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Peter-Pan-Syndrom: Wenn Mann nicht erwachsen werden will

von Fiona Rohde Geändert am 12. März 2021

Peter-Pan-Syndrom klingt eigentlich nicht schlecht. Schließlich verbinden wir mit dem Erwachsenenleben Verantwortung, Verpflichtungen und dem Abschied von der wilden Zeit der Jugend. Aber die Weigerung, erwachsen zu werden, kann auch problematisch sein.

Was steckt hinter dem Begriff Peter-Pan-Syndrom?

Der Begriff Peter-Pan-Syndrom stammt ursprünglich aus einem eher populärwissenschaftlichen Zusammenhang. Der Familientherapeut Dan Kiley ist verantwortlich für diese Wortneuschöpfung. "Das Peter-Pan-Syndrom. Männer, die nie erwachsen werden" lautet der Titel seines Buches, in dem er Männer beschreibt, die ewig Kind bleiben möchten. Es wurde ein Bestseller und so landete der Begriff Peter-Pan-Syndrom irgendwann auch in der Wissenschaft.

Natürlich können auch Frauen unter dem Syndrom leiden. Da sich Therapeut Dan Kiley in seinem Buch jedoch ausdrücklich auf Männer bezog, übernehmen wir das hier in Bezug auf die Beschreibung der Symptome des Peter-Pan-Syndroms.

Der Name Peter Pan selbst geht in der Tat auf die berühmte Kindergeschichte des britischen Schriftstellers James Matthew Barrie zurück: Sein Romanheld Peter Pan ist ein Junge, der nicht erwachsen werden will und sein Leben spielend in seinem fantastischen "Nimmerland" verbringt (wir denken alle an Michael Jackson und sein umstrittenes "Neverland"). Letztendlich endet der ewig Kind bleibende Peter Pan einsam, da seine Freunde früher oder später alle in die Realität zurückkehren.

Buchtipps:

Dan Kiley: Das Peter-Pan-Syndrom: Männer, die nie erwachsen werden. Dt. Erstausg., 3. Aufl., Heyne-Verlag, München 1991. -> Jetzt hier direkt auf Amazon kaufen*.

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Peter-Pan-Syndrom: Jugendwahn und fehlende Verantwortung

Für immer jung bleiben, nie ganz erwachsen werden und sich noch etwas Kindliches, Unbeschwertes bewahren: Das klingt an sich sympathisch und durchaus erstrebenswert. Wenn das Ganze jedoch krassere Züge annimmt, sieht es schon ganz anders aus. Denn ein Mann, der ewig Kind bleiben will, läuft Gefahr, in einem Entwicklungsstadium zu bleiben, das eben auch stark von kindlichen Verhaltensmustern und fehlender Verantwortung für sein Leben geprägt ist. Und das hat einen negativen Einfluss auf die Beziehung, auf Freundschaften, aber auch auf beruflicher Ebene.

Und natürlich kann man sich das Peter-Pan-Syndrom auch selbst schönreden. Schließlich tendiert unsere Gesellschaft dazu, alles erstrebenswert zu finden, dem etwas Jugendliches anhaftet und damit gleichzeitig die Tendenz, Alter und Lebenserfahrung oftmals nicht als das anzusehen, was es ist: nämlich durchaus positiv und vor allem wertvoll für eine Gesellschaft.

Leider hat uns der Jugendwahn voll erfasst. Stars und auch viele unserer "normalen" Mitmenschen finden es mitunter chic, sich zum Nicht-Erwachsen-Werden zu bekennen. Sollen sie doch kritisieren und jammern, die Alten und Erwachsenen, man selbst ist wild und ungezügelt, frei und egozentrisch, lebt sein Leben nach seinen eigenen Regeln. Verantwortung für ein gesellschaftliches Miteinander? Nicht unbedingt. Vielleicht an zweiter Stelle nach den eigenen Befindlichkeiten und Wünschen. Eine Denkweise, die Menschen mit Peter-Pan-Syndrom gerade recht kommt.

Die Ursachen: Woher kommt das Peter-Pan-Syndrom?

Doch das Syndrom ist keine rein ideologische Frage oder Lebenseinstellung. Oftmals stecken Erfahrungen aus der Kindheit dahinter, wenn jemand Probleme hat, erwachsen zu werden. Auch wenn das Peter-Pan-Syndrom keine anerkannte, psychische Krankheit ist, so bezeichnet sie ein durchaus zunehmendes, gesellschaftliches Phänomen. Denn eine der psychologischen Ursachen des Peter-Pan-Syndroms ist eben die übermäßige Aufmerksamkeit der Eltern.

Die Rede ist von den berühmten Helikoptereltern, die ihr Kind mit (zu viel) Liebe und Lob überschütten, ständig überwachen und bevormunden und ihr Kind durch ihr überfürsorgliches Verhalten kleinhalten. Sie halten alles von ihm fern, regeln alles für den Nachwuchs. Was zur Konsequenz hat, dass dieser seine kindlichen Verhaltensmuster unnatürlich lange beibehält und sich nicht weiter entwickelt. Warum auch? Es wird ihm ja jede Mühe und jede Verantwortung abgenommen, jede Eigenständigkeit im Keim erstickt.

Da auch das Phänomen der Helikopter-Eltern in unserer Gesellschaft, in der das Kind zunehmend König ist, zunimmt, ist zu erwarten, dass auch immer mehr Menschen Symptome des Peter-Pan-Syndroms zeigen werden. Gleichwohl kann aber auch das andere Extrem dazu führen, dass ein Mann das Peter-Pan-Syndrom aufzeigt, nämlich wenn sich die Eltern zu wenig gekümmert haben, das Kind kein Vorbild, keinen Halt und keine Führung auf dem Weg ins Leben bekommen hat. Auch dann kann ein erwachsener Mann sich etwas extrem Kindliches und Unreifes bewahren.

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Das Peter-Pan-Syndrom in der Beziehung

Das Peter-Pan-Syndrom zeigt sich in Schwächen innerhalb der Persönlichkeitsentwicklung. Kein Wunder, dass jemand mit diesem Verhalten Probleme in seinen späteren Beziehungen bekommt. Das beschreiben auch Psychologen: Zwar wollen auch Männer mit Peter-Pan-Syndrom geliebt werden und haben ein Verlangen nach körperlicher Nähe. Um eine offene, tolerante Beziehung zu führen, fehlt ihnen allerdings häufig die Reife. Das Resultat kann sein, dass sich die Betroffenen von einer Beziehung in die nächste stürzen.

Aufgrund ihrer Selbstbezogenheit und ihres Anspruchs, nur das Leben leben zu wollen, das ihnen stets Spaß und Erfüllung verspricht, kann allerdings keine dieser Bindungen von wirklicher Tiefe und Dauer sein. Auch äußere Reize und sexuelles Verlangen stehen häufig ganz oben auf der Liste der Dinge, die ein Mensch mit Peter-Pan-Syndrom bevorzugt. Kompromisse, Konsequenzen oder Verantwortung für ihr Tun sind dort nicht zu finden.

Genau wie Peter Pan laufen die Betroffenen dabei Gefahr, früher oder später alleine dazustehen. Der Schritt zur emotionalen Vereinsamung ist dann nur noch ein kleiner. Nicht selten wird diese Schattenseite des Peter-Pan-Syndroms dann wiederum mit überzogenen Verhaltensweisen wie Narzissmus und extrem machohaftem Verhalten kompensiert.

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Das Peter-Pan-Syndrom im Beruf

Ähnlich schwer wie eine dauerhafte Bindung einzugehen, fällt es den vom Peter-Pan-Syndrom Betroffenen auch in allen anderen Bereichen des Lebens schwer Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung - sei es für einen Partner, für ein Kind oder in einer anspruchsvollen beruflichen Position - ist immer auch eine Pflicht, der man sich stellen muss – und der sich Menschen mit Peter-Pan-Syndrom entziehen, wo es nur geht.

Sie empfinden Pflichten als Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Doch mit der Weigerung selbst Verantwortung zu nehmen, berauben sie sich zugleich auch der Möglichkeit, sich in ihrer Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Spaß und Selbstverliebtheit statt Verantwortung und Pflichten, das kommt weder beim Partner noch im Job gut an: Vom Peter-Pan-Syndrom Betroffenen fällt es allgemein schwer, Hierarchien, Pflichten und Regeln zu respektieren. Der narzisstische Peter-Pan-Mensch hat Schwierigkeiten sich ein- bzw. unterzuordnen und alltägliche Routineaufgaben gewissenhaft zu erledigen.

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Das Peter-Pan-Syndrom in der Freundschaft

Was für Paarbeziehungen und Job gilt, kann natürlich auch für freundschaftliche Beziehungen gelten: Allzu häufig siegt dabei die Oberflächlichkeit, sodass man aufgrund seiner vielen angesagten Hobbys und Freizeitaktivitäten zwar über eine Vielzahl von Bekannten verfügt, einem aber die Nähe dauerhafter und fester Freundschaften fehlt.

Enge Bindungen mit Kumpels und Bekannten können Menschen mit Peter-Pan-Syndrom aufgrund ihrer mangelnden Verbindlichkeit nicht führen. Kommt es dann zu einer emotionalen Krise, wird schnell ersichtlich, dass im bisherigen Leben etwas Bedeutendes fehlte.

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Video von Aischa Butt

Leidet dein Partner am Peter-Pan-Syndrom? 6 typische Symptome:

Du hast den Eindruck, in deinem Partner könnte ein kleiner Peter Pan schlummern? In seinem Buch nennt Therapeut Dan Kiley sechs typische Symptome, an denen man das Peter-Pan-Syndrom erkennen kann:

  • Verantwortungslosigkeit
  • Angst und Schuldgefühle
  • Einsamkeit
  • Sexueller Rollenkonflikt
  • Narzissmus
  • Chauvinismus

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1. Verantwortungslosigkeit

Der Peter-Pan-Mann kann keine Verantwortung für sich oder andere übernehmen und ist unfähig Entscheidungen zu treffen. Mit Geld kann er übrigens auch schlecht umgehen. Er drückt sich ständig vor seinen Pflichten und stellt seinen eigenen Spaß immer an erste Stelle. Auch für seine eigenen Probleme gibt er gerne anderen die Schuld.

2. Angst und Schuldgefühle

Bei zu vielen oder starken Emotionen ist der Peter-Pan-Mann schnell überfordert. Gefühle zu zeigen fällt im extrem schwer. Bindungsängste und die Unfähigkeit, eine intime Beziehung aufrecht zu erhalten, sind daher typisch. Denn das würde ja wieder bedeuten, Verantwortung zu übernehmen. Laut Kiley fühlen sich auch viele Betroffene schuldig gegenüber ihren Eltern und fürchten, ihnen nie gerecht zu werden.

3. Einsamkeit

Er hat nur wenige (oder gar keine?) engen Freunde und zieht lieber gerne mit unverbindlichen Kumpel-Gruppen um die Häuser.

4. Sexueller Rollenkonflikt

Dem Peter-Pan-Mann fällt es schwer, sich auf eine einzige Frau einzulassen, was sich in Form von Beziehungsunfähigkeit, aber auch Untreue äußern kann. Er genießt es hingegen, wenn er bei Frauen im Allgemeinen Erfolg hat.

5. Narzissmus

Ein Peter-Pan-Mann überschätzt sich gerne selbst. Selbstverliebtheit und Narzissmus sind typisch für ihn. Ebenso seine Angewohnheit, Menschen, die nicht so sind wie er, abschätzig zu behandeln. Ein typisches kindliches Verhaltensmuster: Die Unfähigkeit, sich selbst in Frage zu stellen und Kritik zu ertragen.

6. Chauvinismus

Veraltete Rollenbilder sind tief in ihm verankert: Und so sind sexistische und abfällige Kommentare in Bezug auf Frauen sowie Macho-Gehabe beim Peter-Pan-Mann nichts Ungewöhnliches. Er lässt sich gerne von Frauen bedienen und umsorgen. So hat es schließlich auch seine Helikopter-Mama gemacht. Übrigens haben vom Peter-Pan-Syndrom Betroffene oft eine sehr starke Bindung zu ihrer Mutter.

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Wie geht man damit um, wenn der Partner unter dem Peter-Pan-Syndrom leidet?

Eins dürfte klar sein: Wer ein ewiges Kind bleibt, der ist auch nicht besonders gut darin, sich in komplizierten Situationen klar und fair zu verhalten. Eine gute Streitkultur kann man von Männern mit Peter-Pan-Syndrom nicht erwarten. Vielmehr dürfte es eskalieren, wenn man dem Partner sein kindisches Verhalten vorwirft.

Letztlich muss derjenige sich selbst mit seinem Problem auseinandersetzen, es erkennen und dagegen eine Verhaltensstrategie entwickeln. Einfach zu hoffen, dass der männliche Kindskopf irgendwann erwachsen wird, wäre in der Tat blauäugig.

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Fazit für die Peter Pans dieser Welt

Für immer jung bleiben ist mit Sicherheit der Wunsch vieler Menschen. Diese Wunscherfüllung muss aber nicht zwangsweise mit einem Aussetzen des Reifungsprozesses verbunden sein, wie es beim Peter-Pan-Syndrom der Fall ist. Vielmehr kommt es darauf an, Verantwortung und Selbstverwirklichung unter einen Hut zu bekommen. Eine Herausforderung, der man sich mutig stellen sollte.

Wer das Altern, bzw. Erwachsen werden zulässt, muss nicht zu einem Spießer werden. Vielmehr gibt er sich die Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln und ganz neue Aspekte eines erfüllten Lebens zu entdecken. Es ist normal, dass dieser Prozess von Person zu Person zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt einsetzt. Sich immer vor ihm zu verstecken ist allerdings mit Sicherheit keine Lösung.

Quelle: Peter Pan Syndrome “Men Who Don’t Grow”: Developing a Scale

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Wichtig: Dieser Artikel dient lediglich der ersten Information. Natürlich kann er das Urteil eines Arztes oder Therapeuten nicht ersetzen. Bei schwerwiegenden Problemen solltet ihr euch professionellen Rat und Hilfe holen.

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Erstellt am 14. November 2018