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Fischstäbchen im Öko-Test: Krebsverdächtige Stoffe nachgewiesen

Öko-Test untersucht Fischstäbchen

Von 19 getesteten Produkten erhielt keines die Note 'sehr gut' und nur sechs erreichten ein 'gut'.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat krebsverdächtige Stoffe in industriellen Fischstäbchen gefunden. Was genau die Tester*innen bemängeln und wie ihr dennoch das Beste aus Fischstäbchen herausholt, wissen wir.

Inhaltsverzeichnis

Zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört idealerweise auch Fisch. Weil viele Kinder sich schwer mit dem Verzehr von schuppigen Meeresbewohnern tun, greifen Eltern gern auf Fischstäbchen zurück. Eingepackt in ordentlich Panade und knusprig angebraten schmeckt Fisch auch Kindern.

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Doch eben die schmackhafte Panade ist, was das Verbrauchermagazin Öko-Test nun unter anderem an Fischstäbchen kritisiert. Die Expert*innen haben 19 Produkte aus unterschiedlichen Supermärkten genau unter die Lupe genommen. Krebsverdächtige Fettschadstoffe konnten dabei in über der Hälfte der getesteten Stäbchen nachgewiesen werden.

Sollten Eltern die bei Kindern beliebten Fischstäbchen also besser vom Speiseplan streichen und ganz auf Fisch verzichten? Nein, das ist nicht notwendig. Wir erklären, welche Fischstäbchen beim ‚Öko-Test‘ gut abgeschnitten haben und warum Fisch unbedingt auf den Speiseplan gehört.

Außerdem haben wir noch ein ganz einfaches Rezept für euch, mit dem ihr demnächst selber eure Fischstäbchen herstellen und auf industriell gefertigte komplett verzichten könnt.

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Das kritisiert Öko-Test

Fischstäbchen sind, so äußert sich auch das Verbrauchermagazin Öko-Test, wegen der enthaltenen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA per se gesund. Allerdings enthalten sie viel Fett. Vor allem die Panade der Stäbchen, die in etwa ein Drittel ausmacht, beinhaltet laut der Tester*innen zu hohe Mengen Fettschadstoffe. Diese erhöhte Zahl von 3-MCPD-Fettsäureester wurde in 11 von 19 getesteten Produkten nachgewiesen. Entstanden seien die beim Erhitzen (ca. halbminütiges Frittieren) der pflanzlichen Frittierfette.

3-MCPD steht laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Verdacht, krebserregend zu sein. In Tierversuchen führte es zudem zu Schäden an den Nieren.

In den „Golden Seafood Fischstäbchen“ von Aldi Süd und in den Fischstäbchen von Eismann wurde zusätzlich Glycidyl-Fettsäureester nachgewiesen, welcher sich in Tierversuchen ebenfalls als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen hat.

Um krebserregenden Stoffen in Nahrung Einhalt zu gebieten, hat die EFSA eine maximale Tagesdosis für 3-MCPD festgesetzt. Doch bereits fünf Fischstäbchen der von Öko-Test bemängelten Produkte würden bei einem 30 kg schweren Kind über die Hälfte der maximalen Tagesdosis ausmachen.

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Weitere Kritikpunkte beim Öko-Test

Neben den Inhaltsstoffen der Fischstäbchen schauten die Tester*innen des Verbrauchermagazins auch darauf, welcher Fisch gefangen wurde – also ob es sich zum Beispiel um eine Art mit geringem Fischbestand handelte -, die Fangmethode (pelagisches oder Grundschleppnetz) und das Fanggebiet. Schädliche Fangmethoden und das Verschleiern von Fangmethoden straften die Tester*innen in ihren Gesamturteilen besonders ab.

Fischstäbchen-Gewinner im Öko-Test

Das abschließende Gütesiegel ’sehr gut‘ konnte in dem Test keines der 19 Produkte erzielen. Jedoch erhielten sechs das Gesamturteil ‚gut‘, wobei das Urteil zu ihren Inhaltsstoffen sogar ’sehr gut‘ lautet. Dazu zählen Fischstäbchen Markenprodukte von Frosta und Iglo, aber auch Ocean Sea Fischstäbchen des Anbieters Lidl, Sea Gold Fischstäbchen des Netto Marken Discounts und Wild Ocean Seelachs Fischstäbchen von Demeter Felderzeugnisse.

Abstriche gab es von den Testexpert*innen beim Thema Nachhaltigkeit des Fischfangs und der Transparenz dessen. Deshalb konnte keines der Produkte ein ’sehr gut‘ einheimsen.

Fischstäbchen-Verlierer im Öko-Test

Nur befriedigende Gesamturteile gab es für Fischstäbchen von Bofrost, Norma, Aldi Nord, Edeka, Kaufland, Penny, Tegut und der Zentralen Handelsgesellschaft. Die JA! Fischstäbchen von Rewe wurden mit dem Gesamturteil ‚ausreichend‘ bewertet.

Das Gesamturteil ‚mangelhaft‘ erhielten die Fischstäbchen von Aldi Süd, Followfood und Alnatura.

Am schlechtesten schnitten mit einem Gesamturteil ‚ungenügend‘ die Fischstäbchen der Marke Eismann ab.

Warum gehört Fisch unbedingt auf den Speiseplan?

Ganz auf Fisch verzichten muss aber niemand, auch wenn es beim Verzehr bisher nur Fischstäbchen aus dem Laden waren. Denn Fischfleisch ist gesund. Aber warum genau?

Fisch enthält hochwertige Proteine, Jod und gesunde Fette, z. B. langkettige Omega-3-Fettsäuren. Vor allem diesen Fettsäuren sagt man eine gesundheitsfördernde Wirkung nach. So seien sie gut für das Herz-Kreislauf-System, würden das Schlaganfallrisiko mindern und sollen sogar das ADHS- und Alzheimerrisiko senken. In der Schwangerschaft sollen sie das Risiko für eine Frühgeburt vermindern.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb, ein, besser noch zweimal in der Woche Fisch zu essen. Idealerweise isst man wöchentlich einen eher fettreichen Fisch, wie Lachs, Makrele oder Hering, und einen eher fettarmen wie Seelachs, Dorsch/Kabeljau, Schellfisch, Zander oder Pangasius. So könne man seinen Bedarf an langkettige Omega-3-Fettsäuren am besten decken.

Tipp: Auch Thunfisch zählt zu den fettreichen Fischen. Er kann aber erhöhte Giftstoffe enthalten. Deshalb sollte man ihn nicht zu oft auf dem Speiseplan stehen haben. In der Schwangerschaft verzichtet man am besten vollkommen darauf, genauso wie auf Hai, Aal und Brasse.

Worauf achten beim Kauf von Fisch(stäbchen)?

Wie Öko-Test schreibt, wird bei der Mehrzahl der Fischstäbchen Alaska-Seelachs verwendet. Das sei auch in Ordnung, denn die Bestände des Alaska-Seelachs nehmen, trotz hoher Fangraten, kontinuierlich zu. Diesen Fisch könnten Verbraucher*innen also „mit halbwegs gutem Gewissen“ kaufen und essen. Und so auch die Fischstäbchen, die aus diesem gefertigt werden.

Übrigens: Alaska-Seelachs ist kein Lachsfisch, sondern gehört zur Familie der Dorsche.

Zudem sei für den Kauf von Fisch und Fischerzeugnissen wichtig, darauf zu achten, wie der Fisch gefangen wurde. So seien pelagische (’schwebende‘) Netze besser als Grundschleppnetze, wenn auch nicht ideal. Diese werden auf Verpackungen gern nur als ‚Schleppnetze‘ angegeben. Hier sollten Verbraucher*innen also aufmerksam sein.

Auch das Fanggebiet kann einen Unterschied im Sinne der Nachhaltigkeit beim Kauf von Fisch machen. Alaska-Seelachs aus dem Nordostpazifik (FAO 67), auch als Beringsee angegeben, oder dem Nordwestpazifik (FAO 61), auch als Ochotskisches Meer deklariert, hat einen ausreichenden Bestand.

Fischstäbchen einfach selber machen

Alaska-Seelachs eignet sich also zum Kauf und ist noch dazu ein idealer Fisch, um Fischstäbchen selber zu machen. Im Vergleich zu anderem Fisch ist er außerdem kostengünstig, kauft man ihn als tiefgekühlte Filetstücken im Kilobeutel. Einziges Manko: Industriell gefertigte Filets haben oft noch Gräten in der Mitte. Die schneidet man also idealerweise raus, bevor man sich an die Fischstäbchenherstellung macht.

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Zutaten für 4 Personen:

  • 8 Alaska-Seelachs-Filets
  • Paniermehl bzw. Semmelbrösel
  • 1-2 Eier
  • Zitrone nach Geschmack
  • Salz
  • Öl bzw. Margarine zum Braten

Zubereitung von Fischstäbchen:

1. Nehmt den Fisch am besten einen Tag vor der Zubereitung aus dem Tiefkühler und lasst ihn über Nacht im Kühlschrank auftauen. Tupft ihn zur weiteren Verwendung trocken.

2. Baut euch eine Panierstraße aus Ei und Paniermehl. Salzt das Paniermehl.

3. Schneidet die Gräten aus der Mitte des Filets V-förmig heraus (Oft sitzen sie vom Schwanz weg und man kann sie deutlich spüren, fährt man mit den Fingern über das Filet). Schneidet das verbleibende Stück in mundgerechte (fischstäbchenähnliche) Stücke. Salzt diese anschließend vorsichtig von beiden Seiten und gebt, wenn ihr es mögt, ein paar Tropfen Zitrone drauf.

4. Erhitzt Öl oder Margarine in einer großen Pfanne. Währenddessen könnt ihr die Fischfiletstücken nacheinander erst in Ei und anschließend in Paniermehl wenden.

5. Gebt die Stücke in das heiße Fett und bratet sie bei mittlerer Temperatur ca. 3 bis 4 Minuten pro Seite. Ist die Panade schön braun und knusprig, sind sie fertig.

Zu den selbstgemachten Fischstäbchen passt ganz klassisch Kartoffelbrei und Gurkensalat. Man kann sie aber auch einfach so wegsnacken. Je nach Alter eurer Kinder könnt ihr sie selbstverständlich jederzeit in die Herstellung eurer eigenen Fischstäbchen mit einbeziehen. Dann schmeckt es ihnen in der Regel noch besser.