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Peter-Pan-Syndrom: Für immer jung?

von der Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008
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Peter-Pan-Syndrom... noch nie gehört? Wahrscheinlich denkt man das erste Mal, wenn man diesen Namen hört, dass es sich hierbei wieder um einen halbseidenen populärwissenschaftlichen Ausdruck handelt, der in einem medizinischen Gewand daherkommt, allerdings einer kritischen Auseinandersetzung nicht standhält. Eines ist dabei richtig: Der Begriff stammt ursprünglich tatsächlich aus einem eher populärwissenschaftlichen Zusammenhang. Was allerdings nicht bedeutet, dass es sich dabei um eine Einbildung oder Erfindung handelt.

Ein Familientherapeut namens Dan Kiley ist verantwortlich für diese Wortneuschöpfung, mit der er Männer beschreiben wollte, die nicht altern. Hört sich gut an, meinen Sie? Eigentlich schon, wäre da nicht die Schattenseite, die das Peter-Pan-Syndrom mit sich bringt: Wer nicht altert, wird nicht erwachsen und läuft somit Gefahr, in einem Entwicklungsstadium zu verbleiben, das stark von Verantwortungslosigkeit geprägt sein kann. Als populärwissenschaftlicher Begriff ist das Peter-Pan-Syndrom natürlich anfällig für zahlreiche Zuschreibungen und wird zum Hilfsmittel, aktuelle Entwicklungen zu beschreiben. Hiermit gibt es uns allerdings auch die Chance zu hinterfragen, was hinter dem allseits bekannten Jugendwahn steckt. Während Stars und auch viele unserer „normalen“ Mitmenschen es mitunter chic finden, sich zum Nicht-Erwachsen-Werden zu bekennen, kann genau das nämlich auch in vielen Fällen zu Schwierigkeiten führen.

Peter Pans Einsamkeit

Der Jugendwahn zwingt uns quasi dazu, jung, hip, unkonventionell, kreativ und pfiffig zu sein - geht dieses allerdings zu Lasten der sonstigen Persönlichkeitsentwicklung, sind Probleme vorprogrammiert. Psychologen beschreiben zum Beispiel, dass die Ewig-Junggebliebenen oftmals Schwierigkeiten bei der Führung von Beziehungen haben: Zwar wollen auch die zahlreichen Betroffenen des Peter-Pan-Syndroms geliebt werden und haben ein Verlangen nach körperlicher Nähe, für die Führung einer offenen toleranten Beziehung fehlt ihnen allerdings häufig die Reife. Das Resultat kann sein, dass sich die Betroffenen in immer wieder neuen Bindungen wiederfinden.

Aufgrund ihrer Selbstbezogenheit und ihres Anspruchs, nur das Leben leben zu wollen, welches ihnen stets Spaß und Erfüllung verspricht, kann allerdings keine dieser Bindungen von wirklicher Tiefe und Dauer sein. Auch äußere Reize und sexuelles Verlangen stehen häufig ganz oben auf der Liste der Dinge, die ein Mensch mit Peter-Pan-Syndrom bevorzugt. Nicht innere Gemeinsamkeiten zählen, vielmehr wird der Partner zum modischen Accessoire degradiert, das Nutzen verspricht. Genau wie Peter Pan laufen die Betroffenen dabei Gefahr, früher oder später alleine dazustehen. Der Schritt zur emotionalen Vereinsamung ist dann nur noch ein kleiner. Nicht selten wird diese Schattenseite des Peter-Pan-Syndroms dann wiederum mit überzogenen Verhaltensweisen wie Narzissmus und machohaftem Verhalten kompensiert.

Peter-Pan-Syndrom im Berufsleben

Ähnlich schwer wie eine dauerhafte Bindung einzugehen, fällt es den vom Peter-Pan-Syndrom Betroffenen, Verantwortung zu übernehmen. Beides steht mit Sicherheit auch in einer Wechselwirkung. Verantwortung - sei es für einen Partner, für ein Kind oder in einer anspruchsvollen beruflichen Position - ist immer auch eine Pflicht, der man sich stellen muss. Eine Pflicht wiederum beeinträchtigt die eigene Freiheit, was viele Junggebliebende für nichts in der Welt in Kauf nehmen möchten. Mit der Weigerung Verantwortung zu nehmen berauben sie sich zugleich um viele Aspekte, die der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zuträglich sein könnten.

Befreundet sein mit Peter Pan

Was für Paarbeziehungen gilt, kann auch für freundschaftliche Beziehungen gelten: Allzu häufig siegt dabei die Oberflächlichkeit, sodass man aufgrund seiner vielen angesagten Hobbys und Freizeitaktivitäten zwar über eine Vielzahl von Bekannten verfügt, einem aber die Nähe dauerhafter und fester Freundschaften fehlt. Lose Bindungen mit Kumpeln und Bekannten können sie aufgrund mangelnder Verbindlichkeit nicht ersetzen. Kommt es dann zu einer emotionalen Krise, wird schnell ersichtlich, dass im bisherigen Leben etwas Bedeutendes fehlte.


Fazit für die Peter Pans dieser Welt

Jung und rege zu bleiben ist mit Sicherheit der Wunsch vieler Menschen. Diese Wunscherfüllung muss aber nicht zwangsweise mit einem Aussetzen des Reifungsprozesses verbunden sein, wie es beim Peter-Pan-Syndrom der Fall ist. Vielmehr kommt es darauf an, Verantwortung und Selbstverwirklichung unter einen Hut zu bekommen. Eine Herausforderung - keine Frage, aber auch eine Herausforderung, der man sich mutig stellen sollte. Wer das Altern zulässt, muss nicht zu einem Spießer werden. Viel mehr gibt er sich die Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln und ganz neue Aspekte eines erfüllten Lebens zu entdecken. Nur normal ist es, dass dieser Prozess von Person zu Person zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt einsetzt. Sich immer vor ihm zu verstecken ist allerdings mit Sicherheit keine Lösung.

von der Redaktion

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