Home / Mama / Kind & Familie / Kindern Konfliktlösung beibringen: So geht es besser

Mama

Kindern Konfliktlösung beibringen: So geht es besser

von Anne Walkowiak Erstellt am 3. Mai 2020
© Getty Images

Gerne springen Eltern zur Seite, wenn Kinder streiten. Schnell fallen Sätze wie, 'Der Klügere gibt nach' oder 'Streitet nicht!'. Damit hilft man Kindern aber nicht beim Lösen des Konflikts. Wir zeigen euch, wie es besser geht.

Gerade noch ist alles in Ordnung im Kinderzimmer und plötzlich schallen laute Schreie und Geheule die Treppe herunter. Die Kinder streiten, um Spielzeug, darum, wer Recht hat oder auch nur darum, wer den Witz jetzt nun erzählen darf. Für Erwachsene sind das oft Kleinigkeiten, weshalb wir gerne dazu tendieren, den Streit schnell schlichten zu wollen.

Doch statt einfach einzugreifen und den Kindern zu sagen, dass sie nicht streiten sollen, sollten Erwachsene in die Vermittlerrolle schlüpfen und den Kindern dabei helfen, ihren Konflikt selbst zu lösen.

Wie genau das gehen kann, wollen wir euch heute verraten. Und verzweifelt nicht, denn Kindern Konfliktlösung beizubringen ist nicht leicht. Alle Beteiligten, Kinder und Erwachsene, müssen das lernen. Aber ihr schafft das!

Lesetipp: Geschwister-Rivalität: Was tun, wenn die Kinder ständig streiten?

Kindern Konfliktlösung beibringen: Jedes Kind ist anders

Es gibt nicht die eine Lösung für alle Konflikte. Noch dazu ist jedes Kind anders und reagiert auf Konflikte anders. Eltern sollten ihre Kinder in einer Konfliktsituation beobachten. Eskaliert der Streit und wird körperlich, sollte schnell eingegriffen werden. Bei verbalen Auseinandersetzungen reicht es aber aus, einfach mal zuzuhören und zu schauen, ob die Kinder ihren Konflikt bereits selbst lösen können.

In allererster Linie sollten Eltern als Vermittler in einer Streitsituation zwischen Freunden oder Geschwistern fungieren. Vor allem dann, wenn die Kinder alleine keine Lösung finden oder, wenn der Streit einfach vom 'Stärkeren' beendet wird.

Ganz wichtig ist: Konflikte unter Kindern werden nicht gelöst, wenn ein Erwachsener sagt, dass jetzt nicht mehr gestritten wird. Das sollte man tunlichst vermeiden. Denn damit unterdrückt man die Kinder, ihre Meinung, Wünsche und Sorgen. Stattdessen sollte man den Streit der Kinder und ihre unterschiedlichen Meinungen ernst nehmen und ihnen dabei helfen, genau zu kommunizieren, was sie gerade stört.

Lernen Kinder ihren Streit oder Konflikt selbst zu lösen, indem sie darüber sprechen und den anderen anhören, dann lernen sie noch viel mehr. Sie lernen, ihrem Gegenüber zuzuhören und ihn aussprechen zu lassen und sie lernen, ihre Meinung zu vertreten und klar zu kommunizieren. Und sie lernen auch, dass auch ihnen zugehört wird, sie aussprechen dürfen und ihre Meinung von Wert ist.

Video-Tipp: 3 Strategien, um das Selbstbewusstsein deiner Kinder zu steigern

Video von Inga Back

Kindern Konfliktlösung beibringen: Ein klassisches Beispiel für Streit

Am besten erklärt man, wie man bei einem Streit als Vermittler auftreten kann, wenn man ein konkretes Beispiel hat. Gut, dass ich aktuell zwei Streithähne zu Hause habe, an Beispielen mangelt es also nicht. Häufigste Konfliktsituation bei uns: Der Streit um Spielsachen. Abgekürzt verläuft es IMMER ungefähr so:

K1: Kann ich bitte xy haben?
K2: Nein, das habe ich gerade.
K1: Aber du brauchst das doch gar nicht.
K2: Das ist egal, ich hatte es als erster.
K1: Das ist gemein. Gib her!
K2: Nein.
K1: entreißt K2 das Spielzeug.
K2: haut K1.
K1 und K2 rufen nach mir. *Auftritt Mutter*

Wie reagiert man in einer solchen Situation? Ziel ist, die Kinder darin zu bestärken, selbst eine Lösung finden zu können, keinen der beiden zu bevorzugen und ein friedliches Weiterspielen zu ermöglichen.

Lies auch: Geschwister-Typen: So prägt die Familienkonstellation deinen Charakter

Kindern Konfliktlösung beibringen: So sollten Erwachsene sich verhalten

Wie immer in angespannten Situationen gilt auch hier für Eltern (und das ist wahrlich das Schwerste), ruhig zu bleiben. Die Kinder in einer Streit-Situation anzuschreien, würde nur zu noch mehr Stress und Streit führen. Also, ruhig bleiben und Ruhe ausstrahlen.

Am besten setzt man sich zu den Kindern, idealerweise zwischen sie, und bittet sie, ihr Spiel zu unterbrechen. Ganz wichtig ist, dass man beim Gespräch mit den Kindern auf Anschuldigungen oder Bewertungen ihrer Taten verzichtet. Viel eher sollte man ausschließlich schildern, was man gehört oder gesehen hat, und zwischen den Kindern vermitteln. So vermeidet man, einem Kind Schuld am Streit zu geben. Schließlich gehören immer mindestens zwei dazu.

Hat also beispielsweise ein Kind das andere gehauen, kann man einfach schildern, wie man das erlebt hat. In unserem Beispiel wäre das wie folgt. Zu K2: "Ich habe mitbekommen, wie du K1 gehauen hast." Darauf wird das Kind reagieren und sich verteidigen. Es wird sagen, dass es gehauen hat, weil K1 ihm das Spielzeug weggenommen hat.

Im Folgenden sollte man also K1 ansprechen und sagen: "Ich habe gehört, du hättest K2 das Spielzeug weggenommen." Auch K1 wird sich verteidigen und sagen, das hat es getan, weil K2 ihn gehauen hat. In der Regel werden sich die beiden Kinder dann die Schuld zuschieben. Hin und her. Hier kann man unterbrechen und versuchen, zwischen ihnen zu vermitteln.

Ich sage mit Absicht versuchen, denn gerade am Anfang stößt man mit seinen Vermittlungsversuchen auf taube Ohren bei den Kindern. Bleibt man aber am Ball und vor allem ruhig, überträgt sich das irgendwann auf die Kinder und sie werden selber ruhiger.

Lies auch: Geschwisterliebe: 5 Tipps, damit eure Kinder sich super verstehen

Kindern Konfliktlösung beibringen: Kinder sollten selbst eine Lösung finden

Haben sich die Gemüter der Streithähne ein bisschen beruhigt und sie schreien sich nicht mehr an, kann man die Kinder fragen, ob sie eine Idee haben, wie sie die Situation lösen könnten. Damit bietet man den Kindern genug Stütze, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich die Lösung ihres Konfliktes. Man leitet sie also an, sich nicht in wilden Anschuldigungen zu verlieren und dem anderen Gehör zu schenken.

Haben die Kinder Lösungsvorschläge, kann man nachfragen, ob beide damit einverstanden sind. Im Idealfall einigen sie sich auf eine Lösung. Konfliktlösung zu lernen braucht auf jeden Fall Zeit und Geduld. Aber es nützt Kindern ein Leben lang, wenn sie es einmal richtig gelernt haben.

Deshalb sollte man sich als Erwachsener nicht dazu hinreißen lassen, ständig und sofort einzugreifen, gar den Streit mit einem Machtwort beenden zu wollen. Es ist wichtig für Kinder und ihr Selbstvertrauen, Streit und Konflikte selbst zu lösen. Dabei sollten wir sie lediglich unterstützen.