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Wehen erkennen und unterscheiden: Das sollten Schwangere wissen!

von der Redaktion Veröffentlicht am 28. Juni 2017
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Geht es schon los oder war das nur ein Fehlalarm? Und woher weiß ich eigentlich, wann ich ins Krankenhaus muss? Wir verraten euch alles, was ihr über Wehen wissen müsst.

Je näher der Geburtstermin rückt, desto verunsicherter sind Schwangere und stellen sich Fragen wie: "Woher weiß ich, dass es Wehen sind?", "Wie fühlen sich echte Wehen überhaupt an?" oder "Geht es jetzt wirklich los?"

Und es ist auch gar nicht so einfach. Schließlich gibt es verschiedene Arten von Wehen, von den Übungs- oder Vorwehen, über Senkwehen, Geburtswehen und Presswehen bis hin zu den Nachwehen. Die eine Wehen-Form kann die Schwangere schon in der 24. Schwangerschaftswoche spüren, die andere noch einige Tage nach der Geburt. Einige Wehen-Arten sind für alle werdenden Mamis spürbar, andere werden von einigen Frauen gar nicht wahrgenommen.

Es gibt aber ein paar Anhaltspunkte, woran ihr die einzelnen Formen der Wehen erkennen könnt.

Was sind Übungswehen oder Vorwehen?

Die eigentliche Bezeichnung der umgangssprachlichen Übungs- oder Vorwehen lautet Braxton-Hicks-Kontraktionen, nach ihrem Entdecker Braxton Hicks benannt. Der britische Arzt beschrieb bereits 1872, dass es in der Gebärmutter schwangerer Frauen ab dem 2. Monat zu Kontraktionen kommen kann, die die Schwangere selten spürt und die auch keine Vorboten einer Geburt seien. Erst mit der wachsenden Gebärmutter kann auch die Schwangere diese leichten Kontraktionen spüren.

Ab wann spürt man Übungswehen?

Am häufigsten treten die Übungswehen zwischen der 27. und 32. Woche auf, einige Schwangere spüren sie aber bereits ab der 20. Woche. Sei treten zudem sehr unregelmäßig auf und dauern weniger als eine Minute an.

Wie erkenne ich eine Übungswehe?

Mit den Übungswehen oder Vorwehen übt die Gebärmutter das Zusammenziehen der Muskulatur, so wie sie es zu der eigentlichen Geburt braucht. Meist spüren Schwangere lediglich, dass ihr Bauch hart wird. Schmerzhaft sollten Übungswehen nicht sein.

Frauen mit vielen Vorwehen haben dank dieser Vorarbeit später eine kürzere Geburt als die, bei denen sich im Vorfeld nichts oder nur sehr wenig getan hat. Aber auch, wenn die Übungswehen ausbleiben oder nicht spürbar sind, muss das kein Grund zur Sorge sein.

Anders als Geburtswehen hören Vorwehen nach kurzer Zeit wieder auf. Viele Schwangere empfinden sie ähnlich wie Regelschmerzen oder auch die späteren Geburtswehen. Die meisten werdenden Mütter spüren ein Spannungsgefühl im Bauch, meist aber keine Schmerzen.

Wie oft treten Übungswehen auf?

Übungswehen treten unregelmäßig auf, alle paar Stunden oder mehrmals in der Stunde. Manchmal spürt man sie stärker, manchmal schwächer.

Was tun:

  • Überanstrengung kann die Vorwehen verstärken, Entspannung kann sie lindern.
  • Bei Stress solltet ihr zwischendurch eine Pause einlegen und die Füße hochlegen.
  • ​Magnesium lindert die Beschwerden, sollte aber mit dem Frauenarzt abgesprochen werden. Wenn sehr schmerzhafte Übungswehen in kurzen Abständen auftreten und nicht mehr nachlassen, solltet ihr einen Arzt aufsuchen.
  • Eventuell muss ein Wehenhemmer verordnet werden. Hebammen haben oft alternative Methoden, um den Muskel zu beruhigen.

Was sind Senkwehen?

Vorwehen oder auch Senkwehen treten wenige Wochen vor der Geburt auf. Sie sorgen dafür, dass sich das Baby ins Becken senkt und der Kopf des Kindes sich vor dem Muttermund positioniert.

Ab wann treten Senkwehen auf?

Senkwehen treten meistens ab der 36. Schwangerschaftswoche auf.

Wie erkenne ich Senkwehen?

Da durch die Senkwehen die Gebärmutter nach unten verlagert wird, entsteht um Magen und Lunge wieder mehr Platz, das Atmen fällt wieder leichter und der Bauch der Schwangeren verlagert sich sichtbar nach unten. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Blase zu.

  • Viele Schwangere beschreiben Senkwehen als Schmerzen im Rücken oder in der Leiste.
  • Hinzu kommt häufig ein Muskelkater in den Oberschenkeln und ein Stechen der Blase.
  • Der Bauch verhärtet sich.
  • Frauen, die zum zweiten Mal entbinden, empfinden die Senkwehen oft viel stärker als bei der ersten Schwangerschaft, bei ihnen senkt sich die Gebärmutter oft erst kurz vor der Geburt.

Wie oft treten Senkwehen auf?

Senkwehen können mal alle zehn Minuten auftreten, dann wieder stunden- oder tagelang gar nicht.

Was tun: Die Schmerzen bei Senkwehen lassen sich gut durch Entspannung und Wärme, beispielsweise in der Badewanne lindern. Sind die Schmerzen stark und dauern an, solltet ihr eure Hebamme zu Rate ziehen oder euren Frauenarzt aufsuchen.

Was sind Geburtswehen?

Die Geburtswehen leiten die Geburt ein. Durch Kontraktionen der Gebärmutter wird das Baby nach und nach durch den Geburtskanal geschoben, der Gebärmutterhals verkürzt sich (er "verstreicht") und der Muttermund öffnet sich bis zu den erforderlichen zehn Zentimetern. All diese Vorgänge benötigen enorme Kräfte und lassen viele Frauen an ihre Grenzen stoßen. Sie erfordern sehr viel Willenskraft und Konzentration von der Gebärenden.

Geburtswehen empfindet jede Frau anders. Manche beschreiben sie als ähnlich den Regelschmerzen, andere als enormes Drücken oder Stechen im Rücken.

Ab wann treten Geburtswehen auf?

Geburtswehen treten ab der 37. Schwangerschaftswoche auf. Wenn ihr lange vor dem Geburtstermin Geburtswehen verspürt, solltet ihr sofort zum Arzt gehen, um eine Frühgeburt zu vermeiden.

Wie erkenne ich Geburtswehen?

Geburtswehen treten in immer häufigeren Intervallen auf, dies bezieht sich aber auf den gesamten Geburtsvorgang und die Wehen können auch mal eine Zeit lang enger und dann wieder mit mehr Abstand auftreten. Wenn es ernst wird, kommen Geburtswehen in 2- bis 3-minütigem Abstand und können bis zu 90 Sekunden andauern.

Was tun: Der Zeitpunkt, wann ihr euch in ein Krankenhaus oder Geburtshaus begeben solltet, hängt von eurem Gefühl ab. Manche Frauen möchten sich möglichst früh in sicheren Händen wissen, andere möglichst lange zu Hause bleiben. Wenn ihr unsicher seid, fahrt ruhig los, es ist nichts Schlimmes dabei, wenn ihr wieder nach Hause geschickt werdet.

Wann muss ich ins Krankenhaus?

Sofort ins Krankenhaus fahren solltet ihr, wenn...

  • ...eine starke, hellrote Blutung auftritt. Es könnte eine vorzeitige Plazentaablösung auftreten.
  • ...die Fruchtblase gesprungen ist. Vor dem Geburtstermin stellt der Frauenarzt fest, ob das Baby fest im Becken liegt. Ist dies nicht der Fall, muss die Schwangere bei einem vorzeitigen Blasensprung liegend ins Krankenhaus transportiert werden, denn es besteht die Möglichkeit, dass sonst das Baby nach Abgang des Fruchtwassers mit dem Kopf die Nabelschnur abklemmt.
  • ...die Wehen regelmäßig alle fünf Minuten oder öfter kommen. Bei den Geburtswehen dürft ihr noch nicht pressen, sondern solltet versuchen, möglichst entspannt weiterzuatmen. Auch wenn ihr Atemübungen als albern empfindet - gezieltes Ausatmen ist sehr gut, um für Entspannung zu sorgen, sonst konzentriert ihr euch zu sehr auf den Schmerz und verkrampft automatisch.

Was sind Presswehen?

Nachdem der Muttermund vollständig geöffnet ist, beginnen die Presswehen. Diese aktivieren die Bauch- und Gebärmuttermuskulatur. Das Kind wird in Millimeterschritten durch den letzten Teil des Geburtskanals geschoben.

Wann setzen die Presswehen ein?

Presswehen setzen zum Ende der Geburt ein. Sie sind die stärksten Wehen der Geburt und werden meist als enormer Druck auf den Darm empfunden.

Wie lange dauern Presswehen an?

Eine Geburt kann nach zwei bis vier Presswehen vorbei sein. Manche Frauen haben auch stundenlang Presswehen, andere wiederum gebären bereits, bevor die Presswehen einsetzen.

Was tun: In dieser Phase ist die aktive Mitarbeit der werdenden Mama unerlässlich. Wenn die Hebamme sagt, dass es soweit ist, presst die Gebärende, sodass zunächst das Köpfchen und danach der restliche Körper des Babys hinausgedrückt wird.

Was sind Nachwehen?

Nachgeburtswehen lösen nach der Geburt die Plazenta und stoßen sie aus. In den nächsten zwei bis drei Tagen wird mit Nachwehen der Rückbildungsprozess der Gebärmutter in Gang gebracht. Gleichzeitig beginnt der Wochenfluss - ein reinigender Blutfluss.

Viele Erstgebärende merken die Nachwehen nur als leichtes Ziehen im Bauch. Beim zweiten oder dritten Kind sind die Nachwehen oft schmerzhafter, da die Gebärmutter weiter gedehnt ist und sich weiter zurückbilden muss.

Nachwehen treten häufig besonders beim Stillen auf, sollten aber nach einigen Tagen vorbei sein. Von nun an heilt euer Körper. Die Anstrengungen der Geburt werden körperlich und seelisch verarbeitet und eine neue Zeit mit dem kleinen Baby beginnt.

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