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Candaulismus: Alles Wissenswerte über die Sexpraktik

von Fiona Rohde Erstellt am 17.04.21 um 17:00
Candaulismus: Alles Wissenswerte über die Sexpraktik © pexels.com

Deine Partnerin oder dein Partner schlägt vor gemeinsam Candaulismus auszuprobieren und du bist noch unsicher, ob dich das reizen könnte? Hier findest du alles Wissenswerte zu dieser Sexpraktik.

Wenn man den Statistiken über die häufigsten Suchworte im Internet zu Sexpraktiken glauben will, ist Candaulismus ein immer häufiger gesuchter Begriff, und zwar egal ob es sich jetzt um heterosexuelle oder homosexuelle Paare handelt. Was steckt hinter diesem Begriff und was unterscheidet ihn von anderen Praktiken, bei denen auch mehrere beteiligt sind?

Der Genuss, dem Partner beim Sex zuzusehen

Candaulismus ist eine sexuelle Praxis, die darin besteht, Freude daran zu haben, seiner Partnerin oder seinem Partner dabei zuzusehen, wie sie oder er mit einer anderen Person Sex hat. Es ist diese Mischung aus Voyeurismus, Eifersuchtsgefühlen, Erregung und optischen Reizen, die als sexuell stimulierend empfunden wird.

In der Praxis kann Candaulismus auch softer sein, beispielsweise dass es nur als erregend empfunden wird, dass jemand anderes seinen Partner oder seine Partnerin ansieht. Beispielsweise dass es einen Mann anmacht, wenn seine Partnerin oder sein Partner begehrt und als sexuell attraktiv angesehen wird. Aber es geht eben auch weiter, dass es als hot empfunden wird, wenn die eigene bessere Hälfte Sex mit einem Dritten hat.

Der Begriff Candaulismus soll auf eine Geschichte von Herodot zurückgehen. Darin geht es um Candaules, den König von Lydia. Er findet seine Frau Nyssia so unglaublich schön, dass er seinen Leibwächter Gyges einlädt, sich im Schlafzimmer des Königspaares zu verstecken, um seine Frau Nyssia beim Entkleiden zu beobachten. Ihm geht es darum, dass Gyges ihm die Schönheit seiner Frau bestätigt. Nyssia bemerkt Gyges jedoch, fühlt sich gedemütigt und stellt ihn vor die Wahl, dass entweder er selbst hingerichtet wird oder er Candaules tötet. Gyges tötet daraufhin König Candaules und nimmt seinen Platz auf dem Thron ein.

So übel diese angebliche Herkunftsgeschichte auch endet, so zeigt sie doch, worum es bei dieser Sexpraktik geht: Einer der Partner findet es beglückend, wenn der andere von einem Fremden bewundert und sexuell begehrt wird.

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Die verschiedenen Möglichkeiten, Candaulismus zu praktizieren

Es gibt natürlich immer mehrere Spielarten, wie meist bei sexuellen Praktiken. So auch beim Candaulismus. Hier jedoch einige der gängigsten Konstellationen:

Variante 1: Die Partnerin oder der Partner haben mit einer x-beliebigen dritten Person Sex. Alle sind damit einverstanden, dass der andere dabei zusieht.

Variante 2: Die Frau hat Sex mit ihrer oder ihrem Geliebten vor ihrem eigentlichen Partner. Dabei muss der Partner aber nicht unbedingt anwesend sein. Manchmal reicht allein das Wissen um den außerpartnerschaftlichen Kontakt, um zu erregen oder die Partnerin berichtet vom Sex mit der anderen Person, zeigt Bilder oder Videos.

In einigen Fällen kann der Partner am Sex seiner Frau mit einem anderen Mann (oder in welcher Konstellation auch immer) teilnehmen. Dies ist allerdings eher selten, da es eher etwas für Swinger ist, also die Bereitschaft, Sex mit noch weiteren Personen als nur dem eigenen Partner zu haben (Orgie, Gangbang usw.). Oft dient das anfängliche Zusehen, wie die zwei anderen Sex haben, auch als eine Art Vorspiel, um sich dann später zu dritt zu vergnügen.

In einer extremeren Variante des Candaulismus können die Frau und ihre Geliebte bzw. ihr Geliebter eine dominante Stellung gegenüber dem zusehenden Partner einnehmen. Dies nennt man Cuckold. In dem Fall ist es eine sadomasochistische Praxis, weil der zuschauende Partner mit Worten und Praktiken gedemütigt wird. Wohlgemerkt: Der zum Zuschauen verurteilte Partner will genau das. Es geht hier um Dominanz und Unterwerfung. Womit wir auch bei der Frage wären, wie genau sich Candaulismus von anderen Sexarten mit mehreren Personen abgrenzt. Denn da gibt es bekanntlich einige.

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Was unterscheidet Candaulismus von Voyeurismus, Dreier, Exhibitionismus, Cuckold, Wife Sharing und Swinging?

Voyeurismus ist eine Praxis, die für eine Person, also den Voyeur, darin besteht, Menschen ohne ihr Wissen zu beobachten. Dies ist also letztlich das komplette Gegenteil von Candaulismus, da es hier darauf ankommt, dass der eigene Partner mit der Zustimmung des anderen Sex hat.

Beim Dreier haben alle drei (oder mehr) Personen miteinander Sex, niemand muss bzw. will nur zusehen. Gleichwohl kann der Sex untereinander auch abwechselnd stattfinden und somit auch das Zusehen der jeweils anderen Konstellation als erregend empfunden werden.

Exhibitionismus bedeutet, dass jemand sich vor anderen entblößt, sprich seine Genitalien in der Öffentlichkeit zeigt. Da dies in der Regel ohne die Zustimmung des anderen geschieht, ist diese Praxis bekanntlich verboten und steht unter Strafe. Hier gibt es kaum Überschneidungen mit dem Candaulismus, da es bei letzterem ja darum geht, seine Partnerin oder seinen Partner mit einem anderen beim Sex zu sehen und nicht darum, sich selbst zu zeigen.

Der Begriff Cuckhold stammt wie bereits gesagt ursprünglich aus der BDSM-Szene. Als Cuckold wird demnach ein Mann bezeichnet, der dabei zusieht, wie seine Partnerin mit einem anderen oder mehreren Männern Sex hat. Dabei nimmt er eine devote Rolle ein. Statt vor Eifersucht auszurasten, macht das – so sagen es zumindest Anhänger dieser Praktik – scharf. Natürlich hat das viel mit Voyeurismus, Masochismus und devotem Verhalten zu tun.

Beim Wife Sharing haben zwei (oder mehr) Männer Sex mit einer Frau. Dabei ist einer fest mit ihr liiert, der andere wird zum Sex dazugeholt. Alle dürfen sich mit ihr vergnügen, bzw. sie darf sich mit beiden Partnern vergnügen, denn letztlich geht es hier vor allem um den Spaß der Frau beim Sex. Das ist eben auch der Unterschied zu einem normalen Dreier in der Konstellation mit zwei Männern und einer Frau. Denn beim Wife Sharing ist die Frau eben mit einem von beiden liiert und holt sich einen zusätzlichen Partner für ihr de luxe Vergnügen beim Sex dazu.

Swinging nennt man es, wenn beide Partner beschließen, Sex mit einem anderen Paar oder anderen Personen zu haben, z.B. in expliziten Swingerclubs oder indem man sich selbst passende Sexpartner sucht. Auch bei dieser Praxis wird es als hot empfunden, dass der Partner Sex mit einer anderen Person hat. Anders als beim Candaulismus sind hier jedoch alle am sexuellen Akt beteiligt und niemand sieht nur zu.

Beim Partnertausch widerum geht es darum, dass zwei fest liierte Paare untereinander die Partner tauschen und Sex haben. Alle sind damit einverstanden und sollten auf ihre Kosten kommen. Sind es mehr als zwei Paare, die untereinander tauschen, spricht man von Gruppensex.

Als Gangbang wiederum bezeichnet man Gruppensex, wenn die penetrativen Teilnehmer in der Überzahl sind, also z.B. eine Frau mit etlichen Männern Sex hat, nacheinander oder zeitgleich. Bei einem Reverse Gangbang wiederum sind die empfangenden Teilnehmer in der Überzahlt.

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Was bringt diese sexuelle Praxis?

Eins vorweg: Beim Sex ist erlaubt, was gefällt, vorausgesetzt, alle sind damit einverstanden und niemand nimmt Schaden. So ist es auch in diesem Fall: Wer Candaulismus für sich hot findet, ist weder seltsam noch schräg.

Manchmal stecken dahinter jedoch nicht nur sexuelle Fantasien, sondern bestimmte psychologische Beweggründe. Zum Beispiel wenn ein Mann sein Selbstvertrauen pusht, indem er sieht, dass auch andere seine Partnerin bzw. seinen Partner begehren. Zudem kann ihm das auch ein Gefühl von Macht geben. Statt Eifersucht zu empfinden, steigert sich seine Lust.

Es ist sozusagen für ihn eine Form der sexuellen Befriedigung, dem Partner zu erlauben, mit einer anderen Person sexuellen Kontakt zu haben. Man selbst ist sich der Gefühle und der sexuellen Nähe seines Partners so sicher, dass es als Bereicherung empfunden wird, jemand Drittes mit ins Sexleben zu holen und beide dabei zu beobachten. Wichtig ist hier natürlich, dass Candaulismus eine Entscheidung von beiden Partnern ist, sonst funktioniert das Ganze auf Dauer nicht.

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Kann Candaulismus meine Beziehung zerstören?

Candaulismus kann seine Tücken haben, so wie jede sexuelle Praxis, die darin besteht, mehr als nur den eigenen Partner als Sexualpartner zu haben und die sexuelle Exklusivität für sich aufzukündigen. Es gibt Beziehungen, die diese Öffnung sehr bereichert, z.B. die offene Beziehung, aber eben auch Partnerschaften, die das auf Dauer an ihre Grenzen bringt.

Voraussetzung für die Öffnung für weitere Sexualpartner ist immer, dass beide Partner offen miteinander kommunizieren können und sich in der Sache einig sind. Und auch wenn man erst mit der Zeit merkt, dass man sich damit unglücklich fühlt, darf man das klar äußern. Auch Candaulismus ist erst dann richtig gut, wenn es eben beide sexuell bereichert.

Deshalb wie immer: offen kommunizieren. Beide müssen über die Wünsche, Ängste und Fantasien mit ihrem Partner sprechen können und zwar bevor sie die Entscheidung treffen, diese oder jene sexuelle Praxis auszutesten. Wenn der Mann oder die Frau die von ihrem Partner gewünschte sexuelle Fantasien kennt und akzeptiert, kann Candaulismus eine spannende Möglichkeit sein, neue Sexpraktiken zu erforschen und so das sexuelle Verlangen und Vergnügen beider zu steigern.

Das Risiko liegt natürlich darin, dass womöglich einer von beiden nur noch durch Candaulismus Sex haben will. Wie eine Form der Sucht. Für das Gleichgewicht des Paares ist es deshalb wichtig, dass ihr Sexualleben auch außerhalb dieser Praxis existieren kann und als befriedigend empfunden wird.

Wenn zum Beispiel die Frau nur mit dem anderen Mann, mit dem sie sich liebt, einen Orgasmus hat, kann dies logischerweise auf lange Sicht Auswirkungen auf die Partnerschaft haben, auch wenn der "offizielle" Partner anfänglich von der Art Sex zu haben begeistert sein mag.

Und natürlich ist immer die Frage, wie beide mit dem Thema Eifersucht umgehen und letztlich auch, inwiefern der Dritte im Bunde mit der Situation klarkommt. Kommen hier Gefühle ins Spiel, könnte es kompliziert werden. Und – last but not least – ist es natürlich unerlässlich, dass sich alle drei Sexpartner über mögliche sexuell übertragbare Krankheiten im Klaren sind und sich davor schützen.

In diesem Sinne: Testet aus, was euch gefällt, fühlt euch zu nichts gedrängt und macht es save und einvernehmlich, also immer so, dass es für alle Beteiligten gut und ok ist.

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