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Liebe & Psychologie

"Du bist wie deine Mutter!" - Werden wir automatisch wie unsere Eltern?

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 28. Januar 2015
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Obwohl wir unsere Eltern sehr lieben, wird der Kommentar "Du bist ja schon genauso wie deine Mutter!" nicht gerne gehört. Natürlich ärgert uns diese Bemerkung vor allem deshalb, weil sie nicht selten im Streit von der Gegenseite als Totschlagargument verwendet wird. Nur: Warum kann man uns mit dieser Bemerkung so derart ärgern? Und: Stimmt es, dass wir wirklich genauso werden wie unsere Eltern?

Klar, allein optisch sind wir unseren Eltern sehr ähnlich. Mamas Nase und braune Locken, dazu haben wir noch die Mimik und das Lachen vom Vater geerbt. Aber nicht nur das. Irgendwann um die 30 müssen wir plötzlich feststellen, dass wir, die wir doch früher immer alles so anders als unsere Eltern machen wollten, uns auch mehr und mehr wie unsere Eltern verhalten.

Spätestens wer selbst Kinder bekommt, muss sich eingestehen, dass er ziemlich zielsicher in die elterlichen Fußstapfen tritt. Da ermahnt man sein eigenes Kind, dass es nicht so viele Süßigkeiten in sich reinstopfen und beim Schulweg vorsichtig sein soll. Man räumt dem Partner hinterher und motzt jeden Morgen, dass er die Milch aus der Flasche trinkt. Genau wie damals unsere Mutter.

Dabei ist es kaum verwunderlich, dass wir ihnen in unserem Verhalten ähneln. Genau wie unsere Kinder sich ihre Verhaltensweisen von uns abschauen, so waren auch unsere Eltern unser Vorbild. Niemand hat uns so stark geprägt wie unsere Mutter und unser Vater. "Das betrifft Einstellungen, automatische Verhaltensweisen, aber auch, wie wir mit Gefühlen und Nähe umgehen", sagt die Psychotherapeutin Dr. Silvia Dirnberger-Puchner.

Eine Kopie der Mutter?

Solange wir jünger sind und sich unser Leben von denen der 'Erwachsenen' grundlegend unterscheidet, fallen uns diese Parallelen gar nicht wirklich auf. Sobald wir jedoch älter werden und sich unser Leben auch durch eine feste Beziehung, einen Job und eigene Kinder nicht mehr so frappierend von dem unserer Eltern unterscheidet, merken wir: Wir haben das Sicherheitsdenken unserer Mutter übernommen, haben auch einen Bausparvertrag und denken über einen Hauskauf nach.

Bei einer Umfrage des englischen Online-Portals Netmums sagte die große Mehrheit der Frauen, dass sie ungefähr ab dem 32. Lebensjahr der eigenen Mutter immer ähnlicher geworden seien. Ticks, Rituale oder bestimmte Formulierungen - kaum eine Frau, der keine Gemeinsamkeit mit der eigenen Mutter einfiel.

Dumm nur, dass wir von unseren Eltern nicht nur die positiven Eigenschaften übernehmen, sondern eben auch die schlechten. Wen es schon immer gestört hat, dass die Eltern keine wirkliche Streitkultur haben und viele Probleme unter den Teppich kehren, der muss sich darüber im Klaren sein, dass auch sein Verhalten in Konflikten durch seine Eltern geprägt wurde. Schließlich reagiert man im Streit recht intuitiv und ohne groß zu überlegen und dann nehmen wir meistens automatisch den Weg, den wir unser halbes Leben vorgelebt bekommen haben.

Das Gehirn, ein Gewohnheitstier

Schuld ist unser Gehirn, das alte Gewohnheitstier. Es sorgt dafür, dass wir bestimmte Handlungsweisen ganz automatisch machen, ohne darüber nachzudenken. Einfach, weil wir es 'halt immer so gemacht haben'. Die Expertin erklärt: "Im Zusammenleben mit unseren Eltern werden uns Muster vorgelebt und gezeigt." Die speichern wir ab und so bilden sich in unserem Gehirn Muster und Strukturen heraus, an denen wir uns im Leben orientieren und die unsere Handlungen bestimmen. "Abgespeichert in den Nervenzellen werden im Laufe der Jahre regelrechte Trampelpfade durch immer wiederkehrende Handlungsmuster gebildet", erklärt Dr. Dirnberger-Puchner.

Doch keine Angst. Wir werden nicht unweigerlich eine Mini-Version unserer Mutter. Dr. Dirnberger-Puchner sagt: "Jeder Mensch ist einzigartig und unglaublich reich an Fähigkeiten." In ihrem Buch erklärt sie, wie man seine elterlichen Wurzeln verstehen und akzeptieren, aber auch gleichzeitig sein Leben aktiv verändern kann.

Wer Dinge besser bzw. anders machen will als seine Eltern, der sollte mit dem wichtigsten Punkt anfangen, so die Expertin: "Wir müssen zunächst verstehen, warum wir so reagieren, wie wir reagieren. Die Entstehungsgeschichte zu begreifen ist das wichtigste." Schritt zwei: Man sollte die geerbten Verhaltensweisen einerseits anerkennen und wertschätzen, aber auch überlegen, ob es auch einige gibt, die für das eigene Leben eher hinderlich sind. Denn was nicht passt, kann man durchaus versuchen zu ändern. Und zwar indem man sich Handlungsalternativen überlegt. Wer zum Beispiel zuhause nie gelernt hat 'Nein' zu sagen, und deshalb im Job immer den kürzeren zieht, der sollte daran arbeiten, seine gewohnten Verhaltensmuster abzulegen.

Natürlich lassen sich Verhaltensweisen, die das Gehirn einmal abgespeichert hat, nicht von heute auf morgen ändern. Das kann mitunter Jahre dauern. Aber mal im Ernst: Zum Glück haben unsere Mutter und unser Vater doch auch viele gute Eigenschaften. Deshalb sollte man sich ehrlich fragen: "Ist es denn wirklich so schlimm, wenn ich ein bisschen so werde wie meine Mutter?"

Buchtipp zum Thema:
Dr. Silvia Dirnberger-Puchner
Werden wir wie unsere Eltern?
Goldegg Verlag

von Fiona Rohde

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