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"Mama, ich hab dich lieber als Papa." Was tun, wenn das Kind nur Mama will?

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 23. März 2018
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Anziehen, Haare kämmen, Zähne putzen und ins Bett bringen - wenn die Kleinen bei allem immer nur nach Mama rufen, ist das nicht nur anstrengend für sie, sondern auch frustrierend für Papa. Aber wie reagiert man da am besten?

Niemand von uns würde wohl daran zweifeln, dass die Beziehung einer Mama zu ihrem Kind immer eine ganz besondere ist. Das ist von Natur aus ja quasi gegeben. Für Papa kann es deshalb besonders in den ersten Monaten schwer sein, seinen Platz in dem Gespann zu finden. Doch mit zunehmendem Alter, Mobilität und Verständnis der Kleinen, wird auch Papa immer wichtiger. Meistens zumindest. Denn es gibt Kinder, die verlangen auch mit 3, 4 oder 5 Jahren bei allem nach Mama und verweigern die väterliche Hilfe. Aber wie kann man darauf reagieren und kann man das vielleicht sogar ändern?

Denn eines ist Fakt: Wenn immer nur wir Mamas helfen 'dürfen' und bei allem gerufen werden - sei es ein verlorenes Spielzeug oder zum Trost nach einem Sturz - dann nagt das an Nerven und Geduld. Auch bei Papa. Denn er fühlt sich zurückgewiesen und überflüssig. Und das wiederum kann sich negativ auf die Partnerschaft auswirken.

"Mama, ich hab dich viel lieber als Papa."

Ganz schön schlucken musste ich vor kurzem, als mir meine vierjährige Tochter im Flüsterton eröffnete, "Mama, ich hab dich viel lieber als Papa." Oha, da hatte sie mich eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt. Ich wollte sofort meinen Mann verteidigen und ihr sagen, dass sie sowas nicht sagen dürfe, weil der Papa sie ja auch lieb hat. Hab ich aber nicht! Denn was sie fühlt, ist echt für sie. Und das will ich ihr nicht ausreden.

Vielmehr hat mich das dazu gebracht, darüber nachzudenken, warum sie das gesagt hat.

Bei uns zu Hause rufen beide Kinder in der Regel erst mal nach Mama. Denn Mama ist da. Zwar ist mein Mann morgens allein mit den Kindern und bringt sie zur Schule und in den Kindergarten, doch in der freien Zeit am Nachmittag ist er nicht da. Gemeinsam spielen, bauen, Geschichten lesen und puzzeln, das macht Mama. Erst zum Abendbrot und kurz vorm Schlafengehen ist Papa wieder da.

Die Macht der Gewohnheit

Wann immer also in ihrer freien Spielzeit eine helfende erwachsene Hand gebraucht wird, ist das Mamas verlässliche Hand. Und aus purer Gewohnheit wird die auch dann gerufen, wenn Papa selbst da ist. Dahinter steckt keine Boshaftigkeit, sondern eben "nur" Gewohnheit. Und daraus resultiert vermutlich auch die Aussage meiner Tochter.

Ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuneigung erfülle in der Regel ich. Ich bin ihre gewohnte Anlaufstelle bei Sorgen und Tränen, aber auch bei schönen Momenten und witzigen Geschichten. Denn bis Papa zu Hause ist, sind die Tränen getrocknet, die Spiele gespielt und die Geschichten erzählt.

Hinzu kommt auch, dass meine Tochter sich mittlerweile als Mädchen versteht. Für sie steht fest, dass sie und ich mehr gemeinsam haben als Papa und sie. Ganz nach dem Motto, 'Wir Frauen müssen zusammen halten' bin deshalb auch ich oft ihre Wahl, wenn sie Hilfe braucht oder etwas Wichtiges erzählen will.

Was kann man tun, um Papa mehr teilhaben zu lassen?

Wenn Papa das Gefühl hat, ausgeschlossen zu sein oder auch wenn Mama das Gefühl hat, alles alleine machen zu müssen, hilft es im ersten Schritt, offen, ehrlich und ohne Vorwürfe darüber zu reden. Wo sehen beide die Ursachen für das Verhalten des Kindes? Macht das Kind vielleicht gerade eine Entwicklungsphase durch?

Wichtig ist, dass man nicht einfach dem anderen die Schuld in die Schuhe schiebt. Weder ist Papa selbst Schuld daran, weil er nie da, sondern immer arbeiten ist, noch ist Mama Schuld daran, weil sie alles an sich reißt. Die Ursachen liegen vermutlich vielmehr in der Mitte.

Sowohl den Eltern, als auch dem Kind hilft es, wenn man Rituale entwickelt. Wenn Papa, der den ganzen Tag unterwegs war, am Abend nach Hause kommt, sollte er sich trotzdem Zeit für die Kinder nehmen. Das heißt: Handy aus, hinsetzen, zuhören. Kinder brauchen Aufmerksamkeit und das Gefühl, dass ihnen nicht weniger als 100% davon zuteil werden.

Alte Rollenmuster aufbrechen

Für unser Beispiel bedeutet das, dass Papa sich auch mal überwinden muss, nicht nur mit dem Sohn Fußball zu spielen, sondern auch mal mit der Tochter Mutter-Vater-Kind und mit den Pferdefiguren und dem Ponyhof zu spielen. Auch wenn der Tag lang und anstrengend war.

Die gemeinsame Zeit, die man mit den Kindern hat, seien es auch nur eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend, sollte man nutzen. Uneingeschränkt. Und man sollte seinem Partner dabei Vertrauen schenken, Vertrauen, dass er es, vielleicht anders, aber genauso gut macht wie man selbst. Wenn also die Tochter wieder nach Mama ruft, wenn es beispielsweise Zeit ist fürs Bett, dann muss sich Mama auch mal zurückziehen, wenn Papa das gerne machen möchte.

Denn wie wir bereits gelernt haben, Kinder sind Gewohnheitstiere. Wenn Papa die Tochter für eine Zeit lang immer ins Bett bringt, inklusive Geschichte und kurzer Streicheleinheit, dann wird sie das auch zu schätzen wissen. Vielleicht nicht gleich, aber nach ein paar Tagen. Und wenn Papa irgendwann bessere Gute-Nacht-Geschichten erzählt und viel besser Mutter-Vater-Kind spielen kann, dann hat Mama Pause.

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