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Clusterfeeding: Wie Mama & Baby vom Dauerstillen profitieren

von Anne Walkowiak Erstellt am 01.03.22 um 08:00

Ist das Baby scheinbar unersättlich und will ständig trinken, sorgt man sich als Mama, dass die Muttermilch vielleicht nicht ausreicht oder das Baby zu wenig trinkt. Doch hinter dem sogenannten Clusterfeeding steckt etwas anderes. Was, das wollen wir erklären.

Inhalt
  1. · Ist Clusterfeeding ein Zeichen für zu wenig Milch?
  2. · Warum 'clustern' Babys?
  3. · In welchem Alter tritt Clusterfeeding auf?
  4. · Wie lange dauert die Phase des Clusterfeedings?
  5. · Clusterfeeding und Stillen nach Bedarf
  6. · Clusterfeeding: Tipps für Mamas Nervenkostüm

Stillen ist eine tolle Sache, denn es stärkt nicht nur das besondere Band zwischen Mama und Kind, sondern versorgt das Baby von Anfang an mit allem, was es zum Wachsen braucht. Noch dazu ist Muttermilch kostenlos und jederzeit verfügbar. Allerdings kann Stillen auch super anstrengend sein. Vor allem dann, wenn das Baby im Halbstunden- oder Stundentakt trinken möchte.

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Dieses Trinkverhalten nennt man auch Clusterfeeding, abgeleitet von den englischen Wörtern 'Cluster', zu Deutsch 'Anhäufung' und 'Feeding', zu Deutsch 'füttern'. Der Begriff beschreibt also eine Phase, in der das Baby häufig und viel gestillt werden möchte.

Tatsächlich durchläuft jedes Baby früher oder später eine oder sogar mehrere Clusterfeeding-Phasen. Bei den einen ist sie besonders ausgeprägt und zieht sich über mehrere Wochen, bei anderen dauert sie nur ein paar Tage.

Warum und in welchem Alter Babys für eine gewisse Zeit scheinbar unersättlich sind, wie Mama diese Still-Marathons am besten übersteht und vieles Weitere zum Clusterfeeding wollen wir erläutern.

Ist Clusterfeeding ein Zeichen für zu wenig Milch?

Viele Mütter sind verunsichert, wenn ihr Baby in kurzen Abständen immer wieder nach der Brust verlangt. Schnell glauben sie, dass sie nicht ausreichend Muttermilch haben und füttern mit der Flasche zu. Während es vereinzelt vorkommen kann, dass der Körper einer Frau nicht genug Muttermilch produziert, liegen die Gründe für das Clusterfeeding ganz woanders.

Das häufige und kurze Trinken von Babys ist selten ein Zeichen für zu wenig Milch, sondern ein ganz natürliches Verhalten.

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Warum 'clustern' Babys?

Zum einen bedeutet vermehrtes Trinken auch vermehrte Nähe zu Mama. Vor allem nach einem aufregenden Tag beruhigen sich kleine Babys besonders schnell, wenn sie an Mamas Brust sind. Das erklärt zum Teil auch, warum Clusterfeeding häufiger in den Abendstunden, vereinzelt auch nachts, auftritt. Babys suchen am Ende des Tages, wenn sie viel Neues erlebt haben, die Nähe zu ihren Eltern und das Trinken garantiert ihnen die Nähe zur Mutter.

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Die abendlichen Milchmahlzeiten sind außerdem anders zusammengesetzt, als beispielsweise die Muttermilch am Morgen. Es wird ihnen nachgesagt, dass sie schlaffördernde Substanzen enthalten und dem Baby so mehr und besseren Schlaf bringen.

Das 'Trinken auf Vorrat', dass Babys betreiben, die clustern, dient auch einer besseren Schlafphase. Da Muttermilch sehr leicht verdaulich ist, braucht sie nicht lange vom Magen in den Darm des Babys zu gelangen. Um aber dennoch ausreichend Ruhe und Schlaf zu bekommen, legen sich die Kleinen mit häufigem kurzen Trinken also eine kleine Reserve an, die sie dann längere Zeit am Stück schlafen lässt.

Clusterfeeding hat zudem den Zweck, die Milchproduktion anzuregen. Durch das häufige Anlegen wird die Produktion des Hormons Prolaktin angeregt, welches für die Milchbildung wichtig ist. Da die Wirkung des Hormons etwas Zeit braucht, sorgt das Kind durch häufiges Trinken dafür, dass es für kommende Mahlzeiten ausreichend Muttermilch-Nachschub gibt.

Außerdem wird durch das Saugen an der Brust die Oxytocin-Produktion in Mamas Körper angeregt. Das wiederum löst den sogenannten Milchspendereflex aus. Diesen zu 'etablieren' ist vor allem in den ersten Lebenswochen des Säuglings wichtig.

Im Video: Tipps, wenn das Baby nicht schlafen will

Video von Justin Amaral

In welchem Alter tritt Clusterfeeding auf?

Vor allem in den ersten Lebenstagen und -wochen neigen Babys dazu, häufig in kurzen Abständen zu trinken. Zum einen sind sie einfach noch so klein, dass ihr Magen gar nicht so viel aufnehmen kann. Muttermilch ist zudem sehr leicht verdaulich. Was dazu führt, dass das bisschen, das Säuglinge am Anfang trinken können, sehr schnell wieder weg ist. Der Hunger ist also schnell wieder da. Das kurze, dafür aber häufige Trinken, welches das Clusterfeeding ausmacht, entspricht außerdem in etwa der Nährstoffversorgung, die das Baby noch aus Mamas Bauch kennt.

Phasen des Clusterns kommen auch bei älteren Babys immer wieder vor, meist im Zusammenhang mit Wachstumsschüben oder Entwicklungsstufen. In diesen Phasen sind viele Kinder besonders nähebedürftig und schlafen oft schlechter. Das häufige Trinken an der Brust hat also auch etwas mit gesteigertem Hunger zu tun, aber nicht nur. Es dient auch der Beruhigung.

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Wie lange dauert die Phase des Clusterfeedings?

Bei Neugeborenen und wenige Wochen alten Babys kann das Clustern schon mal ein bisschen länger andauern. Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Solange das Baby sich gesund entwickelt und stetig an Gewicht zunimmt, besteht kein Grund zur Sorge. Auch, wenn es bereits seit drei oder vier Wochen beinah stündlich nach der Brust verlangt.

Auch ältere Kinder können für zwei, drei Tage, aber eben auch für vier Wochen oder mehr Cluster-Phasen haben. Wichtig ist, dass der Allgemeinzustand des Kindes gesund und 'aufgeweckt' ist. Eltern, die sich Sorgen machen, weil ihr Kind immer nur kurz, dafür aber so häufig trinkt, können sich immer an ihre Hebamme oder den behandelnden Kinderarzt wenden.

Clusterfeeding und Stillen nach Bedarf

Wie oft und wie viel ein Baby am Tag trinken sollte, ist ganz individuell. Während es noch vor ein paar Jahren die Empfehlung gab, Babys alle drei Stunden für ca. 30 Minuten zu stillen, sie gar zu wecken, damit sie keine Stillmahlzeit auslassen, lautet die Empfehlung heute, sein Baby nach Bedarf zu stillen. Das bedeutet, dass Dauer und Häufigkeit der Stillmahlzeiten vom Baby bestimmt werden.

Stillen nach Bedarf und Clusterfeeding gehen dabei Hand in Hand. Wichtig ist, dass Eltern die Anzeichen für Hunger bei ihrem Kind erkennen und diesem Bedürfnis nachkommen. Dabei muss jeder seinen eigenen Rhythmus finden. Es ist in Ordnung, wenn das Baby über den Tag verteilt alle drei Stunden trinken möchte und genauso in Ordnung, wenn ein anderes Kind für eine gewisse Zeit einmal pro Stunde trinken will.

Die Stillfrequenz eines Kindes kann sich immer wieder ändern, je nach Alter, Entwicklungsphase oder auch aktuellem Schlafbedürfnis.

Clusterfeeding: Tipps für Mamas Nervenkostüm

Es kann unglaublich anstrengend sein, wenn Babys eine Clusterfeeding-Phase durchlaufen. Es zerrt sowohl an der körperlichen Substanz, vor allem aber an der psychischen. Denn wenn man nur noch stillt und das Gefühl hat, nichts anderes mehr tun zu können, möchte man am liebsten das Handtuch werfen und abstillen.

Um sich gar nicht in diesem Gedankenkarussell zu verlieren, können ein paar Kleinigkeiten helfen:

  • Da du weißt, dass gleich ein Still-Marathon auf dich zukommt, mach es dir richtig gemütlich und gönn dir während des Stillens einen leckeren Tee, ein Stück Kuchen oder worauf du sonst Lust hast. Nimm dir ein gutes Buch zur Hand oder stell dir deine Lieblingsserie (leise) an und entspann dich.
  • Dein Baby ist vermutlich das wichtigste für dich auf der Welt. Und das darf es auch sein. Andere Dinge können und müssen einfach warten. Lass dir von niemandem ein schlechtes Gewissen machen und schon gar keinen Druck, irgendwas anders machen zu müssen.
  • Auch wenn es klingt wie ein abgedroschener Satz, aber Babys werden wirklich so schnell groß und ehe man sich versieht, vermisst man die Zeit, in der sie noch so klein und abhängig von einem waren. Mach dir bewusst, dass diese Zeit nie wieder kommen wird und genieße eure extra Kuschelzeit.
  • Und denk immer daran: Es ist nur eine Phase. Auch die geht vorbei und es wird wieder einfacher.

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Wichtiger Hinweis: Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der Information und ersetzt keine Diagnose beim Arzt. Treten Unsicherheiten, dringende Fragen oder Beschwerden auf, solltet ihr euren Arzt kontaktieren.