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Warum hat mein Baby so oft Schluckauf und ist das schlimm?

von Anne Walkowiak Erstellt am 26.04.22 um 08:00
Warum hat mein Baby so oft Schluckauf und ist das schlimm?© Getty Images

Schon im Babybauch kann man spüren, wenn das Baby Schluckauf hat. Frisch geboren hickst es auch viel häufiger als wir. Warum Babys so oft Schluckauf haben, ob er gefährlich oder sogar nützlich ist und Hausmittel, die dagegen helfen, verraten wir euch.

Inhalt
  1. · Ist Schluckauf bei Babys gefährlich?
  2. · Warum hat mein Baby so oft Schluckauf?
  3. · Warum hicksen Babys schon im Bauch?
  4. · Babys Schluckauf wissenschaftlich untersucht
  5. · Wann sollte man wegen Schluckauf zum Arzt?
  6. · Tipps und Hausmittel: Was tun, wenn Baby Schluckauf hat?
Video von Anneke Winkler

Es klingt verrückt, aber schon ab der 9. Schwangerschaftswoche (SSW) kann ein Fötus im Bauch der Mutter einen Schluckauf haben. Damit ist er die früheste bekannte Aktivität eines noch ungeborenen Kindes. Dass das Kind im Bauch hickst, merkt man oft erst im späteren Verlauf der Schwangerschaft, rund um die 20. SSW.

Lies auch: Wachstumstabelle: So entwickelt sich ein Fötus im Mutterleib

Und auch nach der Geburt haben Babys immer wieder Schluckauf. Frühchen sogar noch häufiger als reif geborene Kinder. Aber woher kommt der Schluckauf und welchen Zweck hat er? Das und viele weitere Fragen rund um Babys Hickser wollen wir erklären.

Ist Schluckauf bei Babys gefährlich?

Das Wichtigste zuerst: Nein, Schluckauf ist nicht gefährlich für Babys, Kinder oder Erwachsene. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Bei Babys nämlich erfüllt er einen Schutzmechanismus und hilft dabei, das Atmen richtig zu lernen und das, obwohl Atmen ein angeborener Reflex ist. Wie kann das sein?

Schluckauf entsteht durch Kontraktionen der Atemmuskulatur, also den Muskeln, die jeder Mensch zum Ein- und Ausatmen benötigt. Das Zwerchfell als wichtiger Teil der Atemmuskulatur sorgt dafür, dass sich der Brustraum beim Einatmen vergrößert und so ausreichend Platz ist. Es sitzt zwischen Brust- und Bauchhöhle.

Zum Schluckauf und dem bekannten Hickser kommt es, wenn die Muskulatur, u. a. des Zwerchfells, beim Einatmen kurz und unkontrolliert zuckt. Bei Neugeborenen sind die Zwerchfellmuskeln noch nicht richtig ausgereift. Sie 'zucken' deshalb noch wesentlich häufiger, trainieren dadurch aber auch das Atmen.

Das erklärt auch, warum Frühchen noch häufiger an Schluckauf leiden als reif geborene Kinder. Im Schnitt sind es sogar 15 Minuten pro Tag. Ihre Lunge und die Muskeln des Zwerchfells sind noch weniger ausgereift und benötigen mehr Trainingszeit.

Warum hat mein Baby so oft Schluckauf?

Ursachen für einen Schluckauf gibt es verschiedene. Bei Neugeborenen und Babys bemerkt man, dass er häufig nach dem Stillen bzw. Trinken auftritt. Das kann zum einen daran liegen, dass das Kind schnell und viel getrunken hat. Und auch beim Trinken verschluckte Luft kann Schluckauf bei Babys hervorrufen. Lange glaubte man, dass Babys gleichzeitig trinken und atmen könnten. Das können sie aber nicht, auch wenn die 'Atempausen' während des Essens sehr kurz ausfallen. So kann es passieren, dass sie einatmen, der Kehlkopfdeckel sich gleichzeitig schließt und die Luft dazwischen hängen bleibt. Der Hicks entsteht.

Der Schluckauf ist also auch ein Schutzmechanismus für dein Kind. Denn er bewahrt es vor dem Verschlucken und auch davor, dass die Milchmahlzeit in die Lunge gerät.

Sehr kaltes oder sehr warmes Essen (im späteren Leben des Kindes) und psychische Faktoren wie Angst, Aufregung oder ein Lachanfall können ebenfalls einen Schluckauf auslösen.

Im Video: Ab wann können Babys richtig sehen?

Video von Justin Amaral

Warum hicksen Babys schon im Bauch?

Gerade geboren, trainiert der Schluckauf die Atemmuskulatur deines Kindes und schützt es vor dem Verschlucken. Warum also hicksen Babys schon in Mamas Bauch? Schließlich werden sie da doch rund um die Uhr bestens versorgt.

Lesetipp: Von Milcheinschuss bis Abpumpen: Was du übers Stillen wissen musst!

Bereits im Mutterleib trainiert das Ungeborene für das selbstständige Atmen nach der Geburt. Nur eben ohne Sauerstoff. Stattdessen wird Fruchtwasser durch das Zwerchfell rein und raus gepumpt, Nacken- und Rippenmuskulatur ziehen sich genauso zusammen und die Lunge dehnt sich aus. Ganz so, als würde dein Kind schon alleine atmen können. Der Schluckauf schützt davor, dass Fruchtwasser in die Lunge gerät. Und hilft dabei, zu viel davon wieder aus dem übervollen Babybauch zu befördern.

Babys Schluckauf wissenschaftlich untersucht

Wissenschaftler gehen noch von einem weiteren Zweck des Schluckaufs für Babys aus. Forscher des University College in London (UCL) nahmen an, weil Neugeborene und Babys so oft Schluckauf haben, müsse die Ursache dafür in unserer menschlichen Entwicklung liegen. Deshalb untersuchten sie die Hirnaktivitäten von 13 Babys, geboren zwischen der 30. - 42. SSW während ihrer Schluckauf-Phasen.

Sie fanden heraus, dass ein Hicks eine "ausgeprägte Reaktion in der Hirnrinde hervorruft" und mutmaßten, dass ein Neugeborenes in der Lage sei, die körperlichen Reaktionen bei einem Schluckauf – also das Zusammenziehen des Zwerchfells – mit dem Geräusch, das er verursacht, in Verbindung zu bringen.

Zudem, so der leitende Autor der im Fachmagazin "Clinical Neurophysiology" erschienenen Studie, Dr. Lorenzo Fabrizi, könne "Die Aktivität, die sich aus einem Schluckauf ergibt, dem Gehirn des Babys helfen, zu lernen, wie man die Atemmuskulatur überwacht, sodass die Atmung schließlich willentlich gesteuert werden kann, indem das Zwerchfell auf und ab bewegt wird".

Ein Schluckauf hat, so unangenehm und nervig er uns Erwachsenen vorkommen möge, also für Neugeborene und Babys durchweg positive Ursachen. Zumal er von Kindern gar nicht als so störend wahrgenommen wird. Viele schlafen sogar einfach ein und der Schluckauf hört auf.

Wann sollte man wegen Schluckauf zum Arzt?

Ein Schluckauf ist in den allermeisten Fällen völlig unbedenklich und bedarf keiner ärztlichen Untersuchung. Es sei denn...

  • er dauert länger als drei Stunden an.
  • dein Baby hustet stark oder spuckt evtl. Blut.
  • der Schluckauf tritt auf, seitdem dein Kind ein Medikament einnimmt.
  • dein Baby hat offensichtlich starke Bauchschmerzen.

Auch der gastroösophageale Reflux (GÖR), bei dem Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt, kann Schluckauf bei Babys auslösen, denn die Speiseröhre verläuft durch das Zwerchfell. Das teilweise verdaute Essen und die Magensäure können es dabei reizen und das Hicksen verursachen. Unnormal ist der Reflux bei Babys nicht. Bemerkst du aber, dass dein Kind häufiger weint und mehr spuckt als sonst und seinen Rücken stark während oder nach dem Stillen wölbt, solltest du das auch vom behandelnden Kinderarzt bzw. der behandelnden Kinderärztin abklären lassen.

Tipps und Hausmittel: Was tun, wenn Baby Schluckauf hat?

Es gibt diverse Methoden, Strategien und Hausmittel, um einen Schluckauf wieder loszuwerden. Besonders weit verbreitet ist die Idee, denjenigen, der mit dem Schluckauf zu kämpfen hat, richtig zu erschrecken. Was mitunter bei älteren Kindern und Erwachsenen funktionieren kann, sollte bei Neugeborenen und Babys niemals angewendet werden. Statt auf die Schock-Methode zu setzen, sollte man kleine Kinder am besten ablenken.

Eine kleine Bauchmassage kann da bereits helfen. Auch das vorsichtige Pusten ins Gesicht kann den Schluckauf so schnell beenden, wie er gekommen ist. Denn Babys tendieren dazu, einzuatmen, wenn man ihnen ins Gesicht bläst. Dadurch ändern sie ihren Atemrhythmus.

Zwar stört Babys und kleine Kinder das Hicksen gar nicht so sehr, uns Eltern macht es aber dennoch unruhig, wenn die Kleinen Schluckauf haben. Manchmal kann eingeklemmte Luft das Hicksen verursachen. Ein Bäuerchen kann da bereits Hilfe leisten. Hat das Baby nicht gerade gegessen, kann man auch die Knie vorsichtig Richtung Brust drücken. Aber bitte nicht zu doll. Sonst kann auch noch einige Zeit nach dem Essen die Milch wieder rauskommen.

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Wichtiger Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der Information und ersetzt keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren.

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