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Schreibaby: Diese Tipps helfen dabei, dein Kind zu beruhigen

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 13. März 2019

Ein Schreibaby zu haben, ist für Eltern kein Zuckerschlecken. Wir verraten, was hinter dem ständigen Weinen stecken kann und was hilft, damit sich euer Kind beruhigt.

Durchgemachte Nächte, gescheiterte Beruhigungsversuche und die ständig aufs Neue zerstörte Hoffnung auf etwas Ruhe - ein Schreibaby ist eine Herausforderung. Das ständige Weinen und Schreien raubt selbst den stärksten Eltern auf Dauer die Kraft.

Doch woran erkenne ich, dass mein Kind ein Schreibaby ist und gibt es Dinge, die helfen können, es zu beruhigen?

Was ist ein Schreibaby?

Eine genau Definition für 'Schreibaby' gibt es nicht. Fachleute haben allerdings die so genannte Dreier-Regel definiert, die beschreibt, wann das Schreien eines Babys als übermäßig viel angesehen wird.

Die Regel lautet: Babys, die mehr als drei Mal in der Woche länger als drei Stunden schreien und das über mehr als drei Wochen hinweg, bezeichnet man als Schreibabys.

Maßgebend sollte aber das Gefühl der Eltern sein, wenn es darum geht, wann das Schreien zu viel wird. Schreit das Kind mehr als es die Eltern ertragen, wird die Situation problematisch und verlangt nach einer Veränderung.

Was sind die Ursachen für das übermäßige Weinen?

​Das Phänomen Schreibaby kann sowohl bei Erstkindern als auch bei Geschwisterkindern auftreten. Es gibt zwar Risikofaktoren, wie eine schwere Schwangerschaft oder postpartale Depressionen, dennoch kann auch nach einer durchgehend positiven Schwangerschaft ein Schreibaby vorkommen.

In der Regel nimmt das Schreiverhalten von Kindern mit drei bis vier Monaten ab. Es kommt vor, dass auch Kinder bis zum sechsten Monat viel und häufig weinen.

Das Schreien ist das intensivste Mittel, das das Baby zur Kommunikation hat. Es kann noch nicht viel mehr. Bei Neugeborenen ist es keine gewollte Handlung, sondern ein Reflex und Hilfesignal und eine Bitte nach Reaktion. Deshalb kann man das Baby auch nicht verwöhnen, wenn man sofort auf sein Schreien reagiert.

Es schreit aus einem schlichten Bedürfnis heraus. Zu komplexeren Gedankengängen ist das Kleine noch nicht fähig. Erst im Verlauf des zweiten Lebensjahres können Kinder das Schreien bewusst einsetzen, um Druck zu erzeugen.

Was möchte mein Schreibaby mir mitteilen?

Schrei-, Schlaf- und oder Essensstörungen betreffen in etwa jedes vierte bis fünfte Kind. Dies kann Folge einer Krankheit oder Entwicklungsstörung sein. Der häufigste Grund jedoch ist, dass die Bedürfnisse des Kindes mit dem Verhalten der Eltern nicht übereinkommen.

Wenn sich Eltern eine gewisse Erwartungshaltung aneignen, was die Menge an Schlaf oder Essen oder das Verhalten des Babys angeht, anstatt die Bedürfnisse vom Baby selber abzuleiten, kann kein natürliches Gleichgewicht entstehen.

Das Baby schreit als Reaktion auf seine nicht gestillten Bedürfnisse und eignet sich dies als Verhalten an, das es von alleine nicht wieder durchbrechen kann.

Schreibabys beruhigen: Die wichtigsten Tipps

Babys, die als Schreibabys gelten, können sich nicht alleine beruhigen. Sie sind, im Vergleich zu ihren ruhigeren Altersgenossen, besonders sensibel und reagieren stark auf Reize und Veränderungen. Aber weil sie so besonders feine Antennen haben für alles, was um sie herum geschieht, fällt es ihnen auch besonders schwer, abzuschalten. Deshalb benötigen Schreibabys um so mehr Hilfe von den Eltern.

Wenn auch die nicht mehr weiter wissen, sollten sie sich professionelle Hilfe holen, beispielsweise bei der Hebamme, dem Kinderarzt oder einer Schreiambulanz. Schreiambulanzen gibt es in jeder Stadt, angegliedert an Kinderkliniken, bei niedergelassenen Psychotherapeuten oder in städtischen Beratungsstellen.

Keiner hat Schuld daran, dass ein Baby mehr schreit als ein anderes. Das sollte jedem klar sein. Jedoch müssen Eltern, die ein Baby zu Hause haben, das besonders viel schreit, noch ein bisschen mehr für die Kommunikation zum Baby tun.

1. Grundbedürfnisse befriedigen

Wenn das Kind schreit, könnte es einen einfachen Grund haben: Es hat Hunger oder Durst. Manche Eltern unterschätzen das Hungergefühl kleiner Babys und kommen gar nicht auf die Idee, dieses einfache Bedürfnis zu befriedigen, weil es doch „gerade erst Milch getrunken“ hat.

Doch Babys verdauen die Nahrung sehr schnell; zudem kann es sein, dass sie beispielsweise beim Stillen nicht lange genug getrunken haben, um an die später fließende, fetthaltigere Milch zu gelangen. Biete deinem schreienden Baby ruhig einmal mehr als weniger zu essen und zu trinken an.

Hat das Kind ausreichend Schlaf bekommen? Schreibabys schlafen im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern oft viel weniger, aus dem einfachen Grund, dass sie alleine nicht zur Ruhe kommen.

Eltern von Babys, die besonders viel schreien, sollten vermehrt darauf achten, dass ihr Kind ausreichend schläft. Ein routinierter Alltag ist dabei hilfreich, genauso wie Ruhe und Gelassenheit. Auch ein Schlaflied, dass die Eltern immer zur Schlafenszeit singen, kann dem Kind helfen.

Wer selbst Hilfe dabei braucht, besser lesen zu können, wann sein Kind müde ist, der sollte sich an eine erfahrene Hebamme, den Kinderarzt oder auch die Schreiambulanz wenden. Scham ist hier völlig fehl am Platz.

Babys brauchen Liebe und Zuwendung genauso wie Essen und die Luft zum Atmen. Hochnehmen, herumtragen, sanft wiegen, streicheln oder leicht massieren – Körperkontakt mit Mama und Papa tut nicht nur dem Schreibaby gut und beruhigt.

2. Dem Schreibaby Ruhe vermitteln

Ein schreiendes Kind ist eine große Belastung für die Eltern. Vater und Mutter reagieren gestresst, haben nicht die Nerven, auf das Kind einzugehen. Das Schreibaby spürt das und schreit noch mehr. Durchbrich diesen Teufelskreis! Erwarte nicht von deinem kleinen Baby, dass es Ruhe gibt, sondern bring selbst Ruhe ins Familienleben:

Wer spürt, dass er wütend oder aggressiv wird, weil das Baby sich einfach nicht beruhigen lässt, sollte selbst erst einmal zur Ruhe kommen.

    Deshalb gilt bei aufsteigender Wut: Baby an einem sicheren Ort ablegen und selbst tief durchatmen. Die Unruhe von Mama oder Papa, die verzweifelt versuchen, dass Baby zu beruhigen, überträgt sich auf das Baby.

    Erst wenn man sich selbst im Griff hat, kann man auch dem Baby helfen. Wer das Schreien seines Babys nur schwer ertragen kann, der kann auch Ohrenstöpsel nutzen, um wenigstens die Lautstärke zu regulieren. Dein Baby beruhigst du, wenn du:

    • Selbst Ruhe bewahrst: Schenke ihm deine volle Aufmerksamkeit. Zeige ihm Stärke, Sicherheit und Geborgenheit und gib ihm das Gefühl, dass es in der neuen Welt keine Angst zu haben braucht.

    • Für Routine sorgst: So merkt dein Säugling, dass es in der Welt, die ihm als einziges Chaos erscheint, Regelmäßigkeiten und Sicherheiten gibt.

    • Geräuschquellen wie Radio und Fernsehen vom Baby fernhältst: Das sensible Kindergehör ist schnell überlastet.

    • Nicht versuchst dein Kind durch wildes Hüpfen oder Geräuschquellen wie einen Fön zu beruhigen: Das wirkt kontraproduktiv. Alle ein- bis eineinhalb Stunden sollte der Säugling zur Ruhe kommen.

    • Vor dem Einschlafen für eine ruhige Atmosphäre durch sanfte Musik, ein abgedunkeltes Zimmer und sachtes Wiegen sorgst. Viele Babys lieben es, wenn Mama ihnen dabei leise vorsingt oder -summt.

    3. Körperliche Ursachen ausschließen

    Bei manchen Babys sind Krankheiten oder Fehlentwicklungen der Grund für das Schreien. Verdauungsstörungen, Koliken oder Steuerungsstörungen wie der Schiefhals können Ursachen sein.

    Früher nahm man an, dass Schreikinder unter den so genannten Dreimonatskoliken leiden und deshalb vermehrt schreien. Jedoch wissen Ärzte heute, dass die Koliken oft Ursache des vermehrten Schreiens sind. Babys, die viel schreien, schlucken viel Luft.

    Lässt sich dein Baby weder durch Essen, Schlafen, noch durch Zuwendung beruhigen, solltest du bei einem Kinderarzt körperliche Ursachen ausschließen lassen.

    ​Vielleicht ist tatsächlich eine Mittelohrentzündung oder eine andere Krankheit Schuld am Schreien. Vielleicht ist es auch eine Lebensmittelunverträglichkeit. Dein Arzt wird die entsprechenden Untersuchungen vornehmen und dir darüber gewissenhaft Auskunft geben können.

    4. Hilfe holen

    Dein Baby kann nur entspannen, wenn du es tust. Dass dies nicht möglich ist, wenn das Kind Tag und Nacht schreit, ist nur natürlich und verständlich. Lass dir also helfen! Scheue dich nicht Bekannte und Verwandte, denen du vertraust, um Hilfe zu bitten, und sei es nur mal eine Stunde, in der jemand auf das Baby aufpasst, sodass du dich hinlegen kannst.

    Gestresste Eltern können und sollten sich auch an professionelle Beratungsstellen wie beispielsweise die Schreiambulanz wenden. Einrichtungen wie diese sind extra dafür geschaffen worden, Eltern mit Scheibabys zu unterstützen, und haben viel Erfahrung mit Eltern wie mit Kindern, die unter dem Schreiverhalten leiden.

    Weitere Informationen zum Thema Schreibaby findet ihr auf dem Informationsportal des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BvKJ).

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