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Bettnässen: Warum Kinder plötzlich wieder in die Hose machen

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 8. Juli 2018
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Eigentlich war das Kind trocken, doch plötzlich macht es sich nachts wieder in die Hose. Tatsächlich ist Bettnässen ein Problem, unter dem jeder dritte 5-Jährige leidet. Was die Ursache dafür sein kann, wie du reagieren solltest und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, verraten wir dir.

Bettnässen ist ein Thema, dem oft mit jeder Menge Schamgefühl begegnet wird. Was viele nicht wissen: Diese Störung ist weit verbreitet, gut ein Drittel aller 5-jährigen Kinder hat damit ein Problem. Niemand muss jetzt Angst bekommen, weil das Kind mal eine Nacht nicht oder nicht rechtzeitig aufgewacht ist, als es dringend auf die Toilette musste. Manchmal passiert auch älteren Kindern ein Missgeschick, weil beispielsweise der Tag besonders aufregend war.

Wann man genau von Bettnässen spricht und wie man darauf reagiert bzw. wie man die Ursachen für das Bettnässen findet und beseitigt, verraten wir.

​Bettnässen: verschiedene Formen

Es gibt verschiedene Formen von Bettnässen. Am weitesten verbreitet ist das nächtliche Bettnässen, die 'Enuresis nocturna'. Hiervon sind etwa ein Drittel der 5-Jährigen betroffen. In der Regel löst sich das Problem von allein. Von den 7-Jährigen nässen sich nur noch etwa 10 Prozent regelmäßig im Schlaf ein.

Weniger verbreitet ist das Einnässen am Tag, 'Enuresis diurna', sowie das Einnässen tagsüber und nachts, 'Enuresis diurna et nocturna'.

Ab wann ist Bettnässen ein Problem?

Gelegentliches Einnässen, auch nachts, ist nicht ungewöhnlich. Kinder lernen ab dem 2. Lebensjahr, wie sie ihre Blase kontrollieren. Bis sie dann endgültig trocken sind, dauert es unterschiedlich lang - je nach Entwicklung des Kindes. Ist ein über 5-jähriges Kind jedoch keine sechs Monate am Stück trocken, spricht man von Bettnässen. Die Anzeichen dafür, dass ein Kind ein Problem mit Bettnässen hat:

  • Das Kind ist älter als 5 Jahre
  • Das Bettnässen tritt über einen Zeitraum von drei Monaten auf: bei Kindern unter 7 Jahren mindestens zweimal im Monat, bei älteren Kindern mindestens einmal im Monat
  • Es gibt keine organische Ursache für das Einnässen

Manchmal kommt es auch vor, dass eigentlich schon trocken gewesene Kinder plötzlich wieder bettnässen.

​Ursachen fürs Bettnässen

Es gibt viele verschiedene Gründe, warum ein Kind nachts immer wieder ins Bett macht und nicht richtig trocken wird. Oft handelt es sich beim Bettnässen um eine Entwicklungsverzögerung des Kindes, sprich das Zusammenspiel zwischen Schlaftiefe und Kontrolle der Blase ist unterentwickelt. Auch das Hormon Vasopressin kann eine Rolle spielen. Es steuert den Wasserhaushalt im Körper. Bei Bettnässern arbeitet es manchmal nicht richtig.

Psychosoziale Ursachen müssen ebenfalls geprüft werden. Zu frühe oder zu strenge Reinlichkeitserziehung kann die natürliche Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Besonders bei älteren Kindern, die plötzlich mit dem Bettnässen anfangen, sowie Kindern, die tagsüber einnässen, stehen psychische Gründe im Vordergrund. Das können Kleinigkeiten sein, wie ein neues Geschwisterchen, aber auch Streitigkeiten, der Verlust eines Familienmitglieds oder andere traumatische Erlebnisse.

Organische Ursachen sind beim Bettnässen eher selten, sollten aber auf jeden Fall vom Arzt gecheckt werden. Schuld kann eine Entzündung der Harnwege sein, neurologische Störungen, Fehlbildungen der Harnwege, Epilepsie, Diabetes oder Schlafapnoe. Sucht auf jeden Fall einen Arzt auf, wenn euer Kind sich regelmäßig einnässt.

Wie reagiert man richtig aufs Bettnässen?

Wie verhält man sich richtig, wenn das Kind ein Problem mit Bettnässen hat? Ganz wichtig: Bleibe ruhig. Gib deinem Kind auf keinen Fall das Gefühl, dass das etwas Schlimmes ist und es sich dafür schämen muss. Die meisten Kinder leiden schon genug darunter und schämen sich sehr. Dieser selbst auferlegte Stress führt dazu, dass es noch öfter einnässt und sich ein wahrer Teufelskreis entwickelt.

Führe lieber einen Sonne-und-Wolken-Kalender, auf dem du die trockenen Nächte mit einer Sonne markierst. So sieht man schon kleine Fortschritte und die beflügeln dein Kind. Mache kein großes Aufheben um die Angelegenheit und sprich das Thema bei jeder Gelegenheit an. Besorge lieber waschbare Bettwäsche und einen Beinschutz und setze beides wie selbstverständlich ein. In der Regel lässt das Bettnässen ganz von allein nach. Tritt keine Besserung ein, gibt es eine Reihe von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen.

Bettnässen richtig behandeln

Als erste Maßnahme, bevor man zu anderen Methoden wie Homöopathie, Hypnose, einem Klingelgerät oder Medikamenten greift, kann man versuchen, dass Kind, ähnlich wie beim Töpfchen-Training, für seine nächtliche volle Blase zu sensibilisieren. Das heißt, dass man es nachts, bevor man selbst ins Bett geht, noch einmal auf die Toilette setzt oder ältere Kinder noch einmal weckt und zu einem Gang auf die Toilette auffordert. So hat das Kind die Gelegenheit, seine Blase bewusst noch einmal zu entleeren und kann dann weiter schlafen, ohne von einer nassen Hose geweckt zu werden.

Als Methode zur Behandlung gegen das Bettnässen ist die Therapie mit einem Klingelgerät verbreitet. Klingelmatten oder Klingelhosen geben beim Einnässen ein Signal ab. Kind und Eltern werden geweckt und das Kind bemerkt, dass die Blase voll ist. Die Therapie läuft über mehrere Wochen, ist jedoch eine große Belastung für Eltern und Kind.

Medikamente spielen in der Bettnässen-Therapie ebenfalls eine große Rolle. Eingesetzt wird der Wirkstoff Desmopressin, der dem Hormon Vasopressin ähnelt und die Wasserausscheidung des Körpers hemmt. Ob und wann eine Medikamenteneinnahme sinnvoll ist, solltest du mit deinem Arzt besprechen.

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