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Liebe & Psychologie

Phänomen "Ghosting": Der polnische Abgang in Liebesdingen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 25. August 2015

Ghosting, das heißt übersetzt 'wie ein Geist verschwinden'. Und zwar ausgerechnet vor der Person, mit der man eine Beziehung eingehen wollte oder bereits hatte.

Neuerdings gibt es ja für fast alles einen (meist englischen) Begriff. So auch in diesem Fall. Wirklich bekannt wurde der Begriff Ghosting durch die Trennung von Hollywood-Star Charlize Theron und Sean Penn. Ihr sozusagen 'polnischer Abgang' ist genau das, was Ghosting bezeichnet.

Was genau beim Ghosting passiert? Plötzlich löst sich der Mensch, den man gedatet hat, mit dem man sich eine Art Beziehung vorstellen konnte oder sogar über einen gewissen Zeitraum eine Beziehung geführt hat, in Luft auf. Ohne Vorankündigung meldet sich der geliebte Partner nicht mehr und lässt den anderen ratlos zurück. Jeder Kontaktversuch wird rigoros abgeblockt.

Ghosting ist also eine Trennung ohne Gespräch, ohne Angabe von Gründen oder der Chance für den Verlassenen, noch einmal Kontakt aufzunehmen. Eine feige Sache? Letztlich ja. Denn wenn man sich nah ist, ist man auch für den anderen ein Stück weit verantwortlich. Ihn einfach in seinem Elend zurückzulassen, ist da wenig fair.

Das Schmerzliche: Gerade als Verlassener sucht man nach dem "Warum", sucht Antworten für das Scheitern - und genau die bekommt man im Fall von Ghosting nicht mehr und wird sie auch nie bekommen. Einfach, weil da jemand ist, der sich entzieht, der einem offenen Gespräch bewusst aus dem Weg geht und sich einer Stellungnahme einfach entzieht. Dagegen ist Schlussmachen per SMS fast schon milde und nett.

Dabei hat der, der wie ein Geist verschwindet, das Für und Wieder für sein Verhalten meist genau bedacht. Aus Angst vor einer offenen Konfrontation versteckt er sich, bis der andere nicht mehr anruft, keine SMS mehr schreibt oder auf andere Weise Kontakt sucht. Dann ist das vollbracht, was man sich nicht offen auszusprechen getraut hat: die Trennung. Der andere wird das schon verstehen. Es ist doch für beide so einfacher, als sich noch in endlosen Diskussionen zu quälen - denkt zumindest der, der entschwunden ist.

Ist Ghosting ein Phänomen der Liebe 2.0?

Sicher gab es schon früher Menschen, die sich auf diese unschöne Weise getrennt haben. Dennoch scheint dieses Phänomen auch mit dem heutigen Dating-Verhalten zuammenzuhängen. Man findet jemanden über ein Dating-Portal oder eine App, nimmt Kontakt via Mail und SMS auf, chattet, trifft sich. Und wenn man merkt, dass es für einen doch nicht funktioniert, wird das Ganze genauso unpersönlich und virtuell wieder beendet, wie es begonnen hat. Man taucht ab. Der andere wird den Wink schon verstehen - denkt man sich. Alles war ja so herrlich unverbindlich und so viele andere Dates warten noch auf einen.

Kann man sich vor Menschen schützen, die einen einfach so sitzen lassen? Leider nein. Man sieht den Menschen ja nicht an, ob Ghosting für sie Normalität ist. Aber ihr könnt eure Beziehung mit einem kritischen Blick betrachten. Ist der Partner konfliktfähig? Kann man mit ihm einen Streit austragen oder taucht er danach erstmal für eine Woche unter? Generell verabschieden sich eher Menschen per Ghosting, die unbequemen Gesprächen und schwierigen Situationen lieber aus dem Weg gehen. Ob einen diese Warnhinweise jedoch davor bewahren, dass einem ein Ghosting-Anhänger das Herz bricht, ist fraglich.

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