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Liebe & Psychologie

Freundschaft zwischen Mann und Frau: Kann das gutgehen?

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 2. Juni 2018
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Schon Harry und Sally haben im gleichnamigen Kultfilm gewusst: "Männer und Frauen können keine Freunde sein, der Sex kommt ihnen immer dazwischen." Aber ist eine Freundschaft zwischen Mann und Frau wirklich unmöglich? Das sagt die Expertin.

Die gute Nachricht zuerst: Freundschaft zwischen Mann und Frau ist möglich. Bei Umfragen gibt immerhin jeder Dritte an, dass sein oder ihr bester Freund dem anderen Geschlecht angehört. Der Idealfall, ganz klar: Wenn Frauen einen schwulen besten Freund haben. Das vereinfacht die Situation enorm. Ist der beste Freund jedoch hetero, gibt es oft Probleme. Das bestätigt auch Felicitas Heyne, Psychologin und erfolgreiche Buchautorin: "Eine Freundschaft zwischen Mann und Frau beinhaltet immer das Sprengpotenzial, dass sich einer der beiden ab einem gewissen Punkt doch mehr vom anderen wünscht als 'nur' Freundschaft."

Das passiert gar nicht so selten, wie eine Umfrage der amerikanischen Kommunikationsforscherin Heidi Reeder ergab. 28 Prozent der Befragten sagten, dass sie ihren besten Freund oder ihre beste Freundin durchaus körperlich anziehend finden und 14 Prozent hofften insgeheim, dass mehr daraus wird. Knapp 40 Prozent hatten zumindest zu Beginn der Freundschaft auch unplatonische Absichten.

Das Klischee: Der Sex funkt dazwischen

Ist also was dran an dem Klischee, dass es keine Freundschaft zwischen Mann und Frau geben kann, weil früher oder später der Sex dazwischenfunkt? "Immer natürlich nicht - aber oft", räumt Felicitas Heyne ein. "Wir sind von der Evolution her einfach darauf programmiert, einen uns sympathischen Menschen des anderen Geschlechts immer auch als potenziellen Fortpflanzungspartner wahrzunehmen und 'abzuchecken'."

​Die gute Nachricht: Es gibt sie trotzdem, die ganz unproblematische, rein platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau, die über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg funktioniert. Gerade der alte Sandkastenfreund hat gute Chancen, uns ein Leben lang freundschaftlich zu begleiten. Der Grund: Wenn erst einmal eine bestimmte Art an Vertrautheit und Intimität vorhanden ist, nimmt die Gefahr einer erotischen Anziehung ab - das ist ja auch das Problem in vielen langjährigen Beziehungen: Intimität und Vertrautheit killen die Erotik. Wir kriegen entweder das eine oder das andere.

Entscheidende Vorteile ...

Vor allem wir Frauen sind es scheinbar, die großen Wert auf die Freundschaft mit Männern legen. Einfach, weil sie anders ist als die Freundschaft unter Frauen. Felicitas Heyne erklärt die Vorteile: "Das hat viel damit zu tun, dass Freundschaften mit Männern (zumindest solange tatsächlich Einigkeit über deren platonischen Charakter besteht) oft unkomplizierter sind als Freundschaften mit Frauen. Männer sind in ihrer Kommunikation meist direkter als Frauen. Man kann davon ausgehen, dass sie sagen, was sie meinen und auch mal umgekehrt ein offenes Wort vertragen."

Und noch einen entscheidenden Vorteil hat es für Frauen, mit Männern befreundet zu sein. Die Freundschaft mit einem Mann eröffnet Frauen auch interessante neue (männliche) Sichtweisen auf viele Aspekte des Lebens (und Liebens). Im Idealfall kann man davon viel lernen. Auch Männer profitieren von einer Frau als Freundin. Zum Beispiel wenn sie Kummer haben, ihren männlichen Kumpels gegenüber aber niemals ihr Herz ausschütten würden. Da ist eine verständnisvolle Freundin Gold wert.

... und jede Menge Probleme

Aber es gibt auch etliche Dinge, die die Freundschaft zwischen Mann und Frau verkomplizieren. Denn natürlich muss man dem eigenen Partner gegenüber (falls vorhanden) erklären, warum es da noch einen anderen Mann im Leben gibt - wenn auch nur platonisch. Bei extrem eifersüchtigen Partnern ein recht aussichtsloses Unterfangen.

​Vor allem wenn der beste Freund Single ist und auf der Suche nach einer Frau. Dann herrscht auch schnell ein Ungleichgewicht in der Freundschaft. Ist einer Single, der andere aber in einer festen Partnerschaft, fühlt sich der vergebene Freund stärker verpflichtet, sich um den anderen zu kümmern, also ein bisschen 'Partnerersatz' zumindest in emotionaler Hinsicht zu spielen. Einfacher wird es, wenn der beste Freund ebenfalls vergeben ist. Das macht die Fronten klarer.

Variante Nummer drei: beide sind Single. Aber auch diese Konstellation ist problematisch. Denn wenn beide Freunde Single sind, sich aber eigentlich einen Partner wünschen, dann drängt sich häufig die Frage auf, warum man es nicht einfach mal miteinander versucht - und wenn das nicht einvernehmlich ist, sind die Probleme vorprogrammiert.

Sonderfälle: Freunde bleiben ...

Es gibt ein paar 'Sonderformen' der Freundschaft zwischen Mann und Frau, die definitiv für Ärger sorgen werden. Zum Beispiel, wenn aus einem Liebespaar Freunde werden sollen. Kaum ein Satz, der mehr Stirnrunzeln und Skepsis hervorruft als "Lass und Freunde bleiben".

Das sieht auch Felicitas Heyne eher kritisch: "Damit der Ex zum Freund werden kann, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Erstens muss die Trennung wirklich einvernehmlich gewesen sein und es dürfen nicht zu viele Verletzungen auf einer oder beiden Seiten zurückbleiben. Zweitens muss auf beiden Seiten ganz klar sein, dass es keinen Weg zurück gibt. Und drittens müssen eventuelle künftige neue Partner auf beiden Seiten die Beziehung tolerieren, ohne Ärger zu machen."

Das dürfte schwer machbar sein, wird ein bester Freund des anderen Geschlechts schon allein dann misstrauisch beäugt, wenn noch nie mehr als platonische Freundschaft bestanden hat. Da wird die Freundschaft mit dem Ex, mit dem früher mal mehr war, gleich doppelt zur Eifersuchtsquelle.

... und die Freundschaft plus

Ein weiterer Problemfall: Die sogenannte Freundschaft plus, bei der der Sex ab und zu dazwischenfunkt, man aber dennoch versucht, den Status der Freundschaft zu wahren. Kann dieses Modell eine echte Freundschaft sein oder macht man sich hier nur was vor? "In 95 Prozent der Fälle ist das eher ein Übergangs-Notnagel-Modell für Menschen, die gerade keinen festen Partner wollen oder finden."

In Studien gibt die Mehrheit der Befragten auch zu, dass sie sich langfristig von einer Freundschafts-Plus-Beziehung doch mehr erwarten. Vor allem Frauen sehen es insgeheim oft als eine Art 'Einstiegsmodell', das sich dann irgendwann zu einer normalen Beziehung weiterentwickelt.

​Kleiner Trost: Eine Liebesbeziehung, die aus einer Freundschaft heraus entsteht, muss nicht das Schlechteste sein, wie Expertin Felicitas Heyne sagt: "'Eine gute Ehe beruht auf dem Talent zur Freundschaft', hat Nietzsche mal geschrieben. Beziehungen, in denen die Partner den jeweils anderen auch als ihren besten Freund sehen, funktionieren meistens hervorragend." Wobei 'nur' bester Freund natürlich zu wenig ist, aber wenn dann noch die erotische Anziehung dazukommt, ist es quasi perfekt.

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