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Wein-Mythen aufgedeckt: Das sind die 5 größten Irrtümer

von Nicole Molitor Erstellt am 27. August 2020
Wein-Mythen aufgedeckt: Das sind die 5 größten Irrtümer© unsplash.com

Wir schenken euch reinen Wein ein und entlarven die fünf größten Wein-Mythen, die sich nach wie vor hartnäckig halten.

Video von Justin Amaral

Wenn schon mit Weinwissen angeben, dann aber bitte richtig! Damit ihr nicht in die Falle tappt und einfach nachplappert, was ihr irgendwann mal von irgendwem gehört habt, bringen wir Licht ins Dunkel und klären die fünf größten Wein-Mythen.

So viel vorweg: Viele Wein-Mythen, die heute falsch sind, stimmten früher tatsächlich mal. Aber mit der Zeit und durch neue Studien wurden manche Wein-Theorien entkräftet und schließlich verworfen.

Zugleich wurden viele Doktrinen aufgeweicht. Was einst verpönt war, ist nun erlaubt. Beispielsweise darf man inzwischen sehr wohl roten Wein zu hellem Fleisch essen und Weißwein zu rotem Fleisch kredenzen – Hauptsache, es schmeckt.

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Na schön. Ihr haltet euch für Weinkenner? Dann leset und staunet!

1. Wein-Mythos: Rotwein bei Zimmertemperatur trinken

Vor über hundert Jahren mag das der Fall gewesen sein. Da waren die Zimmer allerdings noch unbeheizt. Unser Verständnis von "Raumtemperatur" hat sich seitdem gewandelt. Wenn wir heute Rotwein bei Zimmertemperatur trinken würden, wäre der Wein im Durchschnitt 20–23 Grad warm. Optimal ist bei Rotwein jedoch eine Trinktemperatur von 12–18 Grad.

Fun Fact: Je schwerer und reifer der Rotwein, desto wärmer darf er sein. Der Grund: Tanninreiche Weine (mit vielen Gerbstoffen) schmecken gekühlt zu bitter. Durch höhere Temperaturen kommt die Süße besser zum Vorschein. Ist der Wein jedoch zu warm, schmeckt man den Alkohol zu stark heraus.

Tipp: Weißwein gehört umgekehrt in den Kühlschrank, weil die Kälte das Säureempfinden dämpft. Die Trinktemperatur liegt zwischen 8–14 Grad. Je lieblicher der Weißwein, desto wärmer darf er sein.

Im Video: Geniale Geschenk-Ideen für Weinfans

Video von Jutta Eliks

2. Wein-Mythos: Rotwein muss atmen

Es stimmt zwar, dass das Aroma von Rotwein durch den Kontakt mit Sauerstoff stärker wird. Dafür reicht es jedoch nicht, einfach die Flasche vor dem Trinken offen stehen zu lassen. Für eine ordentliche Belüftung sollte der Wein dekantiert, also in eine Karaffe mit großer Öffnung, umgefüllt werden.

Bei jungen Weinen ist das kein Problem. Doch ältere Weine können durch das Umschütten buchstäblich brechen. Zudem wird ein schlechter Wein auch dann nicht automatisch zu einem guten Wein, wenn man ihn atmen lässt.

Tipp: Billigen Rotwein könnt ihr guten Gewissens hyperdekantieren, indem ihr ihn im Mixer mit reichlich Luft reagieren lasst und so mehr aus ihm herausholt.

Lesestoff: Rotweinflecken entfernen: So klappt's!

3. Wein-Mythos: Wein auf Bier vs. Bier auf Wein

Wie war das noch gleich? Bier auf Wein, lass das sein – Wein auf Bier, das rat ich dir? Den Quatsch könnt ihr aus eurem Gedächtnis streichen. Denn die Reihenfolge, mit der ihr eure alkoholischen Getränke zu euch nehmt, ändert nichts an der Stärke der Kopfschmerzen, die euch am nächsten Tag erwarten.

Der Spruch stammt vielmehr aus alten Tagen, wo das Ansehen von Wein besser als das von Bier war. Bier im Anschluss an ein kultiviertes Glas Wein zu trinken, wäre ein sozialer Rückschritt. Ein steiler Aufstieg und damit ratsam war umgekehrt der Wechsel von billigem Bier zu edlem Wein.

Tipp: Einen Kater vermeidet ihr, wenn ihr gar nicht erst den Alkohol durcheinander trinkt und zwischendurch immer mal ein Glas Wasser zu euch nehmt.

Auch lesen: Katerfrühstück: Das sind die besten Anti-Kater-Rezepte.

4. Wein-Mythos: Qualitätsweine haben einen Korken

Zum Glück nur ein Gerücht! Der Verschluss eines Weines sagt nichts über seine Qualität aus. Das gilt ebenfalls für die Tiefe der Einbuchtung am Flaschenboden, die manchmal als besonderes Gütezeichen gedeutet wird, faktisch aber nur als Griffmulde dient.

In Wahrheit sind Drehverschlüsse sogar besser als Korken. Sie sind praktischer, günstiger in der Herstellung, zuverlässiger beim Abdichten und obendrein hygienischer. Es stimmt zwar, dass Wein in Flaschen mit Weinkorken besser "atmen" kann und schneller reift als mit einem Schraubverschluss – wer den Wein aber nicht länger als fünf Jahre stehen lassen will, kann darauf pfeifen.

Fun Fact: Es ist übrigens ein Irrtum, dass nur Wein mit Korkverschluss "korken" kann. Der korkige Geschmack stammt womöglich auch von dem chemischen Stoff Tribromanisol (TBA), der bei der Produktion in Kontakt mit dem Wein kommen kann, und ähnliche Aromaveränderungen bewirkt wie der vom Korken abgehende Stoff 2,4,6-Trichloranisol (TCA).

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5. Wein-Mythos: Wein wird mit dem Alter besser

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. So auch über die Annahme, dass Rotwein mit zunehmendem Alter immer besser wird. Es kommt nämlich drauf an, was ihr persönlich bevorzugt: einen fruchtigen jungen Wein oder eben einen vollreifen alten Wein.

Von einer längeren Lagerung als 3–5 Jahre raten auch die Weinexperten ab. Denn dann steigt das Risiko, dass sich eine Essignote herausbildet, die den Wein ungenießbar macht. Grundsätzlich gilt: Je höher der Gehalt an Tanninen, Zucker und Säuren, umso länger darf der Wein gelagert werden.

Fun Fact: Dass Rotweine gemeinhin länger haltbar wären als Weißweine, ist ebenfalls ein Mythos. Sehr süße Weißweine wie Eiswein oder ein komplexer Riesling lassen sich sogar mehrere Jahrzehnte lagern.

Tipp: Der Preis tut zwar nichts zur Sache, wenn es um subjektiv leckeren Wein geht. Allgemein kann man jedoch sagen, dass günstige Weine sich nicht so lange lagern lassen wie teure Weine.

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