dass die Zähne mindestens zwei Mal am Tag geputzt werden. Denn müssen schon Milchzähne beispielsweise aufgrund von Karies gezogen werden, erhöht das die Gefahr, dass bleibende Zähne schief wachsen.

Quellen:
Verbraucherzentrale
Onmeda.de
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Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information und ersetzen keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren.