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Gender Pay Gap oder: Warum Frauen monatelang umsonst arbeiten

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Die Gender Pay Gap ist nach wie vor traurige Realität. Erfahrt bei uns, warum Frauen in Deutschland monatelang umsonst arbeiten müssen.

Inhaltsverzeichnis

In unserer Reihe „Supporting Women“ wollen wir auf die noch immer bestehende Ungleichheit zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen. Damit ein Bewusstsein entsteht über Missstände, die leider auch 2023 noch immer an der Tagesordnung sind.

Über Geld spricht man nicht? Oh doch! Es ist ganz eindeutig an der Zeit, darüber zu sprechen. Denn Frauen verdienen nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen. Das Thema Gleichberechtigung scheint zwar omnipräsent, es ist aber noch lange nicht in allen Köpfen angekommen. Daher sollten wir den Gedanken „Über Geld spricht man nicht“ endlich über Bord werfen und das Thema in den Vordergrund rücken.

Schon alleine die Tatsache, dass eine spezielle Frauenquote benötigt wird, um sicherzustellen, dass auch Frauen in Führungspositionen landen, sollte uns zu denken geben. So ist es leider auch immer noch keine Selbstverständlichkeit, dass Männer und Frauen mit gleichen Qualifikationen in einer vergleichbaren Position die gleiche Vergütung bekommen. Nur indem wir darüber sprechen können wir Evidenz schaffen und nur so können wir auch etwas an der Gender Pay Gap ändern.

Equal Pay Day und Gender Pay Gap: Was ist das eigentlich?

Der Equal Pay Day kommt ursprünglich aus den USA und ist ein internationaler Tag, um auf die geschlechtsspezifische Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen.

Der Equal Pay Day findet immer an dem Tag im Jahr statt, bis zu dem Frauen sozusagen unentgeltlich arbeiten. Das bedeutet: Nehmen wir mal an, Männer und Frauen würden den gleichen Stundenlohn für ihre Arbeit bekommen, so markiert der Equal Pay Day den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer bereits ab dem 1. Januar des Jahres für ihre Arbeit bezahlt werden. In Deutschland fällt dieser Tag in diesem Jahr auf den 7. März 2023.

Bei der Gender Pay Gap handelt es sich um den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied des Bruttostundenlohns zwischen Frauen und Männern. Expert*innen unterteilen diese nochmal in die unbereinigte und die bereinigte Gender Pay Gap. Unter der unbereinigten Gender Pay Gap wird der generelle Gehaltsunterschied zwischen allen Frauen und Männern zusammengefasst.

Die bereinigte Gender Pay Gap hingegen berücksichtigt zusätzlich Faktoren, die abgesehen vom Geschlecht einen Einfluss auf das Gehalt haben können. Zum Beispiel die Branche, die Karrierestufe oder ob in Voll- oder Teilzeit gearbeitet wird. Der ermittelte Wert der bereinigten Gender Pay Gap bezieht sich also auf Frauen und Männer, die eine vergleichbare Tätigkeit ausüben und ähnliche Qualifikationen haben.

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Frauen verdienen im Schnitt 18 % weniger als Männer

Laut dem Statistischen Bundesamt lag die Gender Pay Gap 2022 in Deutschland bei 18 %. Im Vergleich von Ost- und Westdeutschland fällt zudem auf: Die Gender Pay Gap liegt im Westen mit 19 % deutlich höher als im Osten mit 7 %.

Der durchschnittliche Verdienstunterschied in Deutschland ist zudem nur um einen Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken und flacht damit nur sehr langsam ab. Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit alles andere als gut da. Nur in Estland und Tschechien ist die Lohnlücke noch größer als bei uns.

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Doch woran liegt das?

Ein Grund für den großen Verdienstunterschied ist die Berufswahl vieler Frauen. Denn nach wie vor arbeiten viele in frauendominierten Berufen wie Erziehung und Pflege, die leider noch immer schlechter entlohnt werden als beispielsweise Stellen in den männerdominierten MINT-Berufen.

Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen unterbrechen Frauen zudem häufiger ihre Tätigkeit aufgrund von Schwangerschaft, Elternzeit oder für die Pflege von Angehörigen. Das hat langfristig Auswirkungen auf die Entwicklung ihres Einkommens und ihre Aufstiegschancen in Führungspositionen. Auch arbeiten Frauen familienbedingt häufiger in Teilzeit.

Alles in allem sollte das aber natürlich trotzdem kein Grund für einen geringeren Lohn sein.

Bereinigte Gender Pay Gap: Frauen verdienen trotzdem weniger

Kritiker der Gender Pay Gap erklären, dass die Bruttolöhne von Frauen und Männern deshalb nicht vergleichbar seien, weil sie vor allem unterschiedlichen Berufen in unterschiedlichen Positionen nachgehen. Vergleicht man aber nur Frauen und Männer miteinander, die in der gleichen Branche und Position arbeiten, ergibt sich dennoch ein Gehaltsunterschied von 6 %. Und das sind 6 % zu viel!

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Gender Care Gap: Ist Pflege wirklich Frauensache?

Es ist kein Geheimnis, dass Frauen in der Regel mehr Zeit für sogenannte Care-Arbeit aufwenden. Egal, ob Hausarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit, die Pflege von Verwandten oder die Kindererziehung: Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verbringen Frauen am Tag durchschnittlich 52,4 % mehr Zeit mit unbezahlter Sorgearbeit als Männer. Die Gender Care Gap ist damit erschreckend groß.

Doch was bedeutet das konkret? Frauen verwenden nicht nur mehr Zeit für unbezahlte Arbeit als Männer auf, sondern die Gender Care Gap hat auch massive Auswirkungen auf die Karrierechancen von Frauen. Denn aufgrund des außerberuflichen Engagements arbeiten Frauen deutlich häufiger in Teilzeit-Jobs als Männer. Das Resultat: Frauen verdienen weniger und können deswegen sogar weniger für die Altersvorsorge sparen, sodass sie eher von Altersarmut bedroht sind.

Häufig wird diese unbezahlte Arbeit noch immer als selbstverständlich angesehen. Doch sollen in einer Beziehung beide Partner gleichberechtigt sein, sollte die Sorgearbeit gleichmäßig verteilt werden, damit auch Frauen gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Denn Care-Arbeit ist keine „Frauenarbeit“!

Was muss sich ändern?

Ein weiteres Problem im Kampf für mehr Gleichberechtigung: In den seltensten Fällen werden Gehälter offen und transparent kommuniziert. Dadurch wird die ungleiche Behandlung gar nicht erst sichtbar. Ein Ziel sollte deshalb mehr Transparenz sowie ein gesetzlich festgelegtes Auskunftsrecht sein. Nur so können wir auf das Problem aufmerksam machen. Wenn man das Thema „Geld“ und „Gehalt“ unter den Tisch kehrt, wird sich auch nichts ändern. Es bringt nichts, sich nach Feierabend im Stillen zu fragen, ob der Kollege nicht viel mehr verdient, trotz gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Wir müssen lernen, offen damit umzugehen.

Außerdem genügt es nicht, die Gender Pay Gap damit zu begründen, dass Frauen sich einfach für schlechter bezahlte oder „frauentypische“ Berufe entscheiden. Denn viele Frauen werden bei ihrer Wahl von Rollenstereotypen beeinflusst.

Ziel sollte es deshalb sein, typische Rollenbilder aufzulösen, damit die Berufswahl gar nicht erst unbewusst beeinflusst werden kann. Ganz abgesehen davon, dass beispielsweise Berufe aus den Bereichen Erziehung und Pflege generell eine bessere Vergütung verdient hätten.

Der Equal Pay Day macht jedes Jahr auf diese Problematik aufmerksam und versucht, mehr Bewusstsein für Gehaltsunterschiede zu schaffen, damit sie auf Dauer angeglichen werden. Bleibt zu hoffen, dass wir den Equal Pay Day irgendwann nicht mehr feiern müssen, und wenn, dann bitte am 1. Januar des Jahres, denn dann hätten Frauen keinen Tag „umsonst“ gearbeitet.

Lesetipp: Weitere Artikel aus unserer Reihe „Supporting Women“ findet ihr hier in der Übersicht. Ihr erkennt die Artikel am „Supporting Women“-Symbol im Bild.

Quellen:

Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der Information.

Sätze des Patriarchats und wie wir darauf reagieren sollten

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