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Frauen in Führungspositionen: DESHALB sind sie eine Seltenheit

von Tanja Koch Veröffentlicht am 13. Juni 2019

Die Anzahl der Frauen in Führungspositionen steigt nur langsam. Das Problem scheint kaum lösbar - obwohl die Hürden bekannt sind.

Nicht nur in den Vorständen, sondern auch im mittleren und höheren Management ist der Frauenanteil in Deutschland noch relativ gering. Immerhin gibt es für große Unternehmen eine Geschlechterquote.

Sie besagt, dass 30 Prozent der Aufsichtsräte mit Frauen besetzt werden müssen und gilt für 108 börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen. Weitere 3500 Unternehmen sind verpflichtet, sich eine beliebige Zielvorgabe zu setzen.

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Frauen in Führungspositionen: Statistik 2018

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern befindet sich Deutschland im unteren Drittel, wenn es um die Anzahl der Frauen in Führungsetagen geht. Das zeigen die Daten der Internationalen Arbeitsorganisation aus dem Jahr 2017. 28 Prozent der mittleren und höheren Führungspositionen sind von Frauen besetzt.

Noch weiter hinten als Deutschland liegen Italien und Luxemburg. Besonders gut schneidet hingegen Lettland mit 44 Prozent der Stellen ab sowie Slowenien mit rund 42 Prozent und Schweden mit ca. 40 Prozent.

Auch in den Vorständen sind die Zahlen eher unbefriedigend. Am 1. Januar 2019 arbeiteten laut einer Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY insgesamt 61 Managerinnen und damit elf mehr als im Vorjahr in den Vorständen der 160 Dax-, MDax- und SDax-Konzerne. Die Zahl der Manager liegt bei 650.

Warum sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert?

Warum es so wenige Frauen in Führungspositionen gibt, dafür gibt es einige konkrete Gründe. Beispielsweise tendieren Führungskräfte dazu, auf der Suche nach ihren Nachfolgern sich selbst ähnliche Kandidaten zu bevorzugen. Auf eine männliche Führungskraft folgt aus diesem Grund seltener eine Managerin.

Ein weiterer Grund ist, dass Führungspositionen mit als typisch männlich geltenden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden. Frauen traut man aus diesem Grund nicht zu, ein Team zu führen.

Desweiteren ist die Vereinbarung von Familie und Beruf noch immer schwierig - von wenigen Betreuungsangeboten bis hin zur traditionellen Rollenverteilung, nach der Frauen sich um den Haushalt kümmern, aber Männer Karriere machen.

Da die meisten Arbeitnehmer zwischen den 30. und 35. Lebensjahr in eine Führungsposition wechseln, sind Frauen ebenfalls benachteiligt. Denn in dieser Zeit sind Frauen aufgrund von Geburt und Kinderbetreuung oft nicht vollständig ins Arbeitsleben integriert.

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung schaffen es viele Frauen beim Aufstieg nicht über die mittlere Management-Ebene hinaus - selbst wenn sie vergleichbare Leistungen erbringen wie ihre Kollegen. Die unsichtbaren Prozesse und Faktoren, die dafür sorgen, bezeichneten Ann Morrison und ihre Mitarbeiter 1987 als "Gläserne Decke" (Morrison et al. 1987). Dazu gehört beispielsweise die durch Männer geprägte Unternehmenskultur.

Frauen in Führungspositionen: Probleme und Hürden für Unternehmen

Vor welchen Problemen und Hürden steht also ein Unternehmen, wenn es die Anzahl der Frauen in Führungspositionen erhöhen möchte?

Wie oben beschrieben sind viele Menschen der Meinung, eine Führungskraft müsse dominant, selbstbewusst, autoritär oder ähnliches sein. Da diese Charaktereigenschaften häufig Männern zugeschrieben werden, hat es eine Managerin schwerer, ernstgenommen zu werden, als ein Manager.

Je nachdem, wie hierarchisch und autoritär eine Unternehmenskultur, umso schwieriger kann es also sein, eine weibliche Führungskraft erfolgreich einzusetzen.

Dabei gibt es zum einen viele Frauen mit diesen Eigenschaften, zum anderen kann eine Führungskraft auch erfolgreich sein, wenn sie anstatt autoritär und dominant lieber teamorientiert und demokratisch führt. Dafür gibt es sogar wissenschaftliche Belege.

Frauen in Führungspositionen: Vorteile und Anreize für Unternehmen

Immer wieder gibt es Unternehmen, die die geringe Anzahl von Frauen in Managementpositionen damit erklären, dass es keine qualifizierten Bewerberinnen gibt.

Allerdings liegt der Anteil von Frauen unter den Personen mit Hochschulzugangsberechtigung laut statistischem Bundesamt bei 53,1 Prozent. Der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss liegt mit 52,9 Prozent ebenfalls über dem Anteil der Männer.

Wirtschaftsphilosophen wie Anders Indset halten Frauen zudem "aufgrund ihrer Hirnstruktur" für die Führungspositionen des 21. Jahrhunderts absolut geeignet. Damit gemeint sind Bereiche wie künstliche Intelligenz.

Allerdings hängen mit dieser Aussage Eigenschaften wie Empathie, Teamorientierung und Selbstbeherrschung zusammen, die selbstverständlich auch viele Männer und eben nicht alle Frauen in sich tragen.

Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass es für Unternehmen nur Vorteile hat, Frauen in Führungspositionen anzustellen, da sich der Pool der Bewerber vergrößtert und da eine offene und diverse Unternehmenskultur sich positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt.

Bekannte Frauen in Führungspositionen

Jedes Jahr kührt das Manager Magazin die einflussreichsten Frauen der Wirtschaft. Die Liste ist kein Ranking. Eine Frau wird jedoch immer explizit herausgestellt.

Im Jahr 2017 war es Melanie Kreis. Sie ist seit 2014 die einzige Frau im Konzernvorstand der Deutschen Post AG. Ihr Verantwortungsbereich ist das Finanzressort des weltgrößten Logistikkonzerns. Im Unternehmen ist Melanie Kreis seit 2005.

2018 kührte das Manager Magazin Saori Dubourg zur erfolgreichsten Frau in der Wirtschaft. Sie ist Vorständin für Pflanzenschutz und Bauchemie bei der BASF - ein Bereich mit acht Milliarden Umsatz und 70.000 Mitarbeitern.

Weitere Frauen in der Liste sind Sabine Bendiek, die Deutschland-Chefin von Microsoft, Dorothee Blessing, die Deutschland-Chefin von J.P. Morgan, Birgit Bohle, die Vorstandsvorsitzende des Bereichs Fernverkehr der Deutschen Bahn sowie Milagros Caiña Carreiro-Andree, die Personalvorständin von BMW.

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