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Geburt mit Periduralanästhesie (PDA): Was du über die Betäubung wissen solltest

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 11. Mai 2019

Viele Frauen haben Angst vor den Schmerzen einer Geburt. Wie die Rettung in der Not wirkt da die Periduralanästhesie (PDA), eine Rückenmarksbetäubung, die gebärenden Frauen die größten Schmerzen nimmt. Wir sagen dir, was du zu der Betäubung wissen solltest, welche Risiken bestehen und welche anderen Möglichkeiten zur Schmerzlinderung es gibt.

Ob eine Mutter mit Periduralanästhesie entbindet oder nicht bleibt - zumindest bei einem komplikationslosen Geburtsverlauf - eine freiwillige Entscheidung. Für manche Frauen gehören Schmerzen einfach zur Geburt dazu: Einige betrachten es sogar als bereichernde Erfahrung die intensiven Schmerzen zu spüren und zu bewältigen.

Doch viele Frauen finden es absolut unerträglich ihr Kind unter größten Qualen zu gebären und empfinden die Periduralanästhesie als willkommene Geburtserleichterung.

Periduralanästhesie: Was ist das?

Die Periduralanästhesie (PDA) ist eine rückenmarksnahe Lokalanästhesie, die auf Wunsch der werdenden Mutter während der Entbindung verabreicht werden kann, um die Geburtsschmerzen zu unterbinden. Das Betäubungsmittel wird dabei um die Dura Mater, d.h. um die das zentrale Nervensystem umhüllende harte Hirnhaut, gespritzt (daher der Name PeriDural: aus dem Lateinischen: peri "rundherum, neben" und dura "harte Hirnhaut").

Resultat: Die Nerven des unteren Beckenbereiches werden betäubt. Die PDA führt also zu einer absoluten Schmerzfreiheit der unteren Körperregion.

Wie läuft eine PDA ab?

Die Periduralanästhesie wird im Sitzen oder im Liegen (seitliche Lage) verabreicht, sobald die Wehen besonders schmerzvoll werden: Ein Arzt spritzt der Mutter zunächst ein Lokalanästhetikum bevor er eine hauchdünne Hohlnadel im Bereich des Wirbelkanals (meist zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel) injiziert, bis diese den die Wirbelsäule umgebenden Periduralbereich erreicht.

Anschließend führt der Arzt durch diese Nadel einen Katheter in die Einstichstelle ein. Über diesen wird dann ein weiteres Betäubungsmittel eingespritzt, das bis in die aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln eindringt und somit die Schmerzleitung zum Gehirn unterbricht. Nach 10 bis 15 Minuten beginnen die Wehenschmerzen langsam abzuklingen.

Während der gesamten Prozedur werden Blutdruck und Herzrhythmus der Mutter kontrolliert. Dank des Katheters kann das Betäubungsmittel kontinuierlich oder schubweise nachgespritzt werden.

Wissenswertes zur PDA

  • Wie bei jeder Narkose muss auch bei der PDA ein Anästhesist (Narkosearzt) zugegen sein. Daher ist mehrere Wochen vor der Entbindung ein vorbereitendes Gespräch notwendig, in dem der Anästhesist deine Krankengeschichte (Anamnese) zur Kenntnis nimmt und bestätigen kann, dass in deinem Fall nichts gegen eine PDA einzuwenden ist.
  • Die PDA kann auch noch verabreicht werden, wenn sich der Muttermund schon 6 bis 7 cm geöffnet hat. Du kannst also fast im letzten Augenblick noch entscheiden, ob du auf die PDA zurückgreifen möchtest oder nicht.
  • Im Prinzip kann die PDA bei jeder Frau eingesetzt werden, es sei denn, es liegt eine der folgenden Gegenanzeigen vor: Fieber, Rückeninfektion, Gerinnungsstörungen, Blutvolumenmangel, Erkrankungen der Nerven, erhöhter Hirndruck,...
  • Episiotomie (Dammschnitt) und Naht der Episiotomiewunde sind unter PDA ebenfalls schmerzfrei.
  • Es ist möglich einen Kaiserschnitt unter PDA durchzuführen. Wenn es der Zustand der werdenden Mutter nicht erfordert, ist beim Kaiserschnitt keine Vollnarkose notwendig.

Vorteile einer PDA

  • Die Periduralanästhesie ermöglicht eine harmonischere und entspanntere Entbindung. Sie erleichtert der Mutter die Geburt.
  • Die werdende Mutter kann die Entbindung bewusst aber schmerzfrei miterleben, ohne dass dabei ihre körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird: Alle Muskeln funktionieren, nur die Schmerzübertragung wurde unterbunden.
  • Die Mutter erholt sich nach der Entbindung schneller und kann 4 bis 5 Stunden nach der Geburt schon wieder aufstehen.

Nachteile einer PDA

  • Nicht nur subjektiv lassen nach einer PDA die Wehen nach, sondern auch tatsächlich. Das heißt, eine PDA kann die Geburt in die Länge ziehen.
  • Um die Geburt weiterhin voranzutreiben, werden Frauen häufig an einen Wehentropf angehangen, dessen Dosis kontinuierlich gesteigert wird.
  • Frauen sind nach einer PDA in ihrer Mobilität eingeschränkt, da oft auch die Beine betäubt sind. Das Baby hat somit weniger Unterstützung, tiefer ins Becken zu rutschen.
  • Auch der Harndrang ist aufgrund der PDA nicht mehr vorhanden, die Blase der Frau muss über einen Katheter entleert werden.
  • Die Presswehen, die zur Austreibung des Kindes erforderlich sind, werden nur dumpf wahrgenommen.

Risiken einer PDA

Die Periduralanästhesie kann einige Nebenwirkungen nach sich ziehen: Blutdruckabfall, zu hohe Ausbreitung der Anästhesie oder versehentliche Durchstechung der harten Hirnhaut. Schwerwiegende Unfälle ereignen sich nur extrem selten.

Komplikationen können aufgrund einer Entzündung des durch die Injektion verletzten Gewebes oder aufgrund einer Infektion durch einen Krankenhauskeim auftreten. Das injizierte Produkt kann auch zu Allergien oder Unverträglichkeiten führen.

Es können auch Blasenentleerungsstörungen auftreten, die allerdings im Regelfall wieder von selbst verschwinden.

Äußerst selten kann die Periduralanästhesie eine Hirnhautentzündung verursachen.

Die so häufig geäußerte Angst vor bleibenden Lähmungserscheinungen ist unbegründet, da das Betäubungsmittel bei der PDA nicht ins Rückenmark gespritzt wird, sondern in die dieses umgebende Dura Mater. Um eine Lähmung hervorzurufen, müssten die Wirbelsäule oder zahlreiche Nerven stark verletzt werden. Mit der bei der PDA angewendeten Technik ist das jedoch undenkbar.

Andere Möglichkeiten zur Bewältigung der Geburtsschmerzen


Manche Hebammen empfehlen werdenden Müttern zur Linderung der Entbindungsschmerzen alternative Techniken wie Sophrologie (Entspannungstechnik), Haptonomie ('Lehre von der Berührung'), Akupunktur oder Massagen. Wer sich dafür interessiert, sollte seine Hebamme direkt mal danach fragen.

In manchen Kliniken können Frauen unter der Geburt auch Lachgas inhalieren und die Geburtsschmerzen so lindern.

Weitere medizinische Details zur PDA erfährst du auf onmeda.de.

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