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Kefir, Kombucha, Kokoswasser: Was taugen Superdrinks wirklich?

von Madlen Wehran Erstellt am 13. Juli 2021
Kefir, Kombucha, Kokoswasser: Was taugen Superdrinks wirklich?© Getty Images

Gemüsesäfte und Fruchtwasser liegen stark im Trend. Wir haben uns bei Ernährungsexperten umgehört und können euch nun erklären, worauf es ankommt.

Habt ihr es auch schon bemerkt? Die Getränkeregale der Biomärkte sind voll von Wellnessdrinks. Neben den beliebten Fruchtsäften sind auch Gemüsesäfte immer gefragter. Und genauso die fermentierten Getränke mit den sonderbaren Bezeichnungen wie Kefir oder Kombucha.

Das hat seinen Grund: Denn das Getränkeangebot richtet sich nach der Nachfrage. Und diese nimmt laufend zu. Gute Ernährung wird heute immer mehr zum Thema, gesunde Lebensmittel sind in. Und tatsächlich sollen Kombucha, Kefir und Co. richtig gut für den Körper sein.

Sie werden als funktionelle Getränke oder Superdrinks bezeichnet. Denn sie löschen nicht nur den Durst, sie haben auch eine gesundheitsfördernde Wirkung. Aber stimmt das denn wirklich? Oder sind diese Bezeichnungen etwa nur ein Marketingtrick?

Wie bei allen Lebensmitteln müssen wir bei den viel gepriesenen Wellnessgetränken einen Unterschied machen zwischen dem, was die Hersteller versprechen und den tatsächlichen Vorteilen für unsere Gesundheit.

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Gemüsesäfte: echte Vitaminbomben

Neben den klassischen Tomaten- oder Karottensäften stehen heute der trendige Rote-Bete-Saft und viele Gemüsecocktails in den Supermarktregalen. In Bioläden ist die Angebotspalette noch viel breiter. Da könnt ihr zum Beispiel Sellerie-, Grünkohl- oder Sauerkrautsaft finden.

Die Stärken von Gemüsesäften

Mit Gemüsesäften werden viele Vitamine aufgenommen. Vor allem Vitamin C ist besonders wichtig. Es ist beispielsweise in roter Paprika, in Kohl oder in Spinat enthalten. Vitamin C stärkt nicht nur unser Immunsystem. Es wirkt außerdem positiv auf die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Mit einer gesunden Dosis an Antioxidantien kann Gemüse aber auch der Zelloxidation und Entzündungen vorbeugen. Außerdem enthalten Gemüsesäfte kaum Ballaststoffe. Damit haben sie den Vorteil, dass unser Körper sie schnell wieder abbauen kann.

Manches Gemüse entwickelt bei der Fermentation Milchsäuren. Diese lactofermentierten Gemüsesäfte sind besonders wertvoll. Denn sie bringen gute Bakterien (Probiotika) in den Körper. Damit sorgen sie nicht nur für eine ausgeglichene Darmflora. Sie fördern auch einen besseren Allgemeinzustand.

Was Ernährungsexperten empfehlen

In vielen Gemüsesäften ist Salz enthalten. Das soll bewirken, dass die Produkte länger haltbar sind und besser schmecken. Auch Zucker wird bei der Herstellung von Obst- und Gemüsesäften oft hinzugefügt, um die Getränke süßer zu machen. Salz und Zucker können dem Körper aber schaden.

Eine salzreiche Ernährung kann zu Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Zu viel Zucker fördert Diabetes und Übergewicht. Er beeinträchtigt das Immunsystem und die Verdauung. Außerdem ist Zucker schädlich für die Zähne.

Daher empfehlen Ernährungsspezialisten, salzfreie und ungezuckerte Gemüsesäfte zu kaufen. Produkte, die frei von Salz oder Zucker sind, enthalten in der Regel etwas Zitronensaft. Aber dieser ist laut Auskunft der Experten in kleinen Mengen nicht schädlich.

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Gesundheitsbewusst einkaufen

Beim Einkaufen wählen wir heute immer öfter Säfte, die wenig oder keine Zusatzstoffe enthalten. Wir bevorzugen Bioprodukte, die nicht durch Pestizide belastet sind. Also sollten wir auch eher zu Gemüsesäften aus den Frischeabteilungen greifen.

Diese Säfte werden durch Hochdruckpasteurisierung haltbar gemacht. Dabei werden Bakterien nicht durch Wärme abgetötet, sondern eben mit Hochdruck. Wertvolle Vitamine wie das wichtige Vitamin C bleiben dadurch erhalten. Wir müssen diese Säfte allerdings noch in frischem Zustand konsumieren.

Fazit: Vor allem rohes Gemüse liefert dem Körper wertvolle Stoffe für die Verdauung. Daher können Gemüsesäfte den Verzehr von Gemüse nicht ersetzen. Zusammen mit frisch gepressten Fruchtsäften tragen sie aber wesentlich zu einer gesunden Ernährung bei. Und sie schmecken auch sehr gut.

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Kokosnusswasser: sehr gesund, aber weit gereist

Kokosnusswasser liegt erst seit Kurzem im Trend. Es ist die klare Flüssigkeit, die in den grünen, unreifen Kokosnüssen enthalten ist, nicht zu verwechseln mit der Kokosmilch. Diese wird aus dem Fruchtfleisch der reifen Kokosnüsse gewonnen und schmeckt auch anders.

Die Stärken von Kokosnusswasser

Kokosnusswasser ist ein reines Naturprodukt. Mit nur ca. 18 kcal / 100 ml ist es sehr kalorienarm. Dafür enthält es aber viele wertvolle Mineralstoffe wie Kalium, Natrium und Magnesium. Kokoswasser ist daher gut für Herz, Nerven, Muskeln oder den Wasserhaushalt im Körper. Da sich Koksnusswasser ähnlich wie das menschliche Blut zusammensetzt, gilt es als isotonisches Getränk. Das heißt, dass es besonders schnell verdaut werden kann. Das ist vor allem für Sportler*innen interessant. Im Allgemeinen ist Kokosnusswasser ein guter Durstlöscher.

Der Nachteil von Kokosnusswasser

Der ökologische Fußabdruck ist beim Kokosnusswasser ein Nachteil. Es ist ein sehr weiter Weg, den eine Packung Kokosnusswasser zurücklegen muss, um ins Regal eines deutschen Reformhauses zu gelangen. Damit hat der Superdrink eine schlechte Klimabilanz. Und das wirkt sich auch auf seinen Preis aus.

Daher wird Kokosnusswasser immer mehr von umweltfreundlicheren Produkten ersetzt – zum Beispiel durch Ahorn- oder Birkenwasser. Beide sind reich an Antioxidantien. Sie sollen deshalb auch eine entzündungshemmende Wirkung haben. Jedenfalls sind sie sehr durstlöschend.

Pflanzenmilch: keine Milch, wenig Pflanze

Manche Getränke sind dickflüssig und haben eine weißliche Farbe. Daher werden sie oft fälschlich als Pflanzenmilch bezeichnet. Sie werden nicht auf natürliche Weise aus Pflanzen gewonnen, sondern durch spezielle Verfahren hergestellt. Dabei werden Samen (von Getreide oder Ölsaaten) in Wasser eingeweicht, gekocht und püriert. Der Brei wird anschließend gefiltert. Daraus entsteht eine milchige Flüssigkeit, die je nach Zugabe von Aromastoffen mehr oder weniger duftet.

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Die Schwächen der Pflanzenmilch

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist die Wirkung dieser Getränke fraglich. Denn oft ist der natürliche Inhalt dieser sogenannten Pflanzenmilch tatsächlich nur recht gering. Außerdem sind viele solcher Drinks meist durch Zuckerzusatz gesüßt.

Was Ernährungsexperten empfehlen

Pflanzenmilch ist ein guter Milchersatz und damit ein wesentlicher Bestandteil in der veganen Küche. Als gesundes Erfrischungsgetränk kann sie aber nicht bezeichnet werden. Wenn ihr dennoch nicht darauf verzichten wollt, dann greift eher zu zuckerfreien Produkten.

Fermentierte Getränke: uralte Superdrinks

Fermentierte Getränke sind gerade groß in Mode. Sie haben aber eine uralte Tradition. Durch Fermentation werden weltweit verschiedene Getränke entwickelt. Sie alle sollen zahlreiche Prozesse im Körper positiv beeinflussen.

Kefir ist ein dickflüssiges Sauermilchprodukt. Es entsteht durch die Zugabe von Kefirkörnern zu Milch. Ursprünglich stammt Kefir aus dem Kaukasus. Dort sagt man: Wer Kefir trinkt, hat ein gesünderes und längeres Leben. Davon träumen wir doch alle, oder?

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Auch Kombucha wird eine solche Wirkung nachgesagt. Es wird aus Tee und einer Kombuchakultur hergestellt und kommt aus der Mongolei. In Deutschland weniger bekannt sind der slawische Kwas, der aus Brot hergestellt wird oder die leichten Hirsebiere, wie das türkische Boza oder das afrikanische Dolo.

Für das Entstehen von Kefir und Kombucha sind Pilze verantwortlich. Kefirknollen sind gummiartige, durchscheinende Körner. Der Kombucha-Teepilz hat eine gallertartige Konsistenz. Die Drinks enthalten Zucker, Hefe und eine Vielzahl von guten Bakterien. Zusammen mit Milch (bei Kefir) oder mit Tee (bei Kombucha) kommt es zur Fermentation. Dabei ernähren sich die Mikroorganismen von der jeweiligen Flüssigkeit und bauen sie ab. Das Getränk, das daraus entsteht, hat besondere Wirkung auf den menschlichen Körper.

Die Stärken von Kefir und Kombucha

Beim Trinken gelangen die guten Bakterien (Probiotika) von Kefir, Kombucha und Co. in den Körper. Sie besiedeln die Mikroorganismen im Darm und regen die Verdauung an. Eine ausgeglichene Darmflora stärkt das Immunsystem und damit auch das allgemeine Wohlbefinden.

Da bei der Fermentation Kohlensäure entsteht, sind diese Supergetränke sehr erfrischend und durstlöschend. Damit sind sie eine ideale Alternative zu Limonaden. Auch bei Laktoseintoleranz kann Kefir konsumiert werden. Denn die Laktose in der Milch wird während der Fermentation abgebaut.

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Was Ernährungsexperten empfehlen

Fermentierte Getränke müssen nicht unbedingt im Reformladen gekauft werden. Ihr könnt sie auch zu Hause herstellen. Dabei besteht aber das Risiko, dass schlechte Bakterien wachsen und in euren Körper gelangen. Ernährungsexperten raten daher dazu, fertigen Kefir oder Kombucha zu kaufen.

Natürlich solltet ihr beim Kauf auch die Angaben auf dem Etikett lesen. Achtet darauf, dass den ausgewählten Getränken kein Zucker beigesetzt wurde. Vorsicht bei Produkten mit undurchsichtigen Angaben zur Herstellung. Haltet euch daher lieber an deutsche Qualitätsprodukte.

Bei der Fermentation wird Zucker in Alkohol umgewandelt. Mit gerade mal 1 Vol.-% ist der Alkoholgehalt von Kefir oder Kombucha zwar sehr gering. Doch solltet ihr das im Hinterkopf behalten, wenn ihr Kindern davon zu trinken gebt.

Kombucha und Kefir haben das Zeug, die Darmflora so richtig umzukrempeln. Auf diesen Verdauungsboost können manche Menschen aber empfindlich reagieren, wenn sie auf einmal zu viel davon trinken. Es ist daher besser, den Körper langsam an die gesunden Drinks zu gewöhnen.

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Wichtiger Hinweis zum Schluss: So individuell wie dein Charakter ist auch dein Körper. Du selbst musst für dich herausfinden, welche Ernährungsweise am besten zu dir passt. Wir geben dir nur einen Überblick. Grundsätzlich gilt aber: Ein aktiver Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung, ist immer noch der beste Weg, um dauerhaft fit zu bleiben und ein gesundes Gewicht zu erreichen bzw. zu halten.