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Liebe & Psychologie

Fetisch: Von Kuscheltieren, Frotteurismus und Nadelbäumen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 21. August 2015

Gerne werden wir Frauen als Schuhfetischisten bezeichnet. Was natürlich mit einem echten Fetisch wenig zu tun hat. Wie sieht es mit wirklichen Fetischen aus? Was genau steckt hinter einem Fetisch und welche gibt es?

Eins vorweg: Niemand will sich hier über Fetische lustig machen. Jeder sollte sich in seiner Sexualität frei ausleben dürfen - Voraussetzung, es ist nicht auf Kosten anderer. Vielmehr wollen wir einfach mal erklären, was ein Fetisch ist und welche unterschiedlichen Arten von Fetischen es gibt. Letztlich machen viele Witze darüber, aber kaum einer überlegt, was wirklich dahinter steckt. Und interessant ist das Thema allemal: Denn was alles als erregend empfunden wird, ist schlichtweg erstaunlich für den - sagen wir mal - Otto-Normalverbraucher.

Was genau ist ein Fetisch?

Meist denkt man an einen Fetisch, wenn beim Sex bestimmte Vorlieben praktiziert werden. Zum Beispiel der Wunsch, dass der Partner beim Sex Schuhe trägt, Lack und Leder, Fesseln oder Nylon, oder eben dass bestimmte Körperteile, wie Füße oder Brüste als besonders erregend angesehen werden. Bei einem sexuellen Fetisch wird ein unbelebtes Objekt sexualisiert - eben Lack und Leder. Doch auch absolut ungewöhnliche Gegenstände, Objekte des alltäglichen Lebens, können in den Fokus eines Fetischisten rücken. Man denke zum Beispiel an den gerne zitierten Windel-Fetischisten, jemanden, der es erregend findet, Windeln zu tragen.

Ist ein Lack- und Leder-Fetischist also genauso gestrickt wie ein Windel-Fetischist?

Natürlich nicht. Man muss unterscheiden zwischen Menschen, die den Fetisch in ihr Sexleben mit dem Partner integrieren, wie zum Beispiel Fesselspiele. Hier soll der Fetisch den Sex bereichern und spannend machen. Man hat aber letztlich Sex mit einem Partner.

Es gibt jedoch auch Fetischisten, die nur in Stimmung kommen, wenn sie ein bestimmtes Objekt nutzen. Dabei rückt die sexuelle Beziehung zu einem Partner in den Hintergrund, und das Objekt, also der Fetisch, tritt an seine Stelle. Viele Menschen, die komplett auf einen Fetisch fixiert sind, sind unsicher im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Das Objekt, also der Fetisch, ist für sie einfacher händlebar als ein menschlicher Partner. In diesem Fall ist der Fetischismus eine Störung des Sexualverhaltens, die behandelt werden sollte. Da eine Befriedigung ohne den Fetisch kaum mehr möglich ist, ist der Leidensdruck der Betroffenen zum Teil sehr groß.

Was kann alles ein Fetisch sein?

Die Bandbreite der Objekte, die als erregend empfunden werden, ist ziemlich groß. Kaum etwas, was es nicht gibt. Hier sind einige recht ungewöhnliche Fetische, die die meisten vielleicht noch nicht kennen:

Geliebter Schweiß

Wir alle sind genervt, wenn wir im Sommer verschwitzt in der Bahn stehen. Bloß niemanden berühren. Doch es gibt Menschen, die genau das erregend finden. Sie empfinden Lust dabei, in so einer vollgestopften Bahn zu fahren, weil sie den Schweiß anderer Menschen anziehend finden.

Toucheurismus & Frotteurismus

Aber es gibt noch mehr Gründe Bahn zu fahren. Zumindest für Anhänger dieses Fetischs: Hier wird es als erregend empfunden, andere Menschen heimlich zu berühren (Toucheurismus) oder sich gar an ihnen zu reiben (Frotteurismus).

Plüschtierchen

Wird einem beim Anblick von Stoff- und Plüschtieren ganz warm, spricht man von Plushophilie. Sei es, dass man sich mit dem Stoffteddy erregt, indem man damit über seinen Körper streicht oder sich auf die netten Plüschgefährten legt.

Oder selbst zum Plüschtier werden: Furries

Bei den Furries wird nicht das Kuscheltier zum Objekt der Begierde, sondern der Fetischist zum Kuscheltier. Ogal ob Plüschbär oder Stoffkätzchen: Furries tragen selbst Tierkostüme. Dabei werden jedoch keine Verhaltensweisen nachgeahmt, sondern man verhält sich ganz normal.

99 Luftballons: Looner

Luftballons stehen im Zentrum des (sexuellen) Interesses von Loonern. Drücken, reiben, aufblasen, Luft rauslassen, reiten oder platzen lassen - dazu der Geruch von Gummi. Die Anhänger dieser Luftballon-Aktion nennen sich Looner und es gibt zwei Gruppen: Die Popper wollen, dass der Ballon platzt, die Non-Popper wollen das verhindern.

Formicophilie

Schon ein bisschen speziell: Die Anhänger dieses Fetisches lieben es, wenn Insekten über ihre Genitalien laufen. Das kann mitunter auch sehr schmerzhaft sein, zum Beispiel bei Ameisen ...

Mein Freund der Baum

Ein Mensch mit diesem Fetisch fühlt sich hingezogen zu Bäumen (Dendrophilie). Egal ob Kiefer, Eiche oder Buche: Sie werden nicht nur als erregend empfunden, sondern auch in sexuelle Handlungen mit einbezogen.

Crush-Fetisch

Jetzt geht's ans Eingemachte: Beim Crush-Fetisch geht es darum, mit Essen zu spielen. Genauer gesagt: Das Essen mit den Füßen zu zertreten oder anderen Personen dabei zuzusehen. Dabei muss es nicht nur um Lebensmittel gehen, sondern auch um andere Objekte oder sogar kleine Tiere (bei letzterem hört der Spaß allerdings auf).

Haarige Sache

Egal ob Haupthaar oder intime Behaarung: Körperbehaarung per se wird hier als Lustquelle gesehen (Trichophilie). Sei es, dass man dem Partner die Haare wäscht, sie über den eigenen Körper gleiten lässt oder der bloße Anblick einen heiß macht - Hauptsache, es sind Haare im Spiel.

Mysophilie

Zum Schluss noch ein für viele eher befremdlicher Fetisch: Mysophilie-Anhänger sind auf gut deutsch Geruchsfetischisten. Und zwar ganz spezielle: Sie lieben verschwitzte Körperpartien, Füße oder getragene Wäsche, Strümpfe etc. Alle Gerüche, die gemeinhin als unangenehm gelten oder einen sexuell geprägten Duft besitzen, finden sie erregend.

von Fiona Rohde

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