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Vegane Ernährung in der Schwangerschaft – gefährlich oder möglich?

Jane Schmitt
von Jane Schmitt Veröffentlicht am 23. Februar 2017

Können sich Schwangere und stillende Mütter guten Gewissens vegan ernähren oder sollten sie das lieber nicht?

Inzwischen entscheiden sich immer mehr Menschen dafür komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Laut Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU) ernähren sich rund 900.000 Menschen in Deutschland vegan und 7,8 Millionen vegetarisch (Stand 2015). Doch gerade Schwangere sind bei der Frage nach der Ernährungsweise verunsichert. Können sich auch Schwangere und stillende Mütter guten Gewissens vegan ernähren oder sollten sie das lieber nicht?

Zunächst sollte es ja eigentlich jedem selbst überlassen sein, wie er sich ernährt. Doch trifft das wirklich auf alle Lebensphasen zu? Gerade bei vielen Veganerinnen, die schwanger werden, kommen Zweifel auf, ob sie ihren Lebensstil so weiterführen können wie bisher.

Doch egal ob Alles-Esserin, Vegetarierin oder Veganerin: Jeder Schwangeren sollte bekannt sein, dass sie als werdende Mutter eine rundum vollwertige Kost zu sich nehmen muss, um dem Kind alle Nährstoffe für eine gesunde Entwicklung zu bieten. Ist das mit einer rein veganen Ernährungsweise überhaupt möglich? Nur bedingt. Warum, erklären wir euch im Folgenden.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft: Nährstoffmängel ausgleichen!

Eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft wird von den meisten Experten kritisch gesehen. Der Grund: Es drohen Nährstoffmängel. Frauen, die auch während Schwangerschaft und Stillzeit der veganen Ernährung treu bleiben wollen, sollten dem drohenden Mangel daher mit zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln in Tablettenform oder angereicherten Lebensmitteln entgegenwirken.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft: Auf diese Nährstoffe kommt es an

Am wichtigsten ist hierbei das Vitamin B12. Diese Nährstoffe sind für die gesunde Entwicklung des Kindes besonders wichtig und müssen meist über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden: Protein bzw. unentbehrliche Aminosäuren und langkettige n3-Fettsäuren, weitere Vitamine wie Riboflavin und Vitamin D und Mineralstoffe wie Calcium, Eisen, Jod, Zink, Selen.

Im Gegensatz zu Veganern haben Ovo-Lakto-Vegetarier, die neben pflanzlichen Lebensmitteln auch Eier, Milch und Milchprodukte zu sich nehmen, bei ausgewogener Ernährung übrigens kein Problem, ihren Bedarf an allen Nährstoffen zu decken.

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Was passiert, wenn man keine Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht sich ganz klar gegen eine vegane Ernährung während Schwangerschaft und Stillzeit aus. Der Grund: Eine rein vegane Ernährung in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit kann besonders für das Kind ein sehr hohes Risiko darstellen. Da es sich im Wachstum befindet und weniger Nährstoffe speichern kann, benötigt es eine höhere Nährstoffdichte und rutscht darum schneller in eine Unterversorgung oder einen Nährstoffmangel.

Die Folge: Bereits während der Schwangerschaft wird das Risiko von Komplikationen (wie Frühgeburt oder Präklampsie) erhöht. Bei einem Vitamin-B12-Mangel kann das Baby mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht oder mit neurologischen Entwicklungsstörungen oder Schäden in Gehirn und Rückenmark geboren werden. Zudem kann die Blutbildung beeinträchtigt sein. Auch während der Stillzeit sollten bei einer veganen Ernährung weiterhin Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.

Weitere Informationen zu den Risiken und Folgen eines Nährstoffmangels könnt ihr hier bei onmeda.de nachlesen.

Warum ist die Begleitung durch Ärzte oder Ernährungsexperten so wichtig?

Es ist besonders wichtig, dass Schwangere, die sich vegan ernähren, auch ihren Arzt darüber informieren, damit dieser durch Bluttests möglichen Nährstoffmängeln vorbeugen kann. Nur so können Mutter und Kind die richtigen und wichtigen Nährstoffe erhalten. Bitte lasst euch auf jeden Fall professionell beraten, damit es euch und eurem Kind wirklich gut geht.

Habt keine falsche Scheu und redet offen mit eurem Arzt über eure Ernährung. Zu viele Frauen trauen sich nicht offen zuzugeben, dass sie sich auch in der Schwangerschaft vegan ernähren und ihren Prinzipien treu bleiben wollen, weil sie befürchten belächelt oder gar verurteilt zu werden. Am Ende schadet ihr eurem Kind und auch euch selbst.

"Es gibt eigentlich keine großen Probleme für eine Schwangerschaft, wenn die Frau richtig geführt wurde, das heißt, sie über mögliche Mangelzustände Bescheid weiß und sie auch weiß, dass sie diese ausgeglichen hat. Das macht sie normalerweise außerhalb der Frauenheilkunde mit einem Ernährungswissenschaftler oder mit jemandem, der ihr Hausarzt ist", sagt der Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe der Frauenarzt Prof. Dr. Klaus Vetter im ZDF Verbrauchermagazin 'Volle Kanne'.

Also ist eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft unter den richtigen Voraussetzungen möglich. Das bedeutet: Unter medizinischer bzw. ernährungswissenschaftlicher Begleitung und der korrekten Versorgung der Schwangeren mit allen für sie und das Ungeborene wichtigen Nährstoffen, kann man sich auch in der Schwangerschaft vegan ernähren. Inzwischen fordern vereinzelte Politiker eine Ernährungs-Pflichtberatung für Schwangere.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft: Wichtige Tipps

Entscheidet ihr euch für eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit, solltet ihr auf jeden Fall folgende Tipps beachten:

  • Lasst euch von qualifizierten Ernährungsexperten ausführlich über eine gesunde Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit beraten.
  • Nehmt dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat ein, da dieses fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt.
  • Bevorzugt vor allem Lebensmittel, die eine hohe Nährstoffdichte aufweisen oder die künstlich mit Nährstoffen angereichert sind.
  • Lasst eure Blutwerte (v.a. Vitamin B12, evtl. auch weitere Nährstoffe) regelmäßig vom Arzt prüfen, um bei etwaigen Mangelzuständen entgegenwirken zu können.

Egal, ob ihr euch nun vegan, vegetarisch oder ganz normal ernährt - für alle werdenden Mamis sollte die Ernährung eine große Rolle spielen, damit ihr euren Babys die besten Entwicklungschancen bieten könnt.

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von Jane Schmitt

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