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Psychotherapie: Hilfe wenn die Seele schmerzt

von der Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008
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Psychotherapie, das klingt nach geschlossener Station oder Klapsmühle. Die ist ein bisschen merkwürdig, die darfst Du nicht so ernst nehmen, sagen die Leute. Oder noch schlimmer: Die ist eben nicht ganz dicht.

Vor der Psychotherapie liegt ein langer Leidensweg

Eine psychische Erkrankung ist oft besonders schwerwiegend: Meist dauert es Jahre, bis sie richtig diagnostiziert wird und die entsprechende Psychotherapie eingeleitet werden kann - bis dahin verschlechtert sich die Situation für die Patientin zunehmend. Es ist für sie selbst schon nicht einfach, eine solche Diagnose zuzulassen. Die Vorurteile in weiten Teilen der Bevölkerung machen das nicht leichter.

Eine psychische Erkrankung ist nicht weniger heilbar als eine physische. Doch wer plötzlich in eine psychische Ausnahmesituation gerät, dem fällt es meist schwer, sich psychologische Beratung und Hilfe zu holen. Der erste Schritt ist schwer, denn einen Termin beim Psychotherapeuten zu bekommen ist weitaus schwieriger als vom Hausarzt gewohnt. So führt der Weg die meisten Erkrankten zunächst in die Hausarztpraxis. Ob dort richtig diagnostiziert und überwiesen wird, ist ungewiss, denn die Behandlung ist in erster Linie auf somatische Beschwerden ausgelegt.

Die Diagnose einer psychischen Krankheit ist ein Prozedere, dass sich sehr lange hinziehen kann. Erst dann erhält die Erkrankte die richtige psychologische Beratung oder Psychotherapie. Von den ersten Schritten bis zur ersten psychotherapeutischen Sitzung vergehen Monate, die Wartelisten für Therapeuten sind lang. Diese Situation wird der Schwere der meisten Erkrankungen bei Weitem nicht gerecht.

Psychotherapie: Die schwierigste Form der Psychotherapie

Die zeitaufwendigste und schwierigste Form der Psychotherapie ist die Psychoanalyse. Wenn die Patientin in ihrem Leben so stark beeinträchtigt ist, dass es eine tief greifende Veränderung ihrer Persönlichkeit braucht, um wieder (oder zum ersten Mal) ein normales Leben führen zu können, ist diese Form der Psychotherapie die richtige Methode. Der Leidensdruck dieser Patientinnen ist zum Teil über Jahrzehnte gewachsen, die Ursachen liegen häufig in der Kindheit. Diese Psychotherapie-Form braucht eine stabile Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patientin und nimmt schnell hunderte Stunden in Anspruch.

Therapie light: Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherpie

Die meisten psychischen Probleme lassen sich jedoch mit weniger Aufwand lindern oder heilen. Auch die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bearbeitet Konflikte, die in der Kindheit entstanden sind, geht dabei jedoch nicht im selben Maße ganzheitlich vor wie die Psychoanalyse. Hier geht es darum Veränderungen innerhalb bestimmter Kernbereiche herbeizuführen, der Mensch in seiner Gesamtheit bleibt jedoch unverändert. Die Vergangenheit wird auch nicht so intensiv bearbeitet wie in der Analyse, stattdessen liegt der Fokus dieser Form der Psychotherapie auf der Bewältigung der Gegenwart. Die therapeutische Sitzung gleicht eher einem tiefschürfenden, wohltuenden Gespräch, eine Couch ist nicht vonnöten.

Verhaltenstherapien in der Psychotherapie

Verschiedene Verhaltenstherapien sind zum Schlagwort für die Psychotherapie geworden. Nach ihrem Grundsatz beeinflussen Lernvorgänge das Verhalten des gesamten Menschen. Seine psychische Konstitution lässt sich demnach durch das Erlernen neuer Verhaltensweisen ändern und eine psychisch labile Persönlichkeit so stabilisieren. Die Verhaltenstherapie arbeitet stark zukunftsorientiert. Ein neues Verhalten soll das alte ersetzen und die Lebensqualität erhöhen. Die Ursachen des Verhaltens werden dabei als zweitrangig erachtet. Im Rahmen dieser Form der Psychotherapie wird die Patientin immer wieder belastenden Situationen ausgesetzt. Mit Unterstützung des Psychotherapeuten erlernt sie neue Muster, diesen Situationen zu begegnen, sie zu bewältigen. Sie fasst Selbstvertrauen und ist am Ende der Psychotherapie deutlich gestärkt. Das neue, verstärkte Verhalten ersetzt Schritt für Schritt die alte, belastende Gewohnheit.

Kurzzeittherapie: Psychotherapie im Turbogang

Manche, konkrete Probleme lassen sich auch in sehr kurzer Zeit, im Idealfall in einer Therapiesitzung lösen. Solche Kurzzeittherapien werden oft als märchenhaft empfunden, das sind sie jedoch nicht. Die Hypnose, eine Gesprächs- oder systemische Therapie kann bei leichteren Störungen schnell und einfach Hilfe leisten. Angststörungen oder Zwänge lassen sich durch eine solche psychologische Beratung meist gut behandeln und besonders in Krisen zeigen sich die Vorteile der Kurzzeittherapie: Eine schnelle, manchmal aber oberflächliche Linderung. Eine kurze, gezielte Psychotherapie kann das Aufbauen einer ausgeprägten Störung verzögern oder verhindern. Übrigens: Die Hälfte aller in Deutschland durchgeführten Psychotherapie sind derartige Kurzzeittherapien.

Wachsendes Bewusstsein – wachsende Akzeptanz der Psychotherapie

Der psychische Knacks ist kein Tabu mehr: Heute kann eine Patientin verhältnismäßig offen über ihre Erkrankung reden und muss sie nicht geheim halten. Viele Arbeitgeber reagieren mit Verständnis und helfen die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Eine seelische Krankheit galt bislang als Makel, das Bewusstsein vom Leid der Betroffenen und ihrem Kampf um Heilung war nur wenig ausgeprägt. Heute wird die Psychotherapie von Betroffenen als Therapieform akzeptiert, schon allein aufgrund der guten Behandlungserfolge. Natürlich gibt es noch Vorurteile gegen die verschiedenen Formen der psychologischen Beratung und Psychotherapie in der Bevölkerung, doch die Akzeptanz nimmt zu.

von der Redaktion

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