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Liebe & Psychologie

Paardiologie oder warum Reden in der Beziehung so wichtig ist

von Fiona Rohde Erstellt am 16. April 2020
Paardiologie oder warum Reden in der Beziehung so wichtig ist© Getty Images

Charlotte Roche und Ehemann Martin Keß-Roche haben vorgemacht, wie es geht: In ihrem Podcast reden sie offen über ihre Beziehung, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ein selbstmörderisches Wagnis oder genau richtig für eine Partnerschaft?

Warum sollte man anderen Paaren dabei zuhören wollen, wenn sie über ihre Probleme und Krisen reden? Ist das nicht immer der Moment, wo man bei befreundeten Pärchen so peinlich berührt weghört?

Mag stimmen. Aber manchmal ist das eben doch gar nicht so übel, andere Paare bei ihren Problemdiskussionen zu belauschen. Und dann freut man sich sogar, dass sie daraus einen Podcast machen.

Die Rede ist natürlich nicht von Lieschen Müller und ihrem Mann, sondern von Paardiologie, dem Podcast von Charlotte Roche und ihrem Mann Martin Keß-Roche, in dem sich beide gegenseitig Fragen stellen. Dabei geht es mal um Höhen und Tiefen ihrer Beziehung, mal darum, was sie aneinander schätzen oder was sie schwierig finden – und das immer auf absoluter Augenhöhe und mit ganz viel Liebe, Offenheit und Respekt.

Offene Kommunikation unter Paaren: Zwischen Mut und Harakiri

Und weil es Charlotte Roche und ihr Mann so entwaffnend gut machen, werden einem beim Hören so einige Dinge klar. Zum einen: Wie wichtig es in einer Partnerschaft ist, offen zu reden. Und das kann man Paaren gar nicht hoch genug anrechnen. Denn das erfordert eine ordentliche Portion A*** in der Hose.

Ja, denkt man sich beim Zuhören, so müsste es immer sein. Wenn alle so offen reden würden, gäbe es sicher weniger Missverständnisse, weniger Lügen und weniger Trennungen.

Aber schafft das jedes Paar, so wie die beiden? Denn so viel Spaß dieser Podcast beim Zuhören auch macht, wie unterhaltsam die beiden da agieren, so zeigt er doch eins ganz klar: Natürlich ist Reden überlebenswichtig für eine Beziehung. Nur kaum einer macht es in dieser krassen Form wie die zwei.

Dabei wissen wir ja eigentlich sehr wohl, dass alles andere witzlos ist. Also fehlende Offenheit. Fehlende Kommunikation unter Liebenden. Zumindest wenn ich eine dauerhafte Beziehung auf Augenhöhe führen möchte. Aber wer setzt dieses theoretische Wissen auch wirklich eins zu eins um?

Bist du bereit für deine Paardialogie?

Da fasst man sich selbst an die Nase und überlegt: Hab ich jemals so gnadenlos offen kommuniziert in meiner Beziehung? Und welche Fragen würde ich meinem Partner stellen, die ich nie zu stellen gewagt habe? Und wäre ich bereit, die Antworten zu hören? Und umgekehrt: Würde ich alle seine Fragen beantworten und wann würde ich den Joker ziehen und eine Antwort verweigern?

Wer sich das klarmacht oder vielleicht sogar Fragen aufschreibt, der kann sehr gut für sich herausfinden, wieviel Nähe und Offenheit er selbst erträgt und in welchen Bereichen er gar nicht bereit ist, sich zu öffnen. Und das sind vielleicht gar nicht mal so wenige, wenn man ehrlich ist.

Sicherlich ist es toll, zu sagen: "Es gibt nur dich für mich. Für alle anderen habe ich gar keine Augen." Das zeugt von viel Liebe. Aber zeugt es nicht ebenso von sehr viel Liebe und zudem Vertrauen, dem Partner zu sagen, wann und in welcher Form man für Reize von außen, sprich andere Menschen, empfänglich war oder ist?

Sich gegenseitig zu fragen: Hast du dich schon mal fremdverliebt, während wir zusammen waren? Hast du dir ausgemalt, wie es wäre, mit jemand anderem ein ganz anderes Leben zu führen? Empfindest du andere Menschen als spannend und reizvoll?

Und wer diese Art Fragen und Kommunikation für brandgefährlich hält, hat sich vielleicht selbst schon eine Antwort gegeben, wie es mit der Beziehung steht. Liebe braucht eben auch Mut zur Offenheit. Das muss nicht ausnahmslos für alle Bereiche gelten. Sicherlich hat da jeder so seine Grenzen. Und das muss auch nicht jedes Paar für sich super finden, aber es ist eine durchaus bewunderswerte Art zu Lieben.

Und noch etwas wird einem klar, wenn man den beiden zuhört: Egal ob erfolgreiche Moderatorin und Buchautorin oder Fleischfachverkäuferin aus Oberhausen: Alle haben letztlich die gleichen Themen und Probleme in ihrer Beziehung. Und sie sind lösbar – wenn man mit einander kommuniziert.

Hier gibt es Inspiration für eure Paardiologie

Wer jetzt auch Lust auf diese offene Art der Kommunikation bekommen hat (oder darauf, Paare zu belauschen), dem kann geholfen werden. Auch ganz ohne Podcast.

Denn wem das alles beim Podcast immer zu schnell ging und wer sich lieber mit einem Buch in der Hand hinsetzt, bei dem er noch mal zurückblättern und in Ruhe nachlesen kann, der kann das Ganze auch als Buch konsumieren.

Das Buch ist nicht 1:1 der Podcast, sondern die Themen wurden geordnet und neu aufbereitet. Bedeutet in dem Fall: die Paartherapeutin Ursula Nuber kommentiert und gibt weitergehende Informationen.

Vielleicht ja der Anlass für das ein oder andere Paar, sich Fragen zu überlegen und sich auch einem derart offenen Dialog zu stellen. Ein Anfang für ein Mehr an Kommunikation wäre es allemal. Und mal ganz ehrlich: Das täte etlichen Beziehungen durchaus sehr gut.

Was auf die Ohren: Hier geht's zum Podcast 'Paardiologie' bei Spotify.

Was zum Nachlesen: Paardiologie. Das Beziehungs-Buch, Charlotte Roche und Martin Keß-Roche, Piper Verlag / April 2020 -> jetzt hier auf Amazon kaufen* oder direkt beim Piper Verlag oder dem Buchhändler deines Vertrauens bestellen.

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