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Vegane Kosmetik: Was steckt hinter dem Trend?

von Heike Schmidt Veröffentlicht am 12. November 2014

Kein Leder, kein Honig und schon gar kein Fleisch: Veganer verzichten auf alles, was tierischen Ursprungs ist - auch bei Kosmetik. Doch was heißt 'vegan' bei Gesichtscreme, Lippenstift und Co. überhaupt? Wir erklären, was Kosmetik 'vegan' macht und welche Siegel bei der Kaufentscheidung helfen.

Schauspielerin Natalie Portman, R’n’B Star Usher und Pop-Sängerin Ellie Goulding sind jung, erfolgreich und – leben vegan. Das heißt: Für sie ist alles, was vom Tier stammt, tabu. Mit ihnen verzichten nach Angaben der Tierschutzorganisation Peta etwa 2,5 Prozent der US-Amerikaner bereits auf Produkte tierischen Ursprungs. In Deutschland schätzt die Vegane Gesellschaft Deutschland e.V. die Zahl der Menschen, die vegan leben, auf etwa 800.000.

Wer Veganer zu Hause besucht, findet in ihrem Kühlschrank keine Milch, keinen Honig und schon gar keine Wurst. Klar, denn alle diese Produkte wurden entweder von Tieren erzeugt oder durch das Töten von Tieren gewonnen. Doch vegan zu leben, ist mehr als eine bestimmte Art sich zu ernähren. Ziel der Veganer ist nämlich ein ganzheitlicher, alle Lebensbereiche umfassender Tierschutz. Darum verzichten sie auch bei Kleidung auf tierische Produkte. Logisch, dass ihr Anspruch nach veganen Produkten auch vor Kosmetik nicht haltmacht. Doch während bei Ernährung und Mode der tierische Ursprung meist ziemlich offenkundig ist, wird es bei Cremes, Shampoos und Make-up schon etwas kniffliger, Inhaltsstoffe, die von Tieren stammen, zu erkennen.

Tierische Inhaltsstoffe in Kosmetik erkennen

Wer sich derzeit in einer Drogerie umsieht, entdeckt immer häufiger Produkte, die als 'vegan' ausgelobt sind. Vegane Kosmetik ist längst kein Nischenthema für fanatische Tierliebhaber mehr. Doch warum braucht es eigentlich eine solche Kennzeichnung? Weil es kosmetische Inhaltsstoffe gibt, die aus Tieren gewonnen werden. Die häufigsten davon sind z.B.:

> in Cremes: Honig, Nerzöl, Wollfett (Lanolin), Gelée Royal von Bienen
> in Haarpflege- & -stylingprodukten: natürliches Keratin aus Schalentieren, Extrakt aus Kaviar
> in Make-up: Bienenwachs, Karminrot aus der Cochenille-Laus, Bienenwachs, Perlmuttpigmente aus Muscheln

Achtung: Manchmal weist die Bezeichnung eines Inhaltsstoffes auch in die Irre! 'Milchsäure' wird zum Beispiel heute rein synthetisch hergestellt und darf darum auch in veganen Produkten stecken.

Ist Naturkosmetik immer auch vegan?

Zertifizierte Naturkosmetik-Marken zählen den Tierschutz zu ihren Grundprinzipien. Doch ihr Produktangebot ist häufig nicht völlig frei von tierischen Inhaltsstoffen. Der Grund dafür ist meist, dass Naturkosmetik ohne Inhaltsstoffe auf Basis von Mineralöl auskommen muss. Bei einigen Produkten kommt genau deshalb eine Substanz tierischen Ursprungs zum Einsatz – quasi als natürliche Alternative zum Erdöl-Produkt. Damit ist zwar der Anspruch 'Naturkosmetik' erfüllt, nicht aber der veganer Rohstoffe.

Umgekehrt gilt: Vegane Kosmetik kann synthetisch gewonnene Inhaltsstoffe enthalten. Sie ist also nicht automatisch Naturkosmetik. Wer konsequent ausschließlich vegane Naturkosmetik verwenden will, muss aktuell noch mit einem eingeschränkten Angebot zurechtkommen. Doch die Auswahl an Cremes und Make-up, die beide Ansprüche erfüllen, wächst stetig.

Gut zur Haut, gut zum Tier: Vegane Kosmetik

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Siegel für vegane Kosmetik

Vegane Kosmetik liegt im Trend. Manche Unternehmen machen sich die verkaufsfördernde Wirkung des Wörtchens 'vegan' zunutze und weisen ihre Produkte mit einem unternehmenseigenen Vegan-Siegel aus. Doch es gibt auch Hersteller-unabhängige Labels, die bei der Suche nach veganer Kosmetik helfen. Die wichtigsten sind:

> die Veganblume: Das Siegel, das eine stilisierte Blume zeigt, wird von der 'Vegan Society England' an einzelne Produkte vergeben, die weder tierische Substanzen enthalten, noch an Tieren getestet wurden. Ein entsprechendes Siegel der Veganen Gesellschaft Deutschland kennzeichnet derzeit nur Lebensmittel.

Weitere Vegan-Labels werden von Tierschutzorganisationen vergeben:

> 'Kaninchen unter der schützenden Hand': Der internationale Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e. V. vergibt seit 2013 dieses Siegel an Produkte, die die Kriterien des deutschen Tierschutzbundes in Bezug auf Tierversuche und tierische Inhaltsstoffe erfüllen. Das Siegel steht zudem noch für die Verwendung von Bio-Rohstoffen, die nachhaltig und sozialverträglich produziert werden.

> 'leaping bunny': Die US-amerikanische 'Coalition for Consumer Information on Cosmetics' vergibt das Symbol eines springenden Kaninchens an Kosmetik- und Haushaltsprodukte, deren Inhaltsstoffe nachweislich nie an Tieren getestet wurden.

> 'Cruelty-Free and Vegan': Die internationale Tierschutzorganisation Peta vergibt das Label an Produkte, deren Substanzen nicht tierischen Ursprungs sind und nicht an Tieren getestet wurden. Sie unterstützt außerdem Kosmetikhersteller und Konsumenten mit der Kampagne 'Beauty without Bunnys' ('Schönsein ohne Kaninchen'), indem sie z.B. Listen mit Herstellern veröffentlicht, die an Tieren testen und solchen, die darauf konsequent verzichten.

Vegane Kosmetik: Echter Tierschutz?

Vegane Kosmetik ist - auch ohne vegane Ernährung - eine gute Entscheidung für alle, denen das Wohl von Tieren am Herzen liegt. Allerdings ist der Schutz von Tieren vor Laborversuchen auch beim Kauf konventioneller Kosmetik gegeben. Ein EU-Gesetz verbietet seit März 2013 den Verkauf von Kosmetik, deren Inhaltsstoffe innerhalb oder außerhalb Europas an Tieren getestet wurden. Ob der völlige Verzicht von tierischen Inhaltsstoffen in Kosmetik aktiver Tierschutz, ein Lifestyle-Trend oder ein Tropfen auf den heißen Stein ist, muss letztlich jedoch jeder für sich selbst entscheiden.

von Heike Schmidt

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