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Liebe & Psychologie

Wie viel darf man anderen von seinem Partner erzählen?

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 15. September 2019

Wenn wir Freundinnen gegenüber Intimitäten über unseren Partner ausplaudern, die er nur uns anvertraut hat, dann ist das nicht ok. Es ist ein Vertrauensbruch unter Liebenden. Wie stehen Frauen und Männer zum Thema "ausplaudern"?

Manchmal sitze ich in Mädelsrunden und es wird einfach über alles gesprochen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Über Katastrophen-Dates und heiße Nächte, über Verhütung und Intimrasuren. Tabus? Fehlanzeige. Man ist einfach offen und lacht sich halb tot über all die kleinen Malheure, die uns Frauen das Leben teils amüsanter teils schwerer machen. Es scheint gar keine Hemmungen zu geben, Intimes auszuplaudern. Oder etwa doch?

Manch ein Mann hat sicherlich die vage Befürchtung, dass die Freundinnen seiner Partnerin mehr über ihn wissen, als ihm lieb ist. Dass er sozusagen nackt vor ihnen steht. Aber uns Frauen geht es ja nicht anders. Wir fragen uns genauso, was der Liebste so seinem besten Kumpel erzählt, wenn er ihm sein Herz ausschüttet. Können sich beide Seiten in einer Partnerschaft also wirklich auf einander verlassen? Bleibt Intimes und Vertrauliches genau das: nämlich intim und vertraulich?

Eine unsichtbare Grenze

Ich selbst hasse nichts mehr, als zu viel auszuplaudern. Manchmal löst einem der Alkohol dann aber doch die Zunge, und am nächsten Morgen denkt man sich dann nur: Verdammt, hab ich zu viel erzählt? Wenn man zu viel von sich selbst preisgegeben hat: nun, man wird es überleben. Was aber, wenn man Dinge über seine Beziehung und somit über seinen Partner erzählt hat, die nicht für andere Ohren bestimmt waren?

Zum Glück, und da dürft ihr jetzt aufatmen liebe Männer, haben wir Frauen zwar ein großes kommunikatives Talent und wir sind sogar so verrückt, dass wir unsere Gefühlswelt Freunden gegenüber öffnen, aber wir haben ebenso ganz klare Prinzipien, was Intimitäten unseres Partners angeht. Wir wissen sehr gut, wann stop ist. Und daran halten wir uns. Word!

Intime Fragen und mitteilungsfreudige Freundinnen

Ärgerlich wird es meist nur, wenn unser Gegenüber sich nicht an die unsichtbaren Regeln hält und uns direkt fragt. Wie es im Bett läuft. Ob er gut bestückt ist. Ob er Errektionsprobleme hat oder nicht. Also Fragen, die uns unangenehm sind, weil wir nicht darüber reden möchten. Aber man muss ja nicht antworten. Wenn sich andere Freundinnen so total nackt und offen zeigen, was ihr Beziehungsleben angeht, muss man ja nicht zwangsläufig mitziehen. Die Grenze, wo Ausplaudern anfängt und was noch ok ist, ist ja für jeden letztlich verschieden.

Meist sind es auch eher die Mädels, die viel erzählen, die keine feste Beziehung haben, aber viele lustige und spannende Dates oder zwischenmenschliche Begegnungen jedweder Art erleben. Da - sorry, liebe Männer - wird schon mal Intimstes breitgetreten, über Sexpannen, Penislängen oder andere schöne Dinge geredet. Wer allerdings in festen Händen ist, der genießt und schweigt an diesem Punkt eher.

Rat in der Krise

Problematisch wird es nur, wenn man von seinen Freunden einen Rat haben will. Klar muss man dann auch erstmal die Fakten erklären und dann kommt eben doch mal Intimes aus der Partnerschaft auf den Tisch. Wie soll man sonst auch eine klare Einschätzung von seinen Freunden bekommen? Aber das sind eben Notfälle.

Wie sieht es eigentlich bei den Männern aus?

Natürlich bleibt die große Frage, wie Männer es so halten, mit dem Ausplaudern. Es gibt ja dieses dämliche Klischee, dass sich Männer gerne gegenseitig berichten, wie ihr Sexleben so läuft. Hört man sich aber um unter den Männern, scheint es eher so, dass sie sich kaum über ihr Beziehungs- und Gefühlsleben austauschen.

Wenn man als Frau von seinem neuen Partner wissen will, wie einen die Kumpels so finden, dann hört man auch oft nur: "Da haben wir gar nicht drüber geredet". Für Frauen eigentlich undenkbar. Würden die Freundinnen den neuen Partner das erste Mal kennenlernen, würde man sich doch sofort erkundigen: "Und, wie fandet ihr ihn?"

Aber es ist kein bloßes Klischee, dass sich die Gesprächsthemen von Männern und Frauen thematisch unterscheiden. Bei Frauen ist mehr Gefühlswelt, Soziales, Zwischenmenschliches dabei, als bei den Männern. Klingt blöd, ist aber so.

An Absprachen halten - und schweigen

Wir Frauen können uns deshalb eigentlich wirklich entspannen. Denn wie sollte ein Mann Intimitäten ausplaudern, wo er sich auch sonst kaum mit seinen Kumpels über sein Gefühlsleben unterhält. Da muss es schon hart auf hart kommen und es mega Stress in der Partnerschaft geben, damit sich Männer auch mal untereinander Rat und Trost holen. Wir müssen also lobend erwähnen: Männer sind in der Regel wunderbar verschwiegen.

Und keine Sorge, liebe Männer: Wir sind nicht so, wie die Mädels in " Sex and the City". Und wer auf Nummer sicher gehen will, der spricht zu Beginn der Partnerschaft gemeinsam darüber, wo die Grenze ist, also was geheim bleiben soll und was "erzählbar" ist.

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