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Wehen erkennen und unterscheiden: Das sollten Schwangere wissen!

von Anne Walkowiak Erstellt am 21. Juli 2021
Wehen erkennen und unterscheiden: Das sollten Schwangere wissen!© Getty Images

Geht es schon los oder war das nur ein Fehlalarm? Wie fühlen sich echte Wehen an und woher weiß ich, wann ich ins Krankenhaus muss? Wir verraten euch alles, was ihr über Wehen wissen müsst.

Video von Aischa Butt

Je näher der Geburtstermin rückt, desto verunsicherter sind werdende Mütter und stellen sich Fragen wie: "Woher weiß ich, dass es Wehen sind?", "Wie fühlen sich Wehen an?" oder "Geht es jetzt wirklich los?"

Und es ist auch gar nicht so einfach, Kontraktionen zu erkennen und richtig einzuordnen. Schließlich gibt es verschiedene Arten von Wehen, von Übungswehen, über Vorwehen, Eröffnungswehen und Geburtswehen bis hin zu den Nachwehen. Die eine Wehen-Form kann schon in der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) fühlbar sein, die andere noch einige Tage nach der Niederkunft. Einige Kontraktionen sind für alle werdenden Mamis spürbar, andere werden von einigen Frauen gar nicht wahrgenommen.

Es gibt aber ein paar Anhaltspunkte, woran ihr die einzelnen Formen der Wehen erkennen könnt.

Was sind Übungswehen oder Vorwehen?

Die eigentliche Bezeichnung der umgangssprachlichen Übungs- oder Vorwehen lautet Braxton-Hicks-Kontraktionen, nach ihrem Entdecker Braxton Hicks benannt. Der britische Arzt beschrieb bereits 1872, dass es in der Gebärmutter Schwangerer ab dem 2. Schwangerschaftsmonat zu Kontraktionen kommen kann, die selten gespürt werden und die auch keine Vorboten einer Geburt seien. Erst mit der wachsenden Gebärmutter kann auch die Schwangere diese leichten Kontraktionen spüren.

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Ab wann spürt man Übungswehen?

Am häufigsten machen sich Übungswehen zwischen der 27. und 32. SSW bemerkbar, einige spüren sie aber bereits ab der 20. SSW. Sie treten zudem sehr unregelmäßig auf und dauern weniger als eine Minute an.

Wie fühlen sich Übungswehen an?

Wenn die Übungswehen dann einmal zu spüren sind: Wie fühlen sich diese Wehen an?
Mit den Übungswehen oder Vorwehen übt die Gebärmutter das Zusammenziehen der Muskulatur, so wie sie es zu der eigentlichen Geburt braucht. Meist spüren Schwangere lediglich, dass ihr Bauch hart wird. Schmerzhaft sollten Übungswehen nicht sein.

Die Vorwehen leisten eine wichtige Vorarbeit und sollen die spätere Geburt verkürzen. Aber auch, wenn die Braxton-Hicks-Kontraktionen ausbleiben oder nicht spürbar sind, muss das kein Grund zur Sorge sein. Geboren wird jedes Kind.

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Anders als Geburtswehen hören Vorwehen nach kurzer Zeit wieder auf. Viele Schwangere empfinden sie ähnlich wie Regelschmerzen oder auch die späteren Geburtswehen. Die meisten werdenden Mütter bemerken ein Spannungsgefühl im Bauch, meist aber keine Schmerzen.

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Wie oft treten Übungswehen auf?

Übungswehen sind unregelmäßig und können alle paar Stunden oder mehrmals in der Stunde erscheinen. Manchmal spürt man sie stärker, manchmal schwächer.

Was tun:

  • Überanstrengung kann die Vorwehen verstärken, Entspannung kann sie lindern.
  • Bei Stress solltet ihr zwischendurch eine Pause einlegen und die Füße hochlegen.
  • ​Magnesium lindert die Beschwerden. Eine Einnahme sollte aber mit dem Gynäkologen abgesprochen werden. Wenn sehr schmerzhafte Übungswehen in kurzen Abständen auftreten und nicht mehr nachlassen, solltet ihr einen Arzt aufsuchen.
  • Eventuell muss ein Wehenhemmer verordnet werden. Hebammen haben oft alternative Methoden, um den Muskel zu beruhigen.

Was sind Senkwehen?

Vorwehen oder auch Senkwehen kann man wenige Wochen vor der Geburt spüren. Sie sorgen dafür, dass das Baby tiefer ins Becken rutscht und (idealerweise) der Kopf des Kindes sich vor dem Muttermund positioniert.

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Ab wann kann man Senkwehen spüren?

Senkwehen treten meistens ab der 36. SSW auf. Aber keine Sorge, wenn ihr keine Senkwehen fühlt. Nicht alle bemerken sie Wochen vor der Geburt. Bei manchen rutscht das Baby erst zwei, drei Tage, bei anderen erst unmittelbar vorher ins Becken, wenn beispielsweise die Fruchtblase aufgegangen ist.

Wie fühlen sich Senkwehen an?

Da durch die Senkwehen die Gebärmutter nach unten verlagert wird, entsteht um Magen und Lunge wieder mehr Platz, das Atmen fällt wieder leichter und der Babybauch der Schwangeren verlagert sich sichtbar nach unten. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Blase zu.

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  • Viele Schwangere beschreiben Senkwehen als Schmerzen im Rücken oder in der Leiste.
  • Hinzu kommt häufig ein Muskelkater in den Oberschenkeln und ein Stechen der Blase.
  • Der Bauch verhärtet sich.
  • Mütter, die zum zweiten Mal entbinden, empfinden Senkwehen oft viel stärker als bei der ersten Schwangerschaft, bei ihnen senkt sich die Gebärmutter oft erst kurz vor der Geburt.

Wie oft treten Senkwehen auf?

Senkwehen können mal alle zehn Minuten auftreten, dann wieder stunden- oder tagelang gar nicht.

Was tun: Die Schmerzen bei Senkwehen lassen sich gut durch Entspannung und Wärme, beispielsweise in der Badewanne, lindern. Sind die Schmerzen stark und dauern an, solltet ihr eure Hebamme zu Rate ziehen oder euren Frauenarzt aufsuchen.

Was sind Geburtswehen?

Die Geburtswehen leiten die Geburt ein. Durch Kontraktionen der Gebärmutter wird das Baby nach und nach durch den Geburtskanal geschoben, der Gebärmutterhals verkürzt sich (er "verstreicht") und der Muttermund öffnet sich bis zu den erforderlichen zehn Zentimetern. All diese Vorgänge benötigen enorme Kräfte und lassen viele Gebärende an ihre Grenzen stoßen. Sie erfordern sehr viel Willenskraft und Konzentration.

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Geburtswehen empfindet jede Frau anders. Manche beschreiben sie als ähnlich den Regelschmerzen, andere als enormes Drücken oder Stechen im Rücken.

Ab wann hat man Geburtswehen?

Geburtswehen treten idealerweise ab der 37. Schwangerschaftswoche auf. Wenn ihr lange vor dem Geburtstermin Geburtswehen spürt, solltet ihr sofort zum Arzt gehen, um eine Frühgeburt zu vermeiden.

Wie fühlen sich Geburtswehen an?

Geburtswehen kommen in immer häufigeren Intervallen, dies bezieht sich aber auf den gesamten Geburtsvorgang. Die Wehen können auch mal eine Zeit lang enger und dann wieder mit mehr Abstand auftreten. Wenn es ernst wird, kommen Geburtswehen in 2- bis 3-minütigem Abstand und können bis zu 90 Sekunden andauern.

Übrigens: Echte Geburtswehen unterscheiden sich von Vor-, Senk- oder Übungswehen auch auf dem CTG, umgangssprachlich auch Wehenschreiber genannt. Schon vor der Geburt wurde in regelmäßigen Abständen ein CTG geschrieben. Eine echte Geburtswehe zeigt sich auf dem Wehenschreiber als ansteigender Berg mit einem kleinen Plateau. Übungswehen hingegen haben viele kleine Ausschläge und Spitzen. Einen festgeschriebenen Wert, wie stark eine Wehe auf dem CTG sein muss, gibt es dabei nicht.

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Wann muss ich ins Krankenhaus?

Der Zeitpunkt, wann ihr euch in eine Klinik oder ein Geburtshaus begeben solltet, hängt von eurem Gefühl ab. Einige möchten sich möglichst früh in sicheren Händen wissen, andere möglichst lange zu Hause bleiben. Wenn ihr unsicher seid, fahrt ruhig los, es ist nichts Schlimmes dabei, wenn ihr wieder nach Hause geschickt werdet.

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Sofort in die Klinik fahren solltet ihr, wenn...

  • ...eine starke, hellrote Blutung auftritt. Es könnte eine vorzeitige Plazentaablösung auftreten.
  • ...die Fruchtblase gesprungen ist. Vor dem Geburtstermin stellt der behandelnde Gynäkologe fest, ob das Baby fest im Becken liegt. Ist dies nicht der Fall, muss die Schwangere bei einem vorzeitigen Blasensprung liegend ins Krankenhaus transportiert werden, denn es besteht die Möglichkeit, dass sonst das Baby nach Abgang des Fruchtwassers mit dem Kopf die Nabelschnur abklemmt.
  • ...die Wehen regelmäßig alle fünf Minuten oder öfter kommen. Während der Geburtswehen dürft ihr noch nicht pressen, sondern solltet versuchen, möglichst entspannt weiterzuatmen. Auch wenn ihr Atemübungen als albern empfindet - gezieltes Ausatmen ist sehr gut, um für Entspannung zu sorgen, sonst konzentriert ihr euch zu sehr auf den Schmerz und verkrampft automatisch.

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Was sind Presswehen?

Nachdem der Muttermund vollständig geöffnet ist, beginnen die Presswehen. Diese aktivieren die Bauch- und Gebärmuttermuskulatur. Das Kind wird in Millimeterschritten durch den letzten Teil des Geburtskanals geschoben.

Wann setzen die Presswehen ein?

Sie setzen zum Ende der Geburt ein. Hat sich der Muttermund komplett geöffnet (das sind immerhin 10 Zentimeter), gibt einem die Hebamme das erlösende Go zum Pressen.

Wie fühlen sich Presswehen an?

Presswehen sind die stärksten Wehen der Geburt und werden meist als enormer Druck auf den Darm empfunden. Viele Gebärende haben Angst, dass sie unter den sogenannten Austreibungswehen ihren Darm entleeren könnten und empfinden dabei Schamgefühl. Doch diese Sorgen muss sich niemand machen.

Erfahrungsgemäß sorgt der Körper ganz alleine dafür, dass aller 'überflüssiger' Ballast den Körper bereits vor der Niederkunft verlässt. Zudem haben Hebammen und Ärzte schon unzählige Geburten begleitet. Es gibt in der Regel nichts, was sie nicht schon kennen. Konzentriert euch also aufs Pressen und Atmen und macht euch keinen Kopf um andere Dinge.

Wie lange dauern Presswehen an?

Eine Geburt kann nach zwei bis vier Austreibungswehen vorbei sein. Manche Frauen haben auch stundenlang Presswehen, andere wiederum gebären bereits, bevor die eigentlichen Presswehen einsetzen.

Was tun: In dieser Phase ist die aktive Mitarbeit der werdenden Mama unerlässlich. Wenn die Hebamme sagt, dass es so weit ist, presst die Gebärende, sodass zunächst das Köpfchen und danach der restliche Körper des Babys hinausgedrückt wird.

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Was sind Nachwehen?

Nachgeburtswehen lösen nach der Geburt die Plazenta und stoßen sie aus. In den nächsten zwei bis drei Tagen wird mit Nachwehen der Rückbildungsprozess der Gebärmutter in Gang gebracht. Gleichzeitig beginnt der Wochenfluss - ein reinigender Blutfluss.

Wie fühlen sich Nachwehen an?

Viele Erstgebärende merken die Nachwehen nur als leichtes Ziehen im einstigen Babybauch. Beim zweiten oder dritten Kind können sie schmerzhafter sein, da die Gebärmutter weiter gedehnt ist und sich weiter zurückbilden muss.

Lesetipp: Nachwehen: Wie lange sie dauern & was gegen die Schmerzen hilft

Nachwehen treten häufig besonders beim Stillen auf, sollten aber nach einigen Tagen vorbei sein. Von nun an heilt euer Körper. Die Anstrengungen der Geburt werden körperlich und seelisch verarbeitet und eine neue Zeit mit dem kleinen Baby beginnt.

Quellen:

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Wichtiger Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der Information und ersetzt keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr immer euren Arzt kontaktieren.

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