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Tabuthema Tod: Was passiert eigentlich, wenn man stirbt?

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 28. November 2018
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Der Tod ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. Dabei haben die meisten von uns sicherlich viele Fragen rund um den Tod - sei es, weil wir uns mit unserer eigenen Sterblichkeit beschäftigen oder weil Angehörige oder Freunde von uns krank oder alt sind. Und dann stellt sich eben die Frage: Was genau passiert, wenn wir sterben?

Gerade weil niemand gern darüber spricht, gibt es so viele unbeantwortete Fragen über ein Thema, das doch alle von uns angeht, früher oder später. Fragen wie: Was passiert mit uns in dem Moment, in dem wir sterben? Was fühlen wir? Ist es Angst oder Erlösung? Vielleicht ist es ein friedlicher Moment oder wir bekommen gar nicht so viel davon mit.

Natürlich kann niemand wirklich sagen, was mit unserer Seele passiert, wenn wir sterben. Treffen wir die, die schon verstorben sind wieder, steigt unsere Seele auf, wird sie wiedergeboren oder ist dann einfach Schluss? Dennoch gibt es ein paar Dinge über Tod und Sterben, über die man sich informieren kann. Denn es ist wichtig, über das Sterben und den Tod zu sprechen, um Ängste zu nehmen.

Eins ist eben auch klar: Jeder von uns wird eines Tages sterben. Es ist der Kreislauf des Lebens, dass Menschen geboren werden und andere sterben. Dennoch ist es in unserer Gesellschaft so, dass man das Thema Tod verdrängt.

Der Tod: In anderen Kulturen ein Fest des Wiedersehens

Es gibt Kulturen, wie in Mexiko, in denen der Tod ein ganz normaler Teil des Lebens ist. Hier begeht man auch den 'Día de Muertos', den Tag der Toten. Drei Tage lang wird gefeiert - und es ist in der Tat ein Fest und kein Trauertag. Die Mexikaner glauben daran, dass an diesem Tag die Toten zu den Lebenden kommen und sie gemeinsam ein Fest des Wiedersehens feiern. Dafür wird ein Altar (Ofrenda) aufgebaut, Pan de muerto, das Brot der Toten und Totenschädel aus Zucker mitgebracht und alles mit orangefarbenen Blumen geschmückt. Der Tod gehört hier zum Leben, ebenso wie die Geburt eines Menschen.

Bei uns ist das anders. Der Tod ist kaum Thema. Wir verdrängen den Gedanken an die eigene Sterblichkeit. Und so ist es dann ein unsagbarer Schock, wenn wir mit dem Sterben konfrontiert werden. Dabei wäre es wichtig, über den Tod zu reden und darüber, was mit uns und unserem Körper passiert, wenn das Herz aufhört zu schlagen.

Und auch wenn wir nicht wissen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, einen Himmel oder eine Möglichkeit der Wiedergeburt (je nachdem, welchem Glauben wir anhängen): Eins kann die Wissenschaft heute sehr wohl sagen: Was mit unserem Körper passiert, wenn wir aus dem Leben gehen. Auch das kann ein erster Schritt sein, sich mehr mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen und ihm seinen Schrecken zu nehmen.

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Sterben ist kein Moment, sondern ein Prozess

Gehen wir von einem natürlichen Tod aus durch Krankheit oder aufgrund des Alters, dann ist Sterben ein langsamer Prozess. In Filmen sieht es immer so plötzlich aus. Jemand liegt im Sterben, sagt noch einen letzten Satz, seufzt und sackt in sich zusammen. Dabei ist es eher so, wie der Palliativmediziner Gian-Domenico Borasio einmal gesagt hat: Eins ist sicher, nämlich dass wir Menschen nicht auf einmal sterben. Es ist vielmehr eine Phase. Der Körper stirbt nach und nach. 'Man liegt im Sterben' beschreibt das ganz gut.

In der Regel hört zuerst das Herz auf zu schlagen. Dann hört auch die Atmung auf und unser Bewusstsein schwindet, da unser Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Denn wenn das Herz nicht mehr das sauerstoffangereicherte Blut durch den Körper pumpt, ist es vor allem das Gehirn, das sehr schnell reagiert. Schon nach ein paar Sekunden sterben erste Gehirnzellen ab, nach etwa drei bis fünf Minuten ist es unwiederbringlich geschädigt und der Hirntod setzt ein.

Was passiert, wenn wir im Sterben liegen?

Liegt ein Mensch im Sterben, so fährt der Körper aufgrund der Entkräftung nach und nach die Funktionen herunter. Die Ausscheidungen des Körpers bleiben mehr und mehr aus, Nieren, Magen und Darm haben ihre Arbeit nach und nach eingestellt. Die Atmung wird flacher, der Mensch ist matt und ruhebedürftig. Oftmals hört sich die Atmung des Sterbenden rasselnd an. Das liegt daran, dass er nicht mehr richtig schlucken oder husten kann.

Zudem lässt sich die Nähe des Todes auch im Gesicht eines Menschen ablesen. Kurz bevor er stirbt, sieht er extrem blass aus, Augen und Wangen wirken eingesunken, es entsteht eine Art Todesdreieck im Gesicht des Sterbenden. Hände und Füße sind kalt, die Nägel leicht bläulich. An der Unterseite der Beine lagert sich Blut ab, das nicht mehr gut genug durch den Körper gepumpt werden kann. Es kommt zu den typischen Flecken.

Rückzug in eine eigene Welt

Auch das Verhalten zeigt, dass ein Mensch mit seinem Leben abgeschlossen hat. Er zieht sich meist mehr und mehr zurück und scheint wie in seiner eigenen Welt. Essen und Trinken werden eingestellt. Den Sterbenden jetzt dazu drängen, etwas zu sich zu nehmen, wäre falsch, sondern man sollte seinem Wunsch folgen und ihm keine Nahrung oder Flüssigkeit (oder gar künstliche Ernährung) mehr aufdrängen. Der Sterbende leidet deshalb nicht, er hat gar kein Hunger und Durstgefühl mehr.

Und das macht der Körper auch gut so. Denn die leichte Dehydrierung des Körpers sorgt jetzt dafür, dass das Gehirn vermehrt Botenstoffe ausschüttet, die beruhigen und Schmerzen lindern, sozusagen körpereigene Opium-Stoffe (endogene Opiate).

In dieser Phase ist es besonders wichtig, dass die Umwelt Rücksicht nimmt. Dem Sterbenden Ruhe und Geborgenheit vermittelt, durch sanftes Reden, Berührungen und vor allem Ruhe. Sein Wunsch sollte jetzt über allen persönlichen Wünschen und Befindlichkeiten der Angehörigen stehen.

Was besagen Nahtod-Erfahrungen über den Moment des Todes?

Es gibt immer wieder Berichte, dass Menschen, die Nahtoderfahrungen gemacht haben, von einem Licht berichten, das sie im Moment des Sterbens gesehen haben und davon, dass sie über dem Geschehen, außerhalb ihres Körpers schwebten. Hierfür hat die Wissenschaft Erklärungen, die diese Berichte zum Teil entzaubern. Es gibt jedoch auch immer wieder Dinge, die die Wissenschaft nicht erklären kann. Deshalb glaubt das, was ihr möchtet und was euch Kraft gibt. Das ist das Wichtigste.

Wer dennoch wissen möchte, wie die Wissenschaft die Nahtoderfahrungen für sich erklärt, mag weiter lesen:
Eine Theorie besagt, dass durch die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff die Illusion entsteht, wir wären außerhalb unseres Körpers. Das liegt daran, dass im Scheitellappen des Gehirns unser räumliches Verständnis angesiedelt ist. Es sorgt dafür, dass wir uns und unseren Körper als eins verorten. Leidet das Hirn unter Sauerstoffmangel, hat der Sterbende plötzlich das Gefühl außerhalb seines Körpers zu schweben, weil dieser Bereich des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet wird und das räumliche Verständnis durcheinander gerät.

Und das Licht im Dunklen, das viele im Moment des Todes gesehen haben wollen? Auch hier geht es, glaubt man der Wissenschaft, um eine Illusion. Denn die Sehzellen senden ein Fehlsignal, das das Gehirn als weißen Fleck deutet. Als Licht am Ende des Tunnels. Und das Leben, das an uns im Moment des Sterbens vorbeizieht, soll gleichfalls neurologisch erklärt werden können. So sagen Ärzte, dass, wenn die Großhirnrinde, in der unser Gedächtnis, Gehör und Sprachzentrum liegt, abstirbt, eine Halluzination entsteht.

Zugegeben: Diese Erklärungen von Medizinern desillusionieren ganz schön. Aber natürlich sucht die Wissenschaft Antworten auf diese Phänomene. Gleichwohl gibt es Nahtoderfahrungen, die unerklärlich bleiben, auf die kein Wissenschaftler eine Antwort hat.

Und: Was genau wir im Moment des Todes spüren und erfahren werden, das weiß letztlich niemand. Aber die Nahtoderfahrungsberichte, die von einem hellen Licht berichten, von einer Bilderreise durch das vergangene Leben und von dem Gefühl zu Schweben klingen tröstlich, egal, ob uns unsere Sinne einen Streich spielen oder es eine übernatürliche Erklärung gibt.

Hirntod, klinisch und biologischer Tod: Die wichtigsten Begriffe

-> Klinisch tot bedeut den Kreislaufstillstand des Körpers. Also wenn das Herz aufgehört hat zu schlagen, der Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird und die Sinne ausfallen. Ist das Gehirn aufgrund des Sauerstoffmangels geschädigt, folgt der Hirntod.

-> Hirntod: Aus rein medizinischer Sicht, ist heute der Hirntod eines Menschen das einzig legale Kriterium für den Tod. Ging man in früherer Zeit davon aus, dass ein Mensch tot ist, wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Atmung stoppt, so ist das heute aufgrund der intensivmedizinischen Möglichkeiten anders. Erst wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander bestätigen, dass die Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms zum Erliegen gekommen ist, und keine Hirnaktivität mehr messbar ist, dann wird ein Mensch für tot erklärt.

-> Biologisch tot: Durch die fehlende Sauerstoffversorgung kommen danach auch die Organe zum erliegen. Lunge, Leber, Niere und Magen sterben ab. Sind alle Organ- und Zellfunktionen erloschen, ist man biologisch tot.

Weitere Bücher zum Thema Sterben:

Wer sich weiter mit dem Thema Tod und Sterben befassen möchte, hier ein paar Buchtipps:

Buchtipp: Alexander Krützfeldt: Letzte Wünsche: Was Sterbende hoffen, vermissen, bereuen – und was uns das über das Leben verrät, Rowohlt Book, broschiert, ca. 16,90 Euro. Jetzt hier auf Amazon ansehen.​

-> Der Journalist Alexander Krützfeldt geht in seinem Buch der Frage nach, was Sterbende bewegt, was sie hoffen, vermissen, bereuen. Ein Buch, das von letzten Wünsche erzählt und damit viel darüber verrät, was wir für uns und andere zu Lebzeiten tun können und was im Leben wirklich wichtig ist.

Buchtipp: Angela Fournes: Den Tod muss man leben: Eine Bestatterin hilft: denen, die gehen, und denen, die bleiben, Ludwig, gebunden, ca. 20 Euro. Jetzt hier auf Amazon ansehen.

-> Angela Fournes war 13, als ihr Vater starb, sieben Jahre später begleitete sie ihre sterbende Mutter in der Schweiz auf ihrem letzten Weg. Heute ist sie Sterbebegleiterin und Bestatterin und ihr Bestreben ist, Menschen die Angst vor dem Thema Tod zu nehmen, indem man natürlich mit dem Thema umgeht, darüber spricht, dem Tod einen Raum im Leben gibt. Sie weiß, dass in anderen Kulturen viel natürlicher mit dem Sterben umgegangen wird, denn sie hat einen Teil ihrer Kindheit in Mexiko verbracht. Hier sind Beerdigungen keine Trauerfeiern, sondern Lebens- und Abschiedsfeiern. Und es gibt den 'Día de Muertos', der gefeiert wird, weil es der Tag ist, an dem die Verstorbenen für ein großes Fest zurück zu den Lebenden kommen. Mit diesem Wissen hat sie auch das 'Café Tod' in Berlin mit initiiert, in dem genau das Thema ist: Der Tod.

Buchtipp: Was tun, wenn jemand stirbt?: Ein Ratgeber in Bestattungsfragen von der Verbraucherzentrale, 14,90 Euro. Jetzt hier auf Amazon ansehen oder direkt hier bei der Verbraucherzentrale anfordern.

-> Wenn ein naher Mensch stirbt, ist man in einer kompletten emotionalen Ausnahmesituation. Gleichzeitig gibt es unfassbar viele Dinge, die man genau in diesem Moment regeln und entscheiden muss. Neben Formalitäten gilt es die Trauerfeier und die Beerdigung zu organisieren. Und auch danach gibt es unendlich viel Papierkram, den es zu bewältigen gibt. Da in dieser Zeit niemand wirklich klar denken mag, gibt es diesen hilfreichen Ratgeber der Verbraucherzentrale, der einem Hilft, in dieser schweren Zeit den Überblick zu behalten.

Infos findest du auch hier auf dem Gesundheitsportal onmeda: Sterbeprozess, wenn das Leben zu Ende geht

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