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Alkohol in der Stillzeit: Alles, was Mamas dazu wissen müssen

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 23. November 2019

Kann ein Gläschen Wein oder Sekt in einer Stillpause eigentlich schaden? Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Stillen und Alkohol.

Wusstet ihr, dass man früher dachte, ein Gläschen Bier sei besonders gut für stillende Mütter, weil es die Milchbildung anregen würde? Das stimmt zwar zum Teil, allerdings ist nicht wie gedacht der enthaltene Alkohol verantwortlich für eine Mehrproduktion, sondern der im Bier enthaltene Gerstenmalz-Zucker fördert die Milchbildung.

Alkohol hingegen, egal ob in Bier, Sekt oder Wein, mindert ab einem gewissen Gehalt im Körper der Mutter die Milchbildung und schadet zudem der Gesundheit des Babys. Deshalb ist Alkohol, wie andere Suchtmittel oder auch Medikamente, in der Stillzeit mit Vorsicht zu genießen.

Wie schnell ein Glas Wein, Sekt oder Bier im Blut der Mutter und in der Muttermilch abgebaut wird, welche Folgen ein zu hoher Genuss von Alkohol für das Baby haben kann und wie ihr sicher sein könnt, dass eure Milch auch wirklich alkoholfrei ist, verraten wir euch.

Alkohol und Stillen: Was sagt die nationale Stillkommission?

Am besten ist es, sowohl während der Schwangerschaft als auch die komplette Stillzeit über, komplett auf Alkohol zu verzichten. Das rät die nationale Stillkommission allen Frauen. Doch gerade nach der Geburt des Kindes, wenn man sich Stück für Stück ein bisschen 'Freiheit' zurückerobert, fällt es schwerer, 'Nein' zu einem kleinen Gläschen zu sagen. Das ist weder verwerflich, noch zu verurteilen.

Doch als stillende Mutter sollte man immer im Kopf haben, dass man eben nicht nur für sich trinkt. Der Alkoholgehalt im Blut der Mutter ist beinah identisch mit dem Alkoholgehalt in der Muttermilch. Genauer beträgt der Alkoholgehalt in der Muttermilch rund 95 % des Gehalts im Blut der Mutter. Am höchsten ist der Alkoholgehalt zwischen 30 - 90 Minuten nach dem Verzehr.

Wie schnell wird der Alkohol im Körper der Mutter abgebaut?

Für die deutsche Durchschnittsfrau, die nach Angaben des statistischen Bundesamtes rund 164 cm groß ist und 68 Kilogramm wiegt, bedeutet das, dass sie nach einem kleinen Glas Wein (0,2l) einen Blutalkoholwert von rund 0,4 Promille hat. Für den Abbau des Alkohols braucht ihr Körper rund 2,5 Stunden. Und mit jedem Glas mehr verdoppelt sich die Zeit des Alkoholabbaus.

Stillende Mütter, die gerne mal ein Glas Wein, Sekt oder Bier trinken wollen, sollten darauf achten, dass zwischen dem Verzehr von Alkohol und dem nächsten Stillen ausreichend Zeit liegt. Nach einem kleinen Glas sollten es mindestens zwei Stunden sein. Bei diesem 'Vorgehen' sind keine Folgen für das Baby zu erwarten.

Für Mütter von kleineren Babys, die noch voll gestillt werden und auch in noch nicht vorhersehbaren Abständen, ist es ratsam, komplett auf Alkohol zu verzichten.

Wie wirkt sich Alkohol auf die Muttermilch aus?

So wie das Essen der Mutter sich auf den Geschmack der Muttermilch auswirken kann, hat auch Alkohol einen Einfluss darauf. Das kann dazu führen, dass das Kind weniger trinkt und auch schneller wieder eine neue Mahlzeit fordert.

Außerdem hemmt Alkohol bei größerem Konsum (5-6 alkoholische Getränke) den Milchspendereflex bereits um 80 Prozent. Auch das kann dazu führen, dass das Kind weniger trinkt. Geringere Mengen wirken sich nicht so drastisch darauf aus, hemmen den Reflex aber dennoch. Ist der Alkohol im Blut der Mutter komplett abgebaut, normalisiert sich auch der Milchspendereflex.

Wie wirkt sich Alkohol in der Muttermilch auf Babys aus?

Wer mal (höchsten ein bis zwei Mal die Woche) ein Gläschen Wein, Sekt oder Bier trinkt, läuft nicht Gefahr, sein Kind gesundheitlich zu schädigen. Regelmäßiger oder exzessiver Konsum von Alkohol während der Stillzeit kann jedoch Folgen für die Gesundheit des Babys haben.

Babys, die Muttermilch mit Alkohol trinken, trinken in den meisten Fällen weniger Milch. Zum einen, weil die Milch anders schmeckt, aber auch, weil weniger Milch zur Verfügung steht. Das kann zu Entwicklungsverzögerungen führen. Studien haben zudem gezeigt, dass Babys, deren Mütter viel Alkohol konsumierten, zu Übergewicht neigten. Außerdem schienen diese Babys gereizter und unruhiger.

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, sollte sein Baby nicht stillen, sondern zu Ersatznahrung greifen. Denn die Folgen des Alkohols wirken sich gravierender auf die Gesundheit des Kindes aus, als der Verzicht auf Muttermilch.

Muss ich die Muttermilch abpumpen, wenn ich Alkohol getrunken habe?

Der Alkoholgehalt in der Muttermilch stimmt zu 95 Prozent mit dem Alkoholgehalt im Blut der Mutter überein. Das heißt, ist der Alkohol im Körper der Mutter abgebaut, ist auch der Alkohol in der Muttermilch abgebaut. Es ist nicht nötig, Muttermilch abzupumpen, wenn man überzeugt ist, dass man wieder vollkommen nüchtern ist. Wer gerne Sicherheit hat, ob wirklich kein Tropfen Alkohol mehr in seinem Körper ist, der kann auch Muttermilch Teststreifen nutzen (hier bei Amazon bestellen). Die verraten einem, ob und auch wie viel Alkohol noch in der Muttermilch verblieben ist.

Generell sollte jeder, der weiß, dass er am Abend ein bisschen mehr als nur ein kleines Gläschen trinken will und deshalb eine oder mehr Stillmahlzeiten ausfallen lassen muss, vorausschauend Muttermilch abpumpen. Wer darunter leidet, dass die Brüste zu voll sind, weil man eben nicht wie sonst gestillt hat, der sollte seine Brust trotzdem entleeren, um einem Milchstau oder einer Brustentzündung vorzubeugen.

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