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Studie zeigt: SO oft kommt Mobbing wirklich vor

von Tanja Koch Veröffentlicht am 16. Mai 2019

Eine neue Studie zeigt, wie häufig Mobbing am Arbeitsplatz vorkommt: 37 Prozent der Befragten waren bereits Zeuge von Mobbing am Arbeitsplatz. Auch der Anteil der Opfer ist ziemlich hoch. Wie du als Opfer oder Zeugin reagieren solltest, erfährst du hier!

Es beginnt oft schlicht mit einem ungelösten Konflikt, kann Opfer in die Isolation und Arbeitslosigkeit treiben. Der volkswirtschaftliche Schaden wird laut ver.di auf 15 bis 25 Milliarden Euro geschätzt. Sogar die Täter selbst sollen laut einer Studie im Fachmagazin "Psychological Science" unter ihrem Verhalten leiden. Mobbing am Arbeitsplatz schadet allen Beteiligten und kommt doch relativ häufig vor.

Wie häufig genau zeigt nun eine Studie des Büroausstatters Viking und des Meinungsforschungsinstituts OnePoll. Sie haben 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt. Die Ergebnisse zeigen, wie häufig Mobbing am Arbeitsplatz vorkommt und wie sich das Geschlecht und das Alter auf die Zahlen auswirken.

Zudem geben Uwe Leest, der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V., und Diplom-Psychologe Dr. Klaus Mucha, der stellvertretende Vorsitzende des Beirats der Initiative für mobbingfreie Gesundheit, hilfreiche Tipps zum Verhalten bei Mobbing am Arbeitsplatz.

Mobbing am Arbeitsplatz: Wie lautet die Definition von Mobbing?

Im sogenannten "Mobbing-Report", einer Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland wurde folgende Definition festgelegt: "Unter Mobbing ist zu verstehen, dass jemand am Arbeitsplatz häufig über einen längeren Zeitraum schikaniert, drangsaliert oder benachteiligt und ausgegrenzt wird."

Laut dem Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein ist Mobbing "eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während einer längeren Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßens aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet."

Beispiele für Mobbing sind:

  • Ignorieren, beleidigen, belästigen oder verleumden
  • Verstecken oder Beschädigen von persönlichen Sachen
  • Anzweifeln der Fähigkeiten der gemobbten Person
  • Unsachliche Kritik an der Arbeit
  • Sinnlose oder kränkende Tätigkeiten
  • Verschweigen von wichtigen Informationen
  • Manipulieren von Arbeitsergebnissen

Mobbing am Arbeitsplatz: So häufig kommt es vor

Wie die Studie zeigt, existiert Mobbing in allen Branchen, Altersstufen und Positionen in Unternehmen.
Etwa 60 Prozent der Befragten gaben an, bereits Mobbing am Arbeitsplatz erlebt zu haben - etwa 24 Prozent als Opfer und etwa 37 Prozent als Zeugen.

Fast jeder vierte glaubt, der Vorgesetzte wäre in der Lage, Mobbing am Arbeitsplatz zu erkennen beziehungsweise derartige Konflikte schnell und fair lösen zu können (20 Prozent).

Das Risiko, Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz zu werden, ist bei Millennials fast doppelt so hoch wie bei den über 55-jährigen Babyboomern.

Während bei beiden Geschlechtern etwa jeder Vierte angab, bereits Mobbing am Arbeitsplatz erlebt zu haben, gaben etwa 5 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer an, schon selbst am Arbeitsplatz gemobbt zu haben.

Wie solltest du dich verhalten, wenn du Mobbing am Arbeitsplatz erlebst?

Auch Tipps für Betroffene und Zeugen von Mobbing am Arbeitsplatz enthält die Studie. Uwe Leest, der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V., rät Opfern, ihr Problem öffentlich anzusprechen und sich Hilfe zu suchen.

Sie sollen sich zum Beispiel an Vorgesetzte oder Kollegen im Team wenden. Ist der Vorgesetzte beteiligt oder die Situation zu schwierig, kann sogar der Personal- oder Betriebsrat eingeschaltet werden. Wenn nötig ist es auch möglich, einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Als Zeuge ist es wichtig, schnell zu handeln, da sich Mobbing über einen Zeitraum immer mehr verschärft. Mögliche Maßnahmen sind, Intrigen nicht zu unterstützen, sondern Partei für die betroffene Person zu ergreifen und sie anzusprechen.

Ohne Rücksprache mit dem Opfer schon dem Vorgesetzten oder einer Beratungsstelle Bescheid zu geben, empfiehlt Leest nicht. Hilfsangebote oder Rechtsbeistand zu vermitteln und die Begleitung eines Klärungsgesprächs anzubieten, sei aber empfehlenswert.

Diplom-Psychologe Dr. Klaus Mucha, der stellvertretende Vorsitzende des Beirats der Initiative für mobbingfreie Gesundheit, fügt hinzu, dass Zeugen von Mobbing "eine soziale Verantwortung als Mitmenschen" haben. "Und da hat jede/r die Freiheit, solidarisch zu handeln oder aber möglicherweise aus Furcht davor, selbst das nächste Opfer zu sein, sehenden Auges passiv zu bleiben.“

Im Video: Brief für mehr Selbstbewusstsein

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