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Abtreibungsverbot in Polen: So zeigt ihr jetzt Solidarität

von Anna Haacks Erstellt am 26. Oktober 2020
Abtreibungsverbot in Polen: So zeigt ihr jetzt Solidarität© Getty Images

Für Frauen in Polen ist die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes ein heftiger Einschnitt in ihr Recht auf Selbstbestimmung. Bei uns erfahrt ihr, was ihr jetzt tun könnt, um die Frauenrechtsbewegungen dort zu unterstützen.

Für die Frauen in Polen war der 22. Oktober 2020 ein schwarzer Tag. Denn an diesem Tag wurde das ohnehin schon strengste Abtreibungsgesetz Europas noch einmal verschärft.

So dürfen Frauen in Polen auch dann keine Abtreibung vornehmen lassen, wenn dem ungeborenen Kind massive Fehlbildungen drohen.

Das bedeutet die Gesetzesänderung für Frauen in Polen

Bislang waren Abtreibungen im katholisch geprägten Polen nur dann erlaubt, wenn dem Fötus schwere unheilbare Krankheiten oder lebensbesdrohliche Schäden drohen. Doch die vorsitzende Verfassungsrichterin Julia Przylebska entschied nun, dass diese Gesetzesregelung verfassungswidrig ist.

Zuvor hatte eine Gruppe von rechtskonservativen Abgeordneten eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes gefordert. Damit sind Abtreibungen in Polen nur noch dann legal, wenn das Leben der Mutter massiv bedroht ist oder die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung oder aus Inzest resultiert.

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Vor allem die Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit (PiS)" setzte sich in der Vergangenheit für die hochumstrittenen Gesetzesverschärfungen ein. Auch die Anhänger der sogenannten "Pro Life"-Bewegung zeigen sich zufrieden angesichts des Ergebnisses. Für sie ist es zumutbar, dass Frauen ihr Kind austragen, auch wenn der Fötus die Diagnose "fehlendes Gehirn" oder "offenes Rückgrat" erhält.

Die polnische Opposition sowie Menschenrechtsaktivisten kritisieren die schockierende Entscheidung des Verfassungesgerichts. Es zeigt, dass unvorstellbare Urteile wie dieses selbst im 21. Jahrhundert mitten in Europa zu einer erschreckenden Realität gehören.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Polen selten

In Polen gibt es ohnehin nur sehr wenige Schwangerschaftsabbrüche. Jedes Jahr sind es weniger als 2.000 legale Abtreibungen bei knapp 38 Millionen Einwohnern.

Der größte Teil der Abtreibungen wird mit starken Missbildungen des Fötus' begündet. Die Dunkelziffer derer, die illegale Abtreibungen vornehmen oder für eine Abtreibung ins Ausland gehen, soll jedoch deutlich höher liegen.

Experten und Frauenrechtsorganisationen schätzen, dass es ungefähr 200.000 Frauen jährlich sind. Durch die Gesetzesverschärfung ist zu erwarten, dass diese Zahl noch einmal deutlich in die Höhe steigt.

Das können wir in Deutschland jetzt tun

Seit der Verkündung des Gerichtsurteils herrscht in Polen Ausnahmezustand. Landesweit gehen Menschen auf die Straße und demonstrieren zu Tausenden. Angeführt werden diese Proteste zum Großteil von der polnischen Oppositionsgruppe "Strajk Kobiet", zu Deutsch "Frauenstreik".

Auch in Deutschland zeigten sich viele schockiert von dem Urteil und dem fast totalen Abtreibungsverbot. Und das zu recht! Auch wir verurteilen diese Einschränkung der Selbstbestimmung von Frauen.

Deshalb ist es auch unsere Aufgabe, öffentlich Solidarität mit den Frauen in Polen zu zeigen. Deshalb haben wir hier fünf Möglichkeiten gesammelt, wie wir die Frauen und die Proteste dort jetzt unterstützen können!

1. Nutze Social Media, um auf die Problematik aufmerksam zu machen

Unabhängig davon, auf wie vielen Social Media-Plattformen du aktiv bist oder wie viele Follower du hast, solltest du diese nutzen! Teile beispielsweise Posts auf Instagram oder mache mit Tweets auf die Situation in Polen aufmerksam. Dazu kannst du unter anderem Beiträge von Amnesty International oder Petitionen von change.org teilen.

Besonders während einer weltweiten Pandemie, in der Demonstrationen nur eingeschränkt möglich sind, ist Social Media wichtiger denn je. Hilfreiche Posts zur aktuellen Situation findest du beispielsweise unter den Hashtags #strajkkobiet, #yourbodyyourchoice, #prochoice oder #reproductiverights.

Für mehr Updates kannst du auch der Instagram-Seite von Strajk Kobiet folgen. Das Symbol der Bewegung ist ein roter Blitz, den User zu Tausenden in ihren Posts teilen. Mach mit!

2. Bilde dich weiter und sensibilsiere dein Umfeld für das Thema

Informiere dich über die aktuelle Situation in Polen und solidarisiere dich mit den Frauen dort. Es ist nicht nur wichtig Informationen zu verfolgen, sondern diese auch weiter zu verbreiten und sich intensiv mit Frauenrechten auseinanderzusetzen. Denn Bildung ist ein wichtiges Gut, das uns helfen kann, benachteiligte Frauen, auf der ganzen Welt zu unterstützen.

Nutze zum Beispiel die Seite der Bundeszentrale für politische Bildung, um dich über politische Themen national und international zu informieren. Zudem kannst du auf Einzelschicksale aufmerksam machen, von denen du liest.

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3. Unterschreibe Petitionen

Im Vorfeld der Entscheidung über die Verschärfung des Abtreibungsgestzes gab es eine Petition bei Amnesty International, um Unterschriften gegen die Gesetzesänderung zu sammeln.

Solche Petitionen sind enorm wichtig, um sich selbst aktiv für Frauenrechte einzusetzen. Daher halte Augen und Ohren offen für mögliche Petitionen und unterschreibe diese. Zudem kannst du die Petitionen weiter auf Social Media verbreiten, um die Reichweite zu erhöhen.

Aktuell gibt es beispielsweise auch die Petition "Solidarität mit Frauen in Polen", die du unterzeichnen und teilen kannst.

4. Unterstütze Spendenaktionen

Unterstütze zum Beispiel die Stiftung für Frauenrechte in Polen "Feminoteka".


Auch die gemeinnützige Menschenrechtsorganisation "Terres des Femmes", setzt sich seit Jahren für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. Wenn es für dich persönlich nicht möglich ist zu spenden, mache Familie und Freunde darauf aufmerksam.


Aber nicht nur Terres des Femmes, sondern auch viele andere Organisationen unterstützen die Rechte von Frauen in Deutschland und international. Hier haben wie ein paar Beispiele aufgelistet:

5. Geh auf die Straße

In Polen protestieren Frauen im ganzen Land, gegen das verschärfte Abtreibungsgesetz. Allein in Warschau sind es rund 30.000 Personen. Auch wenn in Deutschland bislang keine Demonstration geplant ist, solltet ihr Augen und Ohren offen halten.

Je früher ihr von einer möglichen Demonstration erfahrt, desto eher könnt ihr andere Personen dazu auffordern, mitzumachen. Um die Frauen in Polen zu unterstützen, solltet ihr in jedem Fall dabei sein, wenn auch hierzulande zu Protesten aufgerufen wird.

Ein wichtiges Datum, das du dir jedoch trotzdem schonmal merken solltest, ist der 08. März. Denn an diesem Tag ist der internationale Frauentag. Jedes Jahr gehen Frauen weltweit auf die Straßen, um für Frauenrechte und Themen wie Gleichberechtigung zu kämpfen.

Im Video: Gewalt gegen Frauen: Warum wir ALLE ein Zeichen setzen müssen

Video von Justin Amaral

Es ist enorm wichtig, sich für Frauenrechte einzusetzen. Denn insgesamt sollte einem bewusst sein, dass Themen wie Selbstbestimmung jeden etwas angehen. Das verschärfte Abtreibungsgesetz in Polen ist leider nur ein trauriges Beispiel von vielen weiteren Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen und Mädchen.