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Stillpille: Was du zur Verhütung nach der Geburt wissen solltest

von Anne Walkowiak Erstellt am 07.04.22 um 08:00
Stillpille: Was du zur Verhütung nach der Geburt wissen solltest© Getty Images

Die wenigsten Frauen denken kurz nach der Geburt über Sex nach. Doch irgendwann kehrt sie zurück, die Lust auf intime Zweisamkeit. Wer nicht direkt wieder schwanger werden will, sollte unbedingt verhüten, mit der Stillpille oder anderen Methoden. Wir klären auf, was ihr darüber wissen solltet.

Video von Jessica Jung
Inhalt
  1. · Verhütungsmethode Stillpille - die wichtigsten Fakten
  2. · Ab wann und wie wird die Stillpille eingenommen?
  3. · Ab wann wirkt die Gestagenpille?
  4. · Wir wirkt die Stillpille verhütend?
  5. · Nebenwirkungen der Minipille
  6. · Gegenanzeigen zur Stillpille: Wann du sie nicht nehmen darfst!
  7. · Weitere Verhütungsmethoden für die Stillzeit

Dass Stillen keine verlässliche Verhütung ist, haben die meisten von euch sicher schon gehört. Zwar kann die durch das Stillen vermehrte Ausschüttung von Prolaktin die Funktion der Eierstöcke einschränken, darauf verlassen sollte sich aber niemand, der nicht wieder schwanger werden möchte. Zum einen kann es bereits drei Wochen nach der Entbindung schon zu einem Eisprung kommen. Zudem braucht der Menstruationszyklus nach einer Geburt eine Weile, um sich wieder einzupendeln.

Wer nach Schwangerschaft und Geburt also zuverlässig verhüten möchte, greift auf eine andere Methode zurück. Aber Achtung: In den ersten sechs bis acht Wochen nachdem euer Kind geboren wurde, gilt für alle: Immer mit Kondom verhüten!

Grund dafür ist das erhöhte Infektionsrisiko, das so lange besteht, wie der Wochenfluss anhält. Der ist nämlich das Resultat der Ablösung der Plazenta. Die dadurch entstandene Wunde in der Gebärmutter sondert Wundsekret und Gewebereste ab. Solange der Wochenfluss anhält, so lange braucht die Wunde, um vollständig zu heilen und so lange sollte mit einem Kondom verhütet werden.

Lies auch: Wochenfluss: Alles zu Dauer, Verlauf und möglichen Komplikationen

Rund sechs bis acht Wochen nach der Entbindung können Frauen einen Termin bei ihrem Gynäkologen bzw. ihrer Gynäkologin wahrnehmen. Dabei wird geschaut, wie gut und weit sich die Gebärmutter bereits zurückgebildet hat und wie gut eventuelle Geburtswunden verheilt sind. Bei diesem Termin sollte man auch über das Thema Verhütung sprechen.

Für die meisten Mütter steht dabei fest, dass sie gerne (wieder) mit der Pille verhüten wollen. Schließlich ist es eine einfache und sichere Methode. Welche Pille während der Stillzeit erlaubt ist und welche anderen Verhütungsmethoden es gibt, wollen wir klären.

Lesetipp: Sex nach der Geburt: Wir klären die wichtigsten Fragen

Verhütungsmethode Stillpille - die wichtigsten Fakten

Die Stillpille ist eine Minipille, sie wird auch Gestagen-Pille genannt. Den Namen Stillpille hat sie sich dadurch verdient, dass sie, anders als die Anti-Baby-Pille, auch in der Stillzeit zur Empfängnisverhütung genutzt werden darf. Denn sie enthält kein Östrogen, wie andere Hormonpillen, sondern das Hormon Desogestrel (gehört zu den Gestagenen).

Östrogen, wie es in Kombinations- und Micropillen enthalten ist, kann die Produktion der Muttermilch hindern. Viel wichtiger ist aber, dass es über die Muttermilch auf das Baby übergehen und ihm schaden kann. Beides passiert bei der Einnahme von Desogestrel nicht.

Will man also mit der Pille verhüten, sein Baby aber auch stillen, führt kein Weg an der Stillpille vorbei.

Ab wann und wie wird die Stillpille eingenommen?

Die meisten Frauen starten mit der Einnahme der Minipille, nachdem sie rund sechs Wochen nach der Geburt gynäkologisch untersucht wurden. Viel früher ist eine Einnahme mit gewissen Risiken verbunden. Das Thromboserisiko ist in den ersten drei Wochen nach der Entbindung des Kindes beispielsweise besonders erhöht. Wer nicht stillen möchte, kann selbstverständlich mit der Einnahme starten, sobald Verhütungsbedarf besteht, aber auch hier frühestens drei Monate nach der Niederkunft. Wer nicht stillen möchte, muss nicht auf eine Minipille zurückgreifen, sondern kann sich auch mit der herkömmlichen Anti-Baby-Pille schützen.

Anders als bei Kombinations- und Micropillen wird die Stillpille durchgehend genommen. Es gibt keine Pillenpausen. Das macht sie nicht nur sehr sicher, sondern in der Anwendung auch recht unkompliziert. Es ist ratsam, sie täglich zur selben Uhrzeit zu nehmen. Zum einen bedingt diese Gewohnheit, dass man sie nach einer gewissen Zeit weniger schnell vergisst. Zum anderen ist eine regelmäßige Einnahme, und damit auch die Ausschüttung der Gestagene, dem Empfängnisschutz sehr dienlich.

Ab wann wirkt die Gestagenpille?

Der Empfängnisschutz setzt ab dem Tag der ersten Einnahme ein, wenn sie am ersten Zyklustag (mit Einsetzen der Periode) genommen wird. Beginnen Frauen später mit der Einnahme, setzt der Empfängnisschutz erst nach sieben Tagen ein.

Wird die Einnahme an einem Tag vergessen, sollte man die Pille binnen 12 Stunden nachträglich nehmen. Schafft man auch das nicht, sollte keinesfalls mit der Einnahme gestoppt werden. Allerdings wirkt der Schutz vor einer Schwangerschaft dann erst wieder sieben Tage nach der vergessenen Einnahme.

Wir wirkt die Stillpille verhütend?

Das in der Minipille enthaltene Desogestrel verdickt die Gebärmutterschleimhaut und erschwert Spermien so das Eindringen. Gleichzeitig wird der Eisprung unter Einnahme der Pille (in 90 % der Fälle) verhindert. Sollte es dennoch zu einem Eisprung kommen, sorgt die verdickte Gebärmutterschleimhaut dafür, dass sich die Eizelle nicht einnisten kann.

Die bekannteste Minipille ist die Cerazette, mittlerweile gibt es aber Generikas wie Desirette, Jubrele und Simonette, die wirkstoffgleich sind. Diese Minipillen enthalten alle als Wirkstoff 0,075 mg Desogestrel.

Übrigens: Die Stillpille gibt es, so wie auch die Anti-Baby-Pille, nur auf Rezept.

Lies auch: Alternativen zur Pille: Diese 6 solltest du kennen

Nebenwirkungen der Minipille

Die hormonelle Verhütung mit der Stillpille hat weniger Nebenwirkungen als Kombinations- und Micropillen. Die geringere Hormondosis senkt zudem das Risiko für eine Thrombose oder Embolie, was vor allem für Frauen ab 35 Jahren nützlich ist, denn ab diesem Alter steigt das Risiko für Blutgerinnsel.

Die Minipille wird zwar sehr oft als Stillpille bezeichnet, dennoch kann sie natürlich auch von Frauen genommen werden, die nicht stillen. So ist sie beispielsweise besonders geeignet, wenn Frauen auf zusätzliches Östrogen verzichten wollen oder müssen, für Patientinnen die zu erhöhtem Blutdruck oder Cholesterin neigen und, wie eben beschrieben, für Frauen ab 35 Jahren.

Ganz ohne Nebenwirkungen kommt aber leider auch die Stillpille nicht aus. Die häufigsten sind:

  • Zwischenblutungen, seltene oder keine Blutungen
  • Akne und Pickel
  • Stimmungsschwankungen
  • Minderung der Libido
  • Brust- und Kopfschmerzen
  • Gewichtszunahme
  • Übelkeit

Gut zu wissen: Auch sechs Wochen nach der Geburt ist der Hormonhaushalt im Körper der Frau noch nicht wieder 'normal'. Das heißt, Zwischenblutungen oder auch ausbleibende Blutungen müssen kein Warnsignal sein. Kommt es jedoch häufiger zu Blutungen, solltest du deinen Arzt bzw. deine Ärztin noch einmal aufsuchen.

Gegenanzeigen zur Stillpille: Wann du sie nicht nehmen darfst!

Trotz geringerer Hormondosis und fehlendem Östrogen ist die Stillpille nicht für jede Frau als Verhütungsmethode geeignet. Vor allem bestimmte Vorerkrankungen können die Einnahme der Minipille unmöglich machen. Dazu zählen:

  • Diabetes - denn die Pille kann den Blutzuckerstoffwechsel beeinflussen
  • Bluthochdruck
  • frühere Thrombose
  • Brustkrebs
  • Tuberkulose
  • Leberkrebs
  • Epilepsie

Zudem kann auch eine Laktoseintoleranz die Einnahme der Stillpille verhindern, denn das Präparat kann Laktose enthalten.

Weitere Verhütungsmethoden für die Stillzeit

Hormonelle Verhütungsmittel
Die Stillpille ist nicht das einzige, hormonelle Verhütungsmittel, welches nach der Entbindung während der Stillzeit verwendet werden darf. So kann auch die Hormonspirale mit dem Wirkstoff Gestagen eingesetzt werden und sicher vor einer erneuten Schwangerschaft schützen. Allerdings ist das erst nach der vollständigen Rückbildung der Gebärmutter möglich. Frühestens also sechs Wochen nach der Geburt.

Ein Hormonimplantat enthält ebenfalls den Wirkstoff Gestagen und kann ohne Auswirkungen während der Stillzeit als Verhütungsmittel genutzt werden. Bei stillenden Frauen wird es frühestens vier Wochen nach der Geburt eingesetzt. Der Empfängnisschutz wirkt dann erst sieben Tage danach.

Auch die Dreimonatsspritze enthält den Wirkstoff Gestagen und kann zur Empfängnisverhütung während der Stillzeit genutzt werden. Frühestens sechs Wochen nach der Entbindung darf diese gegeben werden.

Nicht hormonelle Verhütungsmittel
Der wohl einfachste und dennoch ein sicherer Weg nicht hormonell zu verhüten ist das Kondom. Es kann von Anfang an verwendet werden, schützt vor einer Schwangerschaft und auch möglichen Infektion, sollte der Wochenfluss noch nicht versiegt sein. Zudem verträgt es sich problemlos mit dem Stillen.

Ein Diaphragma kann ca. drei Monate nach der Entbindung auch wieder dem Verhütungsschutz dienen. Jedoch sollte ein Arzt bzw. eine Ärztin Größe und Sitz überprüfen.

Kupferspirale und -kette sind ebenfalls mit dem Stillen verträglich und können vor einer erneuten Schwangerschaft schützen. Beides kann jedoch erst nach der vollständigen Rückbildung der Gebärmutter eingesetzt werden.

Von der natürlichen Familienplanung sollte kurz nach der Geburt abgesehen werden. Der Zyklus ist in dieser Zeit einfach zu instabil. Zudem ist es schwieriger, Zyklusbeobachtungen in dieser Zeit auszuwerten.

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