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Peter-Pan-Syndrom: Wenn Männer nicht erwachsen werden wollen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 14. November 2018

Peter-Pan-Syndrom, das klingt fast schon niedlich. Aber die Weigerung, erwachsen zu werden, kann durchaus zum Problem werden. Vor allem in der Beziehung...

Peter-Pan-Syndrom... noch nie gehört? Der Begriff stammt ursprünglich aus einem eher populärwissenschaftlichen Zusammenhang. Was allerdings nicht bedeutet, dass es sich dabei um eine Erfindung handelt. Ein Familientherapeut namens Dan Kiley ist verantwortlich für diese Wortneuschöpfung: Peter-Pan-Syndrom, so lautet der Titel seines Buches*, in dem er Männer beschreibt, die nicht erwachsen werden möchten.

Der Name Peter Pan selbst geht auf eine Kindergeschichte des britischen Schriftstellers J.M. Barrie zurück: Sein Romanheld Peter Pan ist ein Junge, der nicht erwachsen werden will, sein Leben spielend in seinem fantastischen "Nimmerland" verbringt (wir denken alle an Michael Jackson und sein umstrittenes "Neverland"). Letztendlich endet der ewig Kind bleibende Peter Pan einsam, da seine Freunde früher oder später alle in die Realität zurückkehren.

Die Kehrseite des Peter-Pan-Syndroms

Für immer jung bleiben, wer will das nicht? Und eigentlich klingt das auch gar nicht so problematisch. Wäre da nicht die Schattenseite, die das Peter-Pan-Syndrom mit sich bringt: Wer ewig jung bleiben will, wird nicht erwachsen und läuft somit Gefahr, in einem Entwicklungsstadium zu verbleiben, das stark von kindlichen Verhaltensmustern und Verantwortungslosigkeit geprägt sein kann. Und das hat einen negativen Einfluss auf die Beziehung, auf Freundschaften, aber auch auf beruflicher Ebene.

Als populärwissenschaftlicher Begriff ist das Peter-Pan-Syndrom anfällig für zahlreiche Zuschreibungen und wird zum Hilfsmittel, aktuelle Entwicklungen zu beschreiben. Hiermit gibt es uns allerdings auch die Chance zu hinterfragen, was hinter dem allseits bekannten Jugendwahn steckt. Während Stars und auch viele unserer „normalen“ Mitmenschen es mitunter chic finden, sich zum Nicht-Erwachsen-Werden zu bekennen, kann genau das nämlich auch in vielen Fällen zu Schwierigkeiten führen.

Die Ursachen: Woher kommt das Peter-Pan-Syndrom?

Das Peter Pan Syndrom gilt nicht als offizielle psychische Krankheit. Das Syndrom scheint heutzutage jedoch ein ansteigendes gesellschaftliches Phänomen bei den Männern zu werden. Der Grund ist in den psychologischen Ursachen des Peter-Pan-Syndroms zu finden: Übermäßige Aufmerksamkeit der Eltern.

Die berühmten Helikoptereltern, die ihr Kind mit (zu viel) Liebe und Lob überschütten, ständig überwachen und bevormunden, infantilisieren ihr Kind durch ihr Verhalten. Was zur Konsequenz hat, dass dieses seine kindlichen Verhaltensmuster möglichst lange beibehält und sich nicht weiter entwickelt.

Da auch das Phänomen der Helikopter-Eltern in unserer Gesellschaft, in der das Kind zunehmend König ist, zunimmt, ist zu erwarten, dass auch immer mehr Männer Symptome unter dem berühmten Peter-Pan-Syndrom leiden.

Das Peter-Pan-Syndrom in der Beziehung

Der Jugendwahn zwingt uns quasi dazu, dynamisch, unkonventionell, ständig kreativ und super smart zu sein. Geht dieses allerdings zu Lasten der sonstigen Persönlichkeitsentwicklung, sind Probleme vorprogrammiert.

Psychologen beschreiben zum Beispiel, dass die ewig jung Gebliebenen oftmals Schwierigkeiten bei der Führung von Beziehungen haben: Zwar wollen auch die zahlreichen Betroffenen des Peter-Pan-Syndroms geliebt werden und haben ein Verlangen nach körperlicher Nähe, für die Führung einer offenen toleranten Beziehung fehlt ihnen allerdings häufig die Reife. Das Resultat kann sein, dass sich die Betroffenen in immer wieder neuen Bindungen wiederfinden.

Aufgrund ihrer Selbstbezogenheit und ihres Anspruchs, nur das Leben leben zu wollen, das ihnen stets Spaß und Erfüllung verspricht, kann allerdings keine dieser Bindungen von wirklicher Tiefe und Dauer sein. Auch äußere Reize und sexuelles Verlangen stehen häufig ganz oben auf der Liste der Dinge, die ein Mensch mit Peter-Pan-Syndrom bevorzugt.

Nicht innere Gemeinsamkeiten zählen, vielmehr wird der Partner zum modischen Accessoire degradiert, das Nutzen verspricht. Genau wie Peter Pan laufen die Betroffenen dabei Gefahr, früher oder später alleine dazustehen. Der Schritt zur emotionalen Vereinsamung ist dann nur noch ein kleiner. Nicht selten wird diese Schattenseite des Peter-Pan-Syndroms dann wiederum mit überzogenen Verhaltensweisen wie Narzissmus und machohaftem Verhalten kompensiert.

Das Peter-Pan-Syndrom im Beruf

Ähnlich schwer wie eine dauerhafte Bindung einzugehen, fällt es den vom Peter-Pan-Syndrom Betroffenen, Verantwortung zu übernehmen. Beides steht mit Sicherheit auch in einer Wechselwirkung. Verantwortung - sei es für einen Partner, für ein Kind oder in einer anspruchsvollen beruflichen Position - ist immer auch eine Pflicht, der man sich stellen muss. Eine Pflicht wiederum beeinträchtigt die eigene Freiheit, was Männer, die sich weigern erwachsen zu werden, für nichts in der Welt in Kauf nehmen möchten. Mit der Weigerung Verantwortung zu nehmen berauben sie sich zugleich um viele Aspekte, die der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zuträglich sein könnten.

Spaß und Selbstverliebtheit statt Verantwortung und Pflichten, das kommt im Job nicht gut an: Vom Peter-Pan-Syndrom betroffenen Männern fällt es schwer, Hierarchien, Pflichten und Regeln zu respektieren. Der narzisstische Peter-Pan-Mann hat Schwierigkeiten, sich ein- bzw. unterordnen und alltägliche Routineaufgaben gewissenhaft zu erledigen.

Das Peter-Pan-Syndrom in der Freundschaft

Was für Paarbeziehungen gilt, kann auch für freundschaftliche Beziehungen gelten: Allzu häufig siegt dabei die Oberflächlichkeit, sodass man aufgrund seiner vielen angesagten Hobbys und Freizeitaktivitäten zwar über eine Vielzahl von Bekannten verfügt, einem aber die Nähe dauerhafter und fester Freundschaften fehlt. Lose Bindungen mit Kumpeln und Bekannten können sie aufgrund mangelnder Verbindlichkeit nicht ersetzen. Kommt es dann zu einer emotionalen Krise, wird schnell ersichtlich, dass im bisherigen Leben etwas Bedeutendes fehlte.

Leidet dein Partner am Peter-Pan-Syndrom? 6 typische Symptome:

Du hast den Eindruck, in deinem Partner könnte ein kleiner Peter Pan schlummern? In seinem Buch nennt Dan Kiley 6 typische Symptome für das Peter-Pan-Syndrom bei Männern:

1. Verantwortungslosigkeit

Der Peter-Pan-Mann kann keine Verantwortung für sich oder andere übernehmen und ist unfähig Entscheidungen zu treffen. Mit Geld kann er übrigens auch schlecht umgehen. Er drückt sich ständig vor seinen Pflichten, stellt seinen eigenen Spaß immer an erste Stelle und ruht sich dementsprechend gerne auf anderen aus. Auch für seine eigenen Probleme gibt er gerne anderen die Schuld, …

2. Angst und Schuldgefühle

Bei zu vielen oder starken Emotionen ist der Peter-Pan-Mann schnell überfordert. Gefühle zu zeigen fällt im extrem schwer. Bindungsängste und die Unfähigkeit, eine intime Beziehung aufrecht zu erhalten, sind daher typisch. Denn das würde ja wieder bedeuten, Verantwortung zu übernehmen. Laut Kiley fühlen viele sich die Betroffenen schuldig gegenüber ihren Eltern und fürchten, ihnen nie gerecht zu werden.

3. Einsamkeit

Er hat nur wenige (oder gar keine?) engen Freunde und zieht lieber gerne mit unverbindlichen Kumpel-Gruppen um die Häuser.

4. Sexueller Rollenkonflikt

Dem Peter-Pan-Mann fällt es schwer, sich auf eine einzige Frau einzulassen, was sich in Form von Beziehungsunfähigkeit, aber auch Untreue äußern kann. Er genießt es hingegen, wenn er bei Frauen im Allgemeinen Erfolg hat.

5. Chauvinismus

Veraltete Rollenbilder sind tief in ihm verankert: Und so sind sexistische und abfällige Kommentare im Bezug auf Frauen sowie Macho-Gehabe beim Peter-Pan-Mann nichts Ungewöhnliches. Er lässt sich gerne von Frauen bedienen und umsorgen. So hat es schließlich auch seine Helikopter-Mama gemacht. Übrigens haben vom Peter-Pan-Syndrom Betroffene oft eine sehr starke Bindung zu ihrer Mutter.

6. Narzissmus

Er Peter-Pan-Mann überschätzt sich gerne selbst. Selbstverliebtheit und Narzissmus sind typisch für ihn. Ebenso seine Angewohnheit, Menschen, die nicht so sind wie er, abschätzig zu behandeln. Ein typisches kindliches Verhaltensmuster: Die Unfähigkeit, sich selbst in Frage zu stellen und Kritik zu ertragen.

Fazit für die Peter Pans dieser Welt

Für immer jung bleiben ist mit Sicherheit der Wunsch vieler Menschen. Diese Wunscherfüllung muss aber nicht zwangsweise mit einem Aussetzen des Reifungsprozesses verbunden sein, wie es beim Peter-Pan-Syndrom der Fall ist. Vielmehr kommt es darauf an, Verantwortung und Selbstverwirklichung unter einen Hut zu bekommen. Eine Herausforderung, der man sich mutig stellen sollte.

Wer das Altern, bzw. erwachsen werden zulässt, muss nicht zu einem Spießer werden. Viel mehr gibt er sich die Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln und ganz neue Aspekte eines erfüllten Lebens zu entdecken. Es ist normal, dass dieser Prozess von Person zu Person zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt einsetzt. Sich immer vor ihm zu verstecken ist allerdings mit Sicherheit keine Lösung.

* Dan Kiley: Das Peter-Pan-Syndrom: Männer, die nie erwachsen werden. Dt. Erstausg., 3. Aufl., Heyne-Verlag, München 1991.

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