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Die Fehlgeburt

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 10. Juni 2010

Noch heute erleiden 15 bis 20% der Frauen im Lauf ihres Lebens eine Fehlgeburt: Eine äußerst schmerzliche Erfahrung für eine werdende Mutter ... Was sind die Anzeichen und Ursachen einer Fehlgeburt (medizinisch: Abort)? Kann man sie vermeiden? Und wie geht es nach einem Spontanabort weiter? Wir klären Sie auf!

Was passiert?
Die Fehlgeburt tritt meist im frühen Schwangerschaftsstadium ein: Der Schwangerschaftstest, der bisher ein positives Ergebnis angezeigt hat, ist auf einmal negativ, einige Tage später wird das Ei unter schmerzlichen Blutungen ausgestoßen.

Die Anzeichen einer Fehlgeburt
Die ersten Symptome einer Fehlgeburt können in Form von Blutungen oder Schmerzen auftreten: Krämpfe, Erbrechen, Regelschmerzen...
Achtung, nicht jede Blutung weist auf eine Fehlgeburt hin, daher muss sie unbedingt von einem Arzt untersucht werden. Ein leichter, unregelmäßiger Blutverlust kann normal sein (und von der Gebärmutter oder der zukünftigen Plazenta kommen, z.B. bei der Einnistungsblutung). Stärkere oder regelmäßigere Blutungen mit Klümpchen kündigen dagegen oft eine bevorstehende Fehlgeburt an. Manchmal weisen auch die verschwundenen Schwangerschaftssymptome auf einen Abort hin (die Brüste schwellen ab, die Übelkeit hört auf).

Was muss man bei einer Fehlgeburt tun?
Gehen Sie zu Ihrem Arzt, um sich einer Ultraschalluntersuchung zu unterziehen.
- Eine spontane und vollständige Ausstoßung (Abortus completus) erfordert keinen medizinischen Eingriff.
- Bei einer unvollständigen Ausstoßung (Abortus incompletus) wird eine Prostaglandin-Tablette (ein Hormon, das bei einem natürlichen Schwangerschafts-verlauf am Ende der Schwangerschaft die Geburt auslöst) verabreicht um künstliche Kontraktionen einzuleiten und die Gewebereste zu entfernen. Bei Bedarf kann der Arzt die Absaugmethode einsetzen: Ein kleines Röhrchen wird an eine Pumpe angeschlossen um den Uterus zu entleeren. Der Arzt kann auch eine sog. Kürretage (oder "Abrasio") durchführen, bei der die Gebärmutterschleimhaut ausgeschabt wird. Dieser Eingriff findet unter Vollnarkose statt und erfordert anschließend meistens einen kurzen stationären Aufenthalt.

- Einer Fehlgeburt im Spätstadium muss aufgrund eines erhöhten Blutungsrisikos im Krankenhaus behandelt werden. Das Ausstoßen des Fötus wird unter Periduralanästhesie oder unter Vollnarkose vorgenommen. Sobald die Gewebereste aus der Gebärmutter entfernt worden sind beginnt ein neuer Zyklus.

Die Risiken einer Fehlgeburt
Bei den meisten Fehlgeburten bleibt die Ursache ungeklärt, da generell eine komplizierte Verkettung biologischer, infektiöser und psychologischer Umstände den Abort auslöst. Oft werden Müdigkeit oder Stress als Auslöser genannt, doch die Auswirkungen dieser Faktoren konnten nie nachgewiesen werden.

- Fehlgeburt im Frühstadium (Frühabort)
In den ersten zweieinhalb Schwangerschaftsmonaten eintretende Fehlgeburten werden im Allgemeinen durch eine Fehlentwicklung des Eis ausgelöst: Anlagestörungen (z.B. Windei) oder Chromosomanomalien im Erbgut des ungeborenen Kindes führen zur natürlichen Ausstoßung des nicht lebensfähigen Eis. 50% der Fehlgeburten ereignen sich in den ersten 6 Schwangerschaftswochen. Diese Fehlentwicklungen sind rein zufallsbedingt.

- Fehlgeburt im Spätstadium (Spätabort)
Bei einem Abort nach den ersten zweieinhalb Schwangerschaftsmonaten spricht man von einer Fehlgeburt im Spätstadium. Im Gegensatz zu Frühaborten sind Fehlgeburten im Spätstadium weniger auf genetische als auf "äußere" Ursachen zurückzuführen:
- Schwäche des Gebärmutterhalses: Der Gebärmutterhals, der die Gebärmutter nach unten hin abschließt, bleibt offen und erweitert sich bei jeder Kontraktion, obwohl er eigentlich kräftig und geschlossen bleiben muss. (Der Gebärmutterhals muss in diesen Fällen eingeengt werden damit die nächste Schwangerschaft erfolgreich zu Ende gebracht werden kann).
- Bakterielle Infektionskrankheiten wie die Listeriose (die durch einen Keim entsteht, der in unpasteurisierten Rohmilchkäsesorten vorkommt).
- Fehlbildungen der Gebärmutter (ein zu kleiner, doppelter oder abgetrennter Uterus).
- Weitere Faktoren, die das Fehlgeburtsrisiko leicht erhöhen: Alter, Rauchen oder "eingreifende“ Testmaßnahmen wie die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese).

Nach einer Fehlgeburt
Es fällt uns heute vielleicht noch schwerer Fehlgeburten zu akzeptieren als früher, weil wir in Anbetracht der zunehmenden technischen Fortschritte die Illusion haben, das Leben beherrschen zu können. Auch die Tatsache, dass das Leben in einem immer früheren Stadium nachgewiesen werden kann, unterstützt diesen Eindruck.
Wie jeder menschliche Verlust bringt auch eine Fehlgeburt immer ein Bedürfnis nach Trauer mit sich. Zusätzlich zu diesem Schmerz quält die Frauen nach einem Abort oft auch ein starkes Schuldgefühl, weil sie es nicht geschafft haben, ihr Kind bis zur Geburt auszutragen. Um diese schmerzvolle Erfahrung besser zu verarbeiten kann psychologische Hilfe in Anspruch genommen werden. Oft genügt schon eine einzige Sitzung.
Auf alle Fälle ist es für die "Mutter" in dieser Phase extrem wichtig von ihrem sozialen Umfeld (Freunde, Familie,...) unterstützt zu werden.

Gut zu wissen
- Aus medizinischer Sicht ist eine Fehlgeburt ein relativ häufiges Ereignis, das den Erfolg künftiger Schwangerschaften nur in sehr seltenen Fällen gefährdet.

- Man spricht erst ab drei (im späten Stadium manchmal auch schon ab zwei) Fehlgeburten von einem sogenannten “habituellen Abort“. Der Arzt führt dann zahlreiche Untersuchungen durch, um eine eventuelle Anomalie zu diagnostizieren und eine geeignete Behandlung zu finden.

Lesen Sie auch auf goFeminin.de:
> Wie Sie die Fehlgeburt verarbeiten

von Linda Chevreuil

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