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Hausarrest & Handyverbot: Muss man Kinder (heute) so bestrafen?

von Anne Walkowiak Erstellt am 11. Juni 2018, letzte Änderung 24. Juni 2020
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Hausarrest & Handyverbot: Muss man Kinder (heute) so bestrafen?© Getty Images

Kinder bauen manchmal ziemlich großen Mist. Sie kommen viel zu spät nach Hause, machen Dinge kaputt und überschreiten Grenzen. Aber wie bringt man ihnen bei, dass sie für ihre Fehler einstehen müssen? Sind Strafen wie Hausarrest oder Handyverbot ein gutes Mittel?

Meine Eltern haben mir als Kind beigebracht, dass Fehler zum Leben dazugehören. Dass auch mal was richtig in die Hose gehen kann oder sogar muss, damit man mal in die Puschen kommt und auch, dass Unfälle passieren und Dinge kaputtgehen können. Alles halb so wild, solange man ehrlich (zu sich) ist und zugeben kann, dass man richtig ins Fettnäpfchen gelangt hat. Hausarrest oder Fernsehverbot habe ich nie bekommen.

Genau daran musste ich mich letztens erinnern, als mein Sohn und ein Freund beim Spielen auf ihren Rädern ein Auto beschädigt haben. Nicht mutwillig. Sondern 'einfach' beim Spielen. Und nach Aussage der beiden haben sie es auch nicht bemerkt. Bis jemand den Kratzer entdeckt hat.

Nach einer ausführlichen Aussprache war der Fall für mich erledigt. Ich war mir sicher, dass mein Sohn verstanden hatte, was da schiefgelaufen ist und auch, dass er in Zukunft in ähnlichen Situationen aufmerksamer sein soll. Die Mutter des Freundes hingegen gab mir gleich zu verstehen, dass ihr Sohn jetzt für eine Woche Stubenarrest habe. Dass sie es nicht verstehen kann, warum er nicht gleich was gesagt habe und dass so ein Verhalten bestraft werden müsse.

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Hausarrest: Wirkungsvolle Strafe oder veraltete Erziehungsmethode?

Ich fand das total überzogen. Aus zweierlei Gründen. Zum einen finde ich, dass der Haus- oder Stubenarrest dem Kind suggeriert, dass die Eltern glauben, es hätte etwas mit Vorsatz kaputt gemacht bzw. es mit Vorsatz verheimlicht. Sie werfen ihm mit dem Hausarrest ein Fehlverhalten vor. Aber ist ein Unfall, so wie das versehentliche Beschädigen eines Gegenstanden im Spiel, wirklich ein Fehlverhalten? Ist es nicht viel mehr eine Unachtsamkeit, die jedem von uns einmal passieren kann?

Der zweite Grund, warum Hausarrest für mich als Strafe nicht in Betracht kommt, ist der, dass ich froh bin, wenn meine Kinder draußen spielen. Sie sollen sich bewegen und toben, sollen herumschreien und sich auspowern können. Vor allem dann, wenn sie den Vormittag über im Klassenzimmer sitzen mussten.

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Und was lernt das Kind, in dem konkreten Fall, wenn es erst einmal Hausarrest bekommen hat? Wenn ich was anstelle, dann werde ich dafür bestraft - egal, ob es absichtlich war oder aus Versehen. Da liegt es doch nahe zu glauben, dass das Kind beim nächsten Missgeschick lieber nichts sagt, aus Angst, bestraft zu werden. Ein Teufelskreis, denn meist fliegen solche Dinge irgendwann auf.

Viel wichtiger als die Strafe ist doch deshalb, einem Kind beizubringen, für seine Fehler einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Das heißt nicht, dass ich meinem Sohn, wenn er mir beichtet etwas kaputt gemacht oder angestellt zu haben, auf die Schulter klopfe und 'gut gemacht' sage. Aber es heißt, dass ich es zu schätzen weiß, dass er seinen Fehler eingesehen hat und dass ich ihn auch gerne dabei unterstütze, ihn wieder gutzumachen und ihm helfe die Konsequenzen zu tragen.

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Video von Sarah Glaubach

Hausarrest: Dürfen Eltern eine solche Strafe verhängen?

Jeder erzieht sein Kind nach bestem Wissen und Gewissen. Und nur weil ich eine Sache nicht gutheiße, bedeutet es nicht, dass sie prinzipiell schlecht ist. Aber in Sachen Hausarrest gibt es tatsächlich ein paar Dinge, die auch von Gesetzes wegen her bedenklich sind.

Generell gilt, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Das heißt, körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere Maßnahmen, die das Kind entwürdigen, sind verboten. Der Hausarrest selbst befindet sich in einer gesetzlichen Grauzone. Es ist Eltern erlaubt, ihr Kind als erzieherische Maßnahme, also zu seinem eigenen Wohl, unter Hausarrest zu stellen, beispielsweise indem sie ihm den Besuch einer Veranstaltung oder andere Freizeitaktivitäten verbieten. Der Schulpflicht muss das Kind weiterhin nachkommen.

Hausarrest ist allerdings verboten, wenn Eltern ihn im Sinne von Freiheitsberaubung anwenden, also wenn sie ihr Kind beispielsweise einschließen. In dem Fall ist der Hausarrest strafbar. Auch der Entzug von gemeinsamen Mahlzeiten ist strafbar. Zudem dürfen Eltern ihrem Kind nicht jeglichen sozialen Kontakt verbieten. Auch das ist strafbar.

Ob Eltern mit verhängtem Hausarrest gegen das Gesetz verstoßen haben, wird in der Regel individuell entschieden. Dabei sind auch Alter und Persönlichkeit des Kindes zu berücksichtigen.

Auch wenn der Hausarrest per se nicht gesetzlich verboten ist, ist trotzdem fraglich, welchen pädagogischen Nutzen er hat. Eltern versprechen sich davon, dass das Kind seinen Fehler einsieht und ihn nicht wiederholt. Doch Kinder reagieren darauf eher mit Trotz. Sie verstehen Hausarrest als Ungerechtigkeit.

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Wie lange darf der Hausarrest dauern?

Da eine Strafe wie Hausarrest im Ermessen der Eltern liegt und sich in einer gesetzlichen Grauzone befindet, gibt es auch keine Vorschriften für seine Länge. Einige Eltern entscheiden sich für einen Tag Hausarrest, bei anderen ist es eine Woche und wieder andere verbieten ihrem Kind für einen Monat, das Haus in der Freizeit zu verlassen.

Wichtig ist auch bei der Dauer von Hausarrest, dass die Würde des Kindes nicht verletzt wird. Es ist in den meisten Fällen (nur) eine erzieherische Maßnahme, aber auch die ist gewissen Regeln unterworfen. Hausarrest darf das Kind nicht in seiner Entwicklung hemmen.

Eltern, die das Gefühl haben, nicht mehr mit ihrem Kind zurechtzukommen, finden immer Hilfe beim Elterntelefon der Nummer gegen Kummer. Gleiches gilt auch für Kinder. Haben sie Fragen oder Probleme mit ihren Eltern, finden sie beim Kinder- und Jugendtelefon immer ein offenes Ohr.

Hausarrest, Handyverbot, Fernsehverbot und Taschengeldentzug - machen Strafen Sinn?

Das Problem mit Strafen wie Hausarrest, aber auch anderen wie Handyverbot, Fernsehverbot oder Taschengeldentzug ist, dass die Strafe oft willkürlich eingesetzt wird und selten in direktem Zusammenhang zum Fehlverhalten des Kindes steht. Mit einer Strafe demonstrieren Eltern Macht. Es ist außerdem eine Art von Erpressung. Mit der Androhung und Durchsetzung einer Strafe erwirken Eltern unter Umständen den Gehorsam des Kindes, weil es Angst hat, dass ihm etwas entsagt oder weggenommen wird, allerdings keine Einsicht.

Statt das Kind zu bestrafen, sollten Eltern versuchen, ihrem Kind zu verdeutlichen, dass ein Fehlverhalten immer auch Konsequenzen hat. Im Beispiel des Kratzers am Auto liegt kein unmittelbares Fehlverhalten vor, geht man davon aus, dass die Jungs es wirklich nicht bemerkt haben. Man kann ihnen aber trotzdem aufzeigen, was alles hätte passieren können. Und man kann ihnen Verantwortung geben. Nämlich die, dem Besitzer des Autos mitzuteilen, was passiert ist. Das wurde auch gemacht. Und der Hausarrest verkürzt. Am Ende haben also alle etwas gelernt.

Generell gilt immer: Reden ist das beste Mittel, um Kinder zu erziehen und ihnen beizubringen, was richtig und was falsch ist. Jüngere Kinder machen sich keine Gedanken um Konsequenzen und Folgen ihrer Taten. Sie müssen lernen, dass Dinge manchmal nicht so funktionieren und dass Dinge schiefgehen können. Eltern sollten nicht versuchen Kinder vor kleinen Fehlern zu bewahren, sondern sie sollten ihnen beratend zur Seite stehen, was man tun kann, wenn der Fehler passiert ist und wie man ihn beim nächsten Mal vermeiden kann.

Tut das Kind mutwillig etwas Freches oder Falsches, sollte man versuchen, im Gespräch den Grund herauszufinden, warum es so gehandelt hat. Besonders pubertierende Kinder fühlen sich von der Welt missverstanden. Sie rebellieren gegen ihre Eltern, weil sie sich und ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Auch wenn es schwerfällt, Eltern sollten auch hier in einem gewissen Rahmen Verständnis zeigen und von Strafen wie Hausarrest absehen, solange sich das Kind nicht in Gefahr bringt.

Quellen:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wichtiger Hinweis zum Schluss: Die Informationen und Tipps in diesem Artikel sind lediglich Anregungen. Jedes Kind ist anders und reagiert auf seine eigene Art und Weise. Es ist deshalb wichtig, dass du auf dein Kind eingehst und so herausfindest, welcher Weg der beste für euch ist.

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