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Liebe & Psychologie

Diagnose Herzschmerz: Warum Liebeskummer so weh tut und was du dagegen tun kannst

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 26. März 2017
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Fast jeder von uns kennt das Gefühl. Es ist die Hölle. Was können wir tun bei Liebeskummer?

Wer bei Liebeskummer an Teenie-Probleme denkt, gegen die eine Tafel Schokolade und kluge Sprüche wie "Auch andere Mütter haben schöne Söhne" helfen, der hat scheinbar noch nie echten Liebeskummer erlebt. Jeder, den es schon einmal getroffen hat, weiß: Liebeskummer ist verdammt schwer zu bewältigen. Mit der verlorenen Liebe geht oft mehr als nur eine Beziehung in die Brüche ...

Wenn wir Liebeskummer haben, erkennen wir uns selbst kaum wieder: Wir heulen und fluchen, stopfen uns wahlweise mit Schokolade voll oder verweigern jegliche Nahrungsaufnahme, wir leiden und schmieden düstere Rachepläne und stellen uns in den schillerndsten Farben vor, wie der Partner zu uns zurückkehrt. Wir tun Dinge, die wir nie tun wollten. Es ist uns egal, was die anderen von uns denken, denn unser Kummer beherrscht unser Denken bei Tag und Nacht.

Was tun bei Liebeskummer?

Liebeskummer macht vor niemandem Halt, egal ob Manager oder Briefträger, Teenager oder Rentner, arm oder reich, Mann oder Frau. Jedoch gehen die Geschlechter unterschiedlich mit ihrem Liebeskummer um. Frauen reden mit Freunden oder Familie offen über ihren Schmerz. Männer hingegen verschweigen ein Beziehungsaus in der Regel.

​Silvia Fauck, Psychologische Beraterin und Gründerin der ersten Liebeskummerpraxis Deutschlands (liebeskummer-praxis.de) sagt: "Männer halten Liebeskummer für eine Schwäche und bevorzugen es, mit einem professionellen Berater zu sprechen, der Stillschweigen bewahrt."

Körperliche und seelische Schmerzen

Egal ob man verlassen wurde, ob die eigene Liebe unerwidert bleibt oder ob man selbst eine Beziehung beendet hat - jeder, der eine Trennung mitmacht, erlebt die Folgen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Liebeskranke leiden unter Kopfschmerzen, fühlen sich antriebslos und können nicht mehr essen und schlafen.

​Forscher der Universität Tübingen fanden heraus, dass bestimmte Hirnareale bei Frauen nach einer Trennung kurzzeitig nicht mehr richtig arbeiten. Und zwar sind dies die Regionen, die für Emotionen, Antrieb und Motivation zuständig sind und die, die das Schlaf- und Essverhalten steuern. Aber vor allem leiden die Betroffenen seelisch. Die Gedanken kreisen um das verlorene Liebesglück - und das pausenlos und gegen jede Vernunft.

Liebeskummer ist weit mehr als nur eine schnell vorübergehende Traurigkeit und sollte ernst genommen werden. "Der Kummer ist bald wieder vorbei. Das wird schon wieder." Gut gemeinte Ratschläge, die den Betroffenen meist wenig helfen. Vor allem, wenn es Menschen trifft, die jenseits des Teenageralters sind. Sie verlieren mit dem Partner oft nicht einen kurzzeitigen Freund, sondern den Lebenspartner, mit dem sie ihr Leben geplant hatten.

​Zerbricht diese Beziehung, wird nicht nur eine Liebe zerstört, sondern ein ganzer Lebensentwurf. Und das macht die Lage sehr viel verzweifelter. Mit schlimmen Folgen: Eine Studie der Universität Wien ergab, dass 45 Prozent der Liebeskranken Suizidgedanken haben.

Liebeskummer: Das macht ihn so schlimm

Meist ist es die Sehnsucht nach Liebe, die uns verzweifeln lässt, wenn uns von einem Tag auf den anderen die Zuneigung des Partners entzogen wird. Aber es ist noch mehr als das: Wir haben Angst, alleine zu sein - und zu bleiben. Gemeinsamer Kinderwunsch, eine gemeinsame Wohnung und gemeinsame Lebensziele - unser Leben war für zwei geplant und nun stehen wir alleine da.

Wer mit 18 verlassen wird, kann sicher sein, dass die Welt und die Auswahl an potentiellen Partnern noch groß ist. Wenn man 30 und älter ist, ist das anders. Ab einem gewissen Alter sind viele Männer bereits vergeben und die wenigen männlichen Singles vielleicht nicht ohne Grund alleine.

​Hinzu kommt der Druck der Gesellschaft: Alle Freunde und Verwandte haben einen Partner, vielleicht eine eigene Familie und dementsprechende Tagesabläufe. Als Single fällt man plötzlich aus diesem System. Jeder Feiertag oder einsam verbrachte Sonntag wird zur Qual und das Gefühl der Einsamkeit unendlich. Der Partner hat eine Leere hinterlassen, die wir nicht zu füllen wissen.

Der andere will mich nicht mehr

Zu diesen Sorgen kommen noch individuelle Ängste und Traumata. Schließlich wurden wir als Mensch abgelehnt und sind dadurch verletzt und verunsichert. 'Der andere will mich nicht mehr' - dieser Gedanke beherrscht alles. Hinzu kommen Selbstvorwürfe. 'Warum habe ich nur ... wie konnte ich nur ...' Die Fehler werden nicht beim anderen gesucht, sondern bei sich selbst. Das alles zusammen macht es oft unmöglich, die neue Situation zu akzeptieren.

Die Trauer um das verlorene Liebesglück oder das, was vorher war, scheint meist unendlich. Eine Endlosschleife, so fühlen es die Betroffenen, aber auch die tröstenden Freunde, die irgendwann nach Monaten entnervt das Handtuch werfen und sich zu dem Satz verleiten lassen: "Jetzt muss es langsam aber auch mal wieder bergauf gehen". Dass es das aber nicht unbedingt tut, steht auf einem anderen Blatt. Denn Liebeskummer dauert eben so lange, wie es sein muss. Und das kann von ein paar Wochen bis zu einem Jahr dauern, oder auch noch länger.

Die einzelnen Phasen der Trauer

Wichtig ist, dass sich der Liebeskranke selbst nicht festfährt, sondern in seiner Trauer Phasen durchläuft, die letztendlich zu einer Besserung führen. Forscher und Therapeuten sind sich hier einig: In unserer Trauer machen wir verschiedene Phasen durch. In Phase eins ist der Kummer groß, und wir wollen den Verlust nicht wahr haben. Ein Tal der Tränen. Phase zwei ist geprägt von unbändiger Wut auf den Partner. Dann beginnt irgendwann die Zeit, in der wir die Trennung akzeptieren können und bereit sind, uns neu zu orientieren.

Dr. Frauke Höllering, Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Psychosomatik und Sexualmedizin, sagt: "Irgendwann ist es an der Zeit, dass die Betroffenen in eine neue Phase ihres Kummers eintreten: Wenn der Partner deutlich zeigt, dass er einen nicht mehr will, dann sollten Betroffene den Kontakt ganz abbrechen." Dann folgt früher oder später die Phase der Wut, und den Zorn auf den Ex-Partner sollte man für sich nutzen.

So kommt ihr raus aus dem Kummer

​"Ich rate meinen Patienten, aufzuschreiben, was sie nicht gut an ihrem Partner finden. Meist ist dies eine ganze Menge. Wenn man trauert, denkt man immer nur an die guten Zeiten und verdrängt das Schlechte, das es aber auch gegeben hat", sagt die Expertin.

Im Idealfall trennen sich Paare einvernehmlich und bleiben Freunde. Doch das ist leider nur selten der Fall. Am härtesten trifft es einen der Partner, wenn ein Seitensprung der Grund für die Trennung ist. Dann leidet er sozusagen doppelt. "Wenn ein Partner dem anderen ehrlich sagt, dass er sich in jemand anderen verliebt hat, dann ist das menschlich okay. Wenn aber Lügen ins Spiel kommen, führt das zusätzlich zu Selbstzweifeln", sagt Liebeskummerexpertin Silvia Fauck. Der Zurückgewiesene wird sich unweigerlich Vorwürfe machen: 'Wie blind war ich, dass ich nichts gemerkt habe? Welche Zeichen hätte ich sehen können?'

Liebe ist wie eine Droge

Und warum leiden wir so, wenn wir eine Trennung durchmachen? Dietrich Klusmann, Evolutionspsychologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, sagt: "Die menschliche Liebesbeziehung ähnelt einer Sucht. Es sind ähnliche Bereiche im Gehirn aktiv. Der geliebte Partner ist das Signal, das dieses System aktiviert und das Glücksgefühl auslöst. Und dieses Signal möchte man immer wieder haben."

Und wie bei einer Droge leiden wir unter Entzugserscheinungen. Was hilft, ist in beiden Fällen gleich: Kalter Entzug. Das heißt: Den Kontakt zur geliebten Person komplett abbrechen, Dinge, die einen an den Partner erinnern, wie Liebesbriefe und Urlaubsfotos, wegräumen. Die Devise: Ablenken, bis der Kummer und die Sehnsucht nach und nach schwächer werden.

Wichtig ist es, sich der Realität zu stellen. Wer sich permanent die schönen Momente vor Augen führt und dazu die gemeinsamen Lieblingssongs spielt, wird länger leiden, als jemand, der versucht, den Teufelskreis der Gedanken zu durchbrechen. "Abhaken, neu starten, auf sich selbst vertrauen, gute Eigenschaften an sich entdecken und pflegen und lernen, sich zunächst selbst genug zu sein", rät Dr. Frauke Höllering.

Was könnt ihr tun bei Liebeskummer?

"Sich selbst verwöhnen, mit Freunden ausgehen, sich etwas Schönes gönnen und die Zuneigung des Freundeskreises und der Familie genießen, als Beweis, dass man wertvoll ist und geschätzt wird. Der Kummer wird jeden Tag etwas nachlassen, bis man nicht mehr versteht, was man an diesem Mann mal so toll fand", sagt Expertin Dr. Frauke Höllering. Betroffene sollten sich Fristen setzen, bis wann sie trauern wollen und sich fragen: Was fehlt mir im Leben, und wie kann ich dafür sorgen, dass es mir wieder gut geht?

In den meisten Fällen können Betroffene ihren Liebeskummer alleine überwinden. "Wer nach Monaten immer noch Schwierigkeiten hat, seinen Alltag zu bewältigen, sollte jedoch ärztlichen Rat suchen und eventuell eine Gesprächstherapie beantragen", so Frauke Höllering. Die gute Nachricht ist: Egal, wie sehr wir unter dem Liebeskummer leiden: Irgendwann lässt der Schmerz nach. Früher oder später.

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