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13 Dinge, die euch auf einer russischen Hochzeit erwarten

von Inga Back Veröffentlicht am 31. Januar 2020
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Eine russische Hochzeit ist definitiv ganz anders als eine deutsche. Unsere Redakteurin, die selbst russisch geheiratet hat, verrät 13 Dinge, die euch erwarten.

Eine russische Hochzeit wird in der Regel bloß mit viel Wodka assoziiert. Das ist ziemlich schade, denn auch wenn tatsächlich viel Wodka getrunken wird: Eine russische Hochzeit macht noch so viel mehr aus!

Von romantischen Hochzeitsbräuchen, bis hin zu lustigen Verkleidungen, ausgefallenen Hochzeitsspielen und landestypischer Küche – eine russische Hochzeit wird definitiv ganz anders gefeiert, als beispielsweise eine klassisch deutsche Feier. Auch, wenn ein paar Kernelemente wie die Liebe des Hochzeitspaares natürlich auch hier im Fokus stehen.

Russische Hochzeitsbräuche & Traditionen

Die klassische Hup-Fahrt, der Schuhklau, die Schleierabnahme – es gibt eine ganze Reihe an Hochzeitsbräuchen und Traditionen, auf die ihr euch freuen dürft. Wir stellen euch 13 Bräuche vor, mit denen ihr bei einer russischen Hochzeit auf jeden Fall rechnen könnt.

1. Must-have für jede russische Hochzeit: Tamada

Ein/e Tamada gehört zur russischen Hochzeit wie das Eigelb zum Eiweiß. Eine Tamada übernimmt die Moderation der Hochzeitsfeier. Er oder sie führen also die Gäste durch den ganzen Abend. Sie kümmern sich um Hochzeitsspiele, erklären Bräuche, behalten den Überblick über den Zeitplan und kündigen einzelne Programmpunkte an. Sie machen eben das, was Moderatoren so machen.

Wer sich als Gast eine Überraschung für das Brautpaar überlegt hat, sollte dies also mit der Tamada absprechen. Ein guter Weg dafür geht aber, genau wie bei einer deutschen Hochzeit, über die Trauzeugen. Sie stehen in der Regel mit der Tamada in Verbindung und können sicherstellen, dass sich keine Überraschung doppelt und dass genug Zeit für den Programmpunkt eingeräumt wird.

2. Ihr werdet oft "Gorka!" rufen

Das Wort, das Hochzeitsgäste bei einer russischen Hochzeit am meisten rufen, ist zweifelsohne "gorka" (zu deutsch: bitter). Das Wort wird auch nicht nur einmal gerufen, sondern so lange, bis das Brautpaar sich dem Wunsch der Gäste fügt. Gorka, gorka, gorka...

Warum das Ganze? Weil es im Russischen den Hochzeitsbrauch gibt, dass das Brautpaar aufstehen und sich küssen muss, wenn die Gäste "gorka" rufen. Dabei geht es übrigens nicht um einen schnellen Schmatzer, sondern das Brautpaar muss sich möglichst lange küssen – und die Gäste zählen mit, wie lange.
Ursprungstheorien gibt es dafür einige. Die plausibelste Theorie besagt jedoch, dass das Brautpaar durch seine Küsse bittere Jahre vom Leben abziehen kann. Wenn der Kuss also 16 Sekunden lang dauert (die längste Zeit, die ich je auf einer russischen Hochzeit erlebt habe), sind das 16 bittere Jahre weniger für das Brautpaar.

Tipp: Wer die anderen Gäste (oder Gastgeber) wirklich beeindrucken möchte, lernt vorher ein bisschen auf russisch zu zählen. Dann könnt ihr nach dem "Gorka" laut mitzählen. Hier sind die ersten zehn russischen Zahlen in Lautschrift:

  • eins - [ras] (eigentlich bedeutet Eins "odin", beim Aufzählen sagt man jedoch "ras")
  • zwei - [dwa]
  • drei - [tri]
  • vier - [tschityri]
  • fünf - [pjatj]
  • sechs - [scheßt]
  • sieben - [ßemj]
  • acht - [woßim]
  • neun - [djewitj]
  • zehn - [djeßitj]

3. Wodka

Zugegeben: Bei einer russischen Hochzeit darf Wodka natürlich nicht fehlen. Glaubt allerdings nicht, dass wirklich jeder Gast nur Wodka trinkt. Gerade bei deutsch-russischen Hochzeiten wird Wodka mit angeboten, es gibt jedoch einige, die trotzdem bei Wein, Sekt oder Bier bleiben.

Vorsicht: Wer wirklich keinen Wodka trinken möchte, kann dankend ablehnen. Auch wenn er sich dann vielleicht gegen sehr hartnäckige Proteste durchsetzen muss (die Gastgeber müssen hartnäckig bleiben, sonst wären sie keine guten Gastgeber). Was ihr jedoch nicht tun solltet: Das Schnapsglas annehmen und den Wodka heimlich wegschütten. Das wäre ein großer Affront – und glaubt mir, der bleibt nicht unbemerkt.

4. Eine wichtige Tradition bei einer russischen Hochzeit: der Schuhklau

Irgendwann im Laufe der Feier wird die Tamada ankündigen, dass der Brautschuh geklaut wurde. Früher war es Tradition, dass die "Zigeuner" für den Schuhklau verantwortlich waren. Inzwischen wurde der Hochzeitsbrauch abgewandelt. Jetzt sind es auch schonmal Piraten, Men in Black oder andere Kostüme, die die Tamada in petto hat. Im Anschluss müssen die Hochzeitsgäste den Brautschuh freikaufen – als zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Brautleute.

Bei diesem Hochzeitsbrauch werden die Gäste aber auch anderweitig mit einbezogen: Von der Tamada ausgewählte Hochzeitsgäste müssen sich als Piraten & Co. verkleiden und im Anschluss mit dem geklauten Brautschuh auf einem Tablett von Tisch zu Tisch ziehen und Geld einsammeln.

Tipp: Bringt zu einer russischen Hochzeit unbedingt Bargeld mit. Damit könnt ihr nicht nur einen kleinen Betrag zum Freikauf des Brautschuhs beisteuern, meistens können sich Hochzeitsgäste ab einem gewissen Betrag auch etwas von den Trauzeugen wünschen.

Den Betrag setzen Tamada und Brautpaar vorher fest. Wer zum Beispiel 10 Euro in den Brautschuh steckt, kann dann eine Aufgabe vorgeben, die die Trauzeugen erfüllen müssen. Der Fantasie sind für Schuhklau-Wünsche oftmals keine Grenzen gesetzt.

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5. Der Ablauf einer russischen Hochzeit ist anders als bei einer deutschen Feier

Eröffnungstanz, Kaffee und Kuchen am Nachmittag, Mitternachtssnack – einige Dinge sind wir einfach von einer klassisch deutschen Hochzeitsfeier gewohnt. Verabschiedet euch von dieser Gewohnheit, russische Hochzeiten werden anders gefeiert.

Grober Ablauf einer russischen Hochzeit:

  • Nach der Trauung folgt eine Hup-Fahrt.
  • Vor der Location wird das Brautpaar mit einem Spalier von den Gästen und der Tamada begrüßt. Manchmal muss das Brautpaar dann bereits einige Aufgaben erfüllen, um zum Eingang vorgelassen zu werden.
  • Dort angekommen erwartet die Eheleute ein Empfang mit Brot & Salz von den Eltern.
  • Statt eines Eröffnungstanzes folgt dann die Hochzeitssuppe.
  • Im Anschluss wird das Buffet eröffnet und es folgen Spiele und Programm.
  • Gegen 22 Uhr wird die Hochzeitstorte serviert.
  • Parallel wird bereits getanzt. Eine Eröffnung der Tanzfläche ist unüblich.
  • Kurz vor Mitternacht folgt die Schleierabnahme.
  • Um Mitternacht folgt der erste Tanz des Brautpaares. Erst danach ist der offizielle Teil vorbei.

6. Brot & Salz sind ein wichtiger Hochzeitsbrauch

Am Eingang der Hochzeitslocation werden die Frischvermählten von ihren Eltern mit Brot & Salz Willkommen geheißen. Was man im Deutschen als Geschenk zum Einzug kennt, wird hier also ein wenig anders interpretiert. Das Brautpaar muss im Anschluss ein Stück des Brotes abbeißen (meist ohne Einsatz der Hände). Wer das größere Stück abbeißt, soll in der Ehe das Sagen haben. Vor dem Abbeißen wird eine Prise Salz über das Brot gestreut.

Oft wird das Brot, der so genannte Karawai, von den Eltern sogar selbst gebacken und auf einem weißen, bestickten Handtuch, dem Ruschnik, serviert. Der Karawai steht symbolisch für Wohlstand und Glück. Der Ruschnik symbolisiert den Segen der Eltern für die Beziehung und Treue.

7. Vor dem Essen wird russiche Hochzeitssuppe serviert – von den Gästen

Bei vielen deutsch-russischen Hochzeiten wird dieser Brauch weggelassen. Traditionsbewusste Brautpaare werden jedoch mit Sicherheit eine russische Hochzeitssuppe servieren. Dies ist eine einfache Hühnerbrühe mit Nudeln. Serviert wird die Suppe jedoch von unverheirateten, männlichen Hochzeitsgästen. Oft werden sie von der Tamada auch als Povora (zu deutsch: Köche) verkleidet.

8. Statt Mitternachtssnack: Schleierabnahme & erster Tanz

Einer der Höhepunkte einer russischen Hochzeit ist die Schleierabnahme kurz vor Mitternacht und der Hochzeitstanz im Anschluss. Manchmal wird dies noch mit einer Entführung der Braut im Vorfeld verbunden. Der Bräutigam muss seine Braut dann "befreien" und sich dabei gegen verkleidete Gäste behaupten (ihr merkt: Kostüme sind bei russischen Hochzeiten schwer gefragt). Inzwischen wird die Brautentführung jedoch immer häufiger weggelassen.

Kurz vor Mitternacht bilden die Gäste einen Kreis auf der Tanzfläche, in der Mitte stehen zwei Stühle für das Brautpaar. Meistens nimmt die Brautmutter der Braut den Schleier ab. Dies symbolisiert, dass die Braut nun keine Braut mehr, sondern eine Ehefrau ist. Da um Mitternacht der Hochzeitstag offiziell vorbei ist, findet traditionell erst dann der erste Tanz des Brautpaares als Ehemann und Ehefrau statt.

9. Manchmal geht es auch früh los

Je nachdem wie traditionsbewusst das Brautpaar ist, gibt es bereits vor der Trauung den ersten Programmpunkt: den Wykup (zu deutsch: Freikauf). Dabei wird die Braut vom Bräutigam frei gekauft. Manchmal tatsächlich mit Geld. Manchmal aber auch, indem er Aufgaben erfüllt. Erst danach dürfen beide zur Kirche oder ins Standesamt weiterfahren.

Der Wykup findet in der Wohnung der Braut statt, wahlweise auch bei den Eltern der Braut. Dieser Hochzeitsbrauch stammt noch aus dem Mittelalter (wenig überraschend), und wird heutzutage vor allem bei russisch-deutschen Hochzeiten immer seltener durchgeführt. Wenn der Brautkauf überhaupt durchgeführt wird, sind meistens auch nur die engsten Freunde und Familienmitglieder anwesend.

10. Russische Hochzeit: Geschenke

Was Geschenke zur russischen Hochzeit angeht, gelten dieselben Grundregeln wie bei einer deutschen Hochzeit: Das Brautpaar erwähnt in der Regel bereits auf der Einladung, was gewünscht ist. Da inzwischen die meisten Brautpaare bereits vor der Hochzeit zusammenleben, sind Haushaltsartikel selten gewünscht. Viele Brautpaare wünschen sich Geld.

Wenn es darum geht, wie viel Geld man schenken soll, gilt als Richtwert: ein Minimum von 50 Euro pro Erwachsenem, der eingeladen ist. Wenn ihr also zu zweit eingeladen seid, würdet ihr mindestens 100 Euro schenken. Je näher man dem Brautpaar steht, desto mehr wird geschenkt.

Bei einer standesamtlichen Trauung oder einer kleinen Feier im Garten gilt dieser Richtwert aber natürlich nicht. Letztlich entscheidet jeder nach eigenem Ermessen.

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11. Trauzeugen werden schwer gefordert

Als Trauzeuge oder als Trauzeugin hat man es auf einer russischen Hochzeit nicht einfach. Sie übernehmen nicht nur organisatorische Aufgaben, die Trauzeugen auch auf deutschen Hochzeiten übernehmen, sie müssen auch bei allerlei Spielen der Tamada mitmachen. Trauzeugen bei einer russischen Hochzeit sind also besser zu allen Schandtaten bereit.

So sind sie zum Beispiel dafür verantwortlich die Wünsche der Gäste beim Schuhklau zu erfüllen. Die Trauzeugin überlegt sich Aufgaben für den Bräutigam beim Brautkauf (Wykup) und der Trauzeuge muss den Bräutigam bei der Erfüllung aller Aufgaben unterstützen.

12. Deko bei einer russischen Hochzeit

Deko bei russischen Hochzeiten hat den Ruf sehr überladen und üppig zu sein. In der Regel unterscheidet sich die Deko bei einer russischen oder deutsch-russischen Feier inzwischen aber nicht mehr von der Deko bei einer deutschen Hochzeit. Mittlerweile suchen sich alle Bräute ihre Inspiration bei Pinterest & Co.. So sieht man auch bei russischen Hochzeiten fast keine traditionell russische Deko mehr. Selbst bei Hochzeiten in Russland wird man Folklore vergeblich suchen.

Wer dagegen explizit auf der Suche nach traditioneller russischer Deko ist, kann auch bei Pinterest einige Ideen finden.

Typisch für Russland, aber auch für die Ukraine und andere slawische Länder ist der Samowar, eine Art Wasserkocher oder auch Teemaschine. Wo ein Samowar ist, finden sich in der Regel auch Bubliki-Ketten. Bubliki sind weiche Kringel aus süßem Teig, die zum Tee gegessen werden. Dazu kann man Holzgeschirr in russischen Folklore-Mustern kombinieren.

Wer eine Mischung aus traditionell und modern bevorzugt, kann traditionelle russische Tücher zu normalen Tischdecken kombinieren. Wichtig ist hier, dass man auf die typischen Folklore-Farben Rot, Weiß und Blau verzichtet. Kombiniert dazu stilvolle Blumendeko und schon habt ihr eine moderne Variation der traditionellen Deko.

13. Rechnet bei einer russisch-deutschen Hochzeit mit dem Unerwarteten

So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich fallen auch die Hochzeiten aus. Bei einer russisch-deutschen Hochzeit könnten euch also alle russischen Hochzeitsbräuche erwarten, alle deutschen, oder auch eine Kombination der Traditionen beider Kulturen. Auch wenn es um Musik geht, können deutsche, englische und russische Hochzeitslieder gespielt werden.

Die Entscheidung darüber wie eine deutsch-russische Hochzeit gestaltet wird, fällt letztlich das Brautpaar und erlaubt ist, was gefällt.

Egal, welcher Tradition du bei deiner Hochzeit nun folgen möchtest: So kannst du bei deiner Hochzeit richtig viel Geld sparen

von Inga Back