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Liebe & Psychologie

Von Haushalt bis Nachwuchs: Die 4 größten Beziehungsprobleme und wie ihr sie meistert

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 24. Februar 2017

Sorgen und Probleme gibt es in einer Partnerschaft immer. Und viele von ihnen sind ganz normal und betreffen uns alle.

Am Anfang einer Beziehung scheint alles leicht und einfach. Im Rausch der Gefühle ahnt man selten künftige Beziehungsprobleme oder Differenzen, die Liebe lässt einen den Partner durch eine rosarote Brille sehen. Doch irgendwann meldet sich der Alltag - und mit ihm ein realistischerer Blick aufs Gegenüber. Und schon sind sie da: die ersten Beziehungsprobleme.

Gern spricht man vom verflixten siebten Jahr, dabei wird eine Beziehung schon sehr viel früher auf die Probe gestellt. "Bereits nach einigen Wochen zeigt sich, ob zwei Menschen wirklich teamfähig sind", sagt der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger im Gespräch mit gofeminin.

Schuld sind die Herausforderungen des Lebens, die gemeinsam gemeistert werden müssen. "Die ursprünglichen Liebesgefühle können sich sehr schnell abnutzen, wenn massive Belastungssituationen auftreten. Dinge wie die Sorge um die Gesundheit des Partners, schlaflose Nächte, schreiende Kinder oder finanzielle Probleme überschatten leicht das Liebesglück."

Der Psychologe erklärt, welche Beziehungsprobleme in einer längeren Partnerschaft lauern und wie man sie meistert:

Klassische Beziehungsprobleme: Alltag

Der Alltag ist für die Liebe wie das Neonlicht in der Umkleidekabine: Es bringt kleine und große Fehler erbarmungslos ans Licht. Individuelle Macken werden plötzlich zur Geduldsprobe für die Liebe. Die Partner müssen sich von ein paar Allüren verabschieden, Kompromisse eingehen und sich aufeinander einspielen. Vor allem, wenn man sich eine Wohnung teilt! Stichwort Haushalt. "Hier gibt es schnell Zoff", weiß Experte Wolfgang Krüger.

Das Problem: "Die ungleiche Arbeitsbelastung im Haushalt ist für Frauen der größte Streitfaktor. Auch heute noch. Denn trotz aller Proteste hat sich in den letzten 20 Jahren wenig geändert, was die Arbeitsverteilung angeht. Noch immer meistern fast 60 Prozent der Frauen den Haushalt allein." Und das, obwohl viele Frauen mittlerweile selbst Vollzeit berufstätig sind. "Frauen arbeiten durchschnittlich 1,5 Stunden pro Tag länger als Männer."

Das rät der Experte: "Es kommt vor allem auf die Wertschätzung an. Der Mann sollte zumindest wahrnehmen, wenn sie mehr für den Haushalt tut als er. Damit wäre schon viel gewonnen. Für eine stabile Partnerschaft muss die Hausarbeit aber gerecht aufgeteilt werden. Sprich: Jeder muss einen Bereich im Haushalt übernehmen, für den er sich verantwortlich fühlt."

Klassische Beziehungsprobleme: Kinder

So toll sie auch sind - eigene Kinder sind ein nicht zu unterschätzender Belastungsfaktor für eine Liebesbeziehung. Das Problem: Werdenden Eltern muss klar sein, dass sie für längere Zeit auf viele eigene Bedürfnisse verzichten müssen. "Nur Eltern mit hoher Sozialkompetenz empfinden diese Zeit auch als Gewinn. Meist sinkt die Zufriedenheit der Eltern nach der Geburt eines Kindes. Erst nach fünf Jahren steigt die Zufriedenheit wieder an. Der Härtetest ist die Zeit nach der Geburt", sagt der Experte. "Da bleibt die Liebesbeziehung schnell auf der Strecke."

Babygeschrei, Schlafentzug, Sorgen um das Kind - das alles sorgt dafür, dass man schnell auf dem Zahnfleisch geht. Vor allem die Mutter, die sich ja anfangs meist allein um das Kind kümmert. Das Problem: "Männer unterschätzen, was es bedeutet, den ganzen Tag für ein Kind da zu sein. Erst wenn sie sich selbst tagelang um den Nachwuchs kümmern, wissen sie, wie anstrengend das sein kann."

Das rät der Experte: "Der Mutter sollten genügend Freiräume ermöglicht werden, damit sie sich um sich selbst kümmern kann. Zudem sollten beide darauf achten, dass sie ab und zu auch aus der Elternrolle aussteigen und sich als Liebespaar erleben können." Und noch etwas rät der Experte eindringlich: "Kinder sollte man nur bekommen, wenn die Partnerschaft belastungsfähig ist. Kinder sind kein Reparaturinstrument, sondern ein Trennungsgrund."

Klassische Beziehungsprobleme: Krankheiten

"In guten wie in schlechten Zeiten. In Gesundheit und Krankheit" - laut einer Umfrage des Magazins 'Stern' ist das für sieben von zehn Deutschen Realität, will heißen: Sie können sich auf ihren Partner verlassen, wenn es zu schweren Krisen, wie beispielsweise einer Krankheit, kommt. "Man hält zusammen, lernt sich tiefgehender kennen, und so erleben 68 Prozent die eigene Beziehung als Kraftquelle in schweren Zeiten", sagt Wolfgang Krüger. "Doch für 32 Prozent der Befragten gilt das offenbar nicht. Hier zog sich der überforderte Partner zurück, konnte die Belastung nicht mittragen."

Oft sind es die Frauen, die sich leichter in die Rolle der Pflegenden begeben und auf Ansprüche verzichten. Das besagt zumindest eine amerikanische Studie: "Kranke Frauen müssen mit einer Scheidungsquote von 21 Prozent rechnen. Bei kranken Männern liegt die Scheidungsquote bei drei Prozent." Schwierig wird es vor allem dann, wenn der bisher 'starke' Partner plötzlich Hilfe benötigt und sich die gesamte Partnerschaftsbalance verändert. Das kann eine Partnerschaft völlig überfordern.

Das rät der Experte: "Wichtig ist es, die Krankheit als gemeinsame Aufgabe zu betrachten und nicht zu versuchen, die Normalität irgendwie aufrechtzuhalten. Geht die Krankheit über längere Zeit, sollten sich Paare deshalb auch die Hilfe von Freunden und Familie suchen."

Klassische Beziehungsprobleme: Jobverlust

Es kann auch sehr belastend sein, wenn einer von beiden Partnern nicht mehr regelmäßig einer Beschäftigung nachgeht. Sei es später, weil er in Rente geht oder in jungen Jahren, weil er arbeitslos oder berufsunfähig wird oder gerade auf Jobsuche ist. "Plötzlich ist der Partner, der bisher berufstätig war, immer zu Hause. Das beeinträchtigt seine Stimmung. Einen großen Teil seines Selbstbewusstseins hat er aus der Arbeit gezogen, nun ist er unruhig, weiß sich nicht mehr zu beschäftigen", sagt Wolfgang Müller.

Das fällt Männern meist noch schwerer als Frauen, deren Lebensbereich meist vielfältiger und eher sozial ausgerichtet ist. "Frauen haben sich meist um die Kinder gekümmert, um die Eltern, haben Kontakt zu den Nachbarn und ihren Freundinnen. Männer definieren sich oft über ihre Arbeit."

Das rät der Experte: "Diese Phase muss nicht für alle Paare schwierig verlaufen, aber es ist eine Phase des Umbruchs, für die es keine perfekte Lösung gibt, nur Bemühungen. Viel reden und viel Verständnis hilft jedoch mit Sicherheit."

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