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Digital Detox: 9 Regeln für weniger Smartphone in unserem Leben

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Published on 7. Mai 2018
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Unser Smartphone begleitet uns ständig. Wir sind sozusagen dauer-online. Mal kurz drauf schauen. Vielleicht verpasst man ja gerade etwas Weltbewegendes. Höchste Zeit mal über eine digitale Entgiftung nachzudenken. Über Digital Detox.

Wer jetzt denkt, die Frau hat scheinbar einen Hass auf Smartphones: Nein, tut sie nicht. Ich bin genau so ein Smartphone-Junkie. Das Smartphone ist immer dabei, sitzt auf der Arbeit vor mir auf dem Tisch. Auch jetzt. Ausschalten tue ich es meist nur, wenn es sich irgendwie "aufgehangen" hat, und dann auch nur für ein oder zwei Minuten. Selbst nachts liegt es (ungesunderweise) neben meinem Bett.

Letztlich habe ich mich dabei ertappt, dass ich alle fünf Minuten auf das Handy geschaut habe. Wohlgemerkt: Während mir ein ziemlich netter Mensch gegenüber saß. Er meinte dann irgendwann höflich, ob ich irgendeine wichtige Hiobsbotschaft erwarten würde. Und: Nein, es gab keinen einzigen Grund, weshalb ich ständig auf das Display geschaut habe. Spätestens da war mir klar: Es wird Zeit für ein paar Maßnahmen und ein bisschen Digital Detox.

Schluss mit Smombies!

Es gibt ja diesen schönen Begriff Smombie. Eine Mischung aus Smartphone und Zombie, jene Leute, die - auf ihr Display starrend - in schöner Regelmäßigkeit vor mein Fahrrad latschen, ohne auch nur einen Blick nach rechts und links zu werfen. Jeder kennt sicher auch die Abende, wo man in einem Restaurant um sich schaut, und ganze Mädelsgruppen sieht, wo jede stumm auf ihr Handy glotzt, ihr Essen fotografiert und postet. Schaut her, was ich für einen tollen Mädelsabend habe! Oder die Paare, die sich kaum was zu sagen haben und beide verstohlen auf ihrem Smartphone rumtippen. Vielleicht sogar das nächste Tinder-Match klarmachen, während Schatz gegenüber gerade im Quinoa-Salat rumstochert.

Ja, es gab eine Zeit vor dem Smartphone!

Ich selbst bin etwas älter als die Digital Natives, jener Generation, der der Gebrauch von Internet, Smartphone und sozialen Netzwerken fast schon pränatal in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich kenne also noch die gute alte analoge Zeit. In der man nicht allzeit erreichbar war, in der man den Schwarm noch auf der nächsten Party abpassen musste und nicht mal eben bei Facebook adden konnte. Wo man bei einem Urlaubsfoto nicht über Likes nachgedacht hat, sondern darüber, wo man den Film für die Entwicklung abgeben konnte.

Digital Detox: 9 Regeln für dein Smartphone-Fasten!

Klar ist vieles heute leichter dank Smartphone, und niemand soll jetzt sein Handy auf Nimmerwiedersehen in der Schublade verschwinden lassen. Es geht lediglich darum, sich ein paar schlechte Smombie-Angewohnheiten abzugewöhnen. Darum, ein kleines bisschen Digital Detox zu betreiben und mehr "echtes" Offline-Leben zuzulassen. Hier sind deshalb ein paar einfache Regeln, die man mal ausprobieren sollte. Schließlich machen wir auch Alkohol- und Schokoladenfasten und solche Dinge. Da ist Smartphone-Fasten mehr als genauso sinnvoll.

Und wer noch nicht motiviert genug ist, dem geben wir hier mal ein paar Zahlen zum Nachdenken: Laut einer Studie der britischen Marketing-Agentur Tecmark unter 2000 Smartphone-Nutzern greifen wir pro Tag ganze 214 Mal zu unserem Smartphone. Andere Studien besagen, dass wir unser Handy pro Tag rund 80 Mal entsperren, um 2600 Tätigkeiten auf dem Smartphone auszuführen. Da fragt man sich wirklich, was man früher, bevor es Smartphones gab, mit seiner ganzen Zeit gemacht hat. Also, los geht's:

Regel 1: Sei öfter mal offline

Digital Detox, also digitale Entgiftung, heißt: Öfters mal wieder offline sein. Analog. Bau das immer wieder bewusst in deinen Alltag ein. Überleg dir, wann du dein Smartphone in die Handtasche verbannen oder am besten zu Hause lassen solltest. Ich weiß, dann fühlt man sich nackt und hilflos, aber es geht. Früher ging das ja auch.

Zum Beispiel beim Essen oder beim Zusammensein mit Freunden: Hier kann das Smartphone tabu sein. Nur eine von vielen kleinen Regeln, die deinen Smartphone-Konsum reduzieren und jeden Klick auf deinem Phone bewusster und überlegter machen. Oft ist es eine reine Reflexbewegung, die wir mit dem Griff zum Handy ausführen. Zum Beispiel wenn die Begleitung im Restaurant kurz auf Toilette geht. Oder wenn man auf den Bus wartet. Fast jeder greift in solchen Momenten zum Handy. Versuch dir diese Automatismen bewusst zu machen. Und versuche jede unnötige Smartphone-Aktion ab jetzt zu lassen.

Regel 2: Versuch im Urlaub abzuschalten

Radikale Digital Detoxer buchen einen Urlaub ohne Smartphone. Ganz allein im Ausland, ohne erreichbar zu sein, ohne nachsehen zu können, was die Daheimgebliebenen auf der Arbeit und im Privaten tun. Das fällt schwer, aber wer brauch schon Tinder, Ebay, Arbeitsmails und Dauerereichbarkeit im Urlaub? Abschalten im wahrsten Sinne des Wortes lautet die Devise.

Regel 3: Genieße den Moment, statt ihn für die Nachwelt zu dokumentieren

Ist euch schon mal aufgefallen, wie manche Musikkonzerte heute ablaufen? Der erste Ton erklingt und Hunderte von Menschen recken ihr Smartphone in die Höhe. Einfach mal abtanzen, rumspacken und Spaß haben sieht definitiv anders aus.

Oder wenn das Essen im Restaurant kommt: Warum sollte es für die Nachwelt auf Instagram gepostet werden? Warum? Vielmehr solltest du zulangen und jeden Bissen genießen. Das ist wertvoll verbrachte Zeit. Wer jedes schöne und emotionale Ereignis erstmal ablichten und posten muss, der verpasst den Augenblick. Und um den geht es doch eigentlich. Und nein, der Heiratsantrag muss keine Insta-Story werden!

Regel 4: Hol dir einen Wecker und eine Armbanduhr

Oft holt man sein Handy aus der Tasche, um zu sehen, welche Uhrzeit gerade ist. Dafür gibt es jedoch Uhren. Allein damit sparst du dir sicherlich 15 Mal Smartphonenutzen pro Tag. Und gesünder ist ein Wecker am Kopfende deines Bettes allemal. Es ist immer noch nicht erwiesen wie schädlich die Strahlung eines Smartphones ist. Gesund ist sie aber ganz sicher nicht. Wenn du alles, was das Handy zusätzlich kann, wie Taschenlampenfunktion, Notizfunktion, Google-Maps, etc. durch andere Dinge ersetzt, wie eine echte Taschenlampe, einen Notizzettel, einen Stadtplan oder einfach den gesunden Orientierungssinn, dann hilft dir auch das beim Detoxen.

Regel 5: Weg mit piependen Push-up-Nachrichten

Brauchen wir wirklich piepende Push-up-Nachrichten? Oft steht da "XY hat seit langer Zeit mal wieder etwas auf Instagram gepostet. Sei die erste, die das kommentiert". Warum sollte ich die erste sein? Damit jeder sieht, dass ich nichts Besseres zu tun habe, als auf mein Smartphone zu gucken? Stell diese aufploppenden Nachrichten ab, mach alle Benachrichtigungen lautlos - dann bist du nicht versucht, ständig auf dein Display zu schauen.

Regel 6: Werde dir über den Zeitaufwand klar

Digital Detox-Apps (klingt unlogisch, hilft aber erstmal) wie Quality Time, Menthal oder Offtime sagen dir am Ende des Tages, wie oft und wie viele Stunden und Minuten du dein Smartphone in Benutzung hattest. Das öffnet einem schnell die Augen. Wenn hierfür jeden Tag zwei Stunden verloren gehen, überlegt man sich das Ganze sicherlich zweimal.

Regel 7: Richte dir smartphonefreie Zonen ein

Oft nehme ich das Handy mit, wenn ich mich in meiner Wohnung von A nach B bewege. Dabei würde ich das Klingeln locker am anderen Ende der Wohnung hören. Es gibt also keinen Grund dafür. Abgewöhnen! Sicherlich hat man auch Angst, das gute Stück zu verlegen. Mach es einfach so: Leg Räume fest, in denen das Smartphone Hausverbot hat, also im Idealfall das Schlafzimmer, Kinderzimmer und Bad. Und leg Orte fest, wo das Smartphone in der Regel liegt, so dass du es wiederfindest. Erinnert ein wenig an die Telefonstation eines analogen Telefons. Ist aber gar nicht so unsinnig.

Regel 8: Geh mit gutem Beispiel voran

Wenn Kinder nur noch vor dem Computer oder Tablet hocken und schon in jungen Jahren wie verrückt nach dem Smartphone sind, dann sind wir direkt besorgt. Warum spielt das Kind denn nicht lieber ein bisschen an der frischen Luft? Dabei sind wir selbst oft das schlechteste Beispiel für unsere Kinder. Wer ständig auf sein Handy starrt, kann seinem Kind wohl kaum erklären, warum es das nicht auch tun darf. Vorbildfunktion sozusagen. Das erzieht. Nicht nur die Kinder.

Regel 9: Lerne geduldiger zu sein

Unsere Geduldsspanne ist durch das Smartphone deutlich kürzer geworden. Früher - mit einem Schnurtelefon zu Hause - konnte man höchstens dem heimischen AB Informationen darüber entlocken, wer dringend oder nicht dringend auf Rückruf wartet. Mittlerweile fordern uns Freunde, Verwandte und Kollegen mit ihren SMS und Kurznachrichten ständig und überall auf, uns asap zu melden. Und kaum sieht man einen entgangenen Anruf, fühlt man sich genötigt, zurückzurufen.

Und wir selbst sind keinen Deut besser. Manchmal erreiche ich jemanden nicht und bin so genervt, dass ich ihn in Dauerschleife anrufe, bis er endlich dran geht. Warum antwortet der Idiot nicht, er sieht doch, dass ich angerufen habe? Versuchen wir, wieder geduldiger zu sein. Niemand muss ständig allzeit erreichbar sein. Hier kann man sowohl sich selbst als auch sein Umfeld zu mehr Geduld erziehen.

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