Home / Mama / Kind & Familie / "Ihre Kinder sind zu laut!" So reagiert man am besten auf lärmempfindliche Nachbarn

© iStock
Mama

"Ihre Kinder sind zu laut!" So reagiert man am besten auf lärmempfindliche Nachbarn

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 29. April 2018
A-
A+

Kinder, die spielen, sind laut. Sie hüpfen, toben und schreien und ihnen ist es unbegreiflich, dass sich andere daran stören könnten. Bis der Nachbar dann klingelt.

Wenn meine Kinder Besuch haben, dann bespielen sie gemeinsam das Haus von oben bis unten. Fangen im Garten, Verstecken in Wohnzimmer und Küche, Lego in den eigenen Zimmern und (Schaumstoff-)Fußball in der oberen Etage. Dass dabei ein bisschen mehr Lärm entsteht, muss ich vermutlich nicht extra erwähnen. Und dass meine Kinder meistens am Nachmittag - also irgendwann zwischen 15 und 18 Uhr - mit ihren Freunden spielen, vermutlich auch nicht. Und trotzdem klingelte es letztens an der Tür und ein Nachbar beschwerte sich über den Lärm: "Ihre Kinder sind ganz schön laut!"

Was ich dem Nachbar zu Gute halten kann ist, dass er wenigstens selbst an unsere Tür gekommen ist und nicht einen passiv-aggressiven Zettel im Briefkasten hinterlassen hat. Auf der anderen Seite ist so ein Zettel von Vorteil, denn dann steht man nicht peinlich berührt in der Tür und weiß nicht, was man sagen soll.

Muss ich mich für den Lärm meiner spielenden Kinder entschuldigen?

Gott sei Dank war mein Mann zu Hause und hat die Situation geistesgegenwärtig gemeistert. Er hat die Beschwerde entgegen genommen und einfach nur entgegnet, dass wir gerade Besuch haben und die Kinder spielen. Punkt, aus. Keine Entschuldigung, keine Ausreden, einfach gerade heraus, wie es eben ist.

Ich war ein bisschen peinlich berührt, denn mein erster Instinkt wäre gewesen, mich für den Lärm zu entschuldigen und Besserung zu geloben. Anschließend hätte ich vermutlich die Kinder ranzitiert und sie darum gebeten, ein bisschen leiser zu sein, denn der Nachbar hätte sich über die Lautstärke beschwert. Aber mal ganz ehrlich, muss ich mich für meine (laut) spielenden Kinder am Nachmittag entschuldigen?

Ich habe für mich beschlossen: Nein, ich muss das nicht und ich muss meine Kinder schon gar nicht mit der Empfindsamkeit meiner Nachbarn konfrontieren. Denn sind wir mal ehrlich: Wenn ich meine Kinder und den Besuch zu mehr Ruhe aufgefordert hätte, hätte ich ihr Spiel zerstört. Sie hätten die Lust verloren, dem weiter nachzugehen, was sie die letzten 60 Minuten (laut aber) friedlich miteinander spielend beschäftigt hatte. Ich hätte ihnen die Lust darauf verdorben, denn ich war peinlich berührt von der Beschwerde.

Meine Kinder werden trotzdem keine Egoisten

Dass heißt nicht, dass ich meine Kinder zu rücksichtslosen Egoisten erziehe. Aber ich möchte, dass sie ganz bei sich selbst sind. Ich möchte, dass sie wissen, was sie wollen, bevor sie darauf achten, was all die anderen Menschen in ihrem Leben (von ihnen) wollen. Und zum Selbstsein gehört auch dazu, einfach mal den Kopf auszuschalten und dem nachzugehen, was einen gerade glücklich macht. Wir Erwachsenen haben uns das irgendwann abtrainiert, um nicht aufzufallen oder anzuecken. Kinder hingegen können das noch, weil sie sich eben keine Gedanken darum machen, was der andere wohl denken könnte.

Und deshalb möchte ich, dass sie so lange wie möglich und so frei wie möglich spielen können, auch mal ein bisschen lauter und ohne elterliche Überwachung. Schließlich haben sie eine Pause verdient nach einem anstrengenden Tag. Sie mussten sich 8 Stunden in der Schule und im Kindergarten an Regeln halten.

Wenn sich also der Nachbar über die lauten Kinder beschwert - wohl gemerkt zu einer Uhrzeit, in der keine Ruhezeit liegt - dann darf man dem ruhig sagen, dass die Kinder eben spielen und dabei lauter werden. Und mehr muss man auch nicht sagen.

Gesetzeslage zu Kinderlärm

Übrigens: Auch im Bundesimmissionsschutzgesetz ist seit 2011 festgelegt, dass Kinderlärm rechtlich gesehen kein Lärm ist und somit keinem festen Grenzwerten unterstellt ist. Bedeutet: Kinder dürfen spielen, toben und Kind sein, ohne sich an festgelegte Lautstärkeregelungen zu halten. Insbesondere bei kleinen Kindern sind Eltern meist sowieso machtlos, denn Kinder verstehen einfach noch nicht, was "zu laut" ist und haben auch kein Gefühl für Ruhezeiten. Natürlich sollten Eltern trotzdem bemüht sein, insbesondere zu den Ruhezeiten ihr Bestes zu geben, die Nachbarn nicht unnötig zu stören.

Bei Jugendlichen ab 14 Jahren sieht es anders aus: Hier geht man davon aus, dass sie durchaus das nötige Verständnis mitbringen. Daher muss ihr Lärm (z.B. zu laute Musik, Ballspiel in der Wohnung, etc. ) von Nachbarn nicht einfach so hingenommen werden.

Auch auf gofeminin.de:

DAS ist der Grund, warum Kinder sich bei Mama schlechter benehmen

Kleine ganz groß: Wie Kinder lernen alleine zu spielen - und warum das so wichtig ist!

5 unrealistische Erwartungen an unsere Kinder, die wir sofort aus unseren Köpfen verbannen sollten

von Anne Walkowiak