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Totgeburt: Ursachen, Symptome und Hilfe für betroffene Eltern

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 2. Juni 2018
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Vier von 1.000 Schwangerschaften enden in Deutschland mit einer Fehl- oder Totgeburt. Was das genau bedeutet, wo Eltern Hilfe finden und was man noch dazu wissen sollte, sagen wir euch hier.

Wenn ein Kind stirbt, noch bevor es geboren wurde, ist das eine unvorstellbar schreckliche Erfahrung für die Eltern. Aber was tut man, wenn jemand stirbt, den es offiziell noch nicht gegeben hat? Kaum jemand spricht über das Thema Totgeburt und Fehlgeburt, als könne man es damit ungeschehen machen. Dabei benötigen vor allem Eltern der so genannten 'Sternenkinder' viel Hilfe und Unterstützung.

Um euch einen ersten Überblick zu dem Thema zu geben, klären wir die wichtigsten Fragen zum Thema Totgeburt.

Was genau ist eine Totgeburt?

Von einer Totgeburt sprechen Ärzte, wenn ein mindestens 500 Gramm schweres Kind nach seiner Geburt keinerlei Lebenszeichen hat, also weder das Herz schlägt, noch die Nabelschnur pulsiert oder die Atmung einsetzt. Wie fortgeschritten die Schwangerschaft ist, ist dabei nicht zu berücksichtigen. Wiegt ein Kind weniger als 500 Gramm sprechen Ärzte von einer Fehlgeburt.

Was sind Ursachen für eine Totgeburt?

Für eine Totgeburt kann es verschiedene Ursachen geben, beispielsweise

  • eine Unterversorgung des Babys durch eine Plazentastörung oder einen Knoten in der Nabelschnur,
  • durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff,
  • durch eine Infektion oder
  • durch eine Fehlbildung des Kindes.

Nicht immer ist ersichtlich, was zum Tod des Kindes geführt hat.

Für manche Eltern kann es deshalb hilfreich sein, ihr Kind obduzieren zu lassen. Diese Möglichkeit besteht immer und die Eltern allein entscheiden, ob sie sie in Anspruch nehmen wollen. Denn der Gedanke, dass man Schuld am Tod des Kindes sein könnte, beschäftigt viele Eltern von Sternenkindern. Um diesen Gedanken im Keim zu ersticken, kann eine medizinische Einschätzung dessen, was zum Tod des Kindes geführt hat, Aufklärung bringen und Schuldgedanken vertreiben.

Manchmal stehen Eltern vor der schwierigen Entscheidung, über das Schicksal ihres ungeborenen Kindes entscheiden zu müssen. Oft ist das der Fall, wenn Ärzte eine gravierende Fehlbildung diagnostizieren und das Kind außerhalb des Mutterleibs nicht oder nur für wenige Stunden überlebensfähig wäre. Entscheiden sich die Eltern dafür, die Schwangerschaft nicht fortzusetzen, wird der Tod des ungeborenen Kindes durch einen medizinischen Eingriff herbeigeführt.

Gibt es Symptome für eine Totgeburt?

Um die Gesundheit von Mutter und Kind während der Schwangerschaft gewährleisten zu können, sollten Schwangere alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Leider kann es trotz der regelmäßigen Termine passieren, dass ein Kind im Mutterleib stirbt. Symptome, die darauf hindeuten, dass das Leben des Kindes in Gefahr ist können sein:

  • fehlende Bewegungen des Kindes über einen langen Zeitraum
  • Blutungen
  • starke Schmerzen im Unterbauch bzw. im unteren Rücken​

​Schwangere Frauen sollten bei diesen Anzeichen unmittelbar zum Arzt gehen. Dieser stellt mittels einer Ultraschalluntersuchung fest, ob das Herz des Kindes noch schlägt. Sollte kein Herzschlag festgestellt werden können und auch der Blutstrom der Nabelschnur erlegen sein, ist das Kind im Mutterleib gestorben.

Wie geht eine stille Geburt vonstatten?

Stellt der Arzt den Tod des Kindes fest, bzw. wurde sein Tod mittels eines medizinischen Eingriffs herbeigeführt, wird es in der Regel trotzdem auf natürlichem Weg geboren. Die Totgeburt, auch stille Geburt genannt, kann mit Hilfe von Medikamenten eingeleitet werden. Ärzte und auch Hebammen raten Eltern von Sternenkindern jedoch dazu, das natürliche Einsetzen der Wehen abzuwarten, wenn das Kind nicht unter einer Infektion litt und keine gesundheitliche Gefahr für die Mutter besteht.

Es ist nicht zwangsläufig erforderlich, dass das Kind in einem Krankenhaus geboren wird. Steht der Mutter eine Hebamme zur Seite und bestehen keine gesundheitlichen Risiken, kann sie ihr totes Kind auch zu Hause oder in einem Geburtshaus auf die Welt bringen.

Das Warten auf das natürliche Einsetzen der Wehen hat vor allem psychologische Gründe. Es gibt den Eltern des Sternenkindes Zeit, sich mit dem Tod ihres Kindes auseinanderzusetzen. Es dauert eine Weile, bis Eltern ihren Verlust akzeptieren können. Diese Zeit, so sagen Ärzte, sollten sie bekommen, um auch richtig von ihrem Kind Abschied nehmen zu können.

Warum wird eine Totgeburt natürlich geboren?

Der erste Gedanke vieler Frauen, die erfahren müssen, dass ihr Kind in ihrem Bauch verstorben ist, ist der, das Kind so schnell wie möglich mittels eines Kaiserschnitts, am besten unter Vollnarkose, aus ihnen heraus zu holen. Der Gedanke an eine natürliche Geburt scheint ihnen abwegig und grausam.

Ärzte und Hebammen leisten deshalb erste Trauerarbeit und erklären den Eltern, dass es wichtig ist, das Kind auf natürlichem Weg zu bekommen. Die Geburt selbst ist ein Schritt der Trauerbewältigung. Denn mit der Geburt werden verschiedene Hormone freigesetzt, die der Mutter dabei helfen können, Abschied zu nehmen. Experten sind überzeugt, dass Frauen eine Totgeburt mit Hilfe einer natürlichen Geburt psychisch und physisch besser verarbeiten können. Eine natürlich Geburt ist auch deshalb besser für die Mutter, weil mit einem Kaiserschnitt zu der Trauer und der emotionalen Belastung auch körperliche Schmerzen der Narbe hinzu kämen.

Nach der Geburt, auch nach der eines toten Kindes, produziert der Körper der Frau Muttermilch. Das kann medikamentös unterbunden werden. Die Frauen können sich aber auch dafür entscheiden, auf natürliche Weise abzustillen. Auch das kann Teil der Trauerarbeit sein.

Was passiert mit einem toten Baby nach der Geburt?

Bis in die 80er Jahre war es üblich, das Kind unmittelbar nach der Geburt aus der Nähe der Eltern zu entfernen. Totgeburten waren tabuisiert und Mütter durften ihre Kinder nach der Geburt nicht sehen. Auch ein Eintrag ins Familienbuch war nicht möglich.

Heute können Eltern selbst entscheiden, ob sie ihr Kind sehen, halten und anfassen wollen. Für viele Sternenkind-Eltern ist genau das wichtig, um sich zu verabschieden. Sie haben die Möglichkeit, ihr Kind anzuziehen, Fotos zu machen und letzte gemeinsame Erinnerungen zu sammeln. Auch Fuß- und Handabdrücke des Babys sind auf Wunsch der Eltern möglich.

Viele Kliniken haben für Eltern, deren Kind eine Totgeburt ist, einen extra Raum, in welchem sie ausreichend Zeit bekommen, Abschied zu nehmen. Wenn es bereits Geschwisterkinder gibt, kann es der ganzen Familie helfen, wenn auch sie die Möglichkeit bekommen, sich zu verabschieden.

Sind die Eltern bereit, übernimmt ein Bestattungsinstitut den Transport des Kindes.

Gesetzliches zur Totgeburt

Das Gesetz schreibt es vor, dass eine Totgeburt bis spätestens drei Tage nach der Geburt beim Standesamt gemeldet wird. Die Eltern erhalten daraufhin eine Geburtsurkunde, wenn sie wünschen mit dem Namen des Kindes, mit einem Sterbevermerk. Tot geborene Kinder über 500 Gramm müssen nach deutschem Recht bestattet werden. Kinder, die weniger wiegen, können bestattet werden.

Der Mutter steht auch nach einer Totgeburt Mutterschutz zu. Auch Mütter von Sternenkindern haben das Recht auf mindestens acht Wochen Mutterschutz nach der Entbindung. Handelt es sich zusätzlich um eine Frühgeburt, verlängert sich der Mutterschutz auf 12 Wochen. Zusätzlich dazu hat die Mutter Anspruch auf den noch nicht genommenen Mutterschutz vor der Geburt (maximal 6 Wochen). Der Mutterschutz nach einer Totgeburt beträgt also maximal 18 Wochen. Wenn eine Frau gern vor Ablauf der Mutterschutzfrist arbeiten möchte und aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, darf sie bereits drei Wochen nach der Geburt wieder ihren Beruf aufnehmen.

Wo findet man Hilfe nach einer Totgeburt?

Frauen und Männer gehen nach einer Totgeburt oft sehr unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Wichtig für beide ist aber, dass ihr Umfeld das Thema nicht meidet und ihnen so gut es geht zur Seite steht. Sei es auch nur, dass Verwandte, Bekannte und Freunde darüber informiert werden müssen, was passiert ist.

Die Hebamme, auf die jede Frau nach einer Geburt Anrecht hat, hilft ihr vor allem im Wochenbett. Sie steht mit Antworten und Erfahrung zur Seite und kann zudem wertvolle Tipps geben, zur Rückbildung beispielsweise, mit der auch Frauen sich beschäftigen müssen, deren Kind bereits vor oder bei der Geburt gestorben ist. Denn Frauen, die eine Totgeburt erleben mussten, sollten nicht an einem 'normalen' Rückbildungskurs teilnehmen. Es gibt private Rückbildungskurse, für Frauen, die das gleiche erlebt haben. Auch der Austausch mit ihnen kann vor allem der Mutter helfen.

Professionelle Hilfe von Beratungsstellen, Seelsorgern und Psychologen stehen betroffenen Eltern ebenfalls zur Verfügung. So vermittelt beispielsweise der 'Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.' Helfer und Ansprechpartner in der Nähe, bietet die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen und informiert über Wege, mit der Trauer umzugehen.

Ab wann kann man nach einer Totgeburt wieder schwanger werden?

Ärzte raten dazu, nach einer Schwangerschaft mindestens ein halbes Jahr zu warten, bevor man erneut schwanger wird, denn der Körper muss sich erst von allen Strapazen erholen können. Doch diese Empfehlung bezieht sich auf die rein körperliche Verfassung.

Für Eltern, deren Kind eine Totgeburt war, ist die körperliche Verfassung jedoch zweitrangig. Für sie ist wichtig, dass sie sich voll und ganz bereit fühlen für einen neuen Versuch. Mit einer erneuten Schwangerschaft geht für viele auch die Angst einher, dass ihnen dasselbe noch einmal zustoßen könnte und auch ihr neues Kind sterben könnte. Doch es ist wichtig, dass Eltern sich davon lösen und der erneuten Schwangerschaft positiv gegenüberstehen.

Wann sich Eltern einer Totgeburt also bereit für eine neue Schwangerschaft fühlen ist ganz individuell. Sie sollten sich dafür so viel Zeit nehmen, wie sie brauchen.

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