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Liebe & Psychologie

Keine Panik vorm Klassentreffen: Warum ihr hingehen solltet & wie man es überlebt

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 27. Juni 2016

Man hat zusammen die Schulzeit durchlitten. Und dann trifft man sich Jahre später wieder.

Mein letztes Klassentreffen war vor vier Jahren. Erst hatte ich wenig Lust hinzugehen. Das wird doch sicher so wie in diesem Werbespot: "Mein Haus, meine Yacht, mein Porsche." Nur dass die ehemaligen Klassenkameraden nicht die fette Millionärsnummer gemacht haben, sondern eher die Reihenhaus-Familienidylle mit leicht spießigem Beigeschmack. "Mein Reihenhäuschen. Meine Geranien. Mein Zwergpudel." Aber trotz all dieser bösen Gedanken war ich doch neugierig und bin hingegangen.

Ein Hauch von Bewerbungsgespräch

30 mal die gleichen Fragen: "Und, was machst du so?" "Bist du verheiratet?" "Hast du Kinder?" 30 mal die gleichen musternden Blicke. Und, hat sie sich verändert? Ist sie anders als früher? Können wir uns inzwischen besser ausstehen als damals? Alles in allem hatte das den Charme eines Vorstellungsgesprächs in zigfacher Ausführung.

So gut wie alle hatten zwei oder drei Kinder bekommen, hatten geheiratet und waren nach einem Ausflug in die jeweilige Studien- oder Ausbildungsstadt wieder in die alte Kleinstadt zurückgekehrt. Und hatten da weiter gemacht, wo sie als Jungspunde fluchtartig das Weite gesucht hatten. Irgendwie fällt der Apfel eben doch nicht weit vom Stamm.

​Wurde ich gefragt, konnte ich hingegen weder Kinder, noch Ehering, noch Reihenhaus vorweisen. Auch wenn ich dafür mitleidig angeschaut wurde, so fühlte es sich innerlich doch ähnlich gut wie ein Tag im Schokoparadies an. Tauschen wollte ich mit Sicherheit mit niemandem.

Zumal die wirklich interessanten Ex-Schulkameraden, auf deren Werdegang man sich gespannt gefreut hatte, dem Treffen ferngeblieben waren. Die eine lebt in Paris, die andere hat es nach Amerika verschlagen, einer soll als Theaterintendant in London arbeiten. Eine Mischung aus Anerkennung und Neid macht sich breit. Ansonsten gibt es beruflich wenig Überraschendes zu vermelden. Der Klassenprimus hat die Banklehre absolviert, der eher unbegabte Nerd aus reichem Hause sorgt dafür, dass sich Papas Geld weiter vermehrt. Die stille Maus ist Beamtin geworden.

Das zu Erwartende & das Überraschende

Aber auch wenn sich bis hierhin alle Befürchtungen bewahrheitet hatten, gab es auch absolut positive Überraschungen. Menschen, die einem früher aus irgendeinem Grund nicht behagt hatten. Vielleicht, weil sie der falschen Clique angehört hatten, in der Pause in der Raucherecke standen oder weil man sich schlicht und ergreifend übersehen hatte. ​Die Schleimerin, der Frauenliebling, die Superschöne und der Philosoph: Früher hatte jeder seine feste Rolle in der Stufe. Jetzt, mit ein paar Jahren Abstand, sieht man sich beim Klassentreffen wieder und merkt, dass das alles nicht mehr zählt. Ohne die alten Vorurteile quatscht es sich direkt viel besser.

Und so wird das Klassentreffen doch irgendwie zu einer echt netten Veranstaltung. Nicht nur, dass man seinen Lebensentwurf noch mal neu überprüft, man lernt auch die ein oder andere Lektion in Sachen Demut, weil man eben vorgefertigte Meinungen revidieren muss.

​Wer trotzdem Sorge hat, dass es seltsam werden könnte: Hier kommen 6 Survival-Tipps für alle, die das Klassentreffen noch vor sich haben:

1. Überleg dir vorher, was du auf den Fragenkatalog der anderen antworten willst. Entscheide dich entweder für die komplette Wahrheit - oder das genaue Gegenteil.

2. Bewaffne dich mit einem Fotoapparat. So kannst du unliebsamen Gesprächen entfliehen.

3. Lass alte Vorurteile außer Acht und rede wirklich mit allen Leuten. Es wird dich überraschen - und zwar durchaus positiv.

4. Lass dich erst gar nicht auf gegenseitige Prahlereien ein. Egal, wie super toll der andere sein Leben darstellt. Solange er nicht Rockstar oder Kultautor geworden ist, lass es getrost an dir abperlen.

5. Tausch deine Kontaktdaten wirklich nur mit den Leuten aus, die du wiedersehen willst. Alles andere wäre ein Krampf.

6. Und ein letzter Tipp: Kipp dich nicht mit Alkohol zu und bleib nicht bis zum Ende. Am besten hast du immer den polnischen Abgang als Ass im Ärmel. Dann kann nix passieren.

von Fiona Rohde