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Sexualtherapie: Alles, was Paare darüber wissen sollten

von Fiona Rohde ,
Sexualtherapie: Alles, was Paare darüber wissen sollten© Getty Images

Libidoverlust, vorzeitige Ejakulation oder Vaginismus: Die verschiedensten sexuellen Probleme können Paare dazu bewegen, eine Sexualtherapie zu machen. Was muss man wissen, um einen Therapeuten auszuwählen? Wie laufen die Sitzungen ab? Hier findet ihr alle Informationen über die Sexualtherapie.

Inhalt
  1. · Wer darf sich Sexualtherapeut nennen?
  2. · Der Ablauf der Sitzungen
  3. · #Die Sprechstunden
  4. · #Die Übungen
  5. · Vorteile und Grenzen der Sexualtherapie
  6. · Tipps für Paare:
  7. · Praktische Informationen zur Sexualtherapie

Wenn es im Bett nicht mehr klappt, sorgt das nicht selten für Frust und Probleme in der Beziehung. Tauchen Probleme bei einem oder bei beiden Partnern auf, wird die Sex-Sequenz nach und nach weniger und irgendwann herrscht komplette Flaute im Bett. Dabei ergibt es total Sinn, genau dann aktiv zu werden und sich im Notfall sogar professionelle Hilfe zu holen. Denn Sexualität ist für das eigene Wohlbefinden wichtig, aber auch für eine glückliche und erfüllende Beziehung. Genau dieses Ziel setzt sich die Sexualtherapie.

Ins Leben gerufen wurde die Sexualtherapie bereits in den 60er Jahren von dem amerikanischen Forscher William Masters und der Psychologin Virginia Johnson. Im Gegensatz zu konventionellen Paartherapien konzentriert sich die Sexualtherapie nur auf den sexuellen Bereich.

Um das Therapieziel zu erreichen, kombiniert das Verfahren Sprechstunden in der Praxis mit praktischen Übungen für das Paar zu Hause. Wichtig: Die sexuellen Störungen werden nicht organisch behoben (d.h. durch eine medikamentöse Behandlung oder einen chirurgischen Eingriff), sondern ausschließlich mit psychologischen Mitteln behandelt. Sollten die sexuellen Probleme auf medizinische Ursachen zurückzuführen sein, wird der Sexualtherapeut mit einem entsprechenden Arzt zusammenarbeiten, um sie erfolgreich zu beheben.

Video von Jessica Jung

Wer darf sich Sexualtherapeut nennen?

Sexualtherapeut ist keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Ähnlich wie bei den Psychotherapeuten handelt es sich in der Regel um ausgebildete Mediziner, Psychologen oder Sozialpädagogen, die sich durch eine Weiterbildung auf den Bereich Sexualtherapie spezialisiert haben. Die Ausbildung wird beispielsweise in den Fachabteilungen der Universitätskliniken Frankfurt, Kiel und Hamburg sowie im Institut für Verhaltenstherapie, Verhaltensmedizin und Sexuologie (IVS) in Nürnberg und dem Institut für Partner- und Sexualtherapie (IPS) in Würzburg angeboten.

Die Sexualtherapie ist also keine medizinische Fachrichtung, sondern eine Zusatzkompetenz, die durch eine Weiterbildung erworben werden kann. Daher gibt es kein staatliches Diplom, sondern nur ein Abschlusszertifikat.

Ein Sexualtherapeut verfügt über gutes Fachwissen zum Thema Sexualität sowie über Heilmethoden zur Behandlung sexueller Störungen. Es gibt allerdings auch Personen, die sich selbst zum Sexualtherapeuten ernennen, ohne über die geringste Ausbildung zu verfügen. Informiert euch daher vorher genau über einen Sexualtherapeuten und fragt euren Arzt nach einer Empfehlung, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Der Ablauf der Sitzungen

Bei jeder Sitzung findet ein ungezwungenes Gespräch statt, in dem ihr als Paar möglichst ohne Schamgefühl und Hemmungen über euer Intimleben und den Verlauf eurer Sexualkontakte berichtet. Ängste, verschwiegene Wünsche, Frustration: All das solltet ihr eurem Therapeuten offenlegen. Das ist sicherlich nicht für jeden einfach, aber ihr könnt davon ausgehen, dass hier ein Profi vor euch sitzt, der euch helfen möchte und nichts Schlimmes daran findet, derart Intimitäten von euch zu erfahren. Es ist sein Job.

Ihr müsst euch immer klarmachen: Auch wenn es Überwindung kostet, kann euch die Therapie dabei helfen, als Paar auch wieder in sexueller Hinsicht glücklich zu werden. Denn manchmal können die sexuellen Störungen nur mithilfe eines Sexualtherapeuten überwunden werden. Die Therapie besteht jedoch nicht nur aus den Sitzungen beim Therapeuten, sondern in der Regel aus zwei Teilen: den Sprechstunden und den praktischen Übungen.

#Die Sprechstunden

Das erste Ziel besteht darin, den Dialog zwischen dem oder den Patienten und dem Therapeuten herzustellen: Wie wird die sexuelle Beziehung erlebt? Welche Blockaden existieren? Was muss getan werden, um die Situation zu verbessern? Diese und ähnliche Fragen werden sicherlich zur Sprache kommen. Es ist anschließend die Aufgabe des Sexualtherapeuten eine Antwort bzw. eine Lösung zu finden. Wenn ihr einen festen Partner habt, wird eine Paartherapie empfohlen, um den Status Quo so gut wie möglich zu erfassen und die Schwierigkeiten gemeinsam zu bewältigen. Mögliche Probleme sind zum Beispiel Orgasmusschwierigkeiten oder ein vorzeitiger Samenerguss.

Ihr könnt aber auch beschließen, die Therapie alleine durchzuführen, z.B. weil ihr befürchtet, dass die gemeinsame Therapie euren Partner nur noch mehr verunsichern könnte. Auch wenn ihr keinen festen Partner habt, könnt ihr natürlich eine Therapie machen.

Zu eurer Information: Es handelt sich auf keinen Fall um eine medizinische Untersuchung. Ihr müsst euch also nicht frei machen und könnt euch ganz normal kleiden! Der Experte kann euch allerdings einen Gesundheits-Check verschreiben, wenn es einen Hinweis auf eine körperliche Ursache gibt.

#Die Übungen

Der praktische Teil der Therapie ist dazu da, den Inhalt der Gespräche in die Tat umzusetzen und wieder ein erfüllendes und entspanntes Liebesleben herzustellen. Der Sexualtherapeut ergründet die Ursache des Problems und schlägt daraufhin bestimmte Übungen vor, die genau auf die Störungen des Paares abgestimmt sind. Mit der Zeit (und der nötigen Ausdauer) haben die praktischen Übungen in der Regel eine relativ hohe Erfolgsquote.

Vorteile und Grenzen der Sexualtherapie

Diese Art der Behandlung ist primär für sexuelle Störungen psychologischen Ursprungs geeignet. Das können zum Beispiel Kommunikationsschwierigkeiten in der Beziehung sein, dass beide Paare nicht offen über ihre Wünsche und Probleme reden können und hierfür den Rat eines unbeteiligten Dritten brauchen, um aus diesem Teufelskreis zu entkommen.

Oft trauen sich Paare nicht, sich einander offen zu gestehen, wenn sie etwas nicht erregt oder sogar abtörnt. In einigen Fällen hat ein Partner sogar Schmerzen und blockiert sich deshalb selbst in seinem Sexleben. Der Sexualtherapeut kann hier helfen, indem er mit gezielten Fragen analysiert, ob das Problem des Paares einen medizinischen oder einen beziehungstechnischen Grund hat. Und er kann dafür sorgen, dass das Schweigen gebrochen und ein entspannter Dialog über das eigene Sexempfinden stattfinden kann bzw. erlernt wird.

Wenn sich die Ursachen für die sexuellen Probleme allerdings im Unterbewusstsein befinden, sollte eine andere Therapiemethode in Erwägung gezogen werden (Psychotherapie, Psychoanalyse, Paartherapie). Sind die Ursachen körperlich beziehungsweise auf eine Krankheit zurückzuführen, wird euer Gynäkologe oder Urologe euer nächster Ansprechpartner sein.

In bestimmten Fällen kann der Sexualtherapeut auch Medikamente verschreiben (Voraussetzung ist natürlich eine medizinische Qualifikation), zum Beispiel wenn es um die Behandlung einer erektilen Dysfunktionen geht.

Video: Nachgefragt: Wann ist eine Paartherapie sinnvoll?

Video von Redaktion

Tipps für Paare:

1. Zeigt eurem Partner bzw. eurer Partnerin in den Sitzungen, dass es kein falsch oder richtig gibt. Es geht darum, offen zu sein und ehrlich. Also verurteilt euch nicht gegenseitig, wenn der eine es anders mag als der andere oder einer von beiden mit ganz neuen Sexfantasien aufwartet. Es geht hier erstmal um einen offenen Austausch. Niemand muss deshalb etwas tun, was er nicht möchte. Und niemand muss sich für seine sexuellen Wünsche und Träume schämen.

2. Den richtigen Fachmann für sich zu finden ist gar nicht so einfach. Testet also in einem Vorgespräche aus, ob ihr euch beide mit eurem Therapeuten wohlfühlt und mit ihm arbeiten wollt. Ihr müsst nicht zwingend den erstbesten nehmen, wenn ihr euch bei ihm nicht an der richtigen Adresse fühlt.

3. Wenn ihr zu lange wartet, schläft euer Sexleben ganz ein. Und das macht es meist nicht einfacher, wieder einen entspannten Umgang miteinander zu haben. Deshalb wartet nicht zu lange.

4. Noch ein Tipp: Macht Sex nicht zur Routine und Pflichtübung. Also bitte nicht nur Sonntagsabends nach dem Fernsehfilm der Woche. Vielmehr solltet ihr euch bewusst Zeit nehmen, ein gemeinsames Sex-Date ausmachen. Zelebriert das und macht den Sex zu etwas Besonderem. Gerade am Anfang ist das wichtig. Das ist ja auch der Grund, warum viele Paare vor allem im Urlaub guten Sex miteinander haben. Raus aus dem Alltag und dem 08/15. Gönnt euch spannende Dates, so wie am Anfang. Verführt euch. Entdeckt euch neu.

Praktische Informationen zur Sexualtherapie

Die Preise für eine Therapie können je nach Region variieren. Wenn der Sexualtherapeut gleichzeitig ein zugelassener Arzt ist und die Ursache eine psychische Erkrankung, kann die Sitzung eventuell von der Krankenkasse zurückerstattet werden. Hier solltet ihr euch im Vorfeld erkundigen, was möglich ist.

Die Dauer der Sexualtherapie hängt von den Schwierigkeiten ab, die bewältigt werden müssen. Auch der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Beratungsgesprächen spielt eine Rolle.

Sexualtherapeuten können entweder freiberuflich in einer eigenen Praxis oder in einer fachverwandten Abteilung im Krankenhaus (Urologie, Gynäkologie, Endokrinologie) arbeiten.

Weitere Informationen:
- Hotline "Sexualität und Gesundheit" des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit e.V: Tel. 0180/5558484 (0,14 Euro pro Minute)
- Institut für Partner- und Sexualtherapie, Sterenstr. 17, 97074 Würzburg, Telefon: 0931/88 55 80
- Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung e.V.
- Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie e.V.

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Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen lediglich der Information und ersetzen keine Diagnose beim Arzt. Treten Probleme, Unsicherheiten oder dringende Fragen auf, solltet ihr euren Arzt, Psychologen oder Therapeuten kontaktieren.

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