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Hausmittel gegen Scheidenpilz: Welche helfen wirklich?

von Jane Schmitt Veröffentlicht am 15. März 2019

Scheidenpilz ist eine äußerst unangenehme Sache und kaum eine Frau spricht offen darüber. Stattdessen geistern viele angebliche Hausmittel gegen Scheidenpilz durchs Netz. Wir haben für euch Expertenrat vom Gynäkologen geholt: Diese Hausmittel helfen wirklich gegen Scheidenpilz.

In der Scheide herrscht ein eher saures Milieu, das vor Erregern und Infektionen schützen kann. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es jedoch dazu kommen, dass in die Scheide gelangte Pilze als Krankheitserreger wirken können und den sogenannten Scheidenpilz (Vaginalpilz) hervorrufen.

Das sind typische Symptome von Scheidenpilz:

  • starker Juckreiz und brennen in der Scheide und im Genitalbereich
  • Rötung der Haut an Scheide und Scham, manchmal geschwollen
  • ​manchmal kleine Knötchen auf der Haut
  • häufig tritt weißlich-krümeliger Ausfluss auf
  • zeitweise kann es auch zu Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Sex kommen

Treten diese oder ähnliche Symptome auf, dann scheut euch nicht euren Frauenarzt aufzusuchen.

Gibt es Hausmittel gegen Scheidenpilz?

Medikamente, sogenannte Antimykotika, wirken schnell und zuverlässig gegen Scheidenpilz. Doch viele Frauen suchen nach natürlichen Methoden, den Scheidenpilz zu bekämpfen. Kein Wunder also, dass das Netz voll von vermeintlichen Hausmitteln und Tipps gegen Scheidenpilz ist.

Doch sind die wirklich wirksam? Wir haben einen Facharzt um Rat gebeten. Dr. med. Konstantin Wagner ist Gynäkologe und hat die bekanntesten Hausmittel gegen Scheidenpilz für uns unter die Lupe genommen.

Im Folgenden erklärt er, welche Hausmittel gegen Scheidenpilz helfen können und welche Tipps reiner Humbug sind.

Beliebtes Hausmittel gegen Scheidenpilz: Joghurt

Ein beliebtes Hausmittel gegen Scheidenpilz: Joghurt. Er soll auf die betroffenen Hautpartien im Intimbereich aufgetragen werden und für Linderung sorgen. So würden die in ihm enthaltenen Milchsäurebakterien dabei helfen, den Scheidenpilz zu bekämpfen. Außerdem soll er eine angenehm kühlende Wirkung haben.

Dr. Wagner sagt dazu:
"Die Argumentation, Milchprodukte enthalten Laktobazillen, also genau die Art Mikroorganismus, welche man für eine gesunde Flora braucht, ist nahe liegend, stimmt aber nur zum Teil. Joghurt und Quark enthalten zwar Milchsäurebakterien, aber auch andere Mikroorganismen, die neben dem Pilz auch noch eine bakterielle Besiedlung verursachen können".

Heißt konkret: Joghurt kann als Hausmittel gegen Scheidenpilz wirksam sein, allerdings solltet ihr von der Anwendung trotzdem besser absehen. Denn im Jogurt können Keime und Bakterien enthalten sein, die zu einer bakteriellen Infektion in der Scheide führen können.

Hausmittel gegen Scheidenpilz: Honig, Teebaumöl und Kokosöl

Auch Honig, Teebaumöl oder Kokosöl, sollen, so die Meinungen im Netz, wirksame Hausmittel gegen Scheidenpilz sein. Honig und Teebaumöl wird eine antibakterielle Wirkung nachgesagt, Kokosöl soll die angegriffene, trockene Haut wieder geschmeidig machen.

Unser Experte dazu:
"Besagte Hausmittel richten zwar wenig Schaden an, nachweislich helfen können diese Hausmittel jedoch nicht. Der hygienische Aspekt sollte hier auch bedacht werden, weshalb man zur Nutzung dieser Hausmittel nicht raten kann."

Durch Hausmitteln wie Honig, Teebaumöl oder Kokosöl verschwindet ein akuter Scheidenpilz also leider nicht. Ist die Infektion allerdings überstanden, könnt ihr eure trockene, rissige Haut mit Kokosöl pflegen. Achtet aber darauf, zu einem Produkt ohne künstliche Zusätze zu greifen.

Hausmittel gegen Scheidenpilz: Bad mit Apfelessig-Zusatz

Das natürliche Milieu in der Scheide ist sauer. Das macht es Krankheitserregern und Pilzen schwer, sich anzusiedeln. Da liegt der Gedanke nah, dass Sitzbäder mit sauren Zusätzen wie Apfelessig dabei helfen können, den Scheidenpilz zu besiegen.

Doch Frauenarzt Dr. Wagner hat dazu eine klare Meinung: Finger weg von Essig!

"Das Hausmittel Apfelessig ist definitiv nicht zu empfehlen, da Essig in so einem sensiblen Gebiet nichts zu suchen hat. Schon gar nicht, wenn aktuell eine Infektion vorhanden ist. Apfelessig verhindert zusätzlich das Wachstum der für die Wiederherstellung des Scheidenmilieus wichtigen Laktobazillen. Essig auf gereizte und entzündete Haut aufzutragen, ist daher definitiv nicht empfehlenswert."

Hausmittel gegen Scheidenpilz: Kamillen-Sitzbäder

Anders sieht es beim Hausmittel Kamille aus. Hier heißt es: Ruhig mal ausprobieren.

Dr. Wagner:
​"Kamille wirkt nachweislich entzündungshemmend ohne viel Schaden anzurichten. Die Wärme kann lindernd wirken. Das Allheilmittel ist Kamille aber leider auch nicht", so Dr. Wagner.

Kamillen-Sitzbäder können für Linderung sorgen, endgültig gegen den Scheidenpilz helfen wird jedoch auch dieses Hausmittel vermutlich nicht.

Fazit: Welche Hausmittel gegen Scheidenpilz wirken tatsächlich?

"Prinzipiell ist jede Manipulation an erkrankter vaginaler Haut, vor allem das tiefe Einbringen von scharfen Substanzen wie Knoblauch, Essig etc. absolut kontraproduktiv", sagt Dr. Wagner.

Laut dem Frauenarzt ist lediglich das Hausmittel Kamille bei Scheidenpilz bedenkenfrei als lauwarmes Sitzbad anzuwenden. Wunder bewirken, kann Kamille aber auch nicht.

Kommt man bei Scheidenpilz um Medikamente überhaupt herum?

Die Antwort des Gynäkologen:
"Das kommt immer auf die Ausprägung der Erkrankung an. Da genitaler Pilz aber potenziell ansteckend ist und durch z.B. Handtücher, Wäsche etc. übertragen werden kann, empfiehlt es sich auf die Pilz bekämpfenden Medikamente zurückzugreifen".

Wenn ihr zum ersten Mal die typischen Symptome eines Scheidenpilzes bei euch bemerkt, solltet ihr frühzeitig euren Frauenarzt aufsuchen. Wer schon häufiger mit der lästigen Infektion zu kämpfen hatte und die Behandlung bereits mit einem Arzt besprochen hat, kann direkt das passende Medikament gegen Scheidenpilz in der Apotheke besorgen.

Wie kann man Scheidenpilz vorbeugen?

Um Scheidenpilz vorzubeugen gibt Dr. Wagner weitere wichtige Hinweise:
"Hier geht es darum Risikofaktoren zu minimieren. Vor allem der feuchte Wärmestau im Intimbereich ist ein solcher. So sollte auf synthetische Kleidung und Unterwäsche nach Möglichkeit verzichtet werden.

Besser als Slips aus synthetischen Materialien ist Baumwollunterwäsche, da sie luft- und feuchtigkeitsdurchlässig ist. Zudem kann man Baumwollunterwäsche meist bei höheren Temperaturen waschen. Gerade bei akuten Scheidenpilz-Infektionen ist das extrem wichtig, um die Pilze abzutöten.

Achtung! Diese Fehler bringen deine Haut aus der Balance

Scheidenpilz: Die falsche Pflege-Routine kann schuld sein

Gerade bei der Pflege und der Hygiene sollten Frauen nicht übertreiben, das bringt nicht nur ihre Haut aus der Balance, sondern auch die empfindliche Scheidenflora.

Dr. Wagner dazu:
"Intimhygiene ist wichtig, sollte aber keines Falls übertrieben werden, um das Scheidenmilieu nicht zu stören. Hier bietet sich einfach lauwarmes Wasser an. pH-neutrale Seife kann, muss aber nicht zwingend genutzt werden."

Zudem sollten Frauen immer offen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin über mögliche Infektionen und deren Ansteckung sprechen. "Und letztlich ganz wichtig: sollte der Partner oder die Partnerin einen genitalen Pilz haben, unbedingt auf die häusliche Hygiene achten, um einen "Ping-Pong"-Effekt zu verhindern", so Dr. Wagner.

Wer mehr über Dr. Wagner erfahren möchte, kann sich seinen YouTube-Kanal 'Richtig Schwanger' ansehen, dort gibt der Gynäkologe auf viele Fragen zu Schwangerschaft und Frauengesundheit Antworten.

Quellen und weitere Informationen:


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