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Warum Heidi, Max und Moritz & Co. an Ostern verboten sind

von Anne Walkowiak Erstellt am 8. April 2020
© Getty Images

'Heidi in den Bergen', 'Max und Moritz' und andere Filme dürfen nicht an Karfreitag gezeigt werden. Aber warum eigentlich? Wir klären auf!

Das Osterfest ist für Christen das kirchliche Fest schlechthin. An Ostern feiern sie die Auferstehung Jesu Christi. Am Freitag vor Ostersonntag – dem Karfreitag – gedenken sie dem Leiden und Sterben Christi am Kreuz.

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Besonders Karfreitag gehört deshalb zu den sogenannten 'stillen' oder auch 'hohen' Feiertagen. (Neben dem Karfreitag gehören auch der Volkstrauertag, Allerheiligen, der Buß- und Bettag und der Totensonntag zu den 'stillen Feiertagen'). Besonders an diesen Tagen ist also Andacht und Stille geboten.

In vielen Bundesländern herrscht an Karfreitag ein striktes Tanzverbot. Mehr noch sollen sich Christen an den Tagen vor der Auferstehung abstinent zeigen, fasten und auf Genussmittel verzichten.

Und noch etwas ist an Karfreitag verboten: Kinofilme. Nicht alle versteht sich, aber rund 700 Filme dürfen an Karfreitag nicht in Kinos gezeigt werden. Unter anderem Kinderfilme wie 'Heidi in den Bergen', 'Marry Poppins', 'Max und Motitz' und auch die Verfilmung von Astrid Lindgrens 'Die Brüder Löwenherz'. Aber warum eigentlich?

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Video von Aischa Butt

Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) entscheiden

Damit ein Film an einem 'stillen Feiertag' bei einer öffentlichen Vorstellung gezeigt werden darf, muss in einem Prüfverfahren darüber entschieden werden. Dafür zuständig ist die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, kurz FSK.

Die FSK prüft unter anderem die Altersfreigabe von Medien, stuft also ein, ab wieviel Jahren ein Computerspiel, ein Musikalbum oder auch ein Film geeignet ist. Und sie prüft, ob der Inhalt eines Films mit dem 'religiösen und sittlichen Empfinden' eines stillen, christlichen Feiertags kollidiert.

2001 entschieden die Prüfer der FSK, dass 'Heidi in den Bergen' nicht mehr an Karfreitag gezeigt werden dürfe. Die Begründung: "Nicht freigegeben für die stillen Feiertage werden Filme, die dem Charakter dieser Feiertage so sehr widersprechen, dass eine Verletzung des religiösen und sittlichen Empfindens zu befürchten ist." Woran genau die Prüfer sich in Heidi stören, wird nicht erklärt.

Auch fraglich ist, ob sie heute genauso entscheiden würden oder ob 'Heidi in den Bergen' im Jahr 2020 nicht vielleicht doch eine Freigabe erhalten würde. Das führt uns aber zum nächsten Punkt: Der Antrag auf Freigabe für stille Feiertage ist mit erheblichen Kosten verbunden.

Die Freigabe ist auch eine Frage der Kosten

Neben einem Urteil der FSK kann ein Verbot für Karfreitag oder andere stille Feiertag einfach daraus resultieren, dass der Rechteinhaber des Films schlichtweg keinen Antrag auf Freigabe für stille Feiertage gestellt hat. Dieser ist nämlich mit einer nicht unerheblichen Summe verbunden. Aufwand und Nutzen stehen da für viele Filmverleihe nicht in Einklang.

Das heißt: Jeder Film, der nicht kostenpflichtig bei der FKS geprüft wird, ob er an einem stillen Feiertag gezeigt werden darf, landet auf dem Index. Eine Liste der 'verbotenen Filme' findet ihr hier.

Das erklärt, warum neben Horror- und anderen Erwachsenenfilmen auch Kinderfilme nicht an Karfreitag gezeigt werden dürfen.

Müssen Netflix, Amazon und Co. die Filme auch sperren?

Das Verbot für das Vorführen der Filme bezieht sich nur auf Kinos oder andere öffentliche Vorführungen. Streamer wie Netflix, Amazon Prime* oder Disney Plus* müssen diese Filme nicht für Karfreitag sperren. Und wer einen der indexierten Filme zu Hause hat, darf den auch schauen, ohne das dann der Fernseher explodiert. Aber alles auf eigenes Risiko.

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