Home / Liebe & Psychologie / Mein Leben

Liebe & Psychologie

Digital Detoxing: 9 Tipps für weniger Smartphone in deinem Leben

von Fiona Rohde Erstellt am 18. Januar 2020
Digital Detoxing: 9 Tipps für weniger Smartphone in deinem Leben© Getty Images

Unser Smartphone begleitet uns ständig. Wir sind sozusagen dauer-online. Höchste Zeit für Digital Detoxing. Wie das gelingt, erfahrt ihr hier.

Vielen Menschen geht es sicher wie mir: Wenn ich mein Smartphone irgendwo vergessen habe und sozusagen "allein" unterwegs bin, fühle ich mich nackt. Denn in der Regel ist das Smartphone immer dabei, Tag und Nacht.

Letztlich habe ich mich dabei ertappt, dass ich alle fünf Minuten auf das Handy geschaut habe. Wohlgemerkt: Während mir ein ziemlich netter Mensch gegenüber saß. Er meinte dann irgendwann höflich, ob ich irgendeine wichtige Hiobsbotschaft erwarten würde. Spätestens da war mir klar: Es wird Zeit für ein paar Erziehungsmaßnahmen und ein bisschen Digital Detoxing.

Im Video: So gehts du besser mit Kritik im Job um

Video von Jutta Eliks

Digital Detoxing: Schluss mit Smombies!

Es gibt ja diesen schönen Begriff Smombie. Eine Mischung aus Smartphone und Zombie, jene Leute, die – auf ihr Display starrend – durch die Gegend latschen, ohne auch nur einen Blick nach rechts und links zu werfen.

Und Smombies gibt es überall. Nehmen wir beispielsweise die Abende, wenn man im Restaurant sitzt. Da hocken ganze Mädelsgruppen und niemand unterhält sich, weil jeder stumm auf sein Smartphone glotzt, sein Essen fotografiert oder Selfies postet.

Oder die Paare, die zusammen ausgehen, um dann nur auf ihr Smartphones zu starren. Die vielleicht sogar gerade das nächste Tinder-Match klarmachen, während ihr Date gegenüber im Quinoa-Salat rumstochert. Hier wäre ein bisschen mehr ungeteilte Aufmerksamkeit, sprich Digital Detoxing, mehr als hilfreich.

Lesetipp: Tu das NICHT! Wie du mit deinem Smartphone jedes Date sofort ruinierst

Ja, es gab eine Zeit vor dem Smartphone!

Ich selbst bin etwas älter als die Digital Natives, jener Generation, der der Gebrauch von Internet, Smartphone und sozialen Netzwerken fast schon pränatal in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich kenne noch die gute alte analoge Zeit. In der man nicht allzeit erreichbar war, in der man den Schwarm noch auf der nächsten Party abpassen musste, statt ihn mal eben bei Facebook oder Instagram zu adden.

Und gerade weil ich weiß, wie es vorher war, weiß ich die Vorzüge eines Smartphones sehr zu schätzen. Dennoch ist dieses kleine Ding so absolut unverzichtbar geworden, dass wir es mittlerweile inflationär oft ohne jeden Grund benutzen. Zeit also Digital Detox zu lernen.

Egal ob generell für den Alltag, oder um sich Smartphone-freie Zeiten am Wochenende oder im Urlaub zu schaffen, Digital Detox kann das Stresslevel senken und dafür sorgen, dass wir wieder bewusster durchs Leben gehen.

Buchtipp: Digital Detox: Der ultimative Leitfaden, um die Technologiesucht zu überwinden, Achtsamkeit zu kultivieren und mehr Kreativität, Inspiration und Ausgeglichenheit in deinem Leben zu genießen! von Alessandro Fiorentini. Jetzt hier bei Amazon ansehen.*

Auch lesen: Smartphone & Bildschirm: Schädigt das Handy die Augen?

Digital Detoxing: 9 Tipps fürs Smartphone-Fasten

Niemand soll jetzt sein Smartphone auf Nimmerwiedersehen in der Schublade verschwinden lassen. Es geht lediglich darum, sich ein paar schlechte Angewohnheiten abzugewöhnen, sprich: Ein kleines bisschen Digital Detoxing zu betreiben und wieder mehr "echtes" Offline-Leben zuzulassen. Das ist besonders am Wochenende oder im Urlaub wichtig, denn gerade da geht es darum, den eigenen Akku aufzuladen und nicht den des Smartphones.

Und wer noch nicht motiviert genug ist, dem geben wir hier mal ein paar Zahlen zum Nachdenken: Laut einer Studie der britischen Marketing-Agentur Tecmark unter 2000 Smartphone-Nutzern greifen wir pro Tag ganze 214 Mal zu unserem Smartphone.

Andere Studien besagen, dass wir unser Handy pro Tag rund 80 Mal entsperren, um 2600 Tätigkeiten auf dem Smartphone auszuführen. Wie viel mehr Zeit pro Tag hätte man also, wenn man all diese Klicks und Tätigkeiten auf das nötige Maß reduziert!

Digital Detoxing-Tipp #1: Erkenne Automatismen und schaff sie ab

Digital Detoxing, also digitale Entgiftung, heißt: Öfters mal wieder bewusst offline sein. Es gibt bestimmte Situationen, in denen wir automatisch zum Mobiltelefon greifen, die aber gar nicht sein müssen. Deshalb: Überleg dir bewusst, in welchen Momenten du dein Smartphone ab jetzt in die Handtasche verbannen solltest.

Zum Beispiel beim Essen oder beim Zusammensein mit Freunden: Hier sollte das Smartphone tabu sein. Nur eine von vielen kleinen Regeln, die deinen Smartphone-Konsum reduzieren und jeden Klick auf deinem Phone bewusster und überlegter machen.

Oft ist es eine reine Reflexbewegung, die wir mit dem Griff zum Handy ausführen. Zum Beispiel, wenn die Begleitung im Restaurant kurz zur Toilette geht. Oder, wenn man auf den Bus wartet. Fast jeder greift in solchen Momenten zum Handy. Versuch dir diese Automatismen bewusst zu machen.

Digital Detoxing-Tipp #2: Im Urlaub komplett abschalten

Ein Smartphone-freier Urlaub mag für viele befremdlich und schwer umsetzbar klingen. Dabei ist gerade im Urlaub Digital Detox extrem wichtig. Denn das Smartphone, auf dem alle paar Minuten E-Mails, WhatsApp-Nachrichten oder Statusmeldungen eintrudeln, ist ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor. Das ständige Erreichbarsein und Connecten sorgt dafür, dass wir geistig eben nicht am Strand lümmeln, sondern immer noch im Alltagsstress gefangen sind.

Wenn ihr es nicht schafft, im Urlaub zu 100% aufs Smartphone zu verzichten und wenn euch das Offlinesein stresst, dann schafft euch bewusst einen kurzen Zeitraum (z. B. eine halbe Stunde an einem bestimmten Tag), an dem ihr das Smartphone nutzen dürft. Statt 24/7 erreichbar zu sein, beschränkt das Onlinesein auf diesen kurzen Zeitraum. Damit sich niemand Sorgen macht, könnt ihr vor dem Urlaub eine Statusmeldung verfassen, in der ihr Familie, Freunde und Kollegen darüber informiert, dass ihr bewusst offline seid.

Extra-Tipp: Ihr könnt Digital Detox auch am Wochenende üben. Blockt dafür ganz bewusst zum Beispiel den Sonntag fürs analoge Leben. Trefft euch mit Freunden, geht spazieren, ins Kino oder macht etwas anderes Schönes. Wichtig nur: Lasst das Smartphone zuhause. Der Sonntag sollte den echten Menschen in eurem Leben gehören.

Auch lesen: Lebe lieber einfach: Was steckt hinter dem Trend Entschleunigung?

Digital Detoxing-Tipp #3: Genieße den Moment, statt ihn zu dokumentieren

Ist euch schon mal aufgefallen, wie Musikkonzerte heute ablaufen? Der erste Ton erklingt und Hunderte von Menschen recken ihr Smartphone in die Höhe. Einfach mal abtanzen, rumspacken und Spaß haben, sieht definitiv anders aus.

Oder wenn das Essen im Restaurant kommt: Warum sollte es für die Nachwelt auf Instagram gepostet werden? Vielmehr solltest du zulangen und jeden Bissen genießen. Das ist wertvoll verbrachte Zeit. Wer jedes schöne und emotionale Ereignis erstmal ablichten und posten muss, der verpasst den Augenblick. Und um den geht es doch eigentlich. Und nein, der Heiratsantrag muss keine Insta-Story werden!

Gerade in solchen Momenten ist Digital Detox extrem wichtig, es sorgt dafür, dass wir Emotionen wieder bewusster wahrnehmen und uns echter fühlen.

Digital Detoxing-Tipp #4: Hol dir einen Wecker und eine Armbanduhr

Oft holt man sein Handy aus der Tasche, um zu sehen, welche Uhrzeit gerade ist. Dafür gibt es jedoch ursprünglich Uhren. Allein damit sparst du dir sicherlich 15 Mal Smartphonenutzung pro Tag (die Erfindung der Smart-Watch, die ebenfalls alle Nachrichten anzeigt, erschwert das digitale Entgiften leider zusätzlich).

Und gesünder ist ein Wecker am Kopfende deines Bettes allemal. Zwar ist immer noch nicht eindeutig erwiesen, wie schädlich die Strahlung eines Smartphones tatsächlich ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät aufgrund der unklaren wissenschaftlichen Studienlage aber dazu, den direkten Kontakt zu Mobiltelefonen und anderen elektromagnetischen Feldern so gering wie möglich zu halten. Schaltet das Smartphone nachts also besser aus oder versetzt es wenigstens in den Flugmodus.

Digital Detoxing-Tipp #5: Schalte Push-up-Nachrichten aus

Brauchen wir wirklich piepende Push-up-Nachrichten? Oft steht da "XY hat seit langer Zeit mal wieder etwas auf Instagram gepostet. Sei die erste, die das kommentiert". Warum sollte ich die erste sein? Damit jeder sieht, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als auf mein Smartphone zu gucken?

Stell diese aufploppenden Nachrichten ab, mach alle Benachrichtigungen lautlos – dann bist du nicht versucht, ständig auf dein Display zu schauen. Schon dieser einfache Tipps reduziert deine Smartphone-Zeit enorm und senkt dein Stresslevel, weil du dich ohne die ständigen Ablenkungen besser auf das Hier und Jetzt konzentrieren kannst.

Digital Detoxing-Tipp #6: Nutz Digital Wellbeing Apps

Es gibt in der Tat extra Apps (klingt unlogisch, hilft aber), die dir beim Digital Detoxen helfen können. Hier kommen die Praktischsten:

  • Unlock Clock sagt dir am Ende des Tages, wie oft du dein Smartphone entsperrt hast. Das öffnet einem schnell die Augen. Wenn hierfür jeden Tag zwei Stunden verloren gehen, überlegt man sich das Ganze sicherlich zweimal.
  • Post Box hilft dir beim Digital Detoxing. Die App ordnet deine Nachrichten. Du kannst eine Zeit vorgeben, zu der du deine Nachrichten empfangen willst. Und sonst eben keine. Zum eingegebenen Zeitpunkt erscheinen dann alle Nachrichten fein säuberlich geordnet.
  • Morph ordnet bestimmten Orten bestimmte Apps zu, sodass dir alle mit deinem Job verbundenen Apps beispielsweise nur angezeigt werden, wenn du dich an diesem Ort aufhältst.
  • Desert Island imitiert Digital Detox im Urlaub. Das Prinzip: Du bestimmst, welche Apps du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest. Alle anderen Apps werden dir dann verborgen.
  • Digital Wellbeing gibt es auch auf unterstützen Android-Smartphones. Hier gibt es den Konzentrationsmodus (Focus Mode). Dank ihm werden dir alle Apps, die du als Zeitfresser in deinem Alltag entlarvt hast, zu bestimmten Zeiten blockiert. Es sei denn, du entfernt sie wieder von der Liste der "bösen" Apps.

Digital Detoxing-Tipp #7: Smartphonefreie Räume einrichten

Oft nehme ich das Handy mit, wenn ich mich in meiner Wohnung von A nach B bewege. Dabei würde ich das Klingeln locker am anderen Ende der Wohnung hören. Es gibt also keinen Grund dafür. Deshalb: Abgewöhnen!

Mach es einfach so: Leg Räume fest, in denen das Smartphone Hausverbot hat, also im Idealfall das Schlafzimmer, Kinderzimmer und Bad. Und leg Orte fest, wo das Smartphone in der Regel liegt, sodass du es wiederfindest. Erinnert ein wenig an die Telefonstation eines analogen Telefons. Ist aber gar nicht so unsinnig.

Digital Detoxing-Tipp #8: Mit gutem Beispiel vorangehen

Wenn Kinder nur noch vor dem Computer oder Tablet hocken und schon in jungen Jahren wie verrückt nach dem Smartphone sind, dann sind wir direkt besorgt. Warum spielt das Kind denn nicht lieber ein bisschen an der frischen Luft?

Dabei sind wir selbst oft das schlechteste Beispiel für unsere Kinder. Wer ständig auf sein Handy starrt, kann seinem Kind wohl kaum erklären, warum es das nicht auch tun darf. Vorbildfunktion sozusagen. Das erzieht. Nicht nur die Kinder.

Deshalb gilt: Wenn ihr Zeit mit euren Kinder verbringt, sollte das Smartphone Sendepause haben. Kinder merken übrigens sofort, wenn ihr geistig nicht anwesend seid, weil ihr über Nachricht XY nachdenkt.

Digital Detoxing-Tipp # 9: Geduld lernen

Unsere Geduldsspanne ist durch das Smartphone deutlich kürzer geworden. Früher – mit einem Schnurtelefon zu Hause – konnte man höchstens dem heimischen AB Informationen darüber entlocken, wer dringend oder nicht dringend auf Rückruf wartet. Mittlerweile fordern uns Freunde, Verwandte und Kollegen mit ihren SMS und Kurznachrichten ständig und überall auf, uns asap zu melden. Und kaum sieht man einen entgangenen Anruf, fühlt man sich genötigt, zurückzurufen.

Und wir selbst sind keinen Deut besser. Manchmal erreiche ich jemanden nicht und bin so genervt, dass ich ihn in Dauerschleife anrufe, bis er endlich dran geht. Versuchen wir, wieder geduldiger zu sein. Niemand muss ständig allzeit erreichbar sein. Hier kann man sowohl sich selbst als auch sein Umfeld zu mehr Geduld erziehen. Und jetzt: Gutes Gelingen beim Digital Detoxing!

* Affliate Link