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Aktuelle Umfrage zeigt, warum es den Orgasm Gap immer noch gibt

von Fiona Rohde Erstellt am 8. August 2020
Aktuelle Umfrage zeigt, warum es den Orgasm Gap immer noch gibt© pexels.com

Wer täuscht warum einen Orgasmus vor und wer ist ehrlicher, wenn es um Sex geht, Männer oder Frauen? Eine aktuelle Orgasmus-Umfrage klärt auf – und zeigt, wo das Problem liegt.

Neugierig sein ist das eine. Fragen stellen das andere. So auch beim Thema Sex. Irgendwie haben da viele von uns einen Maulkorb auf, wenn es um Sexualität und ihre sexuellen Wünsche und Neigungen geht. Klar wird gerne mal in der Mädelsrunde schamlos offen über Sex gesprochen, und das ist herrlich unterhaltsam.

Dennoch muss man auch sagen: Aus diesem Grund gibt es aber auch immer furchtbar viele Gerüchte, flapsige Anekdoten und Prahlereien und viel zu wenig echte Fakten in Bezug auf das, was andere so gemeinhin im Bett treiben. Und hat man Probleme, dann holt man die auch nicht gerade beim Mädelsstammtisch hervor.

Zieht man also die Schilderungen derer ab, die maßlos übertreiben und dazu noch die Zahl derer, die schweigen und genießen (oder leiden), bleibt eben nicht mehr viel an Info, ob andere im Bett auf ihre Kosten kommen oder vielleicht auch leer ausgehen.

Danke also an alle Umfragen, die uns immer wieder interessante Fakten rund um Sex liefern. So auch eine aktuelle Orgasmus-Umfrage des Sextoyherstellers Lelo mit mehr als 1.300 Personen. Teilgenommen haben an der Umfrage mit 75% vor allem Frauen. Das Alter lag zu 50% zwischen 25 und 34 Jahren, gefolgt von 18 - 24 Jahren (25,3 %), 35 - 44 Jahren (14 %).

Ziel der Umfrage war es auch, im Rahmen der #WellWithLelo-Aktion die "Orgasmus-Lücke" zwischen Frauen und Männern zu schließen. Und so viel vorweg: Die Umfrage zeigt eigentlich recht klar, wo das Problem liegt. Genau: Dass wir zu viel mit unseren Freundinnen und zu wenig mit unserem Sexpartner offen reden.

Hier die Umfrage-Ergebnisse im Detail:

Selbst ist die Frau: So kommen wir zum Orgasmus

Beim ersten Orgasmus scheint Solosex ganz klar vorne zu liegen. Laut Umfrage hatten 80% der Teilnehmer ihren ersten Orgasmus durch Masturbation, nur 20 durch den Partner. Die meisten kommen durch klitorale Stimulation (45%), 27 Prozent durch eine Kombi aus klitoraler und vaginaler oder analer Stimulation.

Das zeigt aber auch: Wir selbst wissen, was für uns gut ist. Unsere Sexpartner nicht zwangsläufig. Natürlich ist es gut, seinen eigenen Körper zu erkunden, bevor man auf die Welt losgelassen wird.

Wer nicht weiß, was er gut findet und was ihn zum Kommen bringt, sollte vielleicht erstmal erste Erfahrungen beim Solosex sprich mit Selbstbefriedigung machen. Und wohlgemerkt: Nicht, weil er sonst zu schlecht im Bett wäre und zu unerfahren – bitte nicht denken – sondern schlicht und ergreifend, weil wir nur so auch mit einer zweiten Person unsere Wünsche geltend machen können. Denn sich einfach nur hinlegen und über sich ergehen lassen, ohne selbst Freude daran zu haben, das sollte niemand tun.

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Warum es dumm ist, einen Orgasmus vorzutäuschen

Die Welt: ein Ort voller Schauspieler! Laut der Umfrage haben ganze 67% schon mal einen Höhepunkt vorgetäuscht. Jeder Vierte sagt immerhin, dass er nie so tut als ob und wiederum 26% "manchmal". Und diese Zahlen sollten uns echt nachdenklich machen. Vor allem uns Frauen, die wir – Stichwort Orgasm Gap – deutlich häufiger unbefriedigt aus dem Liebespiel gehen.

Und hier liegt das Problem auf der Hand: Wenn wir unsere Sexpartner und Partnerinnen nicht anleiten, was uns anmacht und was uns zum Höhepunkt bringt (und was nicht!), dann wird es auch nie besser mit unseren Orgasmus-Quoten. Wer nix sagt und noch brav den Orgasmus simuliert, der sorgt doch dafür, dass der andere denkt: "Super. Alles richtig gemacht!" Und das ist ja leider ein Irrglaube.

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Gründe, warum wir dennoch einen Orgasmus vortäuschen

Die Gründe, warum wir trotzdem einen Orgasmus vortäuschen, sind einerseits schön und rücksichtsvoll, andererseits arg traurig. So täuschen die Teilnehmer der Umfrage zum einen ihren Höhepunkt vor, damit der Partner das Gefühl hat, alles richtig zu machen. Zum anderen, damit er sich nicht schlecht fühlt und denkt, er sei schlecht im Bett. Und – weniger romantisch – sie spielen dem Partner ihr Orgasmus-Theater vor, damit es vorbei ist und sie schlafen können.

Dabei wäre die Lösung so viel einfacher: Reden. Ihm mitteilen, dass es halt nicht ging, und wie es besser geklappt hätte. Es geht hier wohl gemerkt nicht darum, sich dafür zu rechtfertigen, dass man nicht gekommen ist. Bitte nicht tun! "Ist heute nicht mein Tag", "Ich hatte Stress auf der Arbeit" oder "Ich hab Kopfschmerzen": Niemand muss Gründe angeben, wenn es mal nicht funktioniert im Bett.

Besser: Sagen, was anders und für dich zielführender sein könnte. Also beispielsweise: "Lass uns beim nächsten Mal erstmal entspannen, ein längeres Vorspiel haben, stimulierende Sextoys zu Hilfe nehmen oder was auch immer". Denn so kann der Sex besser werden – für beide.

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Wer gibt das Vortäuschen zu – und gegenüber wem?

Fun Fact – wobei das schon eher tragisch als komisch ist: Nur jeder Vierte sagt seinem Partner, dass er einen Orgasmus vorgetäuscht hat. Das ist wenig. Geht es jedoch darum, Freunden von seiner Schauspielkunst zu erzählen, tun es ganze 67%! Da bleibt doch nur zu sagen: Wie soll die Orgasmus-Quote besser werden, wenn wir ständig den falschen Adressaten wählen für unsere Sex-Geständnisse?

Und es ist traurig zu hören, dass sich die Mehrzahl der Teilnehmer (60%) unter Druck gesetzt fühlt, möglichst schnell zum Höhepunkt zu kommen. Denn, so sagten viele Befragte, letztlich wäre der Partner nur auf sein eigenes Vergnügen aus und hätte nicht den Spaß seines Gegenübers im Visier.

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Sprecht mehr über eure sexuellen Wünsche!

Dass wir zu wenig reden, über das, was uns anmacht und was uns fehlt, haben wir bereits genug gesagt. Hier aber noch mal die nackten Zahlen, um was zu ändern: Über die eigenen sexuellen Vorlieben haben 15% der Befragten noch nie gesprochen. Schlichtweg, weil es ihnen peinlich ist oder weil sie das Gefühl haben, dass ihr Gegenüber für diese Art Gespräch nicht offen ist.

Bleibt nur zu raten: Redet, Leute! Sex ist keine Solosportart, sondern Teamsport. Nur wenn ihr beide aufeinander eingeht und euch um den Spaß des anderen bemüht, könnt ihr euch gegenseitig mitreißen und den Sex eures Lebens haben.

Und kleiner Tipp: Fangt nicht dann die Redseligkeit über Wünsche und Fehler an, wenn ihr gerade dabei seid. Das hat dann immer was von Gebrauchsanweisung und Fehleranalyse. Und oft war es das dann, mit Lust und Stehvermögen.

Macht es doch einfach, wenn ihr in einem Restaurant sitzt oder ihr gerade unterwegs seid, egal wo, aber am besten dann, wenn ihr ihn oder sie damit überrascht und er oder sie spontan antworten muss – ohne sich eine Antwort zurechtlegen zu können. Dann kommen nämlich gemeinhin die ehrlichsten Antworten und auch die Momente, in denen der andere Kritik annehmen kann, ohne sich auf den Schlips getreten zu fühlen.

Also: Wie wäre es beim nächsten Mal in der Pizzeria mit einem "Sag mal, wusstest du eigentlich, dass ich total auf anale Stimulation steh?" Mit Sicherheit der Einstieg in einen mehr als interessanten Abend – und hoffentlich auch der Weg, den Orgasm Gap endlich kleiner zu machen.